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Deutscher Studienpreis der Körber-Stiftung | 05.08.2016 | 1130 Aufrufe | Artikel

Deutscher Studienpreis: Die wichtigsten Dissertationen 2016

Preise für Forschung zu Trassenplanung, Rhetorik der Alternativlosigkeit, Braille-Display für Blinde

Die Preisträger des Deutschen Studienpreises 2016 stehen fest. Die drei mit je 25.000 Euro dotierten Spitzenpreise gehen an den Juristen Tom Pleiner von der Universität Augsburg, die Politologin Astrid Séville von der Ludwig-Maximilians-Universität München und die Maschinenbauingenieurin Elisabeth Wilhelm vom Karlsruher Institut für Technologie. Mit dem Deutschen Studienpreis zeichnet die Körber-Stiftung exzellente Dissertationen aus, die besondere gesellschaftliche Relevanz haben. In diesem Jahr zu folgenden Themen:  

Erster Preis in der Sektion Geistes- und Kulturwissenschaften Überplanung statt Neubau von Stromtrassen: Für die Energiewende ist ein Netzausbau zwingend. Gegen neue Stromtrassen regt sich jedoch der Unmut von Anwohnern und Umweltverbänden. Der Rechtswissenschaftler Tom Pleiner hat in seiner Dissertation die relevanten rechtlichen Vorschriften und die Verwaltungspraxis ausgewertet und einen überzeugenden Lösungsvorschlag entwickelt: Das Recht muss der Überplanung des großen Bestandes alter Leitungen konsequent den Vorzug gegenüber dem Bau von neuen Trassen geben.

Erster Preis in der Sektion Sozialwissenschaften Verhängnisvolle Rhetorik der Alternativlosigkeit: Die Politikwissenschaftlerin Astrid Séville untersucht die sogenannte TINA-Rhetorik (»There is no alternative«) als moderne Regierungstechnik und beschreibt deren Effekte unter anderem am Beispiel des EU-Krisenmanagements: Politiker stellen ihre Entscheidungen als einzig vernünftige oder moralisch gebotene dar, Widerspruch erscheint als irrational und illegitim. Eine offene politische Diskussion findet nicht mehr statt, was letztlich zu Politikverdrossenheit und dem Erstarken extremer Parteien führt.  
Erster Preis in der Sektion Natur- und Technikwissenschaften Grafikfähiges Computer-Display für Blinde: Ob Piktogramme, Touch-Screen oder Emoticon – digitale Grafiken sollen die Bedienung von Computer und Smartphone erleichtern. Für Sehgeschädigte erschweren sie jedoch die Nutzung. Um ihnen trotz der wachsenden Bildlastigkeit des digitalen Informationsangebots den Zugang zu erhalten, hat die Ingenieurin Elisabeth Wilhelm ein kostengünstiges Braille-Display entwickelt, das grafische Inhalte fühlbar anzeigt.  

Neben den drei ersten Preisen vergibt die Körber-Stiftung sechs zweite Preise. Diese gehen in den Geisteswissenschaften an die beiden Juristen Filipe Fischmann (Ludwig-Maximilians-Universität München) und Anastasia Poulou (Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg), in den Sozialwissenschaften an den empirischen Kulturwissenschaftler Christoph Bareither (Eberhard Karls Universität Tübingen) und den Soziologen Conrad Ziller (Universität zu Köln) und in den Natur- und Technikwissenschaften an den Elektrotechnik-Ingenieur Jochen Antes (Universität Stuttgart) und die Biochemikerin Laura Laprell (Ludwig-Maximilians-Universität München).  
Die Preisverleihung findet am 8. November in Berlin statt gemeinsam mit dem Schirmherrn des Deutschen Studienpreises, Bundestagspräsident Norbert Lammert.  

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