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Georgios Chatzoudis | 30.01.2012 | 5785 Aufrufe | Vorträge

„Vernetztes Wissen / Semantic Web“
Werkstattberichte I

Videodokumentation zur Tagung
".hist2011 - Geschichte im digitalen Wandel"

Am 14. und 15. September 2011 fand in der Humboldt Universität in Berlin die Tagung ".hist2011 - Geschichte im digitalen Wandel" statt. Mehr als 200 Teilnehmer und Besucher diskutierten über neue Entwicklungen und aktuelle Fragen und Herausforderungen, die für die Geschichtswissenschaft durch den digitalen Wandel entstehen. Die Veranstaltung wurde gemeinsam von der Redaktionen von H-Soz-u-Kult und L.I.S.A. organisiert. In einer kleinen Reihen werden wöchentlich die wichtigsten Vorträge, Diskussionen und Werkstattberichte veröffentlicht.

Parallel zur den Vorträgen der ersten Sektion "Virtuelle Forschung und Geschichtswissenschaften 2.0" fanden in einem anderen Raum die thematisch anknüpfenden Werstattberichte statt.

Zoom
Videoreihe ".hist2011"

Das Personendaten-Repositorium - vernetzte Aspekte historischer Personen
Werkstattbericht von Gerald Neumann

Die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften hat, unterstützt durch die DFG, ein Personendaten-Repositorium konzipiert und aufgebaut, in dem sie biografische Daten, die in verschiedenen Forschungsvorhaben und unter unterschiedlichen wissenschaftlichen Perspektiven entstanden sind, sammelt und für eine wissenschaftliche Auseinandersetzung aufbereitet.

Ein erster Bestandteil der Arbeiten war eine ausführliche Evaluation von Repositorien-Software, die für den Aufbau eines Personendaten-Repositoriums geeignet ist. Ein weiterer, zentraler Bestandteil war die Erarbeitung eines Inhaltsmodells für biografische Forschungsdaten, die aus unterschiedlichen Kontexten stammen. Das Ziel war die konsequente strukturelle Isolierung der biografischen Daten von der Person, die stringente Atomisierung der Informationen, eine semantische Erschließungsmöglichkeit der Daten und die Möglichkeit, Beziehungen zwischen Daten aus verschiedenen Quellen transparent abbilden zu können. Der dritte, wichtige Bestandteil ist die, inzwischen weitgehend abgeschlossene Integration größerer Datenmengen in das Repositorium, anhand des vordefinierten Inhaltsmodells.

Der Vortrag gibt einen Überblick über das Projekt. Es werden das Inhaltsmodell und die sich daraus ergebenen Konsequenzen für die Datenaufbereitung beschrieben. Anhand der aktuell verfügbaren Daten werden praktische Anwendungsfälle, die sich aus dem derzeitigen Entwicklungsstand des Personendaten-Repositoriums ergeben, illustriert.

Gerald Neumann (Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften)

Normdatenbasierte Vernetzung (in) der Neuen Deutschen Biographie
Werkstattbericht von Matthias Reinert

Das digitale Angebot www.deutsche-biographie.de umfasst biographische Informationen zu 121.000 Personen, entstanden aus der DFG-geförderten Digitalisierung des Registers, von 23 Bänden der „Neuen Deutschen Biographie“ (NDB), der „Allgemeinen Deutschen Biographie“ (ADB, 55 Bände) sowie der Hauptkartei der NDB-Redaktion.

Die Anwendung von „Normdaten“, verstanden in einem weitem, anwendungsorientierten Sinn, steht im Mittelpunkt der semantischen Aufbereitung und Vernetzung der Informationen in der „Neuen Deutschen Biographie“. Die so gewonnen Metadaten werden in TEI kodiert.

Die XML-kodierten Bände wurden durch eine Kombination von automatischen Tagging-Routinen mit manueller Durchsicht und Korrektur aufbereitet. Für die Internetpräsentation werden sie zwei parallel in FAUST 6 vorliegenden und in Bearbeitung befindlichen Datenbanken verknüpft. Das Merging geschieht mit Hilfe der PND-Identifikation und erzeugt eine, nach TEI kodierte XML-Instanz für eine Person resp. Familie, die Text- und Registerdaten vereint.

Inhaltlich erfolgt die Aufbereitung in je 3 Bereichen (Personen, Orte, Sachen) auf 2 Ebenen (einfache Metadaten, Aussagen über Metadaten), die unterschiedlich weit vorangetrieben sind. Die Metadaten werden – dank einer Kooperation mit der Forschungsgruppe AKSW Leipzig – prototypisch in RDF dargestellt.

Bei der Vernetzung mit ausgewählten anderen Angeboten nutzen wir das PND-Beacon-Austauschformat. Weitere Schnittstellen zur kartografischen Darstellung und zur Exploration der Wissensbasis sind in Planung.

Matthias Reinert (Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften)

Agile Knowledge Engineering and Semantic Web
Werkstattbericht von Thomas Riechert

Die Arbeitsgruppe Agile Knowledge Engineering and Semantic Web (AKSW) der Universität Leipzig befasst sich in ihrer Forschungsarbeit mit Methoden der agilen Wissensmodellierung und der semantischen Vernetzung von Informationen im Web. Aufbauend auf der Wikipedia-Extraktion DBpedia steht aktuell die Erweiterung der Linked Open Data Cloud im Fokus der Forschung (LOD2). Das von der Arbeitsgruppe entwickelte semantisches Daten-Wiki OntoWiki stellt ein  Basiswerkzeug für die Publikation semantischer Information dar. OntoWiki wird bereits mehrfach für geschichtswissenschaftliche Projekte eingesetzt, so u.a. auch bei der kollaborativen Arbeit von Historikern der Arbeitsgruppe des Leipziger Professorenkatalogs. Anhand des Anwendungsbeispiels Catalogus Professorum Lipsiensis wird im Rahmen des Werkstattberichts das kollaboratives Entwickeln einer Ontologie, das kollaboratives Sammeln von Informationen und das Publizieren von Daten mit Hilfe von OntoWiki vorgestellt.

Thomas Riechert (Universität Leipzig)

Semantic Web Technologien bei Docupedia-Zeitgeschichte
Werkstattbericht von Karsten Borgmann

Docupedia-Zeitgeschichte ist ein Nachschlagewerk zu zentralen Begriffen, Konzepten, Forschungsrichtungen und Methoden der zeithistorischen Forschung des Zentrums für Zeithistorische Forschung (ZZF) Potsdam, des Instituts für Geschichtswissenschaften und des Computer- und Medienservices der Humboldt-Universität zu Berlin. Ein zentrales Ziel des von der DFG geförderten Projekts ist die Präsentation von einführenden Artikeln zusammen mit einem Materialapparat thematisch passender Kontextmaterialien. Den Rezipienten soll so über das Thema einen Zugang zu online verfügbaren Materialien gegeben werden.

Docupedia-Zeitgeschichte nutzt die Software-Plattform Mediawiki / SemanticMediaWiki (SMW) als Tool für die Veröffentlichung von digitalen Ressourcen und Publikationen in den Geisteswissenschaften. Die Präsentation stellt zunächst die verschiedenen Ansätze vor, die bislang im Projekt verfolgt wurden, um die Projektveröffentlichungen mit thematisch passenden Informationsressourcen anzureichern. Im Anschluss wird eine in der laufenden Projektphase entwickelte Extension für das Nutzer-Tagging von Ressourcen präsentiert. Diese Extension soll in Kombination mit den zuvor dargestellten Verfahren eine bessere fachliche Auswahl der Ressourcen gewährleisten. Der Vortrag schließt mit einem Ausblick auf mögliche effektivere Strategien der Informationsintegration auf Basis semantischer Datenmodelle und Speichersysteme.

Karsten Borgmann (Humboldt-Universität zu Berlin)

Semantisches Wiki für die kollaborative Analyse (SMW-CorA): Ein Fallbeispiel aus der Historischen Bildungsforschung
Werkstattbericht von Christoph Schindler

In dem Werkstattbericht wird eine webbasierte Forschungsumgebung vorgestellt, die auf semantischer Wiki-Technologie basiert und beabsichtigt, das kollaborative Kodieren und Analysieren in räumlich verteilten Forschungszusammenhängen zu unterstützen. Die vorgestellte Virtuelle Forschungsumgebung1 wird in einem ersten Schritt exemplarisch in der Historischen Bildungsforschung unter Verwendung digitalisierter Nachschlagewerke der Scripta Paedagogica Online (SPO) der Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung (BBF)2 realisiert. Mittelfristig wird die Wiederverwendung der Forschungsumgebung und ihrer Entwicklungen in weiteren Forschungszusammenhängen angestrebt.

Die Forschungsumgebung baut auf der freiverfügbaren MediaWiki-Software auf, die durch die Verwendung bei der Online-Enzyklopädie Wikipedia weitbekannt ist und bereits dort die Potenziale für kollaborative Textarbeiten – wie Diskussion und Versionenkontrolle – beispielhaft darstellt. Um das Forschungsmaterial feingliedriger beschreiben, vernetzen und prozessieren zu können, wird zusätzlich die Software-Erweiterung Semantic MediaWiki verwendet. Potentiell können so sämtliche Interaktionen in der Forschungsumgebung protokolliert, vielfältige Verlinkungen und Beschreibungen erstellt sowie einzelne Teile der wissenschaftlichen Wertschöpfungskette – wie Klassifikationen, Forschungsdaten etc. – im Semantic Web Standard RDF exportiert werden.

In dem Beitrag aus der Werkstatt werden Entwicklungen der Forschungsumgebung zum Thema „Vernetztes Wissen / Semantic Web“ dargestellt. Dabei wird beispielhaft auf erste Möglichkeiten der Kodierung und Kategorisierung der erziehungswissenschaftlichen Nachschlagewerke, der Visualisierung der Ergebnisse sowie des Exportes der bibliographischen Daten in RDF-Format eingegangen.

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1 Das Projekt wird unter dem Titel „Förderung der Entwicklung einer Virtuellen Forschungsumgebung für die Historische Bildungsforschung mit Semantischer Wiki-Technologie – Semantic MediaWiki for Collaborative Corpora Analysis“ (SMW-CorA) von der DFG im Bereich Wissenschaftliche Literaturversorgungs- und Informationssysteme (LIS): „Virtuelle Forschungsumgebungen. Infrastruktur und Demonstrationsprojekte“ (INST 367/5-1, INST 5580/1-1) gefördert und federführend vom Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) und dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) getragen.

2 Die Webseite http://bbf.dipf.de/digitale-bbf/scripta-paedagogica-online/digitalisierte-nachschlagewerke listet die digitalisierten Nachschlagewerke der Scripta Paedagogica Online aus den Jahren 1797 – 1942 auf.

Christoph Schindler (Deutsches Institut für Internationale Pädagogische Forschung, Frankfurt am Main)

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