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Dr. Jörn Retterath | 29.04.2020 | 703 Aufrufe | Artikel

Internationaler Forschungspreis für polnischen Historiker Włodzimierz Borodziej

Der Internationale Forschungspreis der Max Weber Stiftung beim Historischen Kolleg geht an den polnischen Historiker Włodzimierz Borodziej, der sich in seiner Forschung schwerpunktmäßig mit der Geschichte Polens, Deutschlands und Ostmitteleuropas im 20. Jahrhundert beschäftigt. "Włodzimierz Borodziej ist ein hoch angesehener Forscher, der als solcher, aber auch als Wissenschaftsorganisator aufs Engste mit Deutschland verbunden ist", begründet Hans van Ess, Vorsitzender des Auswahlausschusses und Präsident der Max Weber Stiftung, die Juryentscheidung. "Er setzt sich seit Jahrzehnten erfolgreich dafür ein, zwischen den geisteswissenschaftlichen Wissenschaftskulturen zu vermitteln und die Geschichte des jeweils anderen Landes auch einer breiteren Öffentlichkeit näher zu bringen. Włodzimierz Borodziej trägt damit erheblich dazu bei, die belastenden Erfahrungen der deutsch-polnischen Geschichte verständlich, konstruktiv und sachlich aufzuarbeiten.

Włodzimierz Borodziej wurde 1956 in Warschau geboren und wuchs zweisprachig auf. Seine Dissertation schloss er 1984 an der Universität Warschau mit einem Thema über die deutsche Besatzungspolitik in Polen im Zweiten Weltkrieg ab. 1991 habilitierte er sich mit einer Arbeit über die internationalen Beziehungen Polens zwischen 1945 und 1947. Seit 1996 ist Borodziej Professor am Historischen Institut der Universität Warschau. Darüber hinaus hatte er zehn Jahre lang den Co-Vorsitz der Deutsch-Polnischen Schulbuchkommission inne. Mit dem Imre Kertész Kolleg Jena, das er von 2010 bis 2016 zusammen mit Joachim von Puttkamer leitete, förderte er die internationalen Forschungsbeziehungen. Zu seinen umfangreichen Publikationen gehören neben der "Geschichte Polens im 20. Jahrhundert" (2010), die er explizit für eine deutsche Leserschaft schrieb, auch die zusammen mit Maciej Górny verfasste Geschichte des Ersten Weltkriegs im östlichen Europa (deutsche Übersetzung 2018). Borodziej publiziert regelmäßig zu zeithistorischen und geschichtspolitischen Fragen in der deutschen sowie der polnischen Presse. Er setzt sich damit aktiv für ein historisch-fundiertes Verständnis der deutsch-polnischen Beziehungen ein.

Mit dem Internationalen Forschungspreis der Max Weber Stiftung beim Historischen Kolleg werden herausragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für ihr bisheriges Gesamtschaffen ausgezeichnet, die sich in vorbildlicher Weise um international ausgerichtete, geistes-, sozial- und kulturwissenschaftliche Forschung verdient gemacht haben. Der Internationale Forschungspreis ist mit 30.000 Euro dotiert. Mit dem Preis verbunden ist die Einladung zu einem Forschungsaufenthalt in München einschließlich der Durchführung eines internationalen Kolloquiums am Historischen Kolleg. Bisherige Preisträger waren die US-amerikanische Historikerin Isabel V. Hull, der französische Kunsthistoriker und Philosoph Georges Didi-Huberman und die französische Historikerin und Politikwissenschaftlerin Hélène Miard-Delacroix.

Professor Dr. Włodzimierz Borodziej erhält 2020 den Internationalen Forschungspreis der Max Weber Stiftung beim Historischen Kolleg

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