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Andreas Oberdorf, M.Ed., M.A. | 09.06.2017 | 836 Aufrufe | Ankündigungen

DGEJ-Tagung 2017: "Katholische Aufklärung in Europa und Nordamerika"

Schloss Münster, 12. bis 15. September 2017

Die Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für die Erforschung des 18. Jahrhunderts (DGEJ) wird in diesem Jahr von der Arbeitsstelle für Deutsch-Amerikanische Bildungsgeschichte der WWU Münster veranstaltet und findet vom 12. bis 15. September im Schloss zu Münster statt. Die wissenschaftliche Leitung hat Professor Dr. Jürgen Overhoff (Münster).

Für lange Zeit galt es als ausgemacht, dass man die an Rationalität und freiheitlichem Denken orientierten Prinzipien der Aufklärung mit einer katholischen Glaubensfrömmigkeit würde schwerlich in Einklang bringen können: Bereits von den wirkmächtigsten Schriftstellern und Philosophen des 18. Jahrhunderts wurden Bedingungen und Potentiale einer genuin katholischen Aufklärung in sehr skeptischer oder sogar ablehnender Weise beurteilt – und vielfach wurde eine solche negative Einschätzung dann von Generation zu Generation weitergereicht. Auch die Aufklärungsforschung machte hier bis weit ins 20. Jahrhundert keine Ausnahme. Es ist vor allem den wegweisenden Studien zu verdanken, die im Rahmen der DGEJ-Tagung „Katholische Aufklärung – Aufklärung im katholischen Deutschland“ im November 1988 in Trier vorgelegt und im Nachgang von Harm Klueting 1993 herausgegeben wurden, dass die Katholische Aufklärung im letzten Vierteljahrhundert sukzessive als ernstzunehmender Gegenstand der Forschung anerkannt und gewürdigt wurde. In der vergangenen Dekade sind zunehmend Studien durchgeführt worden, welche die Katholische Aufklärung als gesamteuropäisches Phänomen zu beschreiben versuchen, oder – noch ganz am Anfang – gar als weltweit wirksame Reformbewegung des 18. Jahrhunderts auslegen. Eine noch recht grobe, aber dennoch anregende und weiterführende Kartographierung des möglichen globalen Forschungsfeldes zur Thematik wurde kürzlich von Ulrich L. Lehner vorgelegt („The Catholic Enlightenment. The Global History of a Forgotten Movement“, 2016). Lehner weist hier vor allem Nordamerika und die jungen Vereinigten Staaten als die vielversprechendsten Gebiete einer aktualisierten Erforschung der Katholischen Aufklärung aus. In diesen Forschungskontext fügt sich nun die DGEJ-Jahrestagung 2017 ein.

Die Tagung will insbesondere, wenn auch nicht ausschließlich, den transatlantischen Raum als einen die Kontinente übergreifenden, bedeutenden Wirkungskreis katholisch-aufklärerischer Bestrebungen erkunden. Denn es waren ja nicht zuletzt die britischen Kolonien Maryland und Pennsylvania, in denen aufgeklärte Katholiken, die sich aus Europa als Missionare, Lehrer oder Künstler nach Amerika aufgemacht hatten, mit großem Erfolg wirkten. Als dann 1776 die Vereinigten Staaten von Amerika gegründet wurden, konnten aufgeklärte Katholiken dort noch während des ausgehenden 18. Jahrhunderts unter Beweis stellen, dass der von ihnen gelebte Katholizismus mit einem von den Grundsätzen der politischen Aufklärung geprägten republikanisch-demokratischen Staatswesen vollständig in Einklang zu bringen war. Dies blieb dann auch für das katholische Selbstverständnis in Europa nicht ohne Wirkung. Für den Münsterschen Premierminister Franz von Fürstenberg, der einer der bedeutendsten Repräsentanten einer originär Katholischen Aufklärung war, aber auch für viele weitere katholische Geistliche, Denker und Staatenlenker boten die jungen Vereinigten Staaten ein anregendes Beobachtungsfeld.

Mit Blick auf diese Ausführungen verfolgt die Tagung im Wesentlichen drei Ziele: Zum einen soll die Untersuchung der Katholischen Aufklärung einmal mehr verdeutlichen, dass die Aufklärungsbewegung ein vielschichtiges Phänomen war und es eine idealtypische Aufklärung nicht gab. Gerade wenn man aber trotz der gegebenen Vielfalt den wenigen Kernprinzipien der Aufklärung auf die Spur kommen möchte, ist es unerlässlich, möglichst viele – regionale, konfessionelle etc. – Varianten dieser Reformbewegung des 18. Jahrhunderts in den Blick zu nehmen. Zweitens ist es nicht minder bedeutsam, sich immer wieder die grenzüberschreitenden Zusammenhänge der Aufklärung bewusst zu machen, denn dass die Aufklärung in verschiedenen Varianten existierte, heißt ja nicht, dass ihre Vertreter nicht grundsätzlich davon überzeugt gewesen wären, an der Erstellung universal gültiger Regeln des Zusammenlebens und der Wahrheitsfindung zu arbeiten. Die Aufklärer verstanden sich durchaus als Mitglieder einer internationalen, miteinander korrespondierenden „république des lettres“ , eines „commonwealth of learning“. Ihr Aufklärungsdiskurs wurde zwischen Europäern und Nordamerikanern in besonders intensiver Weise geführt, zu denen auch Reformkatholiken und katholische Aufklärer auf beiden Seiten des Atlantiks gehörten. Schließlich dient die Erforschung der Katholischen Aufklärung auch immer der Klärung der bis heute relevanten Frage, wie sich religiöse Traditionen und Überzeugungen mit den Einsichten und normativen Prinzipien einer säkularen Weltordnung vereinbaren lassen. Mit der notwendigen Distanz zu aktuellen religiös-politischen Problemfeldern wird durch die Bearbeitung ganz ähnlich gelagerter Konfliktlinien des 18. Jahrhunderts die Möglichkeit zu einer angemessenen Reflexion geschaffen. Dabei ist gerade die Einbeziehung der Forschungen zum katholischen Bildungswesen im traditionellen Einwanderungsland Nordamerika vielversprechend, weil hier auch aktuelle Fragen nach dem Umgang mit religiösen Minderheiten, mit Zuwanderung und mit der Wahrnehmung fremder Kulturen aufgeworfen werden.

Aus den eingegangenen Vorschlägen wurden folgende Sektionen gebildet: I. Erziehung und Bildung, II. Religion und Theologie, III. Politik und Staatstheorie, IV. Literatur und Öffentlichkeit, V. Musik und Theater, VI. Malerei und Architektur;  Plenarvorträge: „'Bündnis auf Zeit' zwischen gegensätzlichen Elementen und 'Wahre Aufklärung': Aporemata der Forschung zur katholischen Aufklärung von 1969 bis 2017“ (Prof. Dr. Dr. Harm Klueting, Köln); „Between Continuity and Change: Catholic Enlightenment in the Footsteps of Trent?“ (Prof. Dr. Ulrich L. Lehner, Milwaukee, WI (USA);  Öffentlicher Abendvortrag: „Heide unter Katholiken – Goethe in Münster“ (Prof. Dr. Gerhard Sauder, Saarbrücken);  Abendveranstaltung im Erbdrostenhof (Salzstraße 38): Konzert mit Lesung „Bachs 'Französische Suiten' und Montesquieus 'Reisen in Deutschland' – Ein musikalisch-literarisches Rendezvous“, Tamara Kornemann, Klavier.

Das Programmheft steht Ihnen auf unserer Homepage zur Verfügung: http://go.wwu.de/dgej2017

Dort erhalten Sie auch weitere Informationen zu Anmeldung, Anreise und Unterkünften.

Kontakt:
Andreas Oberdorf
Institut für Erziehungswissenschaft
Arbeitsstelle für Deutsch-Amerikanische Bildungsgeschichte
Georgskommende 26, 48143 Münsterdgej2017@wwu.de

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