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Georgios Chatzoudis | 12/07/2014 | 600 Views | Articles

7. Dez. 1914 Montag Blészno

Tagebucheintrag Harry Graf Kessler

Heute früh um 4 den Befehl erhalten, mich sofort beim 24ten Corps zu melden, dem ich als Ordonnanzoffizier zugeteilt bin. Um sechs nach Czenstochau gefahren, um mich zu erkundigen, wo mein neues Corps steht und Fahrgelegenheit zu suchen. Mit dem Hauptquartier in Posen telephoniert, von wo mir der Generalstäbler Caemmer sagte, ich würde am besten nach Lenczyca fahren, nördlich von Lodz; ich solle mich aber lieber noch im Lauf des Tages in Koschentin erkundigen. Mich entschlossen, zunächst um drei nach Lublinitz zu fahren, nachdem ich bei der Kolonne Alles geordnet hätte. Nach Blészno zurück, die letzten Geschäfte abgewickelt und mich um 10 1/2 von der Kolonne verabschiedet. Es tat mir doch leid diesen Organismus, den ich geschaffen und dem ich seinen eigenen Leib gegeben habe, zu verlassen. Die Leute schienen auch bewegt. Mit Koehn nach Czenstochau geritten, dort im Angielski gefrühstückt und um 3.40 ab nach Lublinitz. Der alte Graf Keller, der auf einer Liebesgaben Reise begriffen ist, lud mich ein in seinem Salonwagen mitzufahren. Unterwegs erzählte er Einiges mir Neue über Bismarcks Entlassung. In Lublinitz nach Koschentin telephoniert, wo mir der Hauptmann Bennecke vom Generalstab sagte, das 24te Korps stehe nicht bei Lenczyca, sondern südlich von Pabianice (südl. von Lodz); ich solle mit der Bahn über Ostrowo bis Sieradz fahren, nachher von Sieradz über Lask weitermarschieren. Der Kommandierende ist der General von Gerhard, früher Gouverneur von Ulm. – Vormittags um 7 war ich noch einmal in der Klosterkirche in Czenstochau. Sie war dichtgefüllt von einer andächtigen Menge; die Musik, in die die Menge einstimmte, von grosser, ruhevoller Schönheit. So schliesst für mich ein Abschnitt in diesem Kriege und ich gehe einer neuen, noch unsicheren Bestimmung entgegen. – Abends in Lublinitz die Nachricht, dass die Russen bei Lodz geschlagen sind, und wir Lodz genommen haben. Wahrscheinlich wird also auch mein Corps jetzt schnell auf der Verfolgung vorgehen.

Russian wounded going to the rear. Motor ambulances are a rare luxury in Russia and the wounded are frequently two and three days in peasant's carts before they reach the railhead or base hospitals.

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