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Dipl.-Ing. Architekt Reinhard Gunst | 17.02.2019 | 464 Aufrufe | Artikel

Lugdunum

Die Stadt des Lugh

Der bedeutendste Teil des römischen Lugdunum lag auf einem Plateau am Zusammenfluss von Saone und Rhone. Mit der Stadtgründung im Jahr 43. v. Chr. wurde hier eine gallo-römische Siedlung erbaut, wo sich Besiedelungspuren bis in die prähistorische Zeit zurückverfolgen lassen. Ab 20 v. Chr. wurde aus der Siedlung dann die Colonia Copia Augusta und damit der Verwaltungssitz des mittleren Galliens. Die Stadt erhielt prachtvoll ausgestattete Gebäude, wie Theater, ein Forum, Thermen und den Sitz des Gouverneurs. In dieser Metropole Galliens standen auch die zentralen Altäre, vor denen alljährlich am 1. August, die Treffen der Landesfürsten stattfanden. Doch das Fest am 1. August diente vor allem dazu, das erste Konsulat des Kaisers Augustus zu feiern und mit diesem Kaiserkult auch die Ergebenheit gegenüber dem dem römischen Reich zu beweisen

Der von den Römern verliehene Name bedeutet übersetzt `Hügel des Lichtes´, oder auch `Hügel der Raben´. Trotz dieser Interpretation gilt die Etymologie des Namens nicht als gesichert. Mit dem Licht ist auch der gallisch-keltische Gott Lugh verbunden. Aus diesem Kulturraum ein Fest überliefert, das am 1. August stattfand. Mit diesem Fest Lughnasadh wurde seiner Ziehmutter gedacht, doch es wird ebenso als `Lughs Hochzeit´ gedeutet. Die Gestalt des Lugh wird unterschiedlich beschrieben. Einerseits wird er als Kriegsgott, als Handwerksgott und Gott der Kunst gesehen, ebenso aber auch als Licht- und Sonnengott. Er trägt Beinamen wie `mac Ethnenn´, `Sohn der Ethniu, `Lonnbeimnech´,`der wilde Schläger´, aber auch `Macnia, der jungenhafte Held´. Die Beinamen wie Wilder Schläger, oder auch der jungenhafte Held tauchen auch im Mythos des Orion als Bezeichnung des himmlischen Jägers auf. Lugh wird in Erzählungen als junger Mann mit strahlend hellem Antlitz und ebensolchem Haar beschrieben. In den irisch-keltischen Mythen fährt er zudem noch einen Streitwagen, gezogen vom Pferd Enbarr. Dazu trägt er als Bewaffnung sein Schwert Fragarach, den magischen Speer Brionac, eine Kette und eine Steinschleuder. Sie wird in einer der Volkssagen als Regenbogen und seine magische Kette als Milchstraße bezeichnet. Damit zeigt sich ein eindeutiges Merkmal des Sternbildes Orion, dessen rechter Arm mit der Milchstraße verbunden zu sein scheint. Wurde Lugh einst tatsächlich mit Orion identifiziert, so ergibt sich eine weitere Bedeutung des Sternbildes als Ankündiger zur Wintersonnenwende, denn zu jener Zeit stieg Orion an diesem Tag kurz vor Sonnenaufgang am Osthorizont auf. In dieser Position zeigte dann die Linie seiner Gürtelsterne auf den Aufgangspunkt der Sonne am nächsten Morgen.

Das Fest am 1. August galt im gallo-keltischen Raum auch als erstes von drei Erntefesten. Dies macht durchaus Sinn, da auch heute noch das durchschnittliche Temperaturmaximum um den 1. August erreicht wird. In dieser Zeit der größten Hitze und den damit verbunden Gefahren starker Gewitter, diente das Fest ebenso dazu, den Schutz für die beginnende Ernte zu erbitten.Die Stärke Roms in der Adaption fremder Kulte zeigt sich an diesem 1. August, in dem der Tradition des Lugh Festes eine neues Format verlieh wurde. Diese Darstellung der neuen Machtverbundenheit fand auch ihren Niederschlag in der Ausrichtung der Stadtgeometrie. So wurde das Zentrums Lugdunums, das Forum, auf auf den Sonnenaufgang am 1. August ausgerichtet. Damit wurde die Ausrichtung Stadtgeometrie beiden Seiten gerecht, dem keltischen Gott Lugh und auch divi filius Augustus, dem `Sohn des Vergöttlichten´.

 

 

Sonnenstand 1. August: Azimut: 64°/ Sonnenhöhe 0,85°

Horizonthöhe 0,9°

Stadtplan:michel-lenoble@orange.fr / Simulation sunearthtools, opentopomap

Sonnenausrichtung von Lugdunum

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