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Nationalismus auf der Bühne - Theater in Iran

EPISODE 2 | Auf Spuren in der Lalehzar-Straße

In den ersten beiden Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts rang die führende politische Klasse des Iran um die zukünftige Ausrichtung des Landes: absolute oder konstitutionelle Monarchie oder gar parlamentarische Republik? Mit der Übertragung der Macht von der erschöpften Kadscharen-Monarchie auf die Dynastie der Pahlavis 1926 schien der Weg offen für die Umgestaltung des Iran zu einem modernen Nationalstaat. Der neue Schah Reza Pahlavi legte dem Land ein umfassendes Modernisierungsprogramm auf, das auf einer neuen iranischen nationalen Identität fußen sollte. In diesem Prozess der Nationsbildung kam dem Theater eine besondere Funktion zu. In Teheran entstanden seit 1920er Jahren Schauspielstätten, auf denen nicht zuletzt das politische Programm des Schah den Menschen vermittelt werden sollte. Die Iranistin Anna Heller macht sich im früheren Vergnügungsviertel, der Lalehzar-Straße, auf die Suche nach Überresten der damaligen Schaubühnen einer Nation im Werden.

Das Projekt
Moderne Kunstformen als Ausdruck von säkularen und anti-islamischen Bewegungen sind bislang nur marginal in kultur- und sozialgeschichtlichen Studien zur Region des Mittleren Ostens berücksichtigt worden. Sowohl die modernistischen, in ihrem Gedankengut von westlichen Konzepten des Nationalismus beeinflussten Literaten in Iran, als auch der Pahlavi-Staat sahen es als ihre Aufgabe an, ein modernes nationales Bewusstsein zu prägen. Dazu bedienten sie sich vorzugsweise des Theaters, um ihre säkularisierten Moral- und Modernitätsvorstellungen zu propagieren. Dieses Projekt möchte den Nationalismus in Iran zu einer Zeit untersuchen, in der jenseits der Presse noch keine Massenmedien existierten und das Theater als Medium für die Kommunikation nationalistischer Ideen eine bedeutende Rolle spielte. Ziel ist es, sozialgeschichtliche Aufschlüsse über die Art der Verbreitung der Modernisierungspolitik des iranischen Staates, sowie deren gesellschaftliche Rezeption durch das plurimediale Phänomen Theater zu erlangen. Eine zentrale Fragestellung bei der Analyse der ideologischen Wirksamkeit von Theater ist, inwieweit sich diese säkulare Kunstform als eine anti-islamische Bewegung geriert.

Projektleitung:

Prof. Dr. Christoph Werner

Ort:

Teheran

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