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L.I.S.A.video | 05.06.2013 | 5947 Aufrufe | Georgios Chatzoudis

Die Akropolis von Vize (Türkei)

EPISODE 1 | Wiedersehen mit alten Bekannten

Vize, knapp 120 Kilometer westlich von Istanbul, ist heute eine Kleinstadt in der türkischen Provinz Kırklareli in Ostthrakien. Welche Bedeutung die Stadt einst hatte, wird erst deutlich, wenn man einen Gang durch ihre Straßen bis hoch hinauf zur Akropolis unternimmt. Spolien am Wegrand, in Gärten und verbaut in Häuserwänden geben Zeugnis von der jahrhundertelangen Geschichte Vizes ab. Ayça Beygo von der Ludwig Maximilian-Universität München geht der bewegten Geschichte der Stadt nach und hat sich zur Aufgabe gesetzt, eine Topographie der einst byzantinischen Stadt zu erstellen.

Im europäischen Teil der Türkei, etwa auf halbem Weg zwischen Istanbul und Edirne, liegt die Provinzstadt Vize (Bizye). Als Vorposten Konstantinopels auf der Balkanhalbinsel und Ausgangspunkt einer wichtigen Wasserleitung war Vize in spätantiker und byzantinischer Zeit von höchster strategischer und militärischer Bedeutung und wird in historischen Quellen entsprechend häufig als Bischofssitz, Ort des Exils, Pilgerziel und byzantinischer Truppenstützpunkt erwähnt. Ausdruck der militärischen und wirtschaftlichen Bedeutung Vizes sind zahlreiche Baudenkmäler aus der spätantiken, byzantinischen und osmanischen Zeit, die sich vor allem im Bereich der Akropolis der Stadt finden. Eine Befestigungsmauer, die vermutlich aus dem 6. Jahrhundert stammt, umschließt mehrere ehemalige Kirchen und Profanbauten

Obwohl sich zahlreiche kulturhistorisch bedeutsame Baureste auf der Akropolis von Vize erhalten haben, hat eine eingehende Erforschung und Dokumentation der Oberstadt von Vize bislang nicht stattgefunden. In einem Kooperationsprojekt zwischen der Abteilung Istanbul des Deutschen Archäologischen Instituts und der Columbia University in New York haben die Archäologen Prof. Dr. Franz Alto Bauer von der Ludwig-Maximilians-Universität München und Prof. Dr. Holger Klein von der Columbia Universität in New York 2003 begonnen, die bislang kaum erforschte Hagia Sophia bauarchäologisch zu untersuchen.

Im Mittelpunkt eines von der Gerda Henkel Stiftung seit 2010 geförderten Forschungsprojektes unter der Leitung von Prof. Dr. Franz Alto Bauer und Prof. Dr. Holger Klein steht die Durchführung eines topographischen Surveys der Akropolis von Vize. Innerhalb des Areals, das von der spätantiken Stadtmauer umzogen wird, finden sich zahlreiche Baureste aus der Spätantike, der byzantinischen und osmanischen Zeit, die bislang undokumentiert blieben. Der geplante Survey verspricht nicht nur neue Erkenntnisse zur Siedlungsgeschichte der Stadt im Mittelalter, sondern auch zur Genese und historischen Entwicklung ihrer bislang unerforscht gebliebenen Stadtbefestigung sowie zur „Position“ der Hagia Sophia innerhalb des Stadtgefüges von Vize. Ein sorgfältiger archäologischer Survey wird daher aller Voraussicht nach zu einem kohärenten Siedlungsbild führen, das Aufschlüsse über die Stadtstruktur von Vize in byzantinischer Zeit gibt, und verspricht darüber hinaus weitere Erkenntnisse über die wenig erforschte Epoche zwischen dem 7. und 9. Jahrhundert.

 

Mehr Informationen zum Projekt finden Sie auf der Homepage der Gerda Henkel Stiftung.

Projektleitung:

Prof. Dr. Franz Alto Bauer
Prof. Dr. Holger Klein

Ort:

Türkei, Vize

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