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Björn Schmidt | 25.07.2015 | 1691 Aufrufe | Vorträge |
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Der Kanon der modernen Kunst in Text und Bild: Meier-Graefes „Entwicklungsgeschichte“ und die deutsche
Jahrhundertausstellung in Berlin 1906

Vortrag von Prof. Dr. Françoise Forster-Hahn | Tagung "Julius Meier-Graefe (1867-1935)"

Die Jahrhundertausstellung von 1906 in der Nationalgalerie Berlin gilt als wichtiges Ereignis der deutschen Kunstgeschichte. Der Ausstellung lag ein neuer Blick auf die deutsche Kunst von 1775 bis 1875 zugrunde. Julius Meier-Graefe verließ zwar vorzeitig das Kommittee, hatte jedoch trotzdem großen Einfluss auf die Konzeption. Françoise Forster-Hahn von der University of California, Riverside, widmet sich in ihrem Vortrag den Überkreugungen von Meier-Graefes 1904 veröffentlichter Entwicklungsgeschichte der Modernen Kunst und der Jahrhundertausstellung. In der Verbindung von Text auf der einen Seite und Ausstellungsinszenierung auf der anderen erkennt sie ein System, das dem Publikum moderne Kunst als progressive Entwicklung verdeutlichte und so zur Historisierung der Moderne beitrug.

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Der Kunstkritiker, Kunstvermittler und Kunsthändler Julius Meier-Graefe (1867-1935) wurde durch seine außerordentliche Aktivität auf vielen Gebieten der Kunst zu einer zentralen Gestalt des kulturellen Geschehens von der Jahrhundertwende bis zu Beginn der 1920er Jahre. Wie kein anderer etablierte er durch seine Schriften eine „neue Schule des Sehens“, die die moderne, zeitgenössische Kunst in den Vordergrund stellte, aber auch zu einer Neubewertung von Künstlern der Vergangenheit führte. Der heutige Kanon der Kunstgeschichte geht wesentlich auf seine Neuperspektivierung der Kunstgeschichte zurück.  

Durch seine persönliche Verbundenheit mit Künstlern wie Edvard Munch, Henry van de Velde und Henri de Toulouse-Lautrec, als Mitbegründer der bibliophilen Zeitschrift PAN sowie durch seine aktive Förderung der neuen dekorativen Bewegung, des Jugendstils und des französischen Impressionismus, wurde Meier-Graefe zu einem einzigartigen Mentor und Anreger, zu einer kulturellen Instanz. Meier-Graefe verkörperte exemplarisch die „Generalisten“-Generation um 1900, die im Sinne eines europäischen Kulturtransfers keine nationalen Grenzen kannte. Seine lebenslange Verbundenheit mit der Kunst und Kultur Frankreichs machte ihn zu einem bedeutenden Vermittler der Moderne.  

2015 jährt sich das 80. Todesjahr Meier-Graefes – Anlass, diese Grenzgängerfigur in seiner deutschen Hauptwirkungsstätte, Berlin, zu würdigen und erstmals den aktuellen Forschungsstand zu seinem umfangreichen Werk und der modernen Kunstkritik um 1900 auf einer internationalen Tagung zur Diskussion zu stellen.

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