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Prof. Dr. Dr. h.c. Andreas Speer | 03.06.2017 | 754 Aufrufe | Artikel

a.r.t.e.s. forum 2016: „Text | Language | Media“

Interdisziplinäre Jahrestagung der a.r.t.e.s. Graduate School for the Humanities Cologne

„Text | Language | Media“ – zu dieser thematischen Trias haben wir im Rahmen des a.r.t.e.s. forum auch 2016 wieder ausgewiesene Expertinnen und Experten aus dem In- und Ausland zum gemeinsamen Gespräch eingeladen. Als interdisziplinäre Jahrestagung der a.r.t.e.s. Graduate School for the Humanities Cologne bot das a.r.t.e.s. forum 2016 die Gelegenheit, Phänomene der Schrift, der Sprache und des Bilds multiperspektivisch zu betrachten. Die Ausrichtung der Panels an den drei Aktionsvokabeln ‚Gestalten | Übersetzen | Kommunizieren‘ repräsentierte die Vielschichtigkeit der medialen Bezüge und disziplinären Überschneidungspunkte, die im Verlauf der Vorträge und Diskussionen sowie der Abendveranstaltung reflektiert wurden.

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Uns als Organisationsteam hat insbesondere das Konzept des ‚Über-Setzens‘, das wir anhand der Praktiken ‚Gestalten‘ und ‚Kommunizieren‘ gegengelesen haben, im gesamten Vorbereitungsprozess begleitet und vor anregende Herausforderungen gestellt. Die fachlichen Bezüge aus der Kunstgeschichte, der Medienkulturwissenschaft, der Sprachwissenschaft, der Altertumskunde und der Geschichtswissenschaft, die wir als Promovierende im Organisationsteam vertraten, haben so auch Übersetzungsprozesse entfacht, die neue Schnittstellen im Diskurs um Bild, Sprache und Medium ermöglichten. Dementsprechend haben wir uns mit dem Konzept des Übersetzens zunächst auch im Sinne von Vermittlungen beschäftigt, bei denen sich etwa die Frage stellt, inwiefern das Vermittelnde auch verändert wird. Diese Frage nach der Kontinuität sowie Diskontinuität innerhalb solcher Transformationsprozesse ist es, die sich als wesentlich für die Beschäftigung mit medialen Über- oder Ineinssetzungen erweist. Davon zeugt nicht zuletzt die lange Tradition, auf die die Debatten um Multi-, Inter- oder Transmedialität zurückgeführt werden können: ‚ut pictura poesis' – wie das Gemälde, so das Gedicht. Seit Horaz und über Lessing ist eine Frage kennzeichnend auch für zeitgenössische sprach-, bild- und medientheoretische Forschungsansätze geblieben: Handelt es sich bei der Differenz zweier Medien – am prominentesten der zwischen Bild und Text – um einen wesentlichen oder lediglich graduellen Unterschied? Wie ist die Art ihrer Beziehung zu- und aufeinander zu verstehen? Übermitteln sie gleiche oder gemeinsame Inhalte auf nur unterschiedliche Weise oder bestimmt doch das Medium die message? Wie ist es dann um die Materialität und Immaterialität von Medium als auch von Inhalt bestellt? Vor allem angesichts analoger und digitaler Technologien schließen sich hier Fragen nach ihrer ephemeren oder überdauernden Zeitlichkeit an. Die Rede von Zeitlichkeit erstreckt sich weiterhin auch auf den Kontext kultureller Transferprozesse: Wann wird innerhalb kulturellen Austauschs aus einem Fremden etwas Eigenes? Welche verschiedenen Strategien der Verfremdung und Aneignung gibt es in solchen Kontexten des Austauschs? Vor dem Hintergrund dieser Gemengelage an Fragen und Gegenständen des ‚Über-Setzens‘ im weitesten Sinne müssen die Möglichkeiten und Grenzen eines solchen transformativen Begriffs erprobt werden.

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Text und Bild als mediale Formate begegneten uns im ersten Panel vor allem mit Blick auf ihre gestaltenden und damit auch transformatorischen Implikationen: Das methodologische Unterfangen, Visualität und ihre Ikonik entlang von Modalitäten beschreibbar zu machen, wurde von Lars Elleström (Komparatistik, Kalmar/Växjö) in seinem Vortrag Visual Iconicity in the Light of Media Modalities zur Diskussion gestellt. Birgit Mersmann (Kunstgeschichte, Basel/Köln) widmete sich anschließend den Paradigmenwechseln und Re-Evaluierungen von Gegenstandbereichen der Schriftbildlichkeit und sprach über digitale Pfade der Grammatographie. Schriftikonik als bildmedienwissenschaftliches Forschungsfeld. Ganz gegenstandsbezogen fokussierte Francisca Feraudi-Gruénais (Alte Geschichte, Heidelberg) mit ihrem Vortrag Keine Interaktion! Bild-Text-Bezüge von Beischriften eine Neuverhandlung der Relationen zwischen Text und Bild in Beischriften.

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Demgegenüber nahm das zweite Panel konkrete literarische Übersetzungen in den Blick. Monika Sokol (Sprachwissenschaft, Köln) und Judith Árokay (Japanologie, Heidelberg) stellten anhand der ‚Max und Moritz‘-Adaption in Frankreich und Japan heraus, inwiefern sich bereits auf der sprachlichen Ebene zeigt, dass sich eine Erörterung vom Übersetzen immer schon einem weiteren Diskursfeld kultureller Fragen öffnet und wie sich sprach- und kulturwissenschaftliche Ansätze gegenseitig bedingen. Während Sokol die Muster kultureller und sprachlicher Aneignung im Vergleich: Von Pim Pam Poum zu Marie de France und zurück diskutierte, befragte Árokay die kulturelle und sprachliche Aneignung im Kontext: mit Max und Moritz zu Gast im Japan des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Die von ihnen vorgestellten Übersetzungen wurden sodann zu Exempeln kultureller Aneignungs- und Transformationsprozesse.

Das dritte Panel machte es sich zum Ziel, die Brücke zu schlagen zwischen zwei Medien der Alltagskommunikation, wie sie auf den ersten Blick unterschiedlicher nicht sein könnten: griechische dokumentarische Papyri im Ägypten des 4. vorchristlichen bis 8. nachchristlichen Jahrhunderts sowie E-Mail. Charikleia Armoni (Klassische Philologie, Köln) untersuchte in ihrem Vortrag Of Mice and Men: Alltägliche Briefe aus dem griechisch-römischen Ägypten die Alltagsverwendung griechischer Sprache und unterschiedliche soziale Kontexte, die sich anhand literarischer Texte so nicht nachvollziehen lassen. Paul F. Siegert (Kulturwissenschaft, Lüneburg) sprach zur E-Mail als Zwischenmedium der Alltagskommunikation und thematisierte die Entstehungsgeschichte der E-Mail und deren zwischen Gespräch und Brief angesiedelten Schlüsselfunktion in der Alltagskommunikation.

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Mit den Impulsen des Tagungsprogramms und ihren theoretischen Implikationen im Gepäck konnten wir dann im Rahmen unserer Abendveranstaltung in actu nachvollziehen, was wir im Laufe des Tages gemeinsam diskutiert hatten: Wechselwirkungen zwischen Text und Bild, Aneignungs- und Übersetzungsprozessen von Sprache im Spannungsfeld kultureller Kontexte sowie mediale Formen der Alltagskommunikation begegneten uns in einer von a.r.t.e.s.-Stipendiat Sascha Klein und Kolleginnen und Kollegen geführten Graffiti- und Street Art-Erkundung in Köln-Ehrenfeld. Das Graffiti vereint Text- und Bildbezüge; es dient als Sprachzeichen der Aneignung soziokultureller Kontexte; und natürlich kann man es, wie wir in den Industriebrachen, Hauseingängen und Unterführungen Ehrenfelds gemeinsam feststellten, vor allem auch als Medium der Alltagskommunikation begreifen. Die Spurensuche dieser Bezüge im urbanen Raum führte uns abschließend zum Atelierzentrum Ehrenfeld, wo wir den Abend mit einem Umtrunk und anregenden Gesprächen zu den vielfältigen Querverbindungen von ‚Text | Language | Media‘ ausklingen ließen.

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Der Bericht wurde verfasst von Giuseppina Di Bartolo, Michelle Herte, Mirjam Kappes, Verena Limper, Danijel Matijevic, Giovanni Pairotti und Léa Perraudin, den Doktorandinnen und Doktoranden der a.r.t.e.s. Graduate School, die das a.r.t.e.s. forum 2016 organisiert haben.

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