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Dr. Christoph Hilgert | 15.12.2018 | 335 Aufrufe | Artikel

100. Beitrag im Forschungsblog "Erinnerungskulturen" der Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien erschienen

Butovo als Beispiel einer russischen Gedenkkultur "von unten" - Jubilämsbeitrag von Alumna Ekaterina Makhotina

Im Forschungsweblog "Erinnerungskulturen. Erinnerung und Geschichtspolitik im östlichen und südöstlichen Europa" der Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien ist der 100. Beitrag erschienen. In dem Jubiläumsbeitrag beleuchtet Dr. Ekaterina Makhotina, Alumna der Graduiertenschule und Wissenschaftliche Mitarbeiterin der Abteilung für Osteuropäische Geschichte der Universität Bonn, die Entwicklung der russischen Gedenkstätte Butovo bei Moskau. Auf diesem ehemaligen NKWD-Schießplatz wurden zwischen 1937 und 1938 im Rahmen des "Großen Terrors" der Stalinzeit mehr als 20.000 Menschen ermordet. Wie Makhotina aufzeigt, ist Butovo ein gutes Beispiel für eine russische Gedenkkultur "von unten", die sich unabhängig von staatlichen Geschichtspolitiken entwickelt und diese letztlich sogar beeinflusst.

Der ehemalige NKWD-Schießplatz bei Butovo ist die größte Exekutions- und Begräbnisstätte der stalinistischen Terroroperationen im Moskauer Gebiet. Zwischen dem 8. August 1937 und dem 19. Oktober 1938 wurden hier, wenige Kilometer südlich von den heutigen Außenbezirken der russischen Hauptstadt, über 20.000 Menschen hingerichtet. Die meisten von ihnen waren Arbeiter. Angestellte und Bauern bildeten die zweit- und drittgrößte Opfergruppe. Der Stalinistische Terror erscheint hier wieder einmal als eine vollkommen willkürliche, unerklärliche Operation, traf der Vernichtungswillen doch gerade die eigentliche Trägerschicht des sozialistischen „Arbeiterstaates“.

Doch die Massenrepressionen, die durch einen Politbüro-Beschluss ausgelöst und durch die Geheimanordnung Nr. 00447 des NKWD, des sowjetischen Volkskommissariats für innere Angelegenheiten, ausgeführt wurden, hatten ihre „eigene Logik und ihre Regeln“. Das Wissen über die Strukturen und die Mechanismen dieses Massenterrors bleibt im Wesentlichen einer kleinen Gruppe von Stalinismusforschern vorbehalten. Im öffentlichen Bewusstsein herrscht hingegen nach wie vor ein unscharfes Bild eines ziellosen, allumfassenden und irrationalen Terrors und wird daher oft mit Wörtern wie „Unheil“, „Drama“, „Tragödie“ oder „Katastrophe“ beschrieben. Bis heute haben die Familienangehörigen keine Antwort auf die Frage des „warum?“.

Das Forschungsweblog "Erinnerungskulturen" ist eine Initiative der Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien, einer gemeinsamen Einrichtung der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München und der Universität Regensburg in der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder. Das Weblog präsentiert seit April 2015 Einblicke in Forschungsprojekte, Forschungsergebnisse sowie kürzere Beiträge/Beobachtungen zu Erinnerungskulturen im östlichen und südöstlichen Europa aus einer transnationalen und interdisziplinären Perspektive. Es lädt zur Diskussion ein und steht Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aller Qualifikationsstufen und unterschiedlicher Disziplinen als Forum zur Verfügung.

Anlässlich der Veröffentlichung des 100. Beitrags dankt die Redaktion allen bisherigen Autorinnen und Autoren für ihre Mitarbeit sowie allen Leserinnen und Lesern für ihr Interesse. Vorschläge für neue Beiträge nimmt die Redaktion immer gerne entgegen.

Der 100. Beitrag:
Ekaterina Makhotina: Gedenkkultur "von unten": Butovo und die Erinnerung an Opfer, Märtyrer und Täter des Großen Terrors. In: Erinnerungskulturen. Erinnerung und Geschichtspolitik im östlichen und südöstlichen Europa, 07.12.2018. URL: https://erinnerung.hypotheses.org/4946.

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