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Björn Schmidt | 19.09.2015 | 1241 Aufrufe | Vorträge |
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Julius Meier-Graefe als Kulturhistoriker. Ein Vergleich mit Jacob Burckhardt

Vortrag von Prof. Dr. Achatz von Müller | Tagung "Julius Meier-Graefe (1867-1935)"

Im Jahre 1912 veröffentlichte Julius Meier-Graefe sein Puppenspiel "Orlando und Angelica", das durch Lithographien von Erich Klossowski illustriert wurde. In diesem Puppenspiel taucht Meier-Graefe selbst als Ritter Astolfo auf, der vor der Vielschreiberei der Kunsthistoriker warnt. Ebenfalls im Jahre 1912 wurde Jacob Burckhardts "Kultur der Renaissance in Italien" in seiner Urfassung wiederveröffentlicht. Was haben diese beiden Werke miteinander zu tun? Ausgehend von besagtem Puppenspiel zeichnet Prof. Dr. Achatz von Müller von der Leuphana Universität Lüneburg in seinem Vortrag die Verbindungslinien zwischem dem Kulturhistoriker Burckhardt und dem Kunstkritiker Meier-Graefe nach. Als Mitglied des Kuratoriums für die Neuausgabe Jacob Burckhardts ist Prof. von Müller ein Kenner dessen Werks. Er geht der Frage nach, inwieweit Meier-Graefe als Kulturhistoriker verstanden werden kann.

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Zur Tagung

Der Kunstkritiker, Kunstvermittler und Kunsthändler Julius Meier-Graefe (1867-1935) wurde durch seine außerordentliche Aktivität auf vielen Gebieten der Kunst zu einer zentralen Gestalt des kulturellen Geschehens von der Jahrhundertwende bis zu Beginn der 1920er Jahre. Wie kein anderer etablierte er durch seine Schriften eine „neue Schule des Sehens“, die die moderne, zeitgenössische Kunst in den Vordergrund stellte, aber auch zu einer Neubewertung von Künstlern der Vergangenheit führte. Der heutige Kanon der Kunstgeschichte geht wesentlich auf seine Neuperspektivierung der Kunstgeschichte zurück.  

Durch seine persönliche Verbundenheit mit Künstlern wie Edvard Munch, Henry van de Velde und Henri de Toulouse-Lautrec, als Mitbegründer der bibliophilen Zeitschrift PAN sowie durch seine aktive Förderung der neuen dekorativen Bewegung, des Jugendstils und des französischen Impressionismus, wurde Meier-Graefe zu einem einzigartigen Mentor und Anreger, zu einer kulturellen Instanz. Meier-Graefe verkörperte exemplarisch die „Generalisten“-Generation um 1900, die im Sinne eines europäischen Kulturtransfers keine nationalen Grenzen kannte. Seine lebenslange Verbundenheit mit der Kunst und Kultur Frankreichs machte ihn zu einem bedeutenden Vermittler der Moderne.  

2015 jährt sich das 80. Todesjahr Meier-Graefes – Anlass, diese Grenzgängerfigur in seiner deutschen Hauptwirkungsstätte, Berlin, zu würdigen und erstmals den aktuellen Forschungsstand zu seinem umfangreichen Werk und der modernen Kunstkritik um 1900 auf einer internationalen Tagung zur Diskussion zu stellen.

Programm als PDF (2.04 MB)

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