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Dr. rer. nat. André Karliczek | 15.12.2010 | 3480 Aufrufe | 1 | Artikel

"Das Schattenspiel des Lebens" - anatomisch pathologische Perspektiven

Liebe LISA-Gemeinde,

ich möchte im Folgenden gerne mein Dissertationsprojekt, das als PDF beigefügt ist, vorstellen und wünsche mir Anmerkungen, Hinweise und natürlich Kritik. Es handelt sich um ein medizinhistorisches Thema, dessen Ansatzpunkt die Entstehung des Konzeptes des Lebens um 1800 ist. Es mag ungwohnt klingen, aber das Leben als wissenschaftlich-epistemisches Konzept existiert vor etwa 1750 nicht, entwickelt jedoch in den 50 Jahren bis 1800 eine unglaubliche aufklärerische Wirkmächtigkeit, die in der Entstehung der sog. Lebenswissenschaften (Biologie, Physiologie etc.) gipfelt. Dabei gibt es bis heute keine wissenschaftliche Begründung für das Leben bzw. die mit ihm assoziierten Prozesse. An der Ausgestaltung des Lebenskonzeptes um 1800 ist die Medizin - und hier insbesondere Pathologie und pathologische Anatomie - maßgeblich beteiligt, indem sie Kriterien für Norm und Abnorm von Entwicklungsprozessen erarbeitet und damit erstmals etwa Missbildungen überhaupt als natürliche Formveränderungen bzw. -variationen deuten kann. Das Leben wird derart zu einer besonderen physikalischen Naturkraft, die sich in Anlehnung an elektro-galvanische Vorstellungen mit bestimmten Naturgesetzmäßigkeiten beschreiben und im Experiment erforschen lässt. Damit bietet sie der Medizin die Möglichkeit sich als eine Naturwissenschaft begründen zu können..
Nähere Ausführungen zum Projekt könnt Ihr der Projektskizze entnehmnen. Vielleicht findet sich jemand, der an einem ähnlich gelagerten Problemfeld arbeitet oder auch einfach nur  entsprechende Hinweise oder Anregungen für mich hat.

Vielen Dank für Euer Interesse!

Andre Karliczek

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Kommentar

von Lic. phil. Felix Engel | 04.02.2011 | 18:55 Uhr
Vielen Dank für diesen sehr interessanten und ausnehmend gut strukturierten Entwurf. Mich freut vor allem die Absicht, nicht eine bloße Teilgeschichte der Pathologie schreiben zu wollen, sondern die Auseinandersetzung mit Konzepten von Leben zu suchen. Allerdings scheint mir dies eine große Herausforderung zu sein. Pathologie beschreibt eine Abwandlung oder Einschränkung der als normal empfundenen Körperfunktionen. In einem Extremfall wäre dies deren gänzliche Einstellung und der Übergang des lebendigen Organismus in einen toten Körper. Alle Pathologie endet so letztlich im Tod als der Antithese zum Leben. Entstanden ist der lebendige Organismus (Leben hier als Antithese zur Nichtexistenz) aber nicht aus toter Materie, sondern aus den Zellen anderer lebender Körper. Vor der Geburt hat es keinen Übergang von tot zu lebendig gegeben, also kein Gegenstück zu pathologischen Prozessen, die nach der Geburt einsetzen. Um Pathologie in Bezug auf positive Konzepte von Leben zu setzen, muss eine Vergleichbarkeit mit dem Übergang von unbelebter zu belebter Materie hergestellt werden - ein Vorgang, von dem wir hypothetisch ausgehen können, der allerdings nach wie vor weitgehend unverstanden bleibt und experimentell nicht reproduziert werden kann. Der Vorgang des Lebens besteht aus einer fortwährenden Umsetzung organischer Materie, die mal belebt und mal unbelebt vorkommt. Die dabei ablaufenden Prozesse sind Gegenstand der Lebenswissenschaften. Auf welcher Ebenen kann nun ein Bezug zwischen der Pahtologie und der Welt jenseits dieses Zyklus' hergestellt werden? Ist dies überhaupt beabsichtigt? Ich bin sehr gespannt und wünsche bei der Erforschung alles Gute.

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