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Sebastian Elsbach | 16.02.2020 | 384 Aufrufe | Ankündigungen

Interdisziplinäre Fachkonferenz der Forschungsstelle Weimarer Republik, 26. - 28.2. in Weimar

Vom drohenden Bürgerkrieg zum demokratischen Gewaltmonopol, 1918-1924

In der üblichen Periodisierung der Weimarer Republik beginnt mit dem Jahr 1924 die Phase ihrer ‚relativen Stabilisierung‘. Nach der Überwindung der Hyperinflation 1923 ist dies meist wirtschafts- und sozialpolitisch gemeint, oft auch in Hinblick auf die Innenpolitik oder die Kunst und Kultur. Vernachlässigt wird dabei allzu oft, dass diese Stabilisierung vor allem zunächst sicherheits­politischer Natur war. Die harten Anfeindungen von rechts und links gegen die Republik und die politische Gewalt ebbten merklich ab, die Republik hatte sich gegen ihre Feinde behauptet.

Das war nach Ausbruch der Revolution im November 1918 keinesfalls selbstverständlich. Der Zusammenbruch der alten Ordnung war noch relativ friedlich verlaufen. Auch hatte sich die Über­gangsregierung schnell der Loyalität des Heeres und der anderen Sicherheitsbehörden ver­sichert. Doch bald brachen auf linker Seite gewaltsame Auseinandersetzungen über die Richtung der Revolution aus, wie die Dezember- und Januarunruhen 1918/19 oder später auch der Ruhr­aufstand 1920 und der „Deutsche Oktober“ 1923 zeigten. Auch im rechten Spektrum war die Bereitschaft zum gewaltsamen Vorgehen gegen Revolution und Republik schnell geweckt. Neben rechts­radikalen Attentaten auf demokratische Politiker wie Erzberger, Scheidemann und Rathenau bildeten 1920 der Kapp-Lüttwitz- und 1923 der Hitler-Ludendorff-Putsch die Höhepunkte rechter Angriffe auf die Republik. Neben verschiedenen sezessionistischen Bestrebungen hatte die in der Revolution geborene Republik zudem mit einem drohenden Verlust des staatlichen Gewaltmonopols zu kämpfen: Freikorps verschiedener Couleur, auf Eigenständigkeit pochende Soldatenräte, Stadt- und Bürgerwehren, unkontrolliert zirkulierende Kriegswaffen, paramilitärische politische Verbände – all das waren erhebliche Herausforderungen für die Akteure des staatlichen Gewaltmonopols, das sich zudem gerade in der Transformation von einem obrigkeitsstaatlichen zu einem demo­kratischen Gewaltmonopol befand.

Vor dem Hintergrund dieser Herausforderungen ist die Konsolidierung des demokratischen Gewalt­monopols beachtlich. Die Konferenz fragt nach dem Wechselspiel zwischen gewaltsamer Anfein­dung und Konsolidierung, aber auch danach, was diese gewaltsame Geburt der Republik für ihre politische Kultur bedeutete und wie diese Gewalterfahrungen verarbeitet wurden.

Hier das vollständige Konferenzprogramm...

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