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Nationalismus auf der Bühne - Theater in Iran

The General Interview with Prof. Dr. Christoph U. Werner | Episode 6

Die Erforschung des iranischen Theaters und der kulturellen Produktionen, wie Musik und Tanz, ist ein neues Feld, das Wissenschaftler erst in den letzten zehn bis zwanzig Jahren für sich entdeckt haben. Oft wurden diese Entwicklungen von Lokalhistorikern angestoßen, die sich für die heimische Bühne oder die Geschichte einer bestimmten Theatergruppe interessierten. Heute begegnen den Wissenschaftlern die verschiedensten Herausforderungen: Einerseits die eingeschränkten Zugänge zu Quellentexten, andererseits jedoch auch die Erwartungshaltungen, mit denen sich die Theaterwissenschaftler konfrontiert sehen. Dass das iranische Theater der 20er und 30er Jahre aufgrund der Zensur uninteressant sei, ist ein Vorwurf, der bis heute in den Köpfen verankert scheint. Die Aufgaben des Forschungsprojektes sieht Prof. Dr. Christoph Werner daher darin, einen neuen Blickpunkt auf die Entwicklungen zu werfen: Wie steht das Theater mit anderen kulturellen Formen im Zusammenhang? Lassen sich Theater, Musik, Kino und Tanz des frühen 20. Jahrhunderts überhaupt unterscheiden? Wie stehen die Entwicklungen mit dem iranischen Nationalismus in Verbindung – und wie arbeitet der sich neu formierende, iranische Staat mit dem Theater? Auf diese Fragen gibt Prof. Dr. Christoph Werner in unserem Generalinterview Antworten. 

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Das Projekt
Moderne Kunstformen als Ausdruck von säkularen und anti-islamischen Bewegungen sind bislang nur marginal in kultur- und sozialgeschichtlichen Studien zur Region des Mittleren Ostens berücksichtigt worden. Sowohl die modernistischen, in ihrem Gedankengut von westlichen Konzepten des Nationalismus beeinflussten Literaten in Iran, als auch der Pahlavi-Staat sahen es als ihre Aufgabe an, ein modernes nationales Bewusstsein zu prägen. Dazu bedienten sie sich vorzugsweise des Theaters, um ihre säkularisierten Moral- und Modernitätsvorstellungen zu propagieren. Dieses Projekt möchte den Nationalismus in Iran zu einer Zeit untersuchen, in der jenseits der Presse noch keine Massenmedien existierten und das Theater als Medium für die Kommunikation nationalistischer Ideen eine bedeutende Rolle spielte. Ziel ist es, sozialgeschichtliche Aufschlüsse über die Art der Verbreitung der Modernisierungspolitik des iranischen Staates, sowie deren gesellschaftliche Rezeption durch das plurimediale Phänomen Theater zu erlangen. Eine zentrale Fragestellung bei der Analyse der ideologischen Wirksamkeit von Theater ist, inwieweit sich diese säkulare Kunstform als eine anti-islamische Bewegung geriert.

Projektleitung

Prof. Dr. Christoph Werner

Ort

Teheran

Wissenschaftliche Projektleitung
Prof. Dr. Christoph Werner

Wissenschaftliche Mitarbeit
Anna Heller

Redaktion
Dr. Natascha Bagherpour

Kamera
Resa Asarschahab

Schnitt
Resa Asarschahab

Gesamtkonzeption
Gisela Graichen und Peter Prestel

Alle Episoden
Die Bibliothek des Stadttheaters
Episode 1
30.08.2017
Auf Spuren in der Lalehzar-Straße
Episode 2
06.09.2017
Die Nationalbibliotheken in Teheran - Zentren des Wissens
Episode 3
13.09.2017
Theater damals und heute: Ein Gespräch mit Delara Noushin
Episode 4
20.09.2017
Quellenarbeit: Was die Texte verraten
Episode 5
27.09.2017
The General Interview with Prof. Dr. Christoph U. Werner
Episode 6
04.10.2017
The General Interview with Anna Heller M.A.
Episode 7
11.10.2017

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