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Dr. Elke Senne | 16.04.2015 | 685 Aufrufe | Ankündigungen

Forschungsfreiheit

Hamburger Akademievorlesungen im Sommer 2015

"Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei" – so heißt es im Grundgesetz. Aber welche Argumente sprechen eigentlich dafür, der Freiheit der Forschung einen derart hohen Stellenwert einzuräumen? Weshalb sollte man sie in solch besonderer Weise schützen? Kann die Forschungsfreiheit durch finanzielle, technische und organisatorische Umstände in Bedrängnis geraten? Kann Forschungsfreiheit auch im Kontext der Auftrags- und Programmforschung gewährleistet werden? Und wo sind die Grenzen der Forschungsfreiheit zu ziehen? In der Vortragsreihe der Akademie der Wissenschaften in Hamburg sollen diese und weitere Fragen aus fachübergreifender Perspektive erläutert werden.

Zum Auftakt der Vorlesungsreihe am 16. April liefert Torsten Wilholt, geschäftsführender Direktor des Instituts für Philosophie an der Leibniz Universität Hannover "Argumente für die Forschungsfreiheit": Warum räumen wir ausgerechnet der wissenschaftlichen Forschung bestimmte Freiheiten ein? Welche Werte sollen dadurch geschützt werden? Welche Freiheiten müssen im einzelnen gewährleistet sein, damit Forschungsfreiheit die von ihr erhofften Früchte trägt? Der Professor für Philosophie und Geschichte der Naturwissenschaften wird zeigen, dass die Freiheit der Forschung auf mehreren ganz verschiedenartigen philosophischen Grundlagen fußt.

Der "Forschungsfreiheit in Bedrängnis durch Finanzen, Technik und Organisation" widmet sich am 6. Mai Paul Kirchhof, ehemaliger Richter des Bundesverfassungsgerichts und Präsident der Heidelberger Akademie der Wissenschaften. Dabei reflektiert er vor dem Hintergrund von verengenden und wissenschaftsfremden Auflagen für Geldzuwendungen in der Forschung, von programmierter Freiheit der Digitaltechnik und der Überlastung der Forscher mit Verwaltungspflichten und Formalien durch die Organisationen über Freiheitsrecht, Freiheitsvertrauen und wechselseitige Verantwortlichkeit in der Wissenschaft sowie die Gefahr wachsender Abhängigkeiten.

Martin Carrier, Professor für Wissenschaftsphilosophie an der Universität Bielefeld und Leiter des dortigen "Institute for Interdisciplinary Studies of Science" (I2SoS), nimmt am 11. Juni das Spannungsfeld von „Forschungsfreiheit und Forschungsbedarf: Wissenschaft zwischen Autonomie und gesellschaftlichen Ansprüchen“ in den Fokus: Gesellschaftliche Ansprüche an die Wissenschaft nehmen einen wachsenden Raum in der Forschungsagenda ein. Dabei lassen Auftragsforschung und Programmforschung die Grundlagenforschung mit ihrer wissenschaftsinternen Auswahl von Forschungsthemen streckenweise in den Hintergrund treten. Welche Forschungsheuristik ist überhaupt geeignet, solchen Ansprüchen gerecht zu werden? Und: Welche Auswirkungen hat der hohe Anteil kurzfristiger und praxisorientierter Forschungsprojekte auf die Erkenntnisorientierung der Wissenschaft?

"Forschungsfreiheit und ihre Grenzen im Bereich der ‚Menschenversuche‘" ist das Thema des Vortrags von Bettina Schöne-Seifert am 30. Juni. Sie ist Professorin für Medizinethik an der Universität Münster und Mitglied der Kollegforschergruppe „Normenbegründung in der Bioethik“. Sie bezieht sich auf die anhaltend und international kontroversen ethischen Debatten zu den Bedingungen für Testpersonen in medizinischen oder psychologischen Studien und damit zusammenhängenden zentralen Fragen wie: Sollen Patienten selbstbestimmt in hochriskante Behandlungsversuche einwilligen dürfen? Was sollen Stellvertreter für nicht-einwilligungsfähige Teilnehmer legitimieren dürfen?

Alle Veranstaltungen finden statt in den
Baseler Hof Sälen
Esplanade 15
20354 Hamburg
Rollstuhlgerechter Zugang über Esplanade 16

Der Eintritt ist frei. Um Anmeldung wird gebeten unter www.awhamburg.de/veranstaltungen

Termine, Themen, Referenten

Donnerstag, 16. April 2015, 19:00 Uhr
Argumente für die Forschungsfreiheit
Prof. Dr. Torsten Wilholt, Hannover

Mittwoch, 6. Mai 2015, 19:00 Uhr
Forschungsfreiheit in Bedrängnis durch Finanzen, Technik und Organisation
Prof. Dr. Dr. h. c. Paul Kirchhof, Heidelberg

Donnerstag, 11. Juni 2015, 19:00 Uhr
Forschungsfreiheit und Forschungsbedarf: Wissenschaft zwischen Autonomie und gesellschaftlichen Ansprüchen
Prof. Dr. Martin Carrier, Bielefeld

Dienstag, 30. Juni 2015, 19:00 Uhr
Forschungsfreiheit und ihre Grenzen im Bereich der "Menschenversuche"
Prof. Dr. Bettina Schöne-Seifert, Münster

Presseanmeldung und weitere Informationen:
Dr. Elke Senne
Presse- & Öffentlichkeitsarbeit
Akademie der Wissenschaften in Hamburg
040/42 94 86 69–20
presse@awhamburg.de
www.awhamburg.de

Die Akademie
Der Akademie der Wissenschaften in Hamburg gehören herausragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aller Disziplinen aus dem norddeutschen Raum an. Sie trägt dazu bei, die Zusammenarbeit zwischen Fächern, Hochschulen und anderen wissenschaftlichen Institutionen zu intensivieren. Sie fördert Forschungen zu gesellschaftlich bedeutenden Zukunftsfragen und wissenschaftlichen Grundlagenproblemen und macht es sich zur besonderen Aufgabe, Impulse für den Dialog zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit zu setzen. Die Grundausstattung der Akademie wird finanziert von der Freien und Hansestadt Hamburg. Präsident der Akademie ist Prof. Dr.-Ing. habil. Prof. E.h. Edwin J. Kreuzer. Die Akademie der Wissenschaften in Hamburg ist Mitglied in der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften.

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