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Georgios Chatzoudis | 26.09.2015 | 1711 Aufrufe | Vorträge |
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Vom Agieren dazwischen - Kritische Kunstgeschichte um 1900

Vortrag von Melanie Sachs | Tagung "Julius Meier-Graefe (1867-1935)"

Um 1900 bildeten sich im Zuge einer beschleunigten gesellschaflichen Modernisierung einerseits und fortschreitender Standardisierungen in der Wissenschaft andererseits neue Disziplinen heraus. Für die Kunstgeschichte ist dieser Zeitraum mit dem Entstehen der sogenannten Kritischen Kunstgeschichte verbunden - einem Abgrenzungsprozess zwischen Kunstgeschichte und Kunstkritik, den die Kunsthistorikerin Melanie Sachs von der Philipps-Universität Marburg in ihrem hier vorliegenden Audio-Vortrag als Zwischenraum bezeichnet. Wer agierte in diesem Zwischenraum? Wie grenzte sich die Kunstgeschichte von der als unwissenschaftlich abgelehnten Kunstkritik ab? Und welche Rolle spielte dabei Julius Meier-Graefe? Wo stand er in diesem Zwischenraum?

L.I.S.A. AUDIO

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Der Kunstkritiker, Kunstvermittler und Kunsthändler Julius Meier-Graefe (1867-1935) wurde durch seine außerordentliche Aktivität auf vielen Gebieten der Kunst zu einer zentralen Gestalt des kulturellen Geschehens von der Jahrhundertwende bis zu Beginn der 1920er Jahre. Wie kein anderer etablierte er durch seine Schriften eine „neue Schule des Sehens“, die die moderne, zeitgenössische Kunst in den Vordergrund stellte, aber auch zu einer Neubewertung von Künstlern der Vergangenheit führte. Der heutige Kanon der Kunstgeschichte geht wesentlich auf seine Neuperspektivierung der Kunstgeschichte zurück.  

Durch seine persönliche Verbundenheit mit Künstlern wie Edvard Munch, Henry van de Velde und Henri de Toulouse-Lautrec, als Mitbegründer der bibliophilen Zeitschrift PAN sowie durch seine aktive Förderung der neuen dekorativen Bewegung, des Jugendstils und des französischen Impressionismus, wurde Meier-Graefe zu einem einzigartigen Mentor und Anreger, zu einer kulturellen Instanz. Meier-Graefe verkörperte exemplarisch die „Generalisten“-Generation um 1900, die im Sinne eines europäischen Kulturtransfers keine nationalen Grenzen kannte. Seine lebenslange Verbundenheit mit der Kunst und Kultur Frankreichs machte ihn zu einem bedeutenden Vermittler der Moderne.  

2015 jährt sich das 80. Todesjahr Meier-Graefes – Anlass, diese Grenzgängerfigur in seiner deutschen Hauptwirkungsstätte, Berlin, zu würdigen und erstmals den aktuellen Forschungsstand zu seinem umfangreichen Werk und der modernen Kunstkritik um 1900 auf einer internationalen Tagung zur Diskussion zu stellen.

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