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Björn Schmidt | 10.10.2015 | 680 Aufrufe | Vorträge |
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Kulturedukation und Radioöffentlichkeit oder warum Meier-Graefe nicht im Rundfunk gesprochen hat

Vortrag von Dr. Andreas Zeising | Tagung "Julius Meier-Graefe (1867-1935)"

Mit der Einführung des deutschen Rundfunks im Jahre 1924 entstand das erste echte Massenkommunikationsmittel. Anders als beispielsweise Zeitungen zielte das frühe Radio nicht auf eine spezifische Adressatengruppe, sondern auf die Unterhaltung und Bildung aller gesellschaftlichen Schichten. Viele Kunstschriftsteller nutzten das neue Medium, um der breiten Masse die Kunst näher zu bringen. Doch wie hielt es Julius Meier-Graefe mit dem Radio – also jener Kunstkritiker, der die populärwissenschaftliche Annäherung an die Kunst anprangerte und der das breite öffentliche Kunstinteresse als "Epidemie" bezeichnete? Dr. Andreas Zeising von der Universität Siegen widmet sich in seinem Vortrag diesem schwierigen Verhältnis zwischen dem Kunstkritiker, der Kunst und dem Rundfunk.

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Der Kunstkritiker, Kunstvermittler und Kunsthändler Julius Meier-Graefe (1867-1935) wurde durch seine außerordentliche Aktivität auf vielen Gebieten der Kunst zu einer zentralen Gestalt des kulturellen Geschehens von der Jahrhundertwende bis zu Beginn der 1920er Jahre. Wie kein anderer etablierte er durch seine Schriften eine „neue Schule des Sehens“, die die moderne, zeitgenössische Kunst in den Vordergrund stellte, aber auch zu einer Neubewertung von Künstlern der Vergangenheit führte. Der heutige Kanon der Kunstgeschichte geht wesentlich auf seine Neuperspektivierung der Kunstgeschichte zurück.  

Durch seine persönliche Verbundenheit mit Künstlern wie Edvard Munch, Henry van de Velde und Henri de Toulouse-Lautrec, als Mitbegründer der bibliophilen Zeitschrift PAN sowie durch seine aktive Förderung der neuen dekorativen Bewegung, des Jugendstils und des französischen Impressionismus, wurde Meier-Graefe zu einem einzigartigen Mentor und Anreger, zu einer kulturellen Instanz. Meier-Graefe verkörperte exemplarisch die „Generalisten“-Generation um 1900, die im Sinne eines europäischen Kulturtransfers keine nationalen Grenzen kannte. Seine lebenslange Verbundenheit mit der Kunst und Kultur Frankreichs machte ihn zu einem bedeutenden Vermittler der Moderne.  

2015 jährt sich das 80. Todesjahr Meier-Graefes – Anlass, diese Grenzgängerfigur in seiner deutschen Hauptwirkungsstätte, Berlin, zu würdigen und erstmals den aktuellen Forschungsstand zu seinem umfangreichen Werk und der modernen Kunstkritik um 1900 auf einer internationalen Tagung zur Diskussion zu stellen.

Programm als PDF (2.04 MB)

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