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L.I.S.A. Redaktion | 27.11.2019 | 1246 Aufrufe | 3 | Filmproduktionen der Gerda Henkel Stiftung |
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Führerbart und Volkskörper - Hitler wie ihn keiner kennt

Die Bartwerdung Hitlers | Episode 3

Hitler sah nicht schon immer aus wie Hitler. Wer ihn auf Bildern aus dem Ersten Weltkrieg entdeckt, bringt ihn nicht mit der Figur zusammen, die einige Jahre später Deutschlands Führer werden sollte. Das liegt vor allem an seinem Bart - im Kreise seiner Kriegskameraden trägt er noch einen üppigen und buschigen Schnauzer und nicht den für sein Aussehen so charakteristisch gestutzten Zweifingerbart. Der Kulturwissenschaftler Prof. Dr. Friedrich Tietjen möchte wissen, wann und vor allem warum der Bartwandel erfolgte. Dazu kursieren derzeit drei bekanntere Erzählungen - eine von Bridget Hitler, Ehefrau seines Halbbruders Alois in Liverpool, eine aus der Feder des US-amerikanischen Journalisten Wallace R. Deuel und eine aus der Hand des Schriftstellers Alexander Moritz Frey, der während des Ersten Weltkriegs mit dem Gefreiten Adolf Hitler in einem Regiment diente. Um der richtigen Geschichte auf die Spur zu kommen, begibt sich Professor Tietjen nach Dresden und besucht dort das Militärhistorische Museum der Bundeswehr.

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Das Projekt
Im Zentrum des Projektes stehen zwei Thesen: Zum einen ist der geometrische Zweifinger-, vulgo: Hitlerbart ein genuin modernistischer Bart, indem er im Unterschied zu praktisch allen anderen Bärte auf jede Mimesis der organischen Konturen des Gesichtes und ornamentale Schmuckformen verzichtet. Hitler eignet sich den in diesen Jahren bereits unmodisch gewordenen Bart um oder vor 1923 an, und er wird umgehend zu einem Zeichen, das ihn ebenso eindeutig identifiziert wie die Hakenkreuzfahne die NSDAP. Zum anderen eigneten sich zahlreiche Männer im Deutschen Reich vor 1945 diesen Bart an. Vor dem Hintergrund der Omnipräsenz von Hitlerporträts muss ihnen die Ähnlichkeit und der Akt der Selbstbezeichnung wenigstens bewusst gewesen sein. Sie wurden darüber zu sonderbaren Hybriden aus ikon im Sinne eines Abbildes und eidolon im Sinne einer Stellvertretung des Vorbildes. Der Bart war damit eine und durch ihre Körperlichkeit vielleicht die unmittelbarste Form der Einheit von ‘Führer’ und Volk, die propagandistisch und legitimatorisch immer wieder aufgerufen wurde. Mit Hitlers Tod und der Verbrennung seines Körpers verschwand der Bart nicht, sondern kann alles als Hitler bezeichnen.

Ort

Wien

Projektleitung
Prof. Dr. Friedrich Tietjen

Redaktion
Peter Prestel

Kamera
Resa Asarschahab

Schnitt
Resa Asarschahab

Gesamtkonzeption
Gisela Graichen und Peter Prestel

Alle Episoden
"Der Schnurbart ist der Führer"
Episode 1
13.11.2019
Bart und Männermacht
Episode 2
20.11.2019
Die Bartwerdung Hitlers
Episode 3
27.11.2019
Hakenkreuz, Hitler und Chaplin
Episode 4
04.12.2019
Der Bart ohne Hitler
Episode 5
11.12.2019
Das Generalinterview mit Prof. Dr. Friedrich Tietjen
Episode 6
18.12.2019

Kommentar

von Werner Hillebrecht | 18.12.2019 | 14:26 Uhr
Was das Lachen angeht - mir fällt beim Hitlerbart immer gleich die despektierliche Bezeichnung "Rotzbremse" ein, deren Ursprung ich nicht kenne, aber mir kommt es vor, als sei ich damit aufgewachsen (Jahrgang 1949). Gab es den Ausdruck schon zu Hitlers Zeiten? Berliner Volksmund?

Kommentar

von Reinhard Gunst | 19.12.2019 | 10:46 Uhr
Wie tief muss die Forschung eigentlich noch sinken, bis wieder wirklich relevante Themen untersucht werden. Wahrscheinlich ist der Tiefpunkt geistiger Erregungsergüsse erst erreicht, wenn auch Hitlers Darmflora untersucht wurde.

Kommentar

von O. Ingmar | 20.12.2019 | 06:42 Uhr
Ach es geht noch trivialer und tiefer. Am besten mit dem Zentrum Politischer Schönheit zusammenschließen. Dann kommt abgrundtiefe Menschenverachtung durch die Zuschaustellung von Holocaustopfern zusammen mit einer linksliberalen moralischen Selbstverliebheit, die so weit unten ist, dass man nicht einmal mehr angewidert sein kann.


Das Verrückte is ja, das diese sogenannten "Dekonstruktionen" solcher Künstler am Ende eine Geisteshaltung verraten, die denen, die sie angeblich bekämpfen schon sehr nahe kommt.


Was kann man dagegen tun? Wahrscheinlich nichts. Neoliberalismus, Individualismus und vor Selbstgerechtigkeit triefender Moralismus haben leider die Oberhand gewonnen gegenüber Respekt, Maß und Mitte.

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