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Dr. Birte Ruhardt | 06.05.2015 | 1050 Aufrufe | 2 2 Kommentare | Vorträge

Dynamiken in der digitalen Wissenskultur

Vortrag von Dr. Daniela Pscheida | Tagung "Die Zukunft der Wissensspeicher"

Mit Beginn des 21. Jahrhunderts entwickelte sich das partizipative Internet. Nutzerinnen und Nutzer steuern ohne besondere Programmierkenntnisse neue Inhalte bei und stellen sich selbst im Netz dar. Die konkreteste Form der Teilnahme am Kosmos Internet sind die sogenannten Sozialen Medien wie beispielsweise Facebook oder Twitter. Wie beeinflusst die veränderte Kultur der Mediennutzung unser Sozialverhalten? Und wie wirkt sich dieses Verhalten in der virtuellen Welt auf die phyische Welt aus? Diesen Fragen geht die Medien- und Kommunikationswissenschaftlerin Dr. Daniela Pscheida in ihrem Vortag zur  Tagung Die Zukunft der Wissensspeicher. Forschen, Sammeln und Vermitteln im 21. Jahrhundert nach und veranschaulicht dabei, wie Wissenschaft und Alltag, aber auch unser Lernverhalten, durch den Einsatz von Sozialen Medien verändert werden. 

Dr. Daniela Pscheida, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Medienzentrum (MZ) der Technischen Universität Dresden

Videoreihe "Wissensspeicher"
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Die Zukunft der Wissensspeicher. Forschen, Sammeln und Vermitteln im 21. Jahrhundert

Zwei Tage lang tauschten sich Anfang März Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste in Düsseldorf über ihre Erfahrungen bei der Speicherung von Wissen in Bibliotheken, Museen und Archiven aus. In zwölf Beiträgen wurden Dynamiken des Wissens, Wissensräume und Wissenswege entworfen und zur Diskussion gestellt. Präsentationen aus der Praxis und Reflexionen über die Folgen des digitalen Wandels ergänzten sich und regten dazu an, konkrete digital verortete Projekte kritisch zu überprüfen.

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Kommentar

von Lic. phil. Felix Engel | 24.06.2015 | 16:38 Uhr
"Nicht die sozialen Medien selbst verändern unsere Wissenskultur, sondern unser Umgang mit ihnen", sagt Daniela Pscheida in ihrem Fazit. Umso mehr verwirrt es, dass im Vortrag, mit Ausnahme des Abschnitts über Lernsoftware, vor allem solche Dienste in den Vordergrund gestellt werden, die sich weder an den Wissenschaftsbetrieb richten noch von ihm inspiriert sind. ResearchGate (http://www.researchgate.net), Academia (https://www.academia.edu/) oder VIVO (http://vivoweb.org) werden nicht erwähnt. Was ist mit Infrastruktur, die für die wissenschaftliche Zusammenarbeit entwickelt wurde, wie Colwiz (http://www.colwiz.com/) oder Mendeley (https://www.mendeley.com/)? Ich nenne hier willkürlich Dienste, die mir in den Sinn kommen, es gibt andere, sicher auch bessere Beispiele. Entscheidend ist, dass diese Infrastrukturen durch Forschung geprägt worden sind, nicht umgekehrt. Entsprechend ist auch der Druck auf Forschende, ständig online zu sein, geringer als auf Facebook oder Twitter.

Interessant wäre auch ein Blick auf andere Formen der digitalen Zusammenarbeit, die einen Einfluss auf die Wissenschaft gehabt haben. Ich könnte mir vorstellen, dass Versionsverwaltungssoftware wie Git (http://git-scm.com/) oder vergleichbare Systeme und Plattformen zur Softwareentwicklung wie Sorceforge (http://sourceforge.net) oder GitHub (https://github.com/) die aktuelle wissenschaftliche Praxis stärker beeinflusst haben als die untersuchten Phänomene.

Kommentar

von Lic. phil. Felix Engel | 24.06.2015 | 17:02 Uhr
Daniela Pscheida spricht mögliche Gründe an, warum Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zögern könnten, ihre Arbeitsprozesse über soziale Netzwerke transparent zu machen. Ich würde gerne einen weiteren hinzufügen, freilich ohne zu wissen, wie häufig dieser ausschlaggebend ist. Wären alle Arbeitsschritte bekannt, würde auch öffentlich werden, wie viele kostenintensiv erhobene Daten ungenutzt, wie viele Projekte unvollendet und bezahlte Arbeitszeit ohne nachvollziehbare Ergebnisse bleiben. Diese Informationen lassen sich hinter einer klassischen Publikationsliste, in der erfolglose Projekte gar nicht erst vorkommen, besser verstecken.

Daraus ergibt sich, wer eigentlich ein Interesse an der öffentlichen Dokumentation von Forschungsarbeit haben und daher die entsprechende Infrastruktur stellen sollte, nämlich die Geldgeber. Wäre es für die Deutsche Forschungsgesellschaft sinnvoll, ein soziales Forschungsnetzwerk zu entwickeln? Dies könnte eine willkommene Plattform zur Selbstdarstellung von Institutionen, Forschender und ihrer Projekte sein. Auf der anderen Seite könnte die DFG die Dokumentation der von ihr geförderten Projekte einfordern und auf diese Weise 'Big Data' zur Verwendung der von ihr verwalteten öffentlichen Gelder generieren.

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