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Georgios Chatzoudis | 06.11.2017 | 2350 Aufrufe | Diskussionen

Neue Erzählungen am Abzug? Serien gestreamt

Der Geschichtstalk im Super 7000

Die Serie "Game of Thrones" spielt im europäischen Mittelalter, genauer in England in der Zeit der Rosenkriege, als sich zwei Familien- die Lancasters und die Yorks - in kriegerischen Auseinandersetzungen gegenüberstanden und um die Krone Englands wetteiferten. Diese Übertragung der Fantasy-Serie auf eine realhistorische Epoche findet man in Besprechungen von "Game of Thrones" immer wieder. Aber stimmt das auch? Wie viel Geschichte steckt tatsächlich in dieser Serie? Was ist realhistorisch, was Fantasy beziehungsweise reine Erfindung und was eine Spiegelung von gegenwärtigen beziehungsweise aktuellen Lebenswirklichkeiten? Und: Welche Rolle spielt bei alldem das Format Serie? Über diese und daran anschließende Fragen diskutierten in der zweiten Ausgabe von "Der Geschichtstalk im Super7000" Prof. Dr. Achim Landwehr, Lehrstuhlinhaber der Frühen Neuzeit an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, der Althistoriker Prof. Dr. Martin Zimmermann von der Ludwig-Maximilians-Universität München und die Filmhistorikerin Dr. Nora Hilgert, Geschäftsführerin des Verbandes der Historiker und Historikerinnen Deutschlands (VHD). Moderiert hat das Gespräch Georgios Chatzoudis.

Videoreihe "Der Geschichtstalk"
Google Maps

Ausgangsposition von Nora Hilgert

Game of Thrones hat mit Geschichte nichts zu tun. Die Serie ist für das Fernsehen produziertes „Überwältigungskino“, das den gestressten Erdenbürger in eine andere Welt entführt, als die, die er tagtäglich ertragen muss. In dieser anderen Welt laufen Figuren in fantasiereichen Verkleidungen herum, die vor allem die ganz gegenwärtigen Befindlichkeiten der Produzenten aufnehmen und teilen und so die Rezipient_innen beeinflussen.

Über den Zusammenhang von Prokrastination und Game of Thrones (199.58 KB)

Ausgangsposition von Achim Landwehr

Die Frage ist nicht, was GoT mit historischen Gegebenheiten zu tun hat. Selbstverständlich bedient sie sich ausgiebig aus verschiedenen historischen Zusammenhängen, wobei das Mittelalter am ehesten auffällt. Die Frage ist eher, warum die Serie so erfolgreich ist. Meine Antwort wäre: weil sie so wenig mit Geschichte zu tun hat. Sie tut das, was Mythen einfach gut können, auf einfache Prinzipien setzen und dadurch Übersichtlichkeit gewähren.

Als ich ein Fantasy-Fan war (218.05 KB)

Ausgangsposition von Martin Zimmermann

Nun habe ich gegen erhebliche innere Widerstände die 1. Staffel Game of Thrones an drei Abenden geschaut und gelernt, dass diese sehr gut gemachte Serie wahre Geschichte zeigt. Ich bin als Historiker begeistert, habe sofort die Folgestaffeln bestellt. Alles wird verhandelt: Macht, Gewalt, Sex, Liebe, Familie usw.

„Valar morghulis. All men must die.“ (234.17 KB)

Der Geschichtstalk im Super7000

„Der Geschichtstalk im Super7000“ ist auf zunächst sechs Folgen angelegt, in denen es nicht darum gehen wird, Historikerinnen und Historiker in ihrer Profession als Historikerinnen und Historiker sprechen zu hören. Es geht nicht um das Nacherzählen von historischen Abläufen. Und es geht auch nicht um ein Fachgespräch. Worum es geht, ist ein Gespräch unter Bürgerinnen und Bürgern, die auch Geschichtsexperten sind, über aktuelle Debatten, in denen Geschichte eine wichtige Komponente ist. Kurz: Es geht um Public History, also das Aushandeln von Geschichte in der Gegenwart.

Flyer (261.23 KB)
Plakat (1.02 MB)

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