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Dr. Natascha Bagherpour | 05.12.2011 | 1081 Aufrufe | Artikel

Freischwimmerschein

Jemand sagte einmal zu mir, promovieren sei wie das Freischwimmen zu lernen. Ich glaube, damit hatte diese Person recht: Zunächst fühlt man sich wie in das kalte Wasser geworfen, irgendwann kommt man mit dem Schwimmen ganz gut zurecht, aber es gibt auch mal Ermüdungserscheinungen. Am Ende bekommt man kein Seepferdchen, sondern den Dr. Und auch ich habe ihn nun. Endlich habe ich es geschafft! Es ist eine große Erleichterung und ich freue mich, es auf der L.i.s.a.-Website verkünden zu können.

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Aus der Sicht einer promovierenden Mutter fand ich meine Doktorandenzeit schön und schwierig in einem. Alles fängt damit an, dass man am Fuße eines Berges steht und irgendwie auf diesen Gipfel möchte oder bleiben wir beim Schwimmen: man hat etwa gefühlt 100000 Bahnen zu absolvieren (50 m nicht 25 m!) und dabei erst mal nur eine vage Vorstellung von der "Schwimmtechnik" also der Vorgehensweise. Abgesehen von diesem inhaltlichen Problem, muss man seine Umwelt und auch sich selbst erst noch davon überzeugen, dass man ja tatsächlich arbeitet und nicht dem Müßiggang nachgeht. Es müssen also Kaffee-Besuche abgewehrt, andere Arbeitsangebote abgelehnt ("ach, kannst Du mal schnell....") und die Kita (Elterninitiative!) davon in Kenntnis gesetzt werden, dass man nicht ständig einspringen kann, weil man ja "Studentin" ist. Man muss lernen, den Haushalt möglichst zu ignorieren und irgendwann auch mal den Mann dazu anhalten zu Hause zu bleiben, wenn das Kind krank ist. Wenn das geschafft ist, kann man sich der eigentlichen Arbeit widmen. 

Zum Glück habe ich trotz der anfänglichen Hürden viel Unterstützung von den Großeltern und meinem Mann erhalten, die die Betreuung übernahmen, wenn ich für meine Arbeit verreisen musste und auch meine Tochter gewöhnte sich von Anfang an daran, dass Mama auch mal ein paar Wochen weg ist. Für diese Zeit wohnte ich in ihren Augen in jedem vorbeifliegenden Flugzeug.

Jetzt bin ich fertig und bin offiziell Freischwimmer, aber was nun? Es gibt zwei schwach glühende Eisen im Feuer: eine eigene Projektidee für eine selbst zu beantragende Postdoc Stelle und eine Bewerbungsmöglichkeit für ein anderes Projekt (falls es bewilligt wird). Die Antragsphasen sind langwierig und aufwendig und bis dahin habe ich vor, mich mit kleineren Aufträgen, wie etwa ein Lektorat, über Wasser zu halten. Ich habe auch schon das Layout für ein Magazin und Flyer durchgeführt und Texte mit Inhalt für Werbebroschüren geschrieben. Wenn in der Lisa-Gemeinde also jemand Jobtips hat oder mich gerne weiter empfehlen möchte, ich habe einiges an Knowhow zu bieten!

Insgesamt sehe ich der Zukunft optimistisch entgegen: wer eine Dissertation durchsteht kommt auch im Leben weiter. Im Hinblick darauf wünsche ich allen anderen Gerda Henkel Stipendiaten, von denen ich einige kennen lernen durfte, alles Gute und viel Erfolg für den Freischwimmerschein!!

Herzlichst

Natascha Bagherpour

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