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Promovierende Historikertag | 27.09.2018 | 10331 Aufrufe | 61 | Artikel

Gespaltene Zunft? Welchen Stellenwert haben Promovierende für den Historiker_innenverband?

Offener Brief an die Mitglieder des Verbandes der Historiker und Historikerinnen Deutschlands

Sehr geehrte Kolleg_innen,

der Beitrag der Promovierenden an der historischen Wissenschaft ist unerlässlich. Dieser Beitrag wird auf dem Historiker_innentag nicht ausreichend gewürdigt. Wir beobachten sorgenvoll die institutionalisierte Trennung zwischen Promovierenden und Promovierten. Dies zeigt sich besonders am gegenwärtigen Format und der Durchführung des Doktorand_innenforums. Drei Punkte möchten wir besonders hervorheben.
 
Transparenz: Bei jedem Wettbewerb ist es zentral, eindeutige und nachvollziehbare Kriterien zu formulieren. Steht bei Postern der wissenschaftliche Inhalt oder vielmehr die grafisch-anschauliche Aufbereitung im Fokus? Ist die Zielgruppe das interessierte Laienpublikum oder die Fachöffentlichkeit? Weiterhin sollte der Ablauf der Jurybegehung klar kommuniziert werden, damit für die Teilnehmenden verlässliche Planungssicherheit sichergestellt wird.
 
Attraktivität: Das Forum sollte ein Ort der Begegnung sein, um auch dem Namen eines Forums gerecht zu werden. Anreize zum Verweilen und eine zentrale Lage sind unverzichtbare Grundvoraussetzungen, um die vom Verband angestrebten Ziele – Vernetzung und Austausch – zu verwirklichen.
 
Wertschätzung: Was ist ein Posterforum ohne Poster? Eine Farce! Organisatorische Versäumnisse, wie fehlende oder unprofessionell gedruckte Poster, belegen die niedrige Priorität des Forums für den VHD. Diese fehlende Wertschätzung verdeutlicht sich aber auch an vielen weiteren Nachlässigkeiten, wie etwa der fehlenden persönlichen Vorstellung der Jury, dem fehlenden Hinweisschild am Eingang und der ebenso fehlenden Verpflegung im Saal des Forums.
 
Das Doktorand_innenforum ist nur ein Teil eines grundlegenden Problems: Der Historiker_innentag würdigt Promovierende und deren Leistungen nur unzureichend. Mit diesem Brief fordern wir, dass der VHD seinen selbst gesteckten Zielen gerecht wird und insbesondere die von uns hervorgebrachten Punkte konsequent realisiert. 
 
Münster, 27. September 2018


Constantin Christoph Eckner, Nikolai Okunew, Fabian Zimmer, Janine Funke, Thorsten Glückhardt, Lisa Korge, Daniel Eggstein, Alexandre Bischofberger, Maike Axenkopf, Kevin Lenk, Clemens Villinger, Sophie Lange, Kathrin Meißner, Sindy Duong, Denise Lehner, Marcel Schmeer, Henrike Voigtländer, Laura Achtelstetter, Helen Wagner, Anna Corsten

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Die Unterstützung des Anliegens kann durch eine Unterschrift in den Kommentaren des Artikels signalisiert werden. 

Kommentar

von Laura Achtelstetter | 27.09.2018 | 13:05 Uhr
Ein sehr wichtiger Punkt, ist meiner Meinung auch: Anerkennung.
Viele Doktorand_innen bilden bereits jetzt als wissenschaftliche Mitarbeiter_innen im universitären Alltag die Grundlage der Lehre und Forschung an den einzelnen Lehrstühlen. Diese zentrale Rolle des Nachwuchses im wissenschaftlichen Betrieb sollte anerkannt werden. Dahingehend wäre es wünschenswert anstelle des Posterforums bzw. eines eigenen Doktorand_innenforums diese Gruppierung gleichberechtigt in die inhaltlichen Teil des Historikertages zu integrieren. [Vorbild könnte hierfür die German Studies Association sein.]

Kommentar

von Lisbeth Matzer | 27.09.2018 | 13:11 Uhr
Vollste Unterstützung für diese Anregungen!
Auch HistorikerInnen können etwas mit der Zeit gehen und early stage/early careers ernster nehmen.

Kommentar

von Daniel Siemens | 27.09.2018 | 13:32 Uhr
Ich bin dieses Jahr nicht auf dem Historikertag, aber das Problem, auf das hier zurecht hingewiesen wird, ist nicht neu. Frau Achtelstetter hat recht (s.o). Die Lösung liegt meines Erachtens nicht in einer "Besserbehandlung" spezieller Foren für Doktorandinnen und Doktoranden, sondern im Einreißen dieser sachwidrigen Ungleichbehandlung von jüngeren und älteren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Wer promoviert, hat gewöhnlich auch etwas mitzuteilen. Ich würde in diesem Zusammenhang auch vorschlagen, den Begriff" Nachwuchs" als Selbstzuschreibung konsequent zu vermeiden.

Kommentar

von Björn Klein | 27.09.2018 | 13:39 Uhr
Vollste Unterstützung auch aus Berlin.

Kommentar

von Christian Günther | 27.09.2018 | 13:40 Uhr
Als Doktorand und Mitglied des VHD unterstütze ich das hier geäußerte Anliegen.

Kommentar

von René Schlott | 27.09.2018 | 13:46 Uhr
Ich unterstütze diese Iniative sehr, schade dass sie notwendig geworden ist. Denn das Problem ist tatsächlich von den vorangegangenen HistorikerInnentagen bekannt. Nun ist Zeit für Lösung im Interesse der DoktorandInnen.

Kommentar

von Stefan Magnussen | 27.09.2018 | 13:56 Uhr
Vielen Dank für den offenen Brief! Ich war 2016 in Hamburg selber mit dabei und auch dort hatte ich das Gefühl, dass wir nach einiger Zeit alle nur noch am Poster standen und uns gefragt haben, was wir dort eigentlich machen. Immerhin hatten wir alle Poster in ausreichender Qualität und Verpflegung im Zelt, aber manche waren so in der Ecke angebracht, dass sie für die wenigen Personen, die dann auch kamen, kaum zu sehen waren.

Ich kenne es von vergleichbaren Konferenzen anderer Fachdisziplinen, wo jungen AkademikerInnen und deren oftmals spannenden Projekten eine weit angemessenere Plattform geboten wird, bis hin zu semi-obligatorischen Besichtigungen der Poster durch alle Teilnehmenden ohne zeitgleiche Parallelveranstaltungen. Dann kommt man tatsächlich auch mal mit den wichtigen FachkollegInnen ins nette Gespräch. Aber in der jetzigen Form bringt jeder intime Doktorandenworkshop mehr als dieses Nachwuchsforum.

Kommentar

von Dr. Anna Sophia Müller | 27.09.2018 | 14:09 Uhr
Auch als promovierte Mitarbeiterin im Wissenschaftsbetrieb kann ich dieses Anliegen nur unterstützen!
Doktorand_innen befinden sich sowohl finanziell, als auch institutionell in äußerst prekären Situationen. Wer dennoch den Mut aufbringt und sich - aller Widrigkeiten zum Trotz - in das Mammutprojekt Promotion stürzt, sollte nicht auch noch die völlig unnötige Abwertung der geleisteten Arbeit durch bereits promovierte Kolleg_innen und Veranstaltungsorganisator_innen erfahren müssen.
Wenn Nachwuchswissenschaftler auf einer Veranstaltung nicht erwünscht sind, soll der Veranstalter dies klar kommunizieren und den Doktorand_innen die Arbeit ersparen, ein Poster zu erstellen. Sie haben nämlich genug andere Aufgaben, als sich durch Photoshop zu wursteln.
Wenn sie aber doch erwünscht sind, dann sollte ihnen angemessene Wertschätzung entgegen gebracht werden.

Kommentar

von Philipp Schulte | 27.09.2018 | 14:10 Uhr
Volle Unterstützung.

Kommentar

von Inge Kessel | 27.09.2018 | 14:22 Uhr
Dieses Jahr scheint der Historikertag bezüglich der Doktorandenförderung so schlecht organisiert zu sein, dass sogar ich, als abwesende Historikerin, davon bereits von meinen anwesenden jungen Kolleg*innen gehört habe.
Es ist mir ein Rätsel, warum man engagierten jungen Wissenschaftlern nicht mehr Raum und Öffentlichkeit zur Verfügung stellt. Oder wenigstens Wasserflaschen und tatsächlich gedruckte Poster.
Wie ich hörte, schaffte es die Veranstaltungsorganisation nicht einmal, alle eingereichten Poster pünktlich zu drucken und auszustellen. Eine solch schwache Planung zeugt von äußerster Geringschätzung für die Arbeit des wissenschaftlichen Nachwuchses und ist mehr als unhöflich.
Organisatorische Pannen passieren überall einmal, aber dann sind diese auch schnellstmöglich zu beheben und der Ablauf eines Wettbewerbes für alle Teilnehmenden fair zu gestalten. Außerdem gehört eine öffentliche Entschuldigung ausgesprochen, wenn die wochenlange Arbeit von jungen Kolleg*innen aufgrund von Druckproblemen o.ä. nicht entsprechend präsentiert wurde.

Mit Schrecken erinnere ich mich an eigene demütigende Erfahrungen während meiner Dissertation. Schade, dass solche Erlebnisse auch 20 Jahre später noch an der Tagungsordnung sind. Eine Schande für unsere Wissenschaftsdisziplin.

Kommentar

von Marina Lemaire | 27.09.2018 | 14:30 Uhr
Ich kann die Anliegen der Promovierenden sehr gut nachvollziehen und finde die Kritik gerechtfertigt. Eine Twitterlounge mit Kaffee und Keksen, wo man in den Pausen verweilen kann, wäre an so einem Ort gut angelegt. Eine Posterslam-Session ähnlich wie der History-Slam könnte den spannend Projekten der Doktorand*innen einen attraktiven Raum geben.

Kommentar

von Jan Scheu | 27.09.2018 | 14:31 Uhr
Volle Unterstützung aus Hamburg!
Wann erkennt unsere Wissenschaftsdiziplin endlich an, dass die jungen Kolleg/innen einen elementaren Beitrag zu unserem Fach leisten?

Kommentar

von Alexander Geppert | 27.09.2018 | 14:32 Uhr
Forza und gutes Gelingen!

Kommentar

von Mathias Haeussler | 27.09.2018 | 14:34 Uhr
Auch meinerseits vollste Unterstützung. Eine leider allzu bekannte Situation, dieses Jahr aber besonders augenfällig/schlimm.

Kommentar

von S. Mueller | 27.09.2018 | 14:43 Uhr
Die Rahmenbedingungen für diesen Posterbereich sind wirklich eine Zumutung. Als ich dort war, hingen nicht alle Poster, weil die Organisatoren es vermasselt hatten. Es gab keine Getränke, sodass ich mich nicht lange dort aufhalten mochte und die Promovierenden wussten nicht, nach welchen Maßstäben ihre Arbeit bewertert wird. Es hatte stark den Anschein, als stünden die Gewinner schon fest und die Jury war genervt von ihrer Aufgabe.

Liebe Promovierende, ihr habt meine vollste Unterstützung! Es wird Zeit, dass der Historikerverband seine verstaubte Sicht auf den Wert der Promovierenden ins Archiv legt und sich stattdessen auf den Weg Richtung Fortschritt macht: auch die Arbeit von Promovierenden ist wertvoll. Wenn nicht gar die wertvollste, denn aus ihr geht alles weitere hervor.

Kommentar

von Sandra Funck | 27.09.2018 | 14:51 Uhr
Meine vollste Unterstützung und großes Dankeschön an die Verfasser_Innen dieses Briefes! Es wird Zeit, dass wir uns äußern.

Kommentar

von A. P. Hoffmann-Laudes | 27.09.2018 | 15:40 Uhr
Volle Unterstützung!

Und Hut ab für Ihren Mut, gegen diese Missstände aufzubegehren! Nur so kann sich etwas ändern.

Kommentar

von Karol Synski | 27.09.2018 | 15:46 Uhr
Der Umgang des Historikerverbandes mit dem eigenen Wissenschaftsnachwuchs ist wirklich beschämend. Für große Empfänge mit Politikern, die neben der Selbstbeweihräucherung keinen Nutzen haben, ist genug Geld da. Aber beim Austausch von Promovierenden mit Promovierten, beim Einbezug junger Wissenschaftler/innen in den regulären Tagungsablauf und selbst bei der Versorgung mit Wasser und Essen wird gespart? Peinlich.

Kommentar

von Sarah Schwab | 27.09.2018 | 15:56 Uhr
Auch ich kann Laura Achstetters Kommentar nur unterstützen. Die Größe des Historikertages mag einmalig sein, aber das kann kein Grund sein, Doktrand_innen in die Konferenz genauso einzubinden, wie das bei Historikerverbandstagungen in anderen Ländern selbstverständlich geschieht.

Kommentar

von K. Schneider | 27.09.2018 | 16:01 Uhr
Der Posterwettbewerb war ganz klar eine Posse!
Im Vorhinein waren die Bewertungskriterien nicht kommuniziert worden.
Desweiteren wurde die Beteiligung von Designagenturen nicht verboten, was zwingend notwendig wäre, wenn tatsächlich die Arbeit der Promovierenden bewertet werden soll.
Die PDFs der Poster mussten schon einen Monat vor Tagungsbeginn abgegeben werden und TROTZDEM druckt der Veranstalter die Poster erst am Tag der Präsentation und natürlich kommt es zu technischen Problemen.
Nun begann der Wettbewerb, obwohl nicht alle Poster hingen. Das alleine reicht schon, um zu zeigen, wie unfair sich der Historikerverband hier verhält. Eine Aufschiebung des Wettbewerbs bis die, vom Verband verschuldeten, fehlenden Poster gedruckt werden konnten, wäre angebracht gewesen.
Nun kommt also die Jury und was ist? Sie bewertet die OPTIK der Poster. Sind wir hier im Kunstverein oder auf einer wissenschaftlichen Tagung?
Dazu kommt die hier schon hinreichend miesen Rahmenbedingungen des Doktorandenforums. Ich bin von diesem Historikertag mehr als enttäuscht.

Danke, dass ihr das zur Sprache bringt! Meine Unterstützung habt ihr!

Kommentar

von Dr. Jörn Retterath | 27.09.2018 | 16:13 Uhr
Meine volle Unterstützung für die Forderungen der Doktorandinnen und Doktoranden!

Den Eindruck, den ich als Zuhörer beim Festakt auf dem Hamburger Historikertag vor zwei Jahen hatte, scheint sich erneut zu bestätigen. Damals wirkte es auf mich, als habe sich die Jury nicht entscheiden können, ob sie die grafische Gestaltung der Poster, die dort präsentierten Inhalte oder die vorgestellten Projekte als solche bewerten solle. Meines Erachtens müssten vorab klare und transparente Maßstäbe festgelegt werden - oder, wenn dies nicht möglich ist, stattdessen ein anderes Format gewählt werden, um die Promotionsprojekte auf dem Historikertag angemessen der (Fach-)Öffentlichkeit zu präsentieren (und auszuzeichnen).

Und auch der VHD, dessen Mitglied ich bin, sollte sich überlegen, wen er repräsentieren möchte. Bislang ist er vor allem ein Verband der universitären, professoralen Geschichtswissenschaft. Eine solche Fokussierung ist okay, steht aber im Widerspruch zum Anspruch, die Vertretung aller deutschen Historiker*innen zu sein. Historiker*innen, die außerhalb der Uni forschen und arbeiten (sei es an außeruniversitären Forschungsinstituten, sei es freiberuflich oder in anderen Bereichen des öffentlichen Dienstes oder der freien Wirtschaft) sind im VHD - ähnlich wie der "wissenschaftliche Nachwuchs" (auch wenn sich hier in den vergangenen Jahren schon einiges getan hat) - unter- bzw. nichtrepräsentiert. Ja mehr noch: Sie werden überhaupt nicht als Zielgruppe des Verbandes wahrgenommen und ihre Interessen werden nicht vertreten. Auch hier kann ich mich meinen Vorrednern nur anschließen: Es wird Zeit, dass sich was ändert.

Kommentar

von Daniel Münch | 27.09.2018 | 16:54 Uhr
Liebe Iniator*innen des Briefes,
vielen Dank, dass Ihr dieses Schreiben verfasst habt und meine Unterstützung dafür, wenn auch ich weder vor Ort noch Mitglied im VHD bin, sondern nur bei der KGD (dort ist einer von 5 Vorstandsposten für den Nachwuchs reserviert). Wie es sich von außen darstellt, scheint auch der Science Slam sehr stiefmütterlich behandelt worden zu sein. Ich habe vor zwei Jahren im Hamburg daran teilgenommen und habe es sehr genossen, auch dank der tollen Organisation im Vorfeld, wodurch alles sehr geschmeidig lief. Diesmal war der Slam auf der Website äußerst schlecht beworben (also insbesondere nicht in einer der Unterkategorien des Programmes aufgenommen) und die Fotos auf Twitter erwecken den Eindruck, die große Bühne wird auch nicht länger gesucht.
Ich hoffe, dass die Geringschätzung des Posterforums (und des Slams) Anlass bieten grundsätzlich über Rolle und Partizipationsmöglichkeiten der Promovierenden und frisch promovierten im Fach zu sprechen und Veränderungen anzustoßen.

Kommentar

von Verena Spohn | 27.09.2018 | 17:00 Uhr
Vollste Unterstützung aus Freiburg!

Kommentar

von T. Müller | 27.09.2018 | 18:11 Uhr
Volle Unterstützung!

Unsäglich ist ebenfalls die verbale Degradierung der DoktrandInnen mit der Bezeichnung 'wissenschaftlicher Nachwuchs'. Eben jene haben einen akademischen Grad und sind für die wissenschaftliche Forschung unabdingbar, ohne sie gäbe es keinen Fortschritt.

Kommentar

von Christina Schröder | 27.09.2018 | 18:59 Uhr
Meine vollste Unterstützung und mein ganz herzlicher Dank für diesen Brief!

Kommentar

von Jakob Frohmann | 27.09.2018 | 19:56 Uhr
Diesen Brief kann man nur in jeder Hinsicht unterstützen. Bitte weitermachen, liebe Initiatoren, bitte endlich aktiver werden, lieber VHD.

Kommentar

von Eine Stimme auch ohne Doktorhut | 27.09.2018 | 21:37 Uhr
Vielen herzlichen Dank für diesen tollen Brief.
Ich frage mich auch, wo die Bachelor-und Masterstudierenden vertreten sind im VHD. Muss man denn unbedingt promovieren um ernst genommen zu werden?
Es besteht auf jeden Fall Nachholbedarf.
Wie wäre es mit Unterstützung des VHDs gemeinsam eine Lösung für den Unmut zu finden?
Mal nachfragen und auf die Bedürfnisse und Wünsche des Nachwuchses eingehen?
So eine große Veranstaltung sollte den "jungen" auch die Gelegenheit geben sich etwas (kreativ) auszutoben.

Kommentar

von Karoline Döring | 27.09.2018 | 21:59 Uhr
Ihr habt meine vollste Unterstützung!

Ich habe mehrere sehr ärgerliche Orgamängel erlebt & frage mich, ob diese pathologisch beim Sonderprogramm auftraten, wo die jüngeren Forschenden häufiger vertreten waren, weil das eventuell nicht ernst genug genommen worden ist oder schlicht zuviel an Angebot war, um es organisatorisch sinnvoll zu bewältigen. Allerdings war ich bei keiner Fachsektion & habe zu wenig Einblick ins Gesamtprogramm gewonnen, um das wirklich beurteilen zu können.

Unsere Aktion #Wissenschaftverhueten https://www.openhistory.de/kondom/ fügt sich leider gut. Die Postersession hätte man lieber gleich gelassen. Als Gast fand ich den Ort unpassend, obwohl die Location eigentlich sehr schön war, die optische Präsentation des gesamten Forums viel zu eng & wenig ansprechend, fast lieblos, über den Ablauf hätte ich zu wenig Informationen. Abgesehen von der offenbar mangelhaften Durchführung: Welchem Ziel diente die Teilnahme? Welchen Zweck verfolgte der Verband damit? Ich würde mir andere, besser geeignete Formate für Promovierende wünschen.

Kommentar

von Dr. Silvia Meissner | 27.09.2018 | 22:26 Uhr
Ich bin durch den Aufruhr auf Twitter auf diesen Brief aufmerksam geworden und ich kann nur sagen: Danke für das Engagement und dieses Anliegen hat meine vollste Unterstützung!

Es ist höchste Zeit, dass auch wir Historiker anerkennen, dass nicht erst ein Dr. vor dem Namen einen Menschen dazu befähigt, wissenschaftliche Arbeit zu leisten, die Beachtung verdient.

Ich hoffe sehr, dass dieser Aufruf von den verantwortlichen Organisator/innen des Historikertages ernst genommen wird und solche Situationen in Zukunft nicht wieder auftreten. Generell sollten wir Promovierten und Habilitierten mehr Gedanken darum machen, wie wir junge Wissenschaftler besser unterstützen können. Ein gönnerhafter Lehrauftrag hier und ein Lob dort reichen eben nicht, um dauerhaft Fuß in der Wissenschaft zu fassen. Dazu gehören strukturelle Verlässlichkeit (z.B. unbefristete Stellen), aber eben auch die Möglichkeit die eigenen Forschungsprojekte publikumswirksam vorstellen zu können.
Die besten und engagiertesten jungen Wissenschaftler gehen uns an die Lehrtätigkeit an Schulen oder gleich in die Wirtschaft verloren, weil sie sich zu Recht nicht länger ausbeuten und wie im Falle des Historikertages 2018 auch noch respektlos behandeln lassen wollen.

Was Doktorand/innen zu unmöglichen Bedingungen wie Sechs-Monats-Verträgen bei ausbeuterischer Bezahlung, der völliger Abhängigkeit von der Gunst des Doktorvaters/ der Doktormutter und gleichzeitig noch dem Druck, dass von dieser einen Forschungsarbeit die restliche Karriere abhängt, leisten ... muss gerade bei Veranstaltungen wie dem Historikertag gewürdigt werden. Alles andere ist ein Armutszeugnis für unser Fach.

Ich hoffe sehr, dass diese Initiative zu einem Umdenken anregt!

Kommentar

von Jan Keupp | 27.09.2018 | 22:36 Uhr
Ich lehre an der WWU Münster, gehöre aber nicht dem Organisationskomitee des Historikertages an. Aus dieser Perspektive heraus möchte ich Ihren Offenen Brief nicht ohne ebenso offenes Stirnrunzeln stehen lassen:

In die Realisierung dieser Großtagung hat ein sehr engagiertes Team in den letzten Wochen und Monaten viel Energie und Herzblut gesteckt, einen nicht geringen Teil davon ehrenamtlich und zuletzt bis an den Rand der Erschöpfung. Es handelt sich dabei keineswegs nur um ein Kollektivunternehmen des Abstraktums "VHD", sondern auch und vor allem um die schätzenswerte Anstrengung ganz konkreter Personen, die übrigens zum Gutteil noch nicht oder gerade erst promoviert sind. Der Komplexität des "größten geisteswissenschaftlichen Kongresses Europas" mag dabei tatsächlich eine Reihe von bedauerlichen Mängeln geschuldet sein, die übrigens auch die Sektionen arrivierter TeilnehmerInnen betroffen haben. Die Verantwortlichen ärgert das sicherlich mindestens ebenso sehr wie die Betroffenen.

Vor diesem Hintergrund scheint es mir umgekehrt kein Zug von kollegialer Wertschätzung, dem Organisationsteam ein intentionales Versäumnis vorzuwerfen und ihre beeindruckende Gesamtleistung damit in ein zweifelhaftes Licht zu rücken. Auch erwarte ich von Promovierenden der historischen Wissenschaften offen gestanden ein höheres Maß an kritischer Differenzierungsfähigkeit: Einzelne Pannen und Inkommoditäten pauschal einer in seltsamer Anonymität adressierten Institution ("der Historikertag", "der VHD") zuzuschreiben und zugleich als kausal zusammenhängende Symptome einer generellen Haltung oder gar einer klammheimlicher Absicht ("fehlende Wertschätzung") zu deuten, erscheint mir methodisch in mehrfacher Hinsicht angreifbar.

Aus vollem Herzen bekräftigen möchte ich demgegenüber den ersten Satz Ihres Offenen Briefes: "[D]er Beitrag der Promovierenden an der historischen Wissenschaft ist unerlässlich". Die wissenschaftliche Leistung der Doktoranden geringzuschätzen hieße tatsächlich, die Grundlagen unseres gemeinschaftlichen Erkenntnisprozesses generell zu unterminieren. Promotionsarbeiten fungieren in Substanz und Innovationsfreudigkeit sowohl als breites Fundament wie auch als maßgeblicher Impulsgeber unserer Disziplin. Ich bin mir sehr sicher, dass diese Position von meinen Kolleginnen und Kollegen einhellig geteilt wird. Wenn wir das in den zurückliegenden Tagen zu wenig zum Ausdruck gebracht haben sollten, dann täte mir dies ehrlich leid. Eine gespaltene Wissenschaftsgesellschaft ist das letzte, was wir anstreben!

Kommentar

von Ein Gast des Historikertags | 27.09.2018 | 22:40 Uhr
Ich habe mir das Doktorandenforum angesehen und muss sagen, dass ich die Zustände für eine Veranstaltung dieser Größe und Tragweite für die Geschichtswissenschaft wirklich unfassbar fand.
Erstmal konnte ich den Raum nicht finden. Tatsächlich brachte mich erst das selbst geschriebene Schild an den richtigen Ort. Der Raum ansich wirkte wie "oh, da haben wir noch einen hässlichen Raum übrig, den bekommen die Doktoranden". Dieser Raum war allerdings ein deutliches Zeichen für die Bedeutung, die man den Doktoranden beimaß: keine.
Da standen mehrere dutzend Promovierende vor, von den Organisatoren wirklich schlecht gedruckten, Postern. Die Poster mussten aus Platzmangel übereinander gehangen werden, sodass kaum eines gut zur Geltung kam.
Kaum einer der Wissenschaftler verirrte sich mal in diesen Gebäudeteil, sodass der eigentliche Sinn, nämlich Austausch mit anderen Forschenden, völlig verfehlt wurde.
Auch gab es keine Getränke oder Verpflegung, was wohl das mindeste wäre, wenn man von den jungen Wissenschaftlern erwartet, dass sie stundenlang vor ihren Postern stehen für den Fall, dass sich doch mal ein Kollege zu ihnen verirrt.
Die Preisvergabe zeigte schließlich auch, dass selbst die Jury nicht genau wusste, nach welchen Kriterien sie eigentlich bewerten soll.

Es tut mir aufrichtig leid, für die Promovierenden, die wichtige Arbeitstage in diese Poster gesteckt haben. Sie wären für das Fortkommen des Dissertationsvorhabens eindeutig besser aufgewendet gewesen.

Ich hoffe, die Verantwortlichen beim Historikerverband erkennen nun endlich an, dass Promovierende eine ebenso wichtige Rolle innehaben sollten, wie bereits etablierte Historiker.

Kommentar

von Martin Schroer | 27.09.2018 | 22:54 Uhr
Anders als Herr Keupp verstehe ich diesen Brief nicht als übertriebene Kritik an einzelnen organisatorischen Mängeln, denn die Verfasser weisen deutlich darauf hin, dass diese nur einen Aspekt der Kritik darstellen. Niemand hätte den Organisator_innen ein vergessenes Hinweisschild übel genommen. Auch ein nicht gedrucktes Poster ist zu verschmerzen, sofern die Verantwortlichen mit dem Fehler offen umgehen und dafür sorgen, dass der Wettbewerb trotzdem fair abläuft. Aber die Kombination aus so vielen Problemen, sowohl organisatorischer Art, als auch der grundsätzlichen Gestaltung des Wettbewerbes und Doktorandenforums, die Nicht-Sichtbarkeit von Promovierenden im Regelprogramm der Tagung sind es, die dazu führen, dass auch ich, als Nicht-mehr-Doktorand den Eindruck hatte, man wolle die Promovierenden am liebsten gar nicht da haben.

Das Problem der unklaren Kriterien für den Posterwettbewerb und der schlechten Sichtbarkeit hinsichtlich räumlicher Situation des Doktorandenforums ist darüber hinaus auch von frühreren Historikertagen bekannt und liegt wohl kaum in der Verantwortlichkeit einzelner "noch nicht promovierter" Personen, sondern ist ein strukturelles Problem im Konzept des Historikertages.

Und seien wir mal ehrlich, niemand hätte den Doktoranden zugehört bzw. man hätte sie im Plenum sehr schnell kaltgestellt durch die pure Überzahl der Promovierten im Saal, wenn sie diese Problematik nicht in einem Brief, sondern in einer Diskussion vor Ort angebracht hätten. So haben sie den Weg gewählt, der notwendigerweise Beachtung findet und haben damit in keinster Weise Geringschätzung gegenüber einzelnen Personen des Organisationskommitees ausgedrückt.

Kommentar

von E. Schmidt | 27.09.2018 | 22:58 Uhr
Auch aus Darmstadt vollste Unterstützung für Ihr Anliegen! Die Verhältnisse auf dem Historikertag sind nur der Tropfen der das Promovierendenfass zum Überlaufen gebracht hat. Es ist dringend an der Zeit, dass sich hinsichtlich des Umgangs mit Doktorand*innen etwas ändert!

Kommentar

von Theo Liefert | 27.09.2018 | 23:02 Uhr
2600 Aufrufe und über 30 Kommentare in nur wenigen Stunden und die Zahlen steigen im Minutentakt. Hier wird deutlich, dass dieser Brief einen Nerv getroffen hat.

Auch ich möchte mich meinem Vorredner anschließen und betonen, dass hier nirgends einzelne Personen aus dem Organisationsteam kritisiert werden, denn Fehler passieren überall. Zur Debatte steht hier die grundsätzliche Geringschätzung der Forschungsarbeit von Promovierenden, die sich eben auch in der räumlichen und zeitlichen Verortung innerhalb einer Tagung, der Gestaltung eines Wettbewerbs und auch dem Umgang mit organisatorischen Versäumnissen ausdrückt.

Kommentar

von L.M. | 27.09.2018 | 23:04 Uhr
Oh liebe Initiatoren, DANKE für diesen Brief! Ähnlich schlechte Bedingungen herrschten schon, als ich beim Historikertag 2016 am Wettbewerb teilgenommen habe und damals hat sich niemand für unsere Kritik interessiert. Von wegen es seien nur organisatorische Fehler, da steckt durchaus ein System hinter!

Kommentar

von Christian Sammer | 27.09.2018 | 23:22 Uhr
Ich stimme voll und ganz zu. Herzlichen Dank für diese Initiative.

Kommentar

von Christian Volks | 27.09.2018 | 23:24 Uhr
Welch Ironie, eine Tagung unter dem Titel der gespaltenen Gesellschaften und dann separiert man selbst so sehr.

Wie viel weniger gespalten unsere Gesellschaft wohl wäre, wenn mehr Leite dagegen aufbegehren, so wie ihr in diesem kleinen Puzzelstück, liebe Verfasser. Vielen Dank für euer Engagement und Mut!
Auch, wenn ihr sicherlich Gegenwind vom Historikerverband bekommen habt: Lasst euch bloß nicht kleinmachen. Euer Anliegen ist richtig und wichtig!
Es geht hier nicht nur um eine einzelne Tagung, sondern um ein grundsätzliches Problem.

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von Dörte Lerp | 28.09.2018 | 00:35 Uhr
Auch ich kann mich Laura Achtelstetter nur anschließen. Ganz unabhängig von der Organistion des Forums, die dieses Mal offensichtlich wirklich viele Mängel aufwies, stellt sich die Frage, ob die Posterausstellung der wissenschaftlichen Arbeit der Doktorand_innen gerecht wird. (Falls das Format so toll ist, warum dann nur für nicht-Promovierte?) Stattdessen sollten sie selbstverständlich auf Panels und in Podiumsdiskussionen vertreten sein.

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von K. T. | 28.09.2018 | 07:33 Uhr
Ich schließe mich den Forderungen des Briefes an. Ich bin es leid, als Doktorand immer wie ein Wissenschaftler dritter Klasse behandelt zu werden. Und der Historikertag hat sich auch bei vergangenen Veranstaltungen nicht mit Ruhm bekleckert was die Einbindung von Promovierenden angeht.

Schön, dass es endlich mal laut ausgesprochen wird.

Kommentar

von Tim P. | 28.09.2018 | 09:16 Uhr
Mein Doktorvater hat mich gewarnt, dass ich nicht am Posterwettbewerb teilnehmen soll, weil man erst mit Themen ab dem Mittelalter überhaupt eine Chance hat. "Und dann stehen Sie den ganzen Tag vor ihrem Poster und niemand wird mit Ihnen sprechen und die guten Vorträge verpassen Sie auch." sagte er.
Tja, er hatte wohl Recht. Aber wenn selbst Doktorväter die Gestaltung des Doktorandenforums für Unsinn halten, ist das wohl sehr bezeichnend.

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von Hoffmann | 28.09.2018 | 09:29 Uhr
Unsäglich ist, dass eine Organisatorin des Historikertages gestern öffentlich auf Twitter ein Foto postet, auf dem ein paar Zettel in einer Stuhlreihe auf dem Boden liegen. Sie tituliert das ganze mit "So hinterlassen unsere lieben Doktoranden die Festveranstaltung [...]".

Die Promovierenden fühlen sich vom Historikerverband nicht ernstgenommen und wertgeschätzt und diese Organisatorin bestätigt in einem einzigen Tweet, dass sie damit auch Recht haben.

Kommentar

von Schmitt | 28.09.2018 | 10:18 Uhr
Vollste Unterstützung

Kommentar

von Sigrid | 28.09.2018 | 10:31 Uhr
Völlig berechtigte Forderungen. Es reicht langsam, wobei sich nicht nur beim Historikerverband was ändern muss.

Kommentar

von Justus Hillebrand | 28.09.2018 | 10:45 Uhr
Ich war nicht auf dem Historikertag, kann also nichts zu den konkreten Umständen sagen. Überrascht hat mich dieser offene Brief jedoch nicht, da er ein generelles Problem in der deutschen Geschichtswissenschaft anspricht. Promovierende und jegliche Studierende werden als Wissenschaftler zweiter Klasse behandelt, die nicht an ihren Leistungen und ihren Aussagen, sondern an ihrem fehlenden Titel gemessen werden. Da helfen Lippenbekenntnisse wenig. Ein Blick zu den Kollegen ins Ausland kann da helfen: Promovierende selbstverständlich als Vortragende in den normalen Betrieb der Konferenz aufnehmen und Themen explizit auch außerhalb des gewählten Themas des Jahres akzeptieren sind da nur die ersten, grundlegenden Anregungen. Ansonsten orientieren sich Promovierende nicht nur gen Lehrer*innenausbildung, andere außeruniversitäre Karrierewege und die freie Wirtschaft, sondern auch ins Ausland.
Ich hatte nie das Gefühl, dass ich als einsamer Doktorand diese Missstände ändern könnte. Die Unterzeichnenden des Briefes und auch die vielen Kommentare beweisen mir das Gegenteil. Danke dafür und weiter so!

Kommentar

von V. E. | 28.09.2018 | 11:09 Uhr
Vollste Unterstützung für das Schreiben und Dank den Initiatoren!

Kommentar

von Max Breschke | 28.09.2018 | 11:13 Uhr
Endlich sagt mal einer was! Die Zustände beim Historikertag sind für die Doktorand/innen schon seit Jahren katatrophal und jede Kritik wurde bisher abgewatscht. Toll, nun mitzuerleben, wie "laut" ihr mit dem Brief geworden seid!
Meine volle Unterstützung!
Un

Kommentar

von Berit K. | 28.09.2018 | 15:39 Uhr
Volle Unterstützung! Toll, dass endlich mal was passiert! Wird Zeit!

Kommentar

von Joost | 28.09.2018 | 15:45 Uhr
Weiter so! Ihr seid mutig und engagiert euch für unsere Fachdisziplin! Macht weiter!

Kommentar

von Julius M. K. | 28.09.2018 | 15:48 Uhr
Volle Unterstützung!!!!!

Kommentar

von Julius M. K. | 28.09.2018 | 15:52 Uhr
Es ist mir eine Ehre Nummer 50 zu sein! Weiter so! Es wird Zeit, dass sich was ändert. Seit mindestens 10 Jahren sind die Zustände beim Historikertag mies für Promovierende. Es reicht!

Kommentar

von Nikolai Okunew | 28.09.2018 | 17:19 Uhr
Als Mitunterschreiber bedanke ich mich für das meist namentlich erbrachte positive Feedback. Es wäre viel zu einzelnen Aspekten zu sagen, ich möchte mich aber auf drei beschränken, die ich als Ergänzung zum Brief verstehe und die Richtung in die dieser gehen sollte mMn klarer macht. 1. Uns ging es nicht um Personen. Anders als gestern mitunter behauptet hat die Mehrzahl der Promovierenden auch Erfahrung in der Organisation von Kongressen - sowohl als (unbezahlte) Hilfskräfte, als auch in der Planung. Die Schwierigkeit die vielen beweglichen Teile zu einer funktionieren Maschine zusammenzuführen sind also bekannt - dass dabei beinahe zwangsläufig Dinge schief laufen ebenfalls. Ab einem gewissen Punkt konnte ich mir aber nicht helfen die Missstände beim Forum, aber auch als Ausdruck systemischer oder struktureller Unzulänglichkeiten zu begreifen. Diese Debatte wurde beim Verfassen des Briefs auch geführt und die Kritik genau dieser Missstände war erklärtes Ziel. Falls dies aus der Sprache des Briefes nicht ersichtlich wird, ist das wohl eher der beidseitigen Erregung als böser Absichten geschuldet. 2. Es ging uns nicht um Konkurrenz. Im Gegenteil: Maßgeblich beteiligt beim Verfassen des Briefes waren Promovierende deren Poster gerade und pünktlich hingen. Ich wollte mich mit diesem Brief solidarisch mit den Promovierenden zeigen deren Poster erst gar nicht gedruckt wurden, schief und in Bodennähe hingen oder rückseitig auf Stellwände einsam und beinahe unsichtbar in der Ecke platziert waren. Die spontane Wortmeldung bei der Vergabe des Preises ist Beleg dafür, dass die Situation derartig war, dass selbst eine Prämierung einen bitteren Beigeschmack haben musste. Von einem Eklat sollte hier nicht gesprochen werden. Eine Reihe von Teilnehmenden hat mir gegenüber angekündigt den Preis gar nicht annehmen zu wollen. Eine Geste, die wohl fehl am Platz gewesen wäre, aber die ebenfalls zeigt, dass es hier nicht um die verletzte Eitelkeit privilegierter aber pubertärer Wissenschaftler_innen ging. 3. Es ist ein offener Brief auf einer wissenschaftlichen Plattform. Die Kritik bleibt innerhalb der Community. 68 wäre solch eine Form der Kritik wohl als bürgerlich verlacht worden. Wenn der Ort und Zeitpunkt der Kritik - über den Kritisierte in Machtpositionen wohl stets am liebsten selbst verfügen würden - als Ausdruck fehlenden Respekts verstanden wurde, dann war auch dies nicht mein Wunsch und, so glaube ich, auch nicht der anderen Unterschreibenden.
Ich bin mir sicher, dass es gelingen kann die Projekte Promovierender besser auf Historikertagen zu platzieren. Ein (gemeinsames) Nachdenken darüber scheint mir lohnend.

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von Raphaela L. | 28.09.2018 | 19:08 Uhr
Ich möchte mich hiermit dem offenen Brief anschließen. Ich habe mir gerade den Call for Posters hier angeschaut. Darin steht:
"Damit wird einer begrenzten Anzahl von Doktorand/innen der Geschichtswissenschaft die Möglichkeit geboten, ihre Forschungsvorhaben einer breiten Fachöffentlichkeit in Form eines DIN A0-Posters vorzustellen und darüber hinaus Kontakte für ihre weitere berufliche Zukunft zu knüpfen."

Wenn ich mir das vor Ort richtig angeschaut habe, wurde die angesprochene "breite Fachöffentlichkeit" nicht erreicht, ich denke daher auch, dass die Möglichkeit "Kontakte für ihre weitere berufliche Zukunft zu knüpfen" eher nicht gegeben waren.

"Die angenommenen Bewerber/innen werden im Frühjahr 2018 benachrichtigt und erhalten eine Handreichung mit Hinweisen sowie den Kriterien für die formale Gestaltung der Poster. Die Poster werden einer Jury auf dem Historikertag in einem Kurzvortrag präsentiert. Die besten Präsentationen werden prämiert."

Aus Transparenzgründen würde mich nun tatsächlich interessieren, was in der Handreichung steht. Ich habe sowohl nach dem Historikertag 2016 als auch dem diesjährigen gehört, die Jury sei sich wegen der Bewertungskriterien auch nicht sicher gewesen.

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von Mike K. | 28.09.2018 | 21:24 Uhr
Die offizielle Funktionsbeschreibung der Postersektion ("Damit wird einer begrenzten Anzahl von Doktorand/innen der Geschichtswissenschaft die Möglichkeit geboten, ihre Forschungsvorhaben einer breiten Fachöffentlichkeit in Form eines DIN A0-Posters vorzustellen und darüber hinaus Kontakte für ihre weitere berufliche Zukunft zu knüpfen.") derartig beim Wort zu nehmen, ist, sorry, etwas naiv. Und als ob der HT das einzige Forum wäre, um sich als DoktorandIn in der Fachwelt bekannt zu machen! Es gibt doch täglich CfP für Tagungen und Workshops, auf denen man die wirklich relevanten Leute trifft. Die Postersektion ist dennoch ein unglückliches Format, das falsche Erwartungen weckt und Enttäuschungen hervorruft - also besser abschaffen. Aber noch ein Wort in Sachen Orga: Wenn ich schon bei der Postersektion mitmache, dann bringe ich doch zu Sicherheit mein eigenes Poster, schick ausgedruckt, selbst noch mit! Und ich rücke es dann auch etwas besser ins Licht, wenn es schief hängt. So schwer kann das doch nicht sein.

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von Raphaela L. | 28.09.2018 | 22:06 Uhr
Dann sollte man auf derlei Ausschreibungen verzichten, wenn man sie nicht ernst meint oder anders formulieren.

Und warum Leute selbst schuld sind, wenn sie das Angebot wahrnehmen ihre Poster ausdrucken zu lassen, verstehe ich auch nicht.

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von Karoline Döring | 28.09.2018 | 22:11 Uhr
Als Replik auf Jan Keupp & Randnotiz: Es handele sich "vor allem um die schätzenswerte Anstrengung ganz konkreter Personen, die übrigens zum Gutteil noch nicht oder gerade erst promoviert sind." Genau das ist doch Teil des Problems! Ein Kongress dieser Größenordnung und von so herausragender Bedeutung erfordert ein professionelles Eventmanagent. Sicher war das Team mit Herzblut dabei. Der Erfolgsdruck ist auch immens hoch. Angesichts der vielen anderen Verpflichtungen junger Forschender in prekären Beschäftigungsverhältnissen ist so ein Engagement in der Tagungsorganisation m. E. problematisch, gerade wenn wenige bis keine Ressourcen zur Verfügung stehen. Ich würde mir wünschen, dass die Kritik der Promovierenden auch zu einem Nachdenken über die Organisationsstruktzr des Kongresses allgemein führt. Warum muss der größte Kongress der Geschichtswissenschaft ein Wanderzirkus sein, der alle zwei Jahre mit völlig neuem Team in völlig neuer Umgebung gastiert & dabei Ressourcen ausbrennt ("bis an den Rand der Erschöpfung") ? Wo bleibt die Nachhaltigkeit? Welcher Rahmen ist noch zu bewältigen und wo ist es nur noch mit Abstrichen zu schaffen? Sicher, der IMC in Leeds ist so erfolgreich, weil man dort 200 Pfund Anmeldegebühr blecht, die in die Organisation fließen, aber auch und gerade weil dort organisatorisch & personell nicht jedes Jahr das Rad neu erfunden werden muss.

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von Nikolai Okunew | 28.09.2018 | 23:56 Uhr
'Wenn ich schon bei der Postersektion mitmache, dann bringe ich doch zu Sicherheit mein eigenes Poster, schick ausgedruckt, selbst noch mit!'

Satire darf Alles?

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von Mareike Heide | 29.09.2018 | 01:01 Uhr
Absolute Unterstützung!!!
Ernsthaft, zur Sicherheit das eigene Poster mitbringen etc. - das kann man doch nur schreiben, wenn man selbst nie in der Situation war. Finanziell ausgebrannt, mit den Nerven am Ende und immer das Gefühl 'Alles was ich tue, reicht nicht' - so ist die Standardsituation als Doktorand. Die Situation Promovierender ist absolut unannehmbar. Der VHD trägt nicht zur Besserung bei. Allein vor 2 Jahren die Kommentare zur Preisverleihung. Ständig der Kommentar "Hoffentlich kommt das Projekt auch zum Ende!" - nicht selten ist das eine Frage der Unterstützung durch den/die Doktorvater/Doktormutter und vor allem Möglichkeiten der Finanzierung.
Abgesehen davon: als Teilnehmerin des Doktorandenforums 2016 (und Preisträgerin, also kein Kommentar aus Frust!) kann ich sagen, dass absolute Unsicherheit herrschte hinsichtlich der Anforderungen. Was sollte aufs Plakat? Wieviel Mühe soll man sich mit der ästhetischen Gestaltung geben? Ist Optik oder Inhalt wichtiger? Was sollte man in dem geforderten "Kurzreferat" thematisieren - nur Inhalt, oder auch Gestaltung? Dann die Präsentation in einem Zelt - häufig stand man Stunden da, ohne dass ein Besucher kam und Interesse zeigte.
Das schlimmste aber war wirklich die permanente Erinnerung daran, dass es ja so viele gibt, die nicht abschließen...sowohl bei der "Eröffnungsrede" (anwesend: die Doktoranden und die Jury) zum Doktorandenforum, als als auch bei der Festveranstaltung, bei der die Preise verliehen wurden. Permanent der Hinweis: na hoffentlich kommt das noch zum Ende.
Ich denke, dass in vielen Fällen, in denen Doktorarbeiten nicht zum Ende kommen, der Fehler auch im System zu suchen ist (wieder: keine Kritik aus Frust; ich habe abgeschlossen). Wie finanziert man diese Zeit? Hat man ausreichend Unterstützung vom/von Doktorvater/Doktormutter? Hat man Hilfe (die braucht man einfach!), um sich ein Netzwerk aufzubauen? Etc., etc.
Ein Doktorand/eine Doktorandin hat so viele Hindernisse und Hürden zu nehmen - vor allem, wenn er/sie im wissenschaftlichen Betrieb bleiben will. Da sollte es viel mehr Hilfestellungen geben. Und da sollte vor allem auch eine ansprechendere, besser unterstützte Präsentation möglich sein, als es bisher der Fall war (wieder: kein Frust! Ich hab ein Glück Kontakte knüpfen können).

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von Luise | 29.09.2018 | 15:54 Uhr
Meine volle Unterstützung für dieses Anliegen!

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von Andreas Kolbenschlag | 02.10.2018 | 17:11 Uhr
Ich beobachte die Diskussion als Außenstehender. Ich bin kein Promovierender, sondern "nur" ein Student der Geschichte und möchte einen Aspekt ansprechen, der in dieser Diskussion völlig untergeht. Erlauben Sie mir daher als Außenseiter ein paar zugegebenermaßen polemische Worte.

Warum werden "Promovierende nicht ausreichend gewürdigt" auf dem Historikertag? Die allgemeine Situation und der Stellenwert von Promovierenden sind in Wahrheit doch auch "hausgemacht". Es ist doch so, dass sich Doktoranden in lustvoller Devotion universitären Strukturen unterwerfen. Niemand traut sich, etwas zu verändern. Jeder hat die eigene Karriere im Kopf und niemand will eine eigene Meinung riskieren. Kollektive Anpassung und Hörigkeit beschreiben das Verhalten vieler Promovierenden in der Geschichtswissenschaft der Gegenwart. Diese Bequemlichkeit blockiert ernsthafte strukturelle Veränderungen, die die Position des Nachwuchses verbessern könnten. Liebe Promovierende, Ihr seid zu einem großen Teil selbst Schuld an dem beklagten Stellenwert und an der mangelnden Würdigung eures Beitrages in der Geschichtswissenschaft.

Der von Promovierenden verfasste offene Brief spielt Promovierende gegen Promovierte aus und hat eine Diskussion entzündet, die das Verhältnis zwischen Promovierenden und Professoren nachhaltig belasten wird. Der Brief disqualifiziert sich daher als "Rumgeheule" einiger Promovierender: Nur wird dies niemandem helfen. Zweifelsohne ist der Stellenwert vieler Promovierender nicht das "Gelbe vom Ei" und veränderungswürdig. Gleichwohl würde es der Diskussion gut tun, wenn auch "die" Promovierenden ihren eigenen Beitrag des "grundlegenden Problems", so heißt es in dem Brief, kritisch reflektieren würden. "Trotzig-kindliches" Gejammer, z.B. die Kritik über das fehlende Hinweisschild am Eingang des Posterforums und die fehlenden/ungedruckten Poster, hilft niemandem weiter und kann man nicht ernst nehmen. Ehrliche und konstruktive Kritik sieht anders aus. Stattdessen entlarvt sich der offene Brief der Promovierenden als Litanei der Eitelkeiten und des gekränkten Stolzes.

Liebe Promovierende: Sucht mit Promovierten, Professoren und Kollegen den konstruktiven und vor allem den gemeinsamen Austausch; organisiert euch besser und bildet Einrichtungen, die sich den grundlegenden Problemen des Nachwuchses in der Geschichtswissenschaft nachhaltig annehmen; seid auch ehrlich zu euch selbst und reflektiert euer eigenes Verhalten. Und seid vor allem Dingen eines mehr: selbstbewusster!

Kommentar

von Garnet Bräunig | 03.10.2018 | 13:10 Uhr
"Unsere jungen Menschen haben nicht nur Anspruch auf Bildung, auf berufliche Qualifikation und die Chance zur Eigenverantwortung. Am wichtigsten ist, daß wir ihnen das Gefühl geben, erwünscht, gebraucht und gefordert zu sein." (Roman Herzog)
Und was geschieht auf dem Deutschen Historikertag? Den mutigen DoktorandInnen wird mit beruflichen Konsequenzen gedroht! Ihnen gilt meine volle Unterstützung.

Kommentar

von Dr. Jutta Hergenhan | 03.10.2018 | 14:45 Uhr
Vollste Unterstützung auch von mir!

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