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Judith Wonke | 27.08.2019 | 885 Aufrufe | 1 | Interviews

"Apokalypse und Utopie gehören zusammen"

Interview mit Gertrude Cepl-Kaufmann zum Jahr 1919

Joachim Diederichs | 21.06.2020 | 12:31 Uhr
Essentiell sind insbesondere vom Musikdenken her 1919 Neuerungen vom Bauhaus. Weimar galt in Wien als Gegenpol: Moderne versus Tradition (literarisch dargestellt in Hesses "Glasperlenspiel"). Der Musiker Josef Matthias Hauer erarbeitete die Grundlagen der Zwölftonmusik, als er für Gropius auf Rat von Itten den Ruf, nach Weimar zu kommen, erhielt. Hauer galt da als Inbegriff zu neuer universal orientierenden Kunst.
Für das Bauhaus in Weimar grundlegend: die Parallele von Abstraktion und Atonalität, Intuition des Einzelnen und Verantwortungsethik für ein je gesellschaftliches Ganzes, Kontrast von idealer Utopie idealen Denkens (Itten) versus konkreter Situation phänomenologischer Untersuchung (Hauer). Der Anteil Wiens prägte nachhaltig Wege in Deutschland nach I. wie II. Weltkrieg und sollte in der europäischen Geistesgeschichte nicht ausgelassen sein.
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Georgios Chatzoudis | 09.06.2020 | 607 Aufrufe | 2 | Interviews

"Die Möglichkeit revolutionären Handelns ist heute wahrscheinlicher denn je"

Interview mit Mareike Kajewski über Revolution und Spontaneität

Jeannette P. | 18.06.2020 | 08:46 Uhr
Mich fasziniert Ihr Statement, Frau Dr. Kajewski, dass die Folgen von gemeinsam gemachten gesellschaftlichen Erfahrungen: Aktuell das pandemische Erleben mit Covid-19 - zu spontanen Veränderungswünschen führen können. Die sich dann in Pandemie ähnlichen Protestwellen entladen könnten. Das Wirkpotential für daraus resultierende gesellschaftliche Veränderungen schätze ich als gering ein. Dazu müßte unter den Protestierenden Führungspersönlichkeiten erwachsen, die friedlich gehbare Veränderungen durchsetzen wollten und könnten. Bislang zeigt die geschichtliche Erfahrung, dass solche Führungsfiguren anfangs große destruktive Potenzen entwickeln und die Gesellschaft als Ganzes danach eine neue Aufbauleistung über mindestens 2 Generationen zu stemmen hat. Wer will das ???
Sie, Frau Dr. Kajewski, gehen gedanklich den Weg, den ich sehr interessant finde: Dass sich revolutionäre neue Ideen, als wirkmächtig erleben, um danach in Dialog zu treten mit den herrschenden globalen Wirtschafts- und Politik-Systemen. Sollten Letztere zum Dialog bereit sein, was sie grundsätzlich auch sind - denn neoliberale Wirtschaftssysteme brauchen neue Märkte, um ihre Produkte zu verkaufen - dann werden sich die anfangs spontanen Veränderungswünsche vielleicht sehr schnell als "cooler new wave" wieder finden. Wieviel dann an "neuen Ideen" inhaltlich übrig geblieben ist, wird sich zeigen. So funktionieren friedliche System-Veränderungen und eine gelebte Demokratie, wie wir sie in der BRD haben, packt das an.
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Judith Wonke | 02.06.2020 | 1684 Aufrufe | 1 | Interviews

"Ein Verlust, den dieses Land kollektiv erlebt"

Interview mit Astrid M. Eckert und Simone Lässig zur Covid-19-Situation in den USA

Johannes Neukirchen | 14.06.2020 | 14:23 Uhr
Danke für dieses Interview mit den beiden Professorinnen, die in den USA leben und akademisch arbeiten: Habe in der Presse noch nie eine so informative Zusammenhänge und Hintergründe
einschliessende Darlegung zu den USA (ausserhalb von Büchern und Spezialpublikationen) gefunden.
Meine Hochachtung und Dank!
Johannes
Neukirchen
Ministerialdirektor a.D.
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Georgios Chatzoudis | 09.06.2020 | 607 Aufrufe | 2 | Interviews

"Die Möglichkeit revolutionären Handelns ist heute wahrscheinlicher denn je"

Interview mit Mareike Kajewski über Revolution und Spontaneität

Ingmar O. | 10.06.2020 | 09:11 Uhr
Revolutionen in Demokratien sind per definitionem unsinnig. Was soll denn in einer Revolution in einer Demokratie bewirkt werden, was nicht auch mit Wahlen erreicht werden kann?

Eine Revolution in einer Demokratie ist ist IMMER Unrecht, da sie lediglich die Ansichten einer Minderheit über die Ansichten der Mehrheit durchsetzen will. Ansonsten würde die "revolutionäre Meinung" ja mehr als 50% in Wahlen gewinnen.

Ich verstehe die auch hier durchschimmernde romantische Verklärung (hier mit dem Subkontext der Spontanität) von Revolutionen in Demokratien nicht. Am Ende ist nämlich eine Meinung, die nicht die Mehrheitsmeinung ist, nur durch Mauern, Stracheldraht und Bajonette durchsetzbar. Und das hatten wir doch alles schon, wenn ich mich recht erinnere.
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Nikolaos Chatzoudis | 06.08.2019 | 1478 Aufrufe | 2 | Interviews

"Das Menschenopfer als der wirkungsvollste Opferritus"

Interview mit Benedict Thomas zu Menschenopfern im vor- und frühgeschichtlichen Mitteleuropa

Benedict Thomas | 04.06.2020 | 19:08 Uhr
Danke für den Kommentar und den Hinweis auf Ihre Studien, die ebenso mein Interesse geweckt haben.
Die unfundierte Behauptung, Menschenopfer habe es schon immer gegeben, hat mich letztlich auch dazu bewegt, das Thema der Menschenopfer (kritisch) zu bearbeiten.
Während diese vor allem im Kontext früher 'Hochkulturen' zu erwarten sind, zeigt die Quellenlage eben auch, dass zwischenmenschliche Gewalt grundsätzlich mit zunehmendem 'Zivilisationsgrad' erheblich angestiegen ist. Diese wurde erst recht spät institutionalisiert, da dies nur unter bestimmten Bedingungen möglich war. Zu diesem Thema empfehle ich die Schriften von Heidi Peter-Röcher, auf die ich oben verwiesen habe (Fußnote 6). Meller setzt meiner Meinung nach den Beginn des Krieges (und auch der Menschenopfer) in Mitteleuropa zu früh an.
Ich halte Menschenopfer für ein staatliches Phänomen. Sie scheinen vor allem im Zusammenhang mit Gefangennahmen, Unterwerfung und Sklaverei aufgetreten zu sein, deren Bedingung wiederum der Krieg ist.

Viele Grüße,
Benedict Thomas
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Nikolaos Chatzoudis | 06.08.2019 | 1478 Aufrufe | 2 | Interviews

"Das Menschenopfer als der wirkungsvollste Opferritus"

Interview mit Benedict Thomas zu Menschenopfern im vor- und frühgeschichtlichen Mitteleuropa

Doris Wolf | 02.06.2020 | 07:46 Uhr
Mit grossem Interesse und erst sehr skeptisch habe ich Ihr Interview gelesen und bin angenehm überrascht, in Ihnen einem jungen Wissenschaftler zu begegnen, der dem sogenannten »Menschenopfer" , wie es bisher erforscht und behandelt wurde, ebenfalls skeptisch gegenübersteht. Da ich mich selbst mit dem Thema befasse und zwar zur Zeit der Errichtung des dynastischen Königtums in Ägypten vor rund 5000 Jahren, musste ich zur Kenntnis nehmen, mit wieviel Vorurteilen das Thema bisher berhandelt wurde. »Menschenopfer" werden religiös verbrämt, auch da, wo es eindeutig um Mord geht. Und nur allzuoft wird behauptet, »Mensschenopfer-Kulte« habe es bereits in der Vorgeschichte gegeben. Viel Unsinn wurde geschrieben, weil patriarchale Historiker und Prähistoriker glauben wollen, dass sich der Mensch vom Barbaren zum zivilisierten Menschen entwickelt habe. Doch dem widerspricht die Archäologie. Harald Meller der Landesarchöologe von Sachsen-Anhalt. Er hat mit seinen Studien gezeigt, dass es während 98% der Menschheitsgeschichte keine Kriege gab. Das heisst bis vor 5000 Jahre dem Beginn Bronzezeit und der der sog. Hochkultur Mesopotamiens und Ägyptens gab es keine Kriege, keine Jagd, kein instituionalisiertes Morden; das heisst auch keine den Göttern dargebrachten Menschenopfer.
Lieber Herr Chatzoudis, ich hoffe, Sie bleiben auf Ihrem Weg, und verlassen mutig die alten Pfade der Voreingenommenheit und schreiben die Geschichte der Menschenopfer neu. Frauen haben eine andere Sicht, so wie ich selbst, schreibt auch die Religionswissenschaftlerin Ina Wunn: »Sicher sind vor allem blutige Menschenopfer erst bronzezeitlich im vordereurasischen Raum verifizierbar.« (2005)

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg
Doris Wolf

www.doriswolf.com
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Georgios Chatzoudis | 27.05.2020 | 647 Aufrufe | 1 | Interviews

26. Mai 2020 | Coronakrise: Bild-Zeitung gegen Virologen. Kulturkämpfe um Corona?

LogBuch "Corona, geisteswissenschaftlich betrachtet". Eine Gesprächsrunde mit Jürgen Zimmerer und Georgios Chatzoudis

R.Gunst | 28.05.2020 | 10:28 Uhr
Ein Dilettant begeistert sich ohne fachliche Ausbildung für eine Wissenschaft. Allein der mangelnde Überblick und die geringe sachliche Durchdringung der Materie fördert dann eine ganze Menge fantastische Ideen ans Tageslicht. In England entstand dadurch ein eigener Architekturstil, der bis heute Begeisterung erweckt, Vielleicht werden spätere Forscher dann in diesem arroganten Disput der Dilettanten irgendwann einmal Gefallen an den geradezu pittoresken, weltfernen Äußerungen finden. Dies wird dann aber in einer Epoche geschehen , wenn der bei Zylberman geschilderte ideale Gesundheitsstaat solche albernen Dilettantendispute gar nicht mehr erst zulässt.
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Georgios Chatzoudis | 19.05.2020 | 801 Aufrufe | 1 | Interviews

"Der Denunziant ist eine ganz eigentümliche Figur"

Interview mit Michael Niehaus über den Staat in der Coronakrise

Anke Nollmann | 20.05.2020 | 10:35 Uhr
Vielen Dank für dieses exzellente Interview! Sehr interessant, was Herr Niehaus da über unser Verhältnis zum Staat zu sagen hat.
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Georgios Chatzoudis | 13.05.2020 | 1064 Aufrufe | 1 | Interviews

12. Mai 2020 | Coronakrise: Verschwörungstheorien und Wissenschaftsfeindlichkeit?

LogBuch "Corona, geisteswissenschaftlich betrachtet". Eine Gesprächsrunde mit Jürgen Zimmerer und Georgios Chatzoudis

R.Gunst | 15.05.2020 | 17:26 Uhr
`Und wenn man sich fragt, was Verschwörungsmythen überhaupt attraktiv macht: Ein einziger Satz zeigt, wie arrogant und geradezu absurd sich heute die staatlich alimentierte Wissenschaft gebärdet. Wie ein trampelnder Elefant beansprucht sie die Deutungshoheit über Ereignisse, selbst wenn sie auf Grund des Fachgebietes nicht den blassesten Schimmer haben kann. Um aber weiter im warmen Geldregen der zahlreichen Fördertöpfe leben zu können, wird diensteifrig mitgeholfen, alternative Gedanken zu wirren Verschwörungen zu erklären. Mit der beliebten Totschlaglegende der Flachen Erde vermischt, wird ihnen so der Boden einer sachlichen Diskussion entzogen. Letztendlich bedeutet aber diese Haltung auch das Ende der Wissenschaft und öffnet somit das Tor zu einem neuen Mittelalter. Die trampelnden Elefanten von heute, werden dann wohl die Messdiener eines kommenden Staatskultes sein.
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Georgios Chatzoudis | 24.06.2014 | 21420 Aufrufe | 10 | Interviews

Ustaša - "Faschismus und Nationalsozialismus als ideologische Leitsterne"

Interview mit Alexander Korb über Kroatien im Zweiten Weltkrieg

Dr. Alexander Korb | 14.05.2020 | 16:04 Uhr
Geehrte/r DPM,

ich möchte Ihnen widersprechen, dass mein Interview zu wenig wissenschaftlich und objektiv ist. Ich denke, dass ein Blick in das Buch einige ihrer Bedenken zusätzlich zerstreuen würde - so gehe ich detailliert auf die Art und Weise ein, wie die Gewalttaten der Ustasche dämonisiert wurden, und warum. Was die Opferzahlen betrifft, betrachte ich meine Arbeit nicht als originären Beitrag, aber zum Glück wird die Zahl auch dank der akribischen Arbeit der Gedenkstätte Jasenovac immer präziser.
Ich würde mich über Literaturhinweise bezüglich der Massaker an Kroaten und Muslimen in BiH freuen - das ist etwas, dass ich in der Tat kaum untersucht habe. Vielen Dank im voraus,

Alexander Korb
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Georgios Chatzoudis | 08.05.2020 | 707 Aufrufe | 1 | Interviews

7. Mai 2020 | Coronakrise: Lockerungen. Wird der deutsche Föderalismus nun zur Schwäche?

LogBuch "Corona, geisteswissenschaftlich betrachtet". Eine Gesprächsrunde mit Jürgen Zimmerer und Georgios Chatzoudis

R.Gunst | 09.05.2020 | 11:54 Uhr
`Genau dieser Effekt, der falschen Sicherheit, ist eingetreten´. Der Satz trifft den grassierenden Virenwahn haargenau. Hilflose Laienpolitiker, die eigentlich nichts mehr bewegen konnten gelten in der Krise plötzlich wieder etwas. Rasch bedienten sie sich nun dem alten, im Vorderen Orient entstandenen Mythos des guten Hirten. Der schützt sein Volk und erzieht es auch. Mit künstlich befeuerter Angst wurden die Staatsschafe von ihm wieder ins Gatter getrieben und anscheinenden danken sie ihm die Abschaffung ihrer Grundrechte auch noch. Der Virenwahn brachte das Ende der Demokratie und den guten Hirten zurück auf die politische Bühne.
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Lena Reuter | 05.05.2020 | 1610 Aufrufe | 4 | Interviews

Corona und die Debatte um das Grundeinkommen

L.I.S.A.Chat zum Für und Wider mit Ute Fischer und Dorothee Spannagel

Zoli | 07.05.2020 | 12:36 Uhr
Ihren Punkt 1.), Frau Rosenstrauch, sehe ich nicht.

1200,- € für eine vierköpfige Familie sind 4800 € netto!

Die Frage ist eher, ob dann jemand noch ernsthaft für 1000 € zusätzlich Klos putzt ...
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Lena Reuter | 05.05.2020 | 1610 Aufrufe | 4 | Interviews

Corona und die Debatte um das Grundeinkommen

L.I.S.A.Chat zum Für und Wider mit Ute Fischer und Dorothee Spannagel

Hazel Rosenstrauch | 06.05.2020 | 17:07 Uhr
Schön dass es thematisiert wird. Wünsche für weitere Diskussionen:
1. Falls es BGE gibt, wird voraussichtlich Wohngeld, Kindergeld etc. wegfallen, das könnte bei einem Grundeinkommen von ca 1.200,- € wie derzeit diskutiert, für einige Gruppen zu einer enormen Verschlechterung führen.
2. besteht die Befürchtung, dass, wenn es ein BGE gibt, die Löhne sinken;
3. wie ist das mit Menschen, die in Deutschland leben und keine deutsche Staatsbürgerschaft haben - derzeit ist das Kriterium, dass man hier Steuern zahlt, das würde u.U. wegfallen.
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Lena Reuter | 05.05.2020 | 1610 Aufrufe | 4 | Interviews

Corona und die Debatte um das Grundeinkommen

L.I.S.A.Chat zum Für und Wider mit Ute Fischer und Dorothee Spannagel

Zoli | 06.05.2020 | 16:54 Uhr
Hallo, Sozialismus oder nicht. Ich denke auch, dass ihr Punkt 1 das große Problem wird. Eine Produktivität, wie sie heute besteht, läßt sich nur über Druck erreichen.

Wenn der wegfällt sinkt diese auch dramatisch. Damit gibt es dann auch nichts mehr zu verteilen.
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Lena Reuter | 05.05.2020 | 1610 Aufrufe | 4 | Interviews

Corona und die Debatte um das Grundeinkommen

L.I.S.A.Chat zum Für und Wider mit Ute Fischer und Dorothee Spannagel

Gertrud H. | 06.05.2020 | 09:58 Uhr
Am Ende ist das BGE der alte Sozialimus in modernem Design - und deswegen funktioniert es auch nicht. Die Gründe:

1.) Bei den Berechnungen gehen die meisten Modelle von einer gleichbleibenden Einnahmesituation wie in der Marktwirtschaft aus. Das ist geradezu absurd. Die Steuereinahmen werden wie in der Sonne schmelzen, Firmen abwandern.

2.) Wie wollen sie die (bereits jetzt aufgrund der hohen Steuerlast stattfindende) Abwanderung verhindern? Wie 1961 in der DDR? In vielen Branchen reicht es schon wenn ein paar Hundert Topentwickler abwandern, um einen ganzen Wirtschaftszweig kollabieren zu lassen (siehe dann auch als Folge 1.)

3.) Im Sozialismus war die "Unter-der-Hand-Wirtschaften" gang und gäbe. In der Sowjetunion gab es in den 80ern massive mafiöse Strukturen der Korruption. Dies ist in allen sozialistischen Staaten so gewesen. Wie wollen sie das verhindern? Mit dem Polizeistaat 3.0?

4.) Es gibt Berechnungen, wie weit ein Individuum steuerlich ausgepresst werden kann, bis es aufhört zu arbeiten. Diese Grenze würde weit überschritten.


5.) Politische Stimmungen wandern hin- und her. Es wird sich schnell eine starke "Anti-BGE-Partei" bilden, die hohe %-Zahlen macht. Was dann? Verbieten? Bautzen wieder aufmachen zum Wohle der sozialistischen Volks ... pardon BGE-Gemeinschaft.
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Georgios Chatzoudis | 25.04.2020 | 683 Aufrufe | 1 | Interviews

24. April 2020 | Coronakrise: Wo liegt die Verantwortung - Staat oder Bürger und Bürgerinnen?

LogBuch "Corona, geisteswissenschaftlich betrachtet". Eine Gesprächsrunde mit Jürgen Zimmerer und Georgios Chatzoudis

Matthias Krämer | 25.04.2020 | 14:55 Uhr
Georgios Chatzoudis weist auf seine gegensätzlichen Wahrnehmungen hin: "Einmal das, was Virologen und Medien mir über die Gefahren und Risiken sagen, und zum anderen mein tagtägliches persönliches Erleben. Überall begegnen sich Menschen, in den Parks, auf den Gehwegen, in den Geschäften. Dann Berichte über die extrem hohe Ansteckungsgefahr des Virus. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich kenne nach wie vor nicht eine Person, die sich infiziert hat. Die zwei Wahrnehmungen kollidieren ständig bei mir."

Das erinnert mich an die Überlegungen über "Öffentlichkeit und Erfahrung" (Oskar Negt/Alexander Kluge, 1972), wonach Massenmedien eine Art "mittelbare Erfahrung" aggregieren, während wir im Alltag direkt "unmittelbare Erfahrungen" machen. Die Kollision beider Wahrnehmungsarten erleben viele Menschen häufig, aber nun fällt sie auf, weil beide Handlungsrelevanz beanspruchen. Maske oder nicht? Die erste Orientierung ist, ob auf der Straße oder im Supermarkt alle eine tragen oder niemand. Dringliche Empfehlungen der Bundesregierung werden nicht massenhaft handlungsleitend, wenn im Alltag überall nur Menschen ohne Masken zu sehen sind.

Ich habe das Problem des Widerspruchs von mittelbarer und unmittelbarer Erfahrung anders erlebt: Als Wissenschaftler bin ich es gewohnt, "mittelbare Erfahrung" auszuwerten und kritisch zu bewerten, für mich als Historiker ist Quellenkritik gewissermaßen Alltag. Als ich Anfang März, in der Woche nach Karneval, nach NRW gereist bin, musste ich beurteilen, wie riskant das ist. Mir war klar: Es besteht ein Risiko, mich zu infizieren und daraufhin andere Leute anzustecken. Ich kenne mehrere Menschen, die Pflege unterrichten. Wenn ich die anstecken würde, könnten sie PflegeschülerInnen anstecken, die dann Pflegeheime infizieren würden. Ich wusste, dass ich das nicht mehr kontrollieren könnte, wenn ich einmal infiziert wäre.

Heute bin ich froh, damals nicht mit dem Zug gefahren zu sein, sondern mit dem Auto. Ebenso habe ich Kontakt zu Menschen eher vermieden. Manche Menschen in meiner Umgebung konnten das nicht so konsequent tun wie ich, weil ich ohnehin meist in der Einsamkeit meiner Studierstube arbeite. Ich kenne mehrere Menschen, die sich fragen, ob ihre langwierige Atemwegserkrankung bis hin zur Lungenentzündung nun Covid-19 ist oder nicht.

Wer aber alltäglich praktisch und unmittelbar erfährt, dass sich überall Menschen begegnen, der erhält davon ein starkes Signal, das Normalität suggeriert und die massenmedial präsentierten Risiken dementiert. Seit Karneval wussten alle in einem abstrakten Sinn, dass das Virus in Deutschland ist. In dem konkreten Sinn, wie der Alltag sich dadurch verändern muss, ist die Information aber bei vielen Menschen nur langsam angekommen.

Die Alltagserfahrung von "Normalität" gewinnt im Alltagsbewusstsein gegen die mittelbare Erfahrung von VirologInnen, die im Rundfunk die Gefährlichkeit von Covid-19 erläutern.

Das Bemühen der Politik, soweit wie möglich Normalität zu inszenieren, ist daher fatal. Ins Alltagsbewusstsein dringt die Unnormalität der Situation nämlich erst, wenn gezielt Unnormalität inszeniert und dann unmittelbar erlebt wird. Das könnte der Hauptnutzen einer Maskenpflicht sein: Man sieht in den Gesichtern um sich herum, dass etwas nicht normal ist.
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Georgios Chatzoudis | 24.04.2020 | 723 Aufrufe | 1 | Interviews

"Ich wünsche mir lautere Stimmen der Soziologen, der Philosophen und der Ethiker"

Skype-Interview mit Marcel Fratzscher über die Ökonomie in der Coronakrise

Helga | 24.04.2020 | 12:25 Uhr
https://www.focus.de/finanzen/boerse/experten/gastbeitrag-von-daniel-stelter-versteckter-reichtum-italien-will-lieber-deutschland-als-seine-buerger-zahlen-lassen_id_11917977.html

Einfach mal lesen ...

Dazu ist Herr Fratscher bei deutschen Familien deutlich weniger großzügig. Denen will er nämlich (ersatzlos, auch kein Familiensplitting) das Ehegattensplitting wegnehmen.

Grund: dann müssen die Familienmütter namlich jeden Job annehmen, um die Finanzlücke zu stopfen. Noch mehr Schlüsselkinder, noch mehr kaputte Familien.

Aber Hauptsache die italienischen Milliardäre werden nicht angetastet und mit deutschen Steuergeld gemästet. Darauf ein Bunga-Bunga.
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Georgios Chatzoudis | 18.04.2020 | 931 Aufrufe | 2 | Interviews

17. April 2020 | Coronakrise: National, europäisch oder global?

LogBuch "Corona, geisteswissenschaftlich betrachtet". Eine Gesprächsrunde mit Jürgen Zimmerer und Georgios Chatzoudis

M. Ulrich | 21.04.2020 | 07:47 Uhr
"Guérot: Zurück zur Solidarität heute. Zinsgemeinschaft durch Coronabonds, das muss jetzt kommen."


Ach, wenn sie doch außer roasaroter Gefühligkeit doch auch noch zumindest rudimentärste Fakten im Programm hätte. Dann würde sie auch wissen, dass die Italiener bei 100 Milliarden Nettoaufnahme gerade mal 1,7 Milliarden mehr an Zinsen als Deutschland zahlen müsste. Viel Geld, aber im großen Rad der Billionen die berühmten Peants.

Die Lösung wäre einfach - die EU zahlt die 1,7 Mrd. Zinsdifferenz. Aber Frau Guerot will ja dass das deutsche Volk stattdessen direkt die Haftung für Billionen von Altschulden (der Eliten in Rom) übernimmt und damit zukünftige Generationen in den Schuldenturm führt.

Es ist die selbe traurige Geschichte wir in der Flüchtlingskrise: das böse Deutschland, dass nur 2 Millionen aufgenommen hat und das gute Italien, dass doch 350 000 aufgenommen hat (und diese auch noch mies wier niemand sonst behandelt, auf dass sie ja nach Deutschland abhauen)

Immerhin klappt bei den Italienern die Propaganda ... zumindest bei den eher naiven Gemütern der progressiven Deutschen.
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Georgios Chatzoudis | 18.04.2020 | 931 Aufrufe | 2 | Interviews

17. April 2020 | Coronakrise: National, europäisch oder global?

LogBuch "Corona, geisteswissenschaftlich betrachtet". Eine Gesprächsrunde mit Jürgen Zimmerer und Georgios Chatzoudis

Helga Bissling | 19.04.2020 | 16:33 Uhr
Es ist immer wieder faszinierend mit welcher vollkommenen Kompetenzlosigkeit und faktenenthobenen Gefühligkeit das Thema Eurobonds diskutiert wird. So ziemlich alles, was Frau Guerot hier von sich gibt, ist falsch bis ins Mark. Aber wie soll mans erklären, wenn auf bei ihr und anderen vollständige Faktenresistenz besteht? Nun ich versuche es mal mit einem Beispiel:

Das Haushaltsvermögen der Italiener ist mit 125 000 € mehr als doppelt so hoch der Deutschen (47 000). Und nun, gemach, gemach, wird Frau Guerot antworten, dass dies mit der höheren Eigenheimquote in Italien zu tun hat.

RICHTIG! Trotzdem stelle ich eine Frage, die diese gesamte Argumentation auseinanderfliegen läßt.

Warum soll der Deutsche dem Italiener mit einer Eigentumswohnung in Rom für 500.000 € den Lebensunterhalt bezahlen? Ein Deutscher, der veilleicht 1400 netto im Monat hat? Ist es wirklich nicht zumutbar, dass dieser Italiener seine Wohnung verkauft?

Warum - wenn wir schon dabei sind - rufen die Italiener nach unbegrenzter deutscher Haftung, wenn sie doch erstmal ihre eigenen Reichen mit einer Vermögenssteuer belasten könnten?

Warum wehren sie sich gegen den ESM, der am Ende ja nur eine Angleichung der Renten etc. fordert?

Genau, Frau Guerot. Schweigen im (südeuropäischen) Walde. Der Grund ist einfach: das Geschrei der Südländer nach Solidarität ist der Schrei nach deutschem, niederländischen und finnischem Geld, um die eigenen Eliten ja nicht antasten zu müssen.

Kleiner Tip am Ende: gehen sie nach Corona mal durch Paris und versuchen sie in einem der Edelrestaurants 60 € + pro Gericht einen Platz zu bekommen. Das werden sie nicht so einfach schaffen. Das Problem ist, dass all diese Länder das Geld haben, aber leider nur ihre Eliten pampern. So viel zur Solidarität.

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Georgios Chatzoudis | 16.04.2020 | 987 Aufrufe | 1 | Interviews

15. April 2020 | Coronakrise: Denunzianten oder verantwortungsbewusste Bürger?

LogBuch "Corona, geisteswissenschaftlich betrachtet". Eine Gesprächsrunde mit Jürgen Zimmerer und Georgios Chatzoudis

Matthias Krämer | 18.04.2020 | 18:36 Uhr
Ich trage hier einen Artikel nach, der auf Basis des Austrian Corona Panel Project Einstellungen von Einwohnern Österreichs analysiert und diskutiert: Die AutorInnen empfehlen: "Nennen wir sie nicht mehr Blockwarte", weil sie in der Motivlage von "Anti-Corona-Aktivist*innen" kein "Denunzianten- oder Nörglertum", keine "Lust am Strafen, Bespitzeln und Denunzieren" erkennen können. Vielmehr stellen sie fest:
"Je höher die Gefahrenwahrnehmung sowie das Gemeinschaftsgefühl, desto größer ist auch die Bereitschaft, andere Menschen im Falle der Nichteinhaltung der Corona-Maßnahmen bei den Behörden zu melden."
https://viecer.univie.ac.at/coronapanel/corona-blog/corona-blog-beitraege/blog15/