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Nepal - Zerbrechliches Erbe

EPISODE 3 | Der Wiederaufbau des Harishankara Tempels

Der 1706 gestiftete Tempel des Harishankara auf dem Durbar Square in Patan ist infolge des Erdbebens von 2015 bis auf den Sockel eingestürzt. Bei der Begutachtung der Schäden wird das Ausmaß des Schadens deutlich: sogar die Fundamentschäden weisen Brüche und Risse auf, zahlreiches schmückendes Beiwerk in Form von Figuren und Ornamenten ist zerstört. Was übrig geblieben ist, wird akribisch dokumentiert und gelagert. Für das aber, was unwiederbringlich verloren ist, stellt sich für die Forscher, Architekten, Restauratoren und Handwerker nun die entscheidende Frage: Wie viel an modernen Eingriffen in die historische Bauweise ist erlaubt? Was darf wie wiederhergestellt werden? Dürfen beispielsweise zerstörte und für immer verlorene Holzfiguren neu geschnitzt werden und den Platz der alten Figur einnehmen? Westliche Vorstellungen und Konzepte zur Denkmalpflege prallen hier auf Traditionen der Einheimischen. 

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Forschungsprojekt
Zwei schwere Erdbeben trafen Nepal am 25. April und 12. Mai 2015. Tausende Menschen kamen ums Leben. Neben der humanitären Katastrophe hatten die Erdbeben eine vernichtende Wirkung auf ein wichtiges kulturelles Erbe der Menschheit: Zahllose historisch bedeutende Bauwerke in Nepal wurden ganz oder teilweise zerstört, sehr viele Häuser und Tempel sind einsturzgefährdet und können nicht mehr wieder aufgebaut werden. Das architektonische Erbe des Tals von Kathmandu gehört seit 1979 zum UNESCO-Weltkulturerbe und war auch bereits vor den jüngsten Erdbeben durch Bevölkerungszuwachs, Umweltprobleme, Klimawandel, Brände und frühere Erdbeben stark gefährdet. Von 2003 bis 2007 stand das Tal von Kathmandu auf der Roten Liste des gefährdeten Welterbes.

Unmittelbar nach dem Erdbeben vom 25. April 2015 vereinbarten das Auswärtige Amt und die Gerda Henkel Stiftung, sich gemeinsam für den Erhalt bzw. Wiederaufbau des Kulturerbes in Nepal zu engagieren. Ziel der Initiative ist es, die humanitäre Hilfe für die Bevölkerung mit Maßnahmen zu flankieren, die die kulturelle Identität des Landes stärken. Die Verbindung zwischen Bevölkerung und kulturellem Erbe ist in Nepal sehr stark ausgebildet, in vielen Dörfern tragen einzelne Familien für die Pflege des örtlichen Tempels Sorge und integrieren die dort ansässigen Götter in ihren Alltag. Die Beziehungen zwischen Nepal und Deutschland im Bereich Kulturerhalt sind traditionell gut ausgeprägt: Es waren deutsche Architekten, Ingenieure, Wissenschaftler und Denkmalschützer, die 1970 als erste Angehörige eines ausländischen Staates mit der Restaurierung von Kulturdenkmälern begannen, die durch das schwere Erdbeben von 1934 zu Schaden gekommen waren. In den Folgejahren wurde eine Vielzahl von Projekten in Angriff genommen, darunter die im Rahmen eines Staatsbesuchs von Bundeskanzler Helmut Kohl im Jahr 1987 zugesagte Rekonstruktion eines 1934 verloren gegangenen Tempels in Bhaktapur, der die Beben von 2015 unbeschadet überstanden hat.

Auch aufgrund dieser langen und guten Zusammenarbeit stehen in Nepal neben exzellent ausgebildeten und hoch begabten Handwerkern viele weitere Fachkräfte für Wiederaufbau- und Restaurierungsprojekte bereit. Alle Projekte werden daher im engen Dialog mit Partnern in Nepal entwickelt und maßgeblich von einheimischen Experten durchgeführt. In Anbetracht des großen Ausmaßes der Arbeiten steht zudem die Ausbildung von weiteren Handwerkern, Fachkräften und Wissenschaftlern im Mittelpunkt. Neben dem Bemühen, vielen Personen in Nepal durch die Beschäftigung in Kulturerhalt-Projekten ein Auskommen zu bieten, möchten die Partner mittelfristig auch einen Beitrag zum Wiederaufbau des für das Land wirtschaftlich bedeutenden Sektors Tourismus leisten.

Projektleitung:

Prof. Dr.-Ing. Niels Gutschow

Ort:

Nepal

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