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Georgios Chatzoudis | 17.10.2011 | 2995 Aufrufe | Artikel

Adolph Friedrich Erdmann von Menzel,
Auszüge aus den Briefen eines Künstlers von 1830-1905

Adolph Menzel schreibt Dr. Friedrich Wilhelm Anton Puhlmann (*1797, †1882), einem Militärarzt aus Potsdam.

Puhlmann studierte in Berlin Medizin und Chirurgie sowie Philosophie und arbeitete später als Wundarzt im Berliner Charité-Krankenhaus. 1828 übernahm er das Amt des Regimentarztes bei den Garde-Husaren. Puhlmann machte sich außerdem einen Namen als Kulturförderer und war unter anderem Mitbegründer und Mitglied einiger Kunstvereine. Darüber lernte er Adolph Menzel kennen, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verbinden sollte.

Puhlmann besaß zahlreiche Zeichnungen und graphische Arbeiten Menzels, die nach seinem Tod in den Bestand der Nationalgalerie übergegangen sind.

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Adolph Menzel

17. Oktober 1836, Berlin
Brief 5 | An Wilhelm Puhlmann in Potsdam

Ew: Wohlgebohren
übersende ich hiermit eine vorläufige Skizze der mir bestellten Randverzierung. Die Respektiven Herren werden sich, hoffe ich, in den Hauptsachen daraus zu vernehmen wissen, daß die Gruppen rechter Hand vom Bilde aus sich auf die Beförderung der Kunst, und die linker Hand auf die der Wohlthätigkeit beziehen, braucht wohl nicht erst erinnert zu werden, es erklärt sich, denk ich alles selbst, die Arabeske beabsichtige ich als Immergrün auszuführen.

So ersuche ich Sie denn, beikommendes gefälligst vorzulegen, und mir etwaige Wünsche und Aenderungen mittheilen zu wollen, da das alles jezt noch berücksichtigt werden kann, auf der vollständig ausgeführten Zeichnung ist dieß dann oft nicht mehr möglich. Wenn ich hiebei eine Bitte wagen dürfte, welche vielleicht auch dem Interesse des respe: Vereins entgegenkommt, so wäre es die, mich durch Zurücksendung des Bescheids und der Skizze in den Stand zu setzen, die Arbeit baldigst vornehmen zu können, da ich in diesem Augenblick durch Anderes weniger gedrängt bin. Noch muss ich um eine genaue Bestimmung der Größe, des zu benutzenden, und des nicht zu überschreitenden Raumes bitten, um nachmalige Unannehmlichkeit vorzubeugen. Schließlich bitte ich, wenn Sie bald einmahl in Berlin sind, mich nicht vorbei zu gehn, falls es Ihre übrige Zeit erlaubt. Vielleicht finde ich etwas für Sie.

Indem ich die Ehre habe, mich bestens zu empfehlen, bin ich mit Hochachtung
ergeb: Menzel

Fortsetzung folgt...

...der nächste Brief erscheint am 5. November.

Über unserer Menzel-Reihe

Der Maler und Zeichner Adolph Menzel (1815-1905) gilt als einer der produktivsten und bedeutendsten Künstler des 19. Jahrhunderts. Am Anfang seiner Karriere steht vor allem ein besonderer Auftrag, der den Autodidakten Menzel schnell bekannt machte: Die Illustration einer mehrbändigen Ausgabe über die Geschichte Friedrichs des Großen. Mehr als 400 Zeichnungen fertigte Menzel an und trug so wesentlich zur Historisierung und Popularisierung des Preußenkönigs bei. Außerdem widmete sich der in Breslau geborene Menzel in zahlreichen Bildern und Zeichnungen seiner Wahlheimat Berlin.

In einer neuen Reihe veröffentlichen wir passend zum jeweilgen Datum Briefe Adolph Menzels, die mit Unterstützung der Gerda Henkel Stiftung in vier Bänden im Deutschen Kunstverlag erschienen sind: Adolph Menzel. Briefe, herausgegeben von Claude Keisch und Marie Ursula Riemann-Reyher, Deutscher Kunstverlag Berlin München 2009.

Unser besonderer Dank gilt dem Deutschen Kunstverlag sowie der Stiftung Preußischer Kulturbesitz für die Genehmigung, einzelne Briefe auszugsweise veröffentlichen zu dürfen.

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