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Björn Schmidt | 15.08.2015 | 1350 Aufrufe | Vorträge |
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Julius Meier-Graefe im Ersten Weltkrieg

Vortrag von Prof. Alexandre Kostka | Tagung "Julius Meier-Graefe (1867-1935)"

Im Gegensatz zu vielen anderen Künstlern und Wissenschaftlern, gehörte Julius Meier-Graefe nicht zu den Unterzeichnern des berüchtigten "Manifests der 93", in dem die Gewaltausbrüche des deutschen Militärs in Belgien bestritten wurden. Als vermeintlicher "Franzosenfreund", war er vermutlich nicht einmal angefragt worden. Dennoch veröffentlichte Meier-Graefe im September 1914 einen kulturpatriotischen Artikel mit dem Titel "3 Gewinne", in dem seine Hoffnung auf eine erstarkende deutsche Kultur zum Ausdruck kam. Prof. Alexandre Kostka von der Universität Straßburg, nimmt den Artikel Meier-Graefes zum Ausgangspunkt für eine historische Einordnung. Wie lässt sich diese provokativ nationalistische Stellungnahme erklären? Welche Bedeutung hat sie innerhalb Meier-Graefes Denken und in welchem Zusammenhang steht sie zur damaligen Kunstszene? Diesen Fragen geht Kostka in seinem Vortrag nach.

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Zur Tagung

Der Kunstkritiker, Kunstvermittler und Kunsthändler Julius Meier-Graefe (1867-1935) wurde durch seine außerordentliche Aktivität auf vielen Gebieten der Kunst zu einer zentralen Gestalt des kulturellen Geschehens von der Jahrhundertwende bis zu Beginn der 1920er Jahre. Wie kein anderer etablierte er durch seine Schriften eine „neue Schule des Sehens“, die die moderne, zeitgenössische Kunst in den Vordergrund stellte, aber auch zu einer Neubewertung von Künstlern der Vergangenheit führte. Der heutige Kanon der Kunstgeschichte geht wesentlich auf seine Neuperspektivierung der Kunstgeschichte zurück.  

Durch seine persönliche Verbundenheit mit Künstlern wie Edvard Munch, Henry van de Velde und Henri de Toulouse-Lautrec, als Mitbegründer der bibliophilen Zeitschrift PAN sowie durch seine aktive Förderung der neuen dekorativen Bewegung, des Jugendstils und des französischen Impressionismus, wurde Meier-Graefe zu einem einzigartigen Mentor und Anreger, zu einer kulturellen Instanz. Meier-Graefe verkörperte exemplarisch die „Generalisten“-Generation um 1900, die im Sinne eines europäischen Kulturtransfers keine nationalen Grenzen kannte. Seine lebenslange Verbundenheit mit der Kunst und Kultur Frankreichs machte ihn zu einem bedeutenden Vermittler der Moderne.  

2015 jährt sich das 80. Todesjahr Meier-Graefes – Anlass, diese Grenzgängerfigur in seiner deutschen Hauptwirkungsstätte, Berlin, zu würdigen und erstmals den aktuellen Forschungsstand zu seinem umfangreichen Werk und der modernen Kunstkritik um 1900 auf einer internationalen Tagung zur Diskussion zu stellen.

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