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Führerbart und Volkskörper - Hitler wie ihn keiner kennt

Bart und Männermacht | Episode 2

Leipzig, Deutsche Nationalbibliothek. Die Recherche nach den Ursprüngen des Zweifingerbarts erweist sich dort als ziemlich mühsam. Die Zeitgenossen der 1920er und 1930er Jahren haben nur wenig Zeugnis über deren Sicht auf das haarige Oberlippenquadrat hinterlassen. In den früheren Modezeitschriften der Zeit findet der Kulturwissenschaftler Prof. Dr. Friedrich Tietjen nur sehr spärliche Hinweise auf eine Auseinandersetzung mit dem sogenannten Hitlerbart. Ergiebiger erweist sich dagegen das Durchforsten von privaten Fotografien aus der Kaiserzeit - der Kaiser-Wilhelm-Bart hebt sich dabei von allen anderen damals gängigen Gesichtsbehaarungen ab. Er ist weniger Bart, sondern vielmehr ein Zeichen. Ein Zeichen der Macht. Ein Hinweis, der Friedrich Tietjen zum Hitlerbart führt.

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Das Projekt
Im Zentrum des Projektes stehen zwei Thesen: Zum einen ist der geometrische Zweifinger-, vulgo: Hitlerbart ein genuin modernistischer Bart, indem er im Unterschied zu praktisch allen anderen Bärte auf jede Mimesis der organischen Konturen des Gesichtes und ornamentale Schmuckformen verzichtet. Hitler eignet sich den in diesen Jahren bereits unmodisch gewordenen Bart um oder vor 1923 an, und er wird umgehend zu einem Zeichen, das ihn ebenso eindeutig identifiziert wie die Hakenkreuzfahne die NSDAP. Zum anderen eigneten sich zahlreiche Männer im Deutschen Reich vor 1945 diesen Bart an. Vor dem Hintergrund der Omnipräsenz von Hitlerporträts muss ihnen die Ähnlichkeit und der Akt der Selbstbezeichnung wenigstens bewusst gewesen sein. Sie wurden darüber zu sonderbaren Hybriden aus ikon im Sinne eines Abbildes und eidolon im Sinne einer Stellvertretung des Vorbildes. Der Bart war damit eine und durch ihre Körperlichkeit vielleicht die unmittelbarste Form der Einheit von ‘Führer’ und Volk, die propagandistisch und legitimatorisch immer wieder aufgerufen wurde. Mit Hitlers Tod und der Verbrennung seines Körpers verschwand der Bart nicht, sondern kann alles als Hitler bezeichnen.

Ort

Wien

Projektleitung
Prof. Dr. Friedrich Tietjen

Redaktion
Peter Prestel

Kamera
Resa Asarschahab

Schnitt
Resa Asarschahab

Gesamtkonzeption
Gisela Graichen und Peter Prestel

Alle Episoden
"Der Schnurbart ist der Führer"
Episode 1
13.11.2019
Bart und Männermacht
Episode 2
20.11.2019
Die Bartwerdung Hitlers
Episode 3
27.11.2019
Hakenkreuz, Hitler und Chaplin
Episode 4
04.12.2019
Der Bart ohne Hitler
Episode 5
11.12.2019
Demnächst
Episode 6
Episode 6
ab 18.12.2019

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