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Georgios Chatzoudis | 19.02.2010 | 4457 Aufrufe | Artikel

Bild – Raum – Handlung
Tagung im Rahmen der Forschergruppe C – III „Acts“ des Exzellenzclusters TOPOI (Berlin, 21.-23.10.2009)

Tagungsbericht von Burkhard Emme, Universität Heidelberg

Die Konzentration der Kulturwissenschaften auf bestimmte Themenbereiche – in der jüngeren Vergangenheit mit dem Begriff des „turns“ apostrophiert – ist für sich genommen keine ganz neue Entwicklung. Unter den zahlreichen „turns“, die die historisch ausgerichteten Fächer in den vergangenen Jahrzehnten vollzogen haben, sind dabei vor allem die Kategorien Bild, Raum und Handlung von besonderer Bedeutung, nicht etwa, weil die entsprechenden Fächer sich nicht schon zuvor und teils seit jeher mit Fragen nach Bildern, Räumen oder Performanz befasst hätten, sondern vielmehr insofern das Zueinander-in-Beziehung-setzen der drei genannten Aspekte neue Erkenntnisse über jeden einzelnen von ihnen verspricht. Einen entsprechenden Ansatz verfolgte nun eine von dem Berliner Exzellenzcluster TOPOI in Zusammenarbeit mit der Zentrale des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI) in Berlin ausgerichtete Tagung, die unter dem Titel „Bild – Raum – Handlung“ vom 21.-23. Oktober 2009 in Berlin stattfand.

In seinem einleitenden Vortrag behandelte TONIO HÖLSCHER (Heidelberg) den Umgang der griechischen Kultur mit Bildwerken. Anhand der Beispiele griechischer Ehrenstatuen führte er dabei zunächst vor Augen, inwiefern Bilder zur Erzeugung einer „konzeptuellen Präsenz“ dienen konnten. Aus dem Aufstellungsort von Ehrenstatuen im Umfeld von Altären oder Versammlungsorten ergebe sich demzufolge, dass die dargestellten Personen an den in diesen Räumen geübten Handlungen präsent gemacht werden sollten, auch wenn sie aufgrund räumlicher oder zeitlicher Entfernung vom Geschehen nicht persönlich anwesend sein konnten. Davon ausgehend wandte sich der Vortragende gegen eine Übertragung der modernen Vorstellung vom Umgang mit Bildern auf die antiken Verhältnisse. Im Gegensatz zur Moderne sei der Antike ein allein auf das ästhetische Empfinden abzielender Umgang mit Bildern fremd, da Bilder stets für einen bestimmten Kontext geschaffen worden seien. Dementsprechend sei bei der Interpretation von antiken Bildwerken deren räumlicher und zeitlicher sowie ihr sozialer Kontext zu berücksichtigen. Anhand des in der Antike nur unzureichend sichtbaren figuralen Bauschmucks des Parthenons in Athen veranschaulichte der Vortragende abschließend die Bedeutung von Bildern als eines autonomen Bestandteils der griechischen Lebenswelt, wie dies im Begriff des Kosmos (Schmuck; Weltordnung) zum Ausdruck komme. In seinem umfassenden Ansatz verwies der Vortrag damit auf eine Reihe von Problemen, die im Verlauf der Tagung wiederholt zur Diskussion kommen sollten.

Die weitere Tagung gliederte sich in vier Sektionen, die das Verhältnis von Bild und Naturraum, Bild und städtischem Raum, Bild und Innenraum sowie Bild und Ritual behandelten.

Den Auftakt der ersten Sektion bildete der von PETER FUX (Zürich) gehaltene Vortrag über Felsbilder im Rio Palpa-Tal im südlichen Peru. Die Bilder, die aufgrund von Vergleichen in das 8.-2. Jh. v. Chr. datiert werden können, zeigen einen weiten Motivschatz, innerhalb dessen spezifische Tierdarstellungen auf eine Kenntnis nicht nur der regionalen Fauna des Andenraumes sondern auch der diesem vorgelagerten Küstenbereiche sowie des Amazonasbeckens schließen lassen. In seinen weiteren Ausführungen stellte der Vortragende dar, dass sich die Darstellungen entlang einer Fernhandelsroute befinden, die die genannten Regionen miteinander verband, so dass der ikonographische Befund durch die Einbettung der Bilder in ihren topographischen Zusammenhang seine Bestätigung findet.

KARSTEN LAMBERS (Konstanz) veranschaulichte im folgenden Vortrag anhand der Geoglyphen von Palpa und Nasca in Peru, in welchem Maße anthropogene Bilder den Eindruck ganzer Landschaften zu bestimmen vermögen. Die v.a. während der Nasca-Zeit (250 v. Chr. – 600 n. Chr.) entstandenen Bilder, die bis zu 2 km Länge erreichen können, wurden durch gezieltes Absammeln von dunklem Oberflächengestein erzeugt, so dass sich auf der freigelegten Oberfläche der typische Kontrast der „Nasca-Linien“ ergibt. Das Formenspektrum der Darstellungen umfasst figürliche wie auch geometrische Motive, wobei eine Entwicklung zu größeren Maßen und zugleich zu schlichteren Motiven in Linien- oder Trapezform erkennbar ist.  Insbesondere die späteren Anlagen weisen dabei aufgrund von Keramikfunden auf eine regelmäßige Nutzung hin, so dass der Vortragende auf einen Funktionswandel „von Bildern zu Bühnen“ schloss.

Im abschließenden Vortrag der ersten Sektion befasste sich JOAO ZILHAO (Bristol) mit den altsteinzeitlichen Reliefzeichnungen des Coa-Tals (Portugal). Die erst in den vergangenen Jahren bekannt gewordenen Darstellungen, die in erster Linie Tiere zeigen, finden sich innerhalb des Tales vermehrt in spezifischen Geländesituationen, so etwa an Engstellen des Tales, im Bereich von Flussübergängen oder Sandbänken. Auffällig erscheinen vor allem die von dem Vortragenden so genannten Palimpseste, bei denen durch vielfach erneuertes Einritzen der Umrisslinien von Tieren der Bildeindruck weitgehend verloren ist. Solcherlei Befunde scheinen darauf hinzuweisen, dass der Handlung der (regelmäßigen?) Erneuerung der Bilder eine eigene Bedeutung zukam.

Die folgende Sektion war dem Verhältnis von Bild und städtischem Raum gewidmet. Im ersten Vortrag behandelte ALESSANDRA GILIBERT (Berlin) Platzanlagen und deren Funktion innerhalb syro-hethitischer Städte des 10. und 9. Jhs. v. Chr. Anhand der Beispiele der im oberen Mesopotamien gelegenen Städte Zincirli, Karkemisch und Tell Halaf zeigte die Vortragende die typische Disposition der Platzanlagen am Randbereich zwischen dem Gebiet der ummauerten Unterstadt und der ebenfalls von einer Mauer umgebenen Oberburg. Diese charakteristische Lage sowie die Ausstattung u.a. mit Reliefs, die bildliche Darstellungen von Prozessionen zeigen, lassen an eine Scharnierfunktion der Plätze zwischen herrschender Elite und Volk denken, die in kultischen Ritualen Ausdruck ihren fand.

HAUKE ZIEMSSEN (Berlin) behandelte in seinem Beitrag das von dem römischen Kaiser Maxentius im frühen 3. Jh. n. Chr. in Rom vorgenommene Bauprogramm, in dessen Rahmen der Tempel der Venus und der Roma sowie der diesem gegenüber gelegene und nach demselben Kaiser benannte Hallenbau neu errichtet wurden. Anhand der Darstellungen auf Münzen desselben Kaisers zeigte der Vortragende auf, wie sehr die  Errichtung des Tempels und damit der Bezug auf den Kult der Göttin Roma vor dem Hintergrund konkurrierender Herrschaftsansprüche als Ausdruck der Verbundenheit mit Hauptstadt und Reich verstanden werden können.

Die in verschiedenen Schriftquellen beschriebene bildhafte Inszenierung des byzantinischen Kaisers im Rahmen von Gesandtschaftsempfängen behandelte FRANZ ALTO BAUER (München). Wenngleich mit dem Palast von Konstantinopel der architektonische Rahmen dieser Empfänge weitgehend unbekannt ist, zeigen die schriftlichen Quellen das Bild eines in hohem Maße ritualisierten Geschehens, innerhalb dessen der Gesandte durch verschiedene Sinneseindrücke vom Reichtum und der Macht des Kaisers und seines Reiches überzeugt werden sollte. Die Inszenierung der Person des Kaisers, der in den Audienzen nicht selbst das Wort ergriff, geriet dabei in hohem Maße selbst zum Bild, womit ein Anknüpfungspunkt für die Vorträge der folgenden dritten Sektion geschaffen wurde.

In ihrem Vortrag setzte sich UTE GÜNKEL-MASCHEK (Heidelberg) mit der bildlichen Ausstattung des Palastes von Knossos auf Kreta auseinander. Die bildliche Ausstattung des bis gegen Mitte des 2. Jtsds. v. Chr. errichteten Baus mit Wandmalereien zeigt ein weites Spektrum von Darstellungen. Inwiefern diese in einem Bezug zur Funktion der einzelnen Räume stehen, wurde von der Vortragenden anhand von drei charakteristischen Beispielen untersucht. Insbesondere die Darstellung einer Prozession innerhalb eines langgestreckten Korridors weise demzufolge auf eine „Verstetigung“ der mit in dem Raum ausgeübten Handlung, wohingegen die heraldische Anordnung von Greifen beiderseits des Thrones auf ein Gesamtbild ziele, innerhalb dessen der sitzende Herrscher eine zentrale Position einnehme, ein seiner Konzeption nach vergleichbarer Befund zu den im folgenden Vortrag behandelten mykenischen Palästen.

ULRICH THALER (Heidelberg) illustrierte am Beispiel der mykenischen Paläste von Tiryns, Mykene und Pylos (Peloponnes; 14.-12. Jh. v. Chr.) die Einflussnahme von Architektur und bildlicher Ausstattung auf die Bewegungsabläufe innerhalb der fraglichen Bauten. Während durch eine architektonisch akzentuierte Abfolge von Durchblicken der antike Palastbesucher durch mehrere Vorhöfe schritt, ohne den Palast als Ganzes erfassen zu können, entsprach die Bewegungsrichtung der an den Wänden dargestellten Figuren seiner Bewegung auf das Megaron, den Hauptraum des Palastes und Sitz des Herrschers. Dieser wurde seinerseits in seinem Thron sitzend von in Wandgemälden dargestellten Greifen und Löwen gerahmt, eine bildhafte Komposition, die nur mit dem Herrscher im Zentrum vollständig war.

In seinem Vortrag zur statuarischen Ausstattung des Gymnasions von Pergamon beleuchtete RALF VON DEN HOFF (Freiburg) die Frage der Wahrnehmung von Bildern in einem spezifischen baulichen wie funktionalen Rahmen. Die Statuensaustattung des im 2. Jh. v. Chr. von dem pergamenischen König Eumenes II. gestifteten Gymnasion vereinte dabei Darstellungen verschiedener Götter, Herrscher, Sportler und verdienter Bürger und verweist als solches auf die unterschiedlichen Aspekte von Handlungen, die sich innerhalb seiner Mauern vollzogen.

ORTWIN DALLY (Berlin) sprach über die jüngsten Forschungen des DAI in Zusammenarbeit mit der Antikenabteilung der Berliner Museen zur baulichen und bildlichen Ausstattung der Faustina-Thermen in Milet (Türkei). Der im mittleren 2. Jh. n. Chr. errichtete Bau wurde mehrfach umgebaut, wobei insbesondere aus der letzten Bauphase das Zusammenspiel von Architektur und Statuenausstattung nachvollzogen werden kann. So zeigten die mit Becken und Heizvorrichtung versehenen Baderäume dieser Phase eine Ausstattung mit Statuen der unbekleideten Götter Aphrodite, Dionysos sowie eines Flussgottes. Ein dem Bau angeschlossener Saal mit Bühne hingegen verfügte über eine Gruppe von bekleideten Musenstatuen. Von der kontinuierlichen Nutzung des Baus zeugt der Umstand, dass die Statuen in frühchristlicher Zeit nach Unkenntlichmachung der Geschlechtsmerkmale weiterhin an ihrem Standort verblieben.

In ihrem Vortrag über die Innenausstattung römischer Häuser beleuchtete SUSANNE MUTH (Berlin) am Beispiel der spätantiken Villa von Piazza Amerina (Sizilien) ihrerseits den Zusammenhang zwischen der Funktion einzelner Räume und deren Bildausstattung insbesondere durch Fußbodenmosaiken. An diesem Beispiel ließ sich unter anderem nachvollziehen, dass sowohl die zur Darstellung gebrachten Motive als auch deren formale Ausgestaltung in Wechselwirkung mit der jeweiligen Nutzung des Raumes zu sehen sind, innerhalb dessen sie angebracht waren. So zeigte das Vestibulum (Eingangsraum) der Villa eine großflächige Begrüßungsszene durch zahlreiche Dienerfiguren, die den Eintretenden bildhaft in Empfang nehmen. Im Gegensatz dazu stehe die Darstellung von Tierköpfen in Medaillons, die in scheinbar endloser Reihung den Boden der anschließenden Portikus (Wandelhalle) bedecken. Die formale Gliederung in ein streng rhythmisiertes Muster evoziere in diesem Fall das Durchschreiten der langen Wandelgänge.

Die abschließende vierte Sektion war dem Verhältnis von Bild und Ritual gewidmet. Zum Auftakt präsentierte KLAUS SCHMIDT (Berlin) neueste, zum Teil nur wenige Tage alte Forschungsergebnisse von den Ausgrabungen des DAI am Göbekli Tepe im südöstlichen Anatolien. In einer Reihe von Grabungskampagnen konnten hier megalithische Steinkreisanlagen aus dem 10. und 9. Jtsd. v. Chr. freigelegt werden, deren Stelen wenngleich hochgradig stilisierte so doch anthropomorphe Darstellungen zeigen, die verschiedentlich mit in Relief wiedergegebenen Tieren dekoriert sind. Aus der regionalen Verteilung ähnlicher Befunde folgerte Schmidt, dass die am Göbekli Tepe gefundenen Anlagen das Zentrum einer steinzeitlichen „Amphiktyonie“, d.h. einer im gemeinsamen Kult zusammengeschlossenen Kultur, seien. Die an einem zentralen Ort errichteten Anlagen gewinnen ihre Bedeutung durch die Tatsache, dass sie chronologisch mit den Anfängen von Ackerbau und Sesshaftwerdung des Menschen zusammenfallen

Eine Gegenüberstellung der Relieffriese vom Palast des persischen Großkönigs Dareios in Pasargade (spätes 6. Jh. v. Chr.) mit jenen des Athener Parthenon (mittleres 5. Jh. v. Chr.) unternahm LORENZ WINKLER-HORACEK (Berlin) in seinem Vortrag. Dabei verwies er auf die unterschiedlichen Handlungszusammenhänge, in denen die Darstellungen gestanden hätten. Während die am Aufgang zur Empfangshalle des Perserkönigs angebrachten Reliefs diesen bei der Entgegennahme von Geschenken der verschiedenen Länder seines Reiches zeigen, stellt der Fries am Athener Parthenon die Prozession anlässlich des Festes der Göttin Athena dar. In beiden Fällen ergebe sich damit der Fall einer unmittelbaren Gegenüberstellung von (ritualisierter) Handlung und deren Wiedergabe im Bild.

Das Zusammenspiel zwischen Raum und Ritual behandelte STEFANIE KÜHN (Berlin) in ihrem Beitrag über die im 2. Jh. v. Chr. von Athen in das Heiligtum des Apollon von Delphi führende Pythais-Prozession. Insbesondere im letzten Abschnitt der Prozession innerhalb des Heiligtums sahen sich die Teilnehmer dabei einer reichen Bilderwelt gegenüber, die teilweise durch Stiftungen der Stadt Athen aus den vorangegangenen Jahrhunderten geprägt war. Zugleich hinterließen die Prozessionen ihrerseits eigene Spuren im Denkmälerbestand des Heiligtums, so etwa in Gestalt der an der Fassade des Athener Schatzhauses angebrachten Hymnen sowie in Form der sogenannten Akanthussäule, die möglicherweise auf eine Stiftung durch eine Athener Gesandtschaft zurückzuführen ist. Die in der Prozession geübte Handlung führte damit einerseits zur erneuten Wahrnehmung älterer Bilder und brachte ihrerseits neue Bilder hervor.

In ihrem abschließenden Vortrag behandelte KATJA MOEDE (Berlin) die bildlichen Darstellungen römischen Kultgeschehens, wie sie vor allem auf den Altären selbst überliefert sind. Dabei wurde deutlich, dass die ins Bild gesetzten Rituale ein idealisiertes Geschehen zeigen, das mit den praktischen Erfordernissen des Kultgeschehens, wie es aus schriftlichen Quellen bekannt ist, nicht vollkommen übereinstimmt.

 
Abschlussdiskussion und Fazit
In der abschließenden Diskussion wurde in erster Linie die den historischen Fächern inhärente Konzentration auf einen oder zwei der drei Aspekte Bild – Raum – Handlung erörtert. Diese sei in der Überlieferungssituation begründet, wie anhand der verschiedenen Vorträge deutlich wurde. So bildeten im Bereich der prähistorischen bzw. archäologischen Disziplinen Bilder und Räume oftmals die einzigen Quellen vergangener Kulturen, anhand derer die verschiedensten Handlungen rekonstruiert werden müssten (Vorträge FUX; LAMBERS; SCHMIDT; GÜNKEL-MASCHEK; THALER). Umgekehrt fehlen in denjenigen Fächern, in denen schriftliche Quellen vorhanden sind, vielfach materielle Befunde, wie vor allem der Vortrag von FRANZ ALTO BAUER zeigen konnte. Eine der Soziologie bzw. der Ethnologie vergleichbare Situation, bei der Handlung, Bild und Raum gemeinsam die Grundlage der Forschung bilden, müsste vor diesem Hintergrund als ein seltener Glücksfall erscheinen.

Interessant erscheint demgegenüber das Zusammenspiel von Bild und Handlung, insofern sich diese aus dem archäologischen Befund rekonstruieren lässt: Während reale Personen wie Herrscher aber auch Prozessionsteilnehmer im Zusammenhang stark ritualisierter Handlungen bildhaft inszeniert werden können (BAUER; GÜNKEL-MASCHEK; THALER), wirken andererseits Bilder in bestimmten Handlungen wie lebende Teilnehmer am Geschehen (HÖLSCHER). Auch die Übergänge der Kategorien „Bild“ und „Raum“ erscheinen fließend, wenn Bilder wie im Fall der peruanischen Geoglyphen in rituellen Zusammenhängen „begangen“ werden (LAMBERS) oder wenn der Herrscher eine auf seine Person hin komponierte Darstellung komplettiert, und damit in den Bildraum eintritt (GÜNKEL-MASCHEK; THALER).

Schließlich erscheint das Nebeneinander von Bild und dargestellter Handlung ein reizvolles Gebiet für künftige Forschungen. Insbesondere die Überlegung von ALESSANDRA GILIBERT wirkt hier anregend, der zufolge Bild und Handlung in wechselseitiger Abhängigkeit zueinander stehen. Während die in der ephemeren Handlung zusammengeschlossene Menschenmasse zwangsläufig zerfalle und daher des Bildes als einer Verstetigung des eigenen Tuns bedürfe, werde umgekehrt die bildhafte  Darstellung des Geschehens erst durch den regelmäßigen Vollzug im wirklichen Leben aktiviert.  Insofern sich im Bild dabei zwangsläufig Abweichungen von der Realität des Dargestellten ergäben, sprach KATJA MOEDE von einer „idealen Realität“, wobei dem Bild als einer Konstruktion von Wirklichkeit die ritualisierte Handlung ihrerseits als Konstruktion gegenüberstehe (HÖLSCHER).

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