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Georgios Chatzoudis | 25.11.2014 | 659 Aufrufe | Artikel

25 Nov. 1914. Mittwoch. Gnászyn

Tagebucheintrag Harry Graf Kessler

Eiserne Kreuze verteilt; eins an meinen Wachtmeister, eins an den Befehlsempfänger Walckenhorst. Kanonendonner nur noch ganz schwach von Südost. Die Schlacht scheint eingeschlafen. Zum zweiten Mal gegen Cholera geimpft. Die Schlacht schweigt heute vorne fast ganz.   Aus einem Brief an Dora Bodenhausen: Im Osten haben wir hauptsächlich Landwehr, ältere Leute, die unverdrossen ihre Pflicht thun. Vorigen Freitag machte ich mit den 46ern den Sturm auf Rudniki mit. Ihnen fehlt die Schönheit der jungen Regimenter; sie gehen wie Ackergäule in den Tod (das Regiment verlor bei diesem Sturm 400 Mann.) Aber ins Feuer schreiten sie schwer und mächtig, wie die Arbeiter am frühen Morgen durch die Gassen einer Fabrikstadt zur Arbeit gehen. Diese Pflichttreue, die sich selber nicht kennt, ist das Erstaunlichste.   An Rudi Schroeder. Vieles war (im Kriege) gross, Vieles erschütternd. Alles ausser jedem Verhältnis zu der früheren, friedlichen Welt, die mir deshalb auch versunken, vergraben scheint. Die nackte Sachlichkeit des Krieges, sein Mangel an schlechtem Pathos und Romantik, ist vielleicht, was mir am meisten Eindruck gemacht hat. Selbst die Toten wirken selbstverständlich, liegen ganz bescheiden und nebensächlich da; ja, wie in der Ilias. Der Krieg ist das eigentlich klassische Metier (Ich verstehe jetzt das klargeschnittene klassische Profil der grossen Eroberer: Caesar, Ramses II, Friedrich d. Gr., Napoleon, Moltke).

Old Post card depicting the charge of German infantry against the Russian Fortress of Novogeorgievk in August 1915.

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