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Georgios Chatzoudis | 31.01.2017 | 3229 Aufrufe | 2 | Interviews

"Von der Marktwirtschaft zur Marktgesellschaft"

Interview mit Tim Engartner über die Privatisierung öffentlicher Leistungen und Güter

Imre | 22.12.2019 | 11:46 Uhr
Mir ist nach längerer Suche bisher auch noch kein positives praktisches Beispiel einer ÖPP, außer der Telekom, begegnet. Und zu dieser Firma sehe man die obigen Einwände des Autors an!
Neben vielen bekannten Reinfällen (Wasserversorgung, Autobahnbau, Bundesbahn in Vorber., Abwasserentsorgung, Toll Collect u.v.a.) möchte ich ein weniger bekanntes Ergebnis beisteuern.
Von 2005 bis 2012 fanden in der niedersächsischen Strassenbauverwaltung- auf Druck der regierenden CDU und der koaltionären FDP- zwei Pilotprojekte des Betriebs von Strassenmeistereien nach ÖPP-Maßstäben statt. Anfang 2013 gab es dazu eine recht umfangreiche Auswertung durch Gewerkschaft und Betriebsrat, im Beisein der Landespolitik und vieler Interessierter / Betroffener. Mehreren "mittleren" Nachteilen stand als positive Erfahrung eine schnellere Abwicklung von Baumaßnahmen gegenüber. Das Hauptergebnis fiel jedoch eindeutig stark negativ aus.
Die Befürworter hatten mit einer mindestens 10%-igen Kostenreduzierung geworben.
Tatsächlich erbrachten die Abrechnungen in der SM Herzberg und der SM Fürstenau eine einmal 35%-ige Verteuerung, im zweiten Fall 37% Verteuerung!
Oder zu gut deutsch: Absolut indiskutabel, das Ergebnis, nichtsdestoweniger werden hartnäckig derartige Irrwege angepriesen wie Sauerbier!
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L.I.S.A. Redaktion | 08.09.2019 | 5191 Aufrufe | 3 | Projekte

Führerbart und Volkskörper - Hitler wie ihn keiner kennt

O. Ingmar | 20.12.2019 | 06:42 Uhr
Ach es geht noch trivialer und tiefer. Am besten mit dem Zentrum Politischer Schönheit zusammenschließen. Dann kommt abgrundtiefe Menschenverachtung durch die Zuschaustellung von Holocaustopfern zusammen mit einer linksliberalen moralischen Selbstverliebheit, die so weit unten ist, dass man nicht einmal mehr angewidert sein kann.


Das Verrückte is ja, das diese sogenannten "Dekonstruktionen" solcher Künstler am Ende eine Geisteshaltung verraten, die denen, die sie angeblich bekämpfen schon sehr nahe kommt.


Was kann man dagegen tun? Wahrscheinlich nichts. Neoliberalismus, Individualismus und vor Selbstgerechtigkeit triefender Moralismus haben leider die Oberhand gewonnen gegenüber Respekt, Maß und Mitte.
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L.I.S.A. Redaktion | 08.09.2019 | 5191 Aufrufe | 3 | Projekte

Führerbart und Volkskörper - Hitler wie ihn keiner kennt

Reinhard Gunst | 19.12.2019 | 10:46 Uhr
Wie tief muss die Forschung eigentlich noch sinken, bis wieder wirklich relevante Themen untersucht werden. Wahrscheinlich ist der Tiefpunkt geistiger Erregungsergüsse erst erreicht, wenn auch Hitlers Darmflora untersucht wurde.
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L.I.S.A. Redaktion | 08.09.2019 | 5191 Aufrufe | 3 | Projekte

Führerbart und Volkskörper - Hitler wie ihn keiner kennt

Werner Hillebrecht | 18.12.2019 | 14:26 Uhr
Was das Lachen angeht - mir fällt beim Hitlerbart immer gleich die despektierliche Bezeichnung "Rotzbremse" ein, deren Ursprung ich nicht kenne, aber mir kommt es vor, als sei ich damit aufgewachsen (Jahrgang 1949). Gab es den Ausdruck schon zu Hitlers Zeiten? Berliner Volksmund?
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Georgios Chatzoudis | 09.09.2019 | 1509 Aufrufe | 4 | Interviews

Wohin mit diesem Europa?

Zu Gast bei L.I.S.A. mit Ulrike Guérot

Ines | 15.12.2019 | 12:44 Uhr
Das linksliberale Spektrum in Deutschland hat mittlerweile jede Bodenhaftung verloren, wie das Interview, aber auch andere Beiträge, zeigen:

- DE soll alle Flüchtlinge der Welt aufnehmen
- Atomausstieg, Kohleausstieg sollen durch Windräder (grundlastunfähig) ersetzt werden
- DE finanziert die Zobiepolitik der EZB jeden Monat mit Milliarden, aber niemand stoppt die Enteignung
- Dr. Roth will 1,3 Billionen Entschädigung
- DE soll die Arbeitslosen der EU finanzieren
Die SPD wählt eine drittklassige, völlig verpeilte Führung


Vielleicht sollten die CDU einfach mal die wahnwitzigen Vorhaben dieses Milieus benennen. wenn die normalen Leute das wüssten, wären die schnell wieder bei 70%.
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Dr. Mara Zatti | 25.02.2011 | 6672 Aufrufe | 3 | Interviews

Die Bergung der Grabkammer an der Heuneburg

Ein Interview mit Dr. Dirk Krausse

Dr. Detlef Klaehn | 14.12.2019 | 13:24 Uhr
Tolles Projekt, ich wüsste gerne den aktuellen Stand der Erkenntnis. Außerdem führen inzwischen viele Links in die Leere (404) und sollten aktualisiert werden...z.B. WDR Mediathek....
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Georgios Chatzoudis | 09.12.2019 | 967 Aufrufe | 3 | Diskussionen

Aufklärung in postumen Zeiten

L.I.S.A.Bücherkeller mit Ulrike Guérot (Folge 1)

Quentin Quencher | 12.12.2019 | 10:08 Uhr
Vielleicht sind meine Assoziationen über „den Keller“ eine wenig speziell und haben rein persönliche Gründe, was mich natürlich sofort dazu anregt, eine Imagenation zu schreiben, über die Charakter von Kellermenschen und Dachmenschen. Beim Keller denke ich an Zombies, Gewürm und schlechte Luft, beim Dach an Tauben, Licht und Sonne. Aber ok, wahrscheinlich spielt mir meine Fantasie einen Streich.
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Dr. Birte Ruhardt | 17.08.2013 | 17121 Aufrufe | 4 | Interviews

Die psychiatrische Einweisungspraxis in Nationalsozialismus, DDR und BRD (1941-1963)

Interview mit Stefanie Coché zur Geschichte der Psychiatrie in Deutschland

Schmidt, Karin-Teresa | 11.12.2019 | 13:28 Uhr
Danke, für Ihren interessanten Artikel, den ich eben erst entdeckte. Es scheint eine neue Entwicklung in der BRD zu geben, die diese Tendenzen wieder aufgreift. Vielleicht möchten Sie einmal meine Twitter-Einträge dazu lesen:
Schmidt Karin-Teresa@Schmidt67952491

Tragen wir alle mit dazu bei, dass sich das nicht weiter ausdehnt, egal mit welcher Technik.
Herzlichen Dank und freundliche Grüße
Karin-Teresa Schmidt
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Georgios Chatzoudis | 09.12.2019 | 967 Aufrufe | 3 | Diskussionen

Aufklärung in postumen Zeiten

L.I.S.A.Bücherkeller mit Ulrike Guérot (Folge 1)

Quentin Quencher | 11.12.2019 | 03:48 Uhr
Was sagt es aus, wenn man sich im Zug zu Gesprächen trifft (auch auf L.I.S.A. und gern von mir gesehen), was wenn man dazu in den Keller geht? Es gibt die Redewendung über Menschen, die öffentlich nie fröhlich sind, von denen man sagt: „Der geht zum Lachen in den Keller.“ Oder welche die Geheimnisse, verborgene dunkle Seiten, haben, die „ein paar Leichen im Keller“ verbergen. Ich würde mich nur ungern mit jemanden zu Gesprächen im Keller treffen, außer vielleicht im Weinkeller. Was ich aber immer liebte, schon als Kind, war das stöbern auf Dachböden, das Schwelgen in den Dingen der Vergangenheit, die nun nicht mehr aktuell sind, aber dereinst von Bedeutung waren.

Kurz: Nein, das Format „Gespräche im Keller“ ist nicht mein Ding. Freilich gibt es dort auch viel zu entdecken, doch dann will ich es ans Licht holen, zeigen was ich dort gefunden habe.

Übrigens, ich würde alte Bücher niemals in den Keller bringen, nur auf den Dachboden.
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Judith Wonke | 07.12.2019 | 372 Aufrufe | 4 | Vorträge

"Bürokratie" als negative Markierung - zur Geschichte der Bürokratiekritik

Vortrag von Prof. Dr. Pascale Cancik im Rahmen der Veranstaltung "Bürokratie" und ihre Kritik

Wingerath | 10.12.2019 | 11:21 Uhr
Schade, dass die Audiospur so schlecht ist, dass man durch das Hintergrundrauschen quasi nichts vom Vortrag versteht. Zumal direkt am Pult ein Mirko angebracht ist, dessen Tonqualität sicher um ein vielfaches besser ist. Nach so vielen online gestellten Videos hatte ich tatsächlich etwas besseres erwartet.
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Georgios Chatzoudis | 05.11.2019 | 1096 Aufrufe | 1 | Interviews

"Eine gemeinsame europäische Erinnerungsarbeit an den Zweiten Weltkrieg ist überfällig"

Interview mit Anke Hilbrenner über die Resolution zur Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg

Erschreckend offensichtlich totalitäres Verständnis von Geschichtswissenschaft | 09.12.2019 | 22:56 Uhr
In diesem Interview zeigt sich, wie übrigens auch in der von Fachkollegen als methodologisch völlig ungenügend beurteilte Publikation von Frau Weber (vgl. die Rezensionen von Professor Jost Dülffer in der SZ oder Professor Stefan Plaggenborg in der FAZ), das erschreckende Selbstverständnis einer neuen Fraktion von Geisteswissenschaftlern, die sich als ideologische "Bewusstseinsingeneure" im Dienste politischer Macht begreifen. Ich frage mich, ob Menschen wie Frau Hilbrenner klar ist, was sie hier vertreten: Hier wird nämlich, vermeintlich im Namen rechtsstaatlicher Demokratien, ein Verständnis von Freiheit der Wissenschaft aufgegeben, das gerade für demokratische Rechtsstaaten historisch grundlegend war.

Nein, es ist keine Aufgabe von Geschichtswissenschaftlern, einem politischen Gebilde wie der EU den passenden ideologischen "Kitt" vermittels der diskursiven Durchsetzung eines politisch genehmen "Kollektivgedächtnisses" zu verpassen. Das hierin implizierte normative Primat ist in keiner Weise mit der Freiheit von Forschung und Lehre, die unsere Verfassung schützt, vereinbar.

Es ist definitiv nicht die Rolle der Geschichtswissenschaft in einem demokratischen Rechtsstaat, einer politisch motivierten Deutung der Vergangenheit die diskursive Hegemonie zu verschaffen. Allein das als Bestreben zu formulieren, ist Nachweis der totalitären Tendenzen des dahinter stehenden Denkens.

Historiker haben sich allein um die Frage der historischen Wahrheit zu kümmern und auch politisch nur da einzuschreiten, wo politische Macht sich anschickt, Verfälschung zu kanonisieren oder ihre Verbreitung zu verhindern. Das zugleich wisssenschaftlich wie politisch motivierte Engagement bedeutender deutscher Historiker im Historikerstreit war eben genau darin begründet, dass die geschichtsrevisionistischen Positionen der Fraktion um Ernst Nolte eben aus der Motivation heraus, die Schuld Deutschlands an dem fürchterlichsten Vernichtungskrieg aller Zeiten (so das Urteil sogar Ernst Noltes) zu relativieren, Wahrheit entstellten.

Genau dies tun die neuen Apolgetinnen und Apologeten der vermeintlichen Auslösung des Zweiten Weltkriegs durch den Pakt zwischen Stalin und Hitler auch - damit negierend, dass es absolut unbestritten ist, dass der Eroberungskrieg des "Lebensraum im Osten" das durchgängig seit 1925 konsequent verfolgte Kernprojekt Hitlers war, dem von allem Anfang an jede Eskalationsdynamik bis zum "totalen Krieg" inhärent war. Hitlers Äußerung noch vor dem Pakt, dass er die westlichen Mächte für zu dumm hielte zu verstehen, dass alles, was er je getan habe, vorrangig und ausschließlich gegen Russland gerichtet gewesen sei, lässt hier wenig Interpretationsspielraum, wie zahlreiche weitere Dokumente auch, die zu beleuchten sowohl Frau Weber wie Frau Hilbrenner vorsorglich unterlassen und hierdurch ein alarmierendes Beispiel geben, was mit Geschichtswissenschaft geschieht, wenn sie Wahrheitssuche von normativen Primaten abhängig macht.

Die mit einem solchen normativen Anspruch einhergehende Selbstüberhöhung und die damit einhergehenden Gefahren für die Wissenschaft zeigen sich in den folgenden beiden Zitaten Hilbrenners: Erstens: "Dennoch sind etwa wir HistorikerInnen nicht nur Akteure der Geschichtswissenschaft, sondern häufig auch Gestalter von Geschichtspolitik." Zweitens: "Ja, eine gemeinsame europäische Erinnerung ist absolut notwendig und wünschenswert! Aus meiner Sicht als Historikerin ist es für das Gelingen der europäischen Integration unerlässlich, dass wir uns auf eine gemeinsame europäische Geschichte berufen, die mehr ist, als eine reine Summe der Nationalgeschichten. Für die Nation, die als Zugehörigkeit stiftendes Projekt das 19. und das 20. Jahrhundert prägte, hat sich die Geschichte als zentrale Legitimationsressource etabliert. Wenn wir wollen, dass das europäische Projekt im 21. Jahrhundert gelingt, dann brauchen wir eine gemeinsame Erzählung, um Zugehörigkeit erfahrbar zu machen."

Was zeigen die Zitate? Frau Hilbrenner (und Interviews mit Frau Weber erweisen, dass sie das gleiche Selbstverständnis aufweißt) benennt als ein der konkreten Arbeit an historischen Forschungsprojekten vorrangiges und vorgelagertes Ziel, das kein wissenschaftliches, sondern ein politisches ist, womit sie Geschichtswissenschaft unter ein politisches Primat stellt. Geschichtswissenschaft soll sich also in den Dienst eines wissenschaftfernen, nämlich politischen Ziels stellen, nämlich den ideologischen Zement für das politische Gebilde der EU darbieten, weil nur dieses supranationale Gebilde den Rückfall in die Nationalismen verhindere.

Hier wird also wissenschaftliche Erkenntnis unter ein normatives politisches Primat gesetzt - strukturell und ideologisch jenen nationalistischen Historikern entsprechend, die im 19. Jahrhundert Fachkollegen vorwarfen, "Verräter der Nation" zu sein, wenn ihre Forschung nicht zur großen Erzählung von Deutschlands Herrlichkeit und Preußens Gloria betrügen. Nun musss Geschichte der Gloria der EU dienen. Und auch die diffamierende Verurteilung von Fachkollegen sind in Hilbrenners Darlegungen bereits angelegt, falls sie ihre Prioritätensetzung nicht teilen: Sie unterstellt ernsthaft Kollegen, die nicht bereit sind, ihre Forschung in den Dienst des von ihr priorisierten Narrativs zu stellen, verkappte Altstalinisten oder Nationalisten zu sein. Ergebnisoffenes Arbeiten gibt es in Hilbrenners Kosmos offenbar gar nicht - und das im Falle einer empirischen Wissenschaft. Diese Frau merkt gar nicht, dass sie - darin ideologischen Apologeten des Nationalismus gleich, selbst Apologetentum fordert, nur für ein anders aufgestelltes politisches Machtgefüge - ein Anspruch, der jedoch zutiefst Wissenschaft widerspricht.

Wenn ich die Reihe der Historiker betrachte, die durch ihre empirische Arbeit - seit Beginn der am intensivsten geführten Forschungskontroverse der bundesdeutschen Geschichtswissenschaft, dem Historikerstreit nämlich, durch zähe Quellenarbeit nämlich, nachgewiesen haben, dass die Eskalationsdynamik des Vernichtungskriegs und die gesamte daraus sich entwickelnde Zerstörung zweifellos ihre Ursache allein im Aggressions-, Eroberungs- und Vernichtungswillen des nationalsozialistischen Regimes und seines Führers Adolf Hitlers hatte, was Verbrechen der stalinistischen Diktatur ja in keiner Weise in Abrede stellt, nur dass die eben nicht die Auslöser für den Zweiten Weltkrieg waren, dann ist das demagogische Potenzial ihrer von normativer Warte formulierten Pauschalverurteilung atemberaubend beträchtlich: Die Historiker, deren empirische Befunde sich nämlich nicht in Hilbrenner/Webers Deutungsnarrativ einfügen lassen, umfassen Namen wie Eberhard Jäckel, Martin Broszat, Wolfgang Benz, Wigbert Benz, Gerd Ueberschär, Wolfram Wette, Rolf-Dieter Müller, Jürgen Zarusky, Stephan Merl und Bernd Bowetsch - um nur einige zu nennen.

Doch Hilbrenner gibt nicht nur die Grundlagen von Wissenschaft preis, wenn sie die unter ein politisches Primat stellt, sondern beruft sich auch zu unrecht auf den von Hannah Ahrendt stammenden Totalitarismusbegriff. Die nämlich hielt Demokratien in keiner Weise für sui generis immun gegen Totalitarismus. In ihrem Aufsatz "Über Wahrheit und Lüge in der Politik" benennt sie genau den kritischen Punkt, an dem demokratische Systeme in den Totalitarismus zu kippen drohen, nämlich, wenn sie nicht mehr zwischen Tatsachenwahrheiten und Meinungen/Bewertungen/Deutungen unterscheiden können. Während jedes liberale Verständnis akzeptiert, dass es im Falle von Tatsachenaussagen, aus deren Eruierung Politik in liberalen Staaten sich herauszuhalten hat, nur darum geht, ob diese richtig oder falsch sind. Solche ergo unter einen Gesinnungsverdacht zu stellen, wie Hilbrenner dies tut, ist damit prinzipiell autoritär - und ein Missbrauch von Wissenschaft. Wenn Aussagen für falsch befunden werden, gehören sie fachwissenschaftlich vermittels widersprechender empirischer Befunde widerlegt. Dagegen müssen in einer liberalen Gesellschaft Meinungen, Deutungen und Bewertungen auf der Grundlage der vollständigen Menge ermittelter Tatsachenwahrheiten, welche nämlich u.a. von subjektiven Prämissen und Prioritäten beruhen, dem freien Spiel demokratischer Diskussionsprozessse zur Verfügung stehen. Auch hier ist eine Normierung von oben, sofern sie über verfassungsmäßige Prinzipien hinausgeht, mit dem demokratischen Rechtsstaat nicht vereinbar.

Es ist bezeichnend, dass Weber, genau wie Hilbrenner, Kritik mit normativen (d.h. moralisierenden) Angriffen ad personam pariert. Webers Monographie erfuhr durch ihren Fachkollegen, den Kölner Historiker Jost Dülffer, eine niederschmetternde, aber rein fachlich ausgerichtete, nämlich auf ihre selektive Berücksichtigung von Quellen und ihre mangelnde Quellenkritik abhebende, Kritik. Dülffer schrieb in der SZ am 18.8.19: "Was an dem Buch stört, ist der durchgängige Gestus des Innovativen, wo doch Sachverhalte dargelegt werden, die seit den 1950er-Jahren im Westen diskutiert werden. Im letzten Jahrzehnt des Ostblocks wurden "Westler" dort wiederholt eingeladen, weil sie vom Geheimen Zusatzprotokoll reden konnten, was die östlichen Kollegen tapfer nicht weiter kommentieren durften, aber immerhin zur Kenntnis nahmen. Das war aber nicht der Anfang der Forschung. Weber stützt sich zu den allgemeinen Beziehungen (neben einer alten Edition von 1949) fast durchgängig auf eine populäre Quellenedition aus den letzten Tagen der DDR aus dem Jahr 1990 (Pätzold und Rosenfeld), gelegentlich auf Internetfunde. Die grundlegende deutsche Edition in über einem Dutzend Bänden scheint unbekannt zu sein. Das ist für eine Wissenschaftlerin nicht seriös. Schlimmer aber: Bei ihrem Durchgang durch die deutsch-sowjetischen Beziehungen seit den frühen 1920er-Jahren zitiert sie in Dutzenden, wenn nicht Hunderten von Fällen die Memoiren der betroffenen deutschen oder sowjetischen Protagonisten, als ob dies nicht durchgängig nachträglich geschönte Versionen eigenen Tuns waren. Tatsächlich liegen ja vielfach die weniger anschaulichen amtlichen Aufzeichnungen in den Editionen vor. Dass das so nicht geht, lernt ein Studienanfänger an der Universität im ersten Semester. Quellenkritik ist unbekannt, wie ein anderes Beispiel zeigt: Im Rahmen der diversen Umsiedlungen hätten die Deutschen den Russen gesagt, sie wollten nicht noch mehr Juden im deutschen Bereich haben, die Russen sollten sie "doch selbst liquidieren". Wo hat Weber das her? Polens Exilministerpräsident Stanisław Mikołajczyk, der damals in London saß, hatte das im Gespräch mit US-Zeitungen erklärt. Woher er das hatte, ob das stimmte oder nicht, ob es andere Quellen dafür gibt, interessiert nicht; es passt so schön." Verheerender geht es wohl kaum, aber persönliche Angriffe gibt es hier nicht.

Wie aber antwortet Weber auf diesen Verriss? Auf Dülffers inhaltliche und methodische Kritik mit keinem Wort reagierend, entledigt sie sich des Vorwurfes durch eine ad hominem gerichtete Spekulation aus dem Trivialitätenreservoir abgestandenster Genderdebatten. Da der Kollege etwas an ihrer Arbeit auszusetzen hat, muss er ein unrettbarer Macho sein. In einem Interview des brandenburgischen Nachrichtenportals MOZ psychologisiert sie:
"Ich befürchte, da bin ich mit meinen Äußerungen in ein Wespennest gestoßen. Meine Beobachtung ist, dass den NS- und Dikaturforscherinnen nur Themen zugestanden werden, wie - salopp - gesagt Kochbücher im Dritten Reich. Über die wirklich harten Themen, wie Gewaltverbrechen und Zusammenarbeit der Geheimdienste, dürfen Historikerinnen nicht forschen. Es sind Männer-Themen. Und wenn sie es doch machen, dann machen sie es halt schlecht. Und dann bin ich als ostdeutsche Historikerin gekommen und habe den Vorwurf erhoben, "ihr habt da was jahrzehntelang übersehen, ihr habt da nicht hingeduckt"."

Hier wird gut deutlich, was Weber und Hilbrenner einerseits von Wissenschaft, andererseits von einem liberalen Diskurs halten. Das ist autoritäres Denken pur, einhergehend mit der Bereitschaft, historische Tatsachenbehauptungen der Überprüfung nach fachwissenschaftlichen zu entziehen und ihnen durch das, was im englischen Raum "character assassination" nennt, die Weihe der Deutungshoheit zu verleihen.

1986 verkündete Jürgen Habermas, als er die massive Kampagne Ernst Noltes in den konservativen Blättern der Republik erlebte, er fürchte um die Demokratie in der Bundesrepublik Deutschland. So geht es mir bei dem Hype um Geschichtsnarrativen wie die von Weber und Hilbrenner. Denn im Prinzip betreiben sie das gleiche wie das rechte Milieu der Geschichtsrevisionisten. Wie diese versuchen sie einer normativ definierten Sicht auf Geschichte politische Deutungshoheit zu verschaffen, unter Bereitschaft, die empirische Wahrheit zu entstellen. Dass dies im Namen eines dogmatischen Libertinismus erfolgt, der aber allen Prinzipien des Liberalismus widerspricht, macht das Ganze nicht beruhigender.
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Prof. Dr. Manfred Clemenz | 21.11.2019 | 1108 Aufrufe | 4 | Artikel

Van Gogh Superstar: "Making Van Gogh. Geschichte einer deutschen Liebe"

Bemerkungen zur van-Gogh-Ausstellung im Städel-Museum Frankfurt a.M., zu van Gogh und zum Kunstmarkt

Doro Meuren | 09.12.2019 | 15:52 Uhr
... nach der bemerkenswerten Rezension bin ich jetzt schon sehr auf das Buch von Manfred Clemenz gespannt.
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Judith Wonke | 07.12.2019 | 372 Aufrufe | 4 | Vorträge

"Bürokratie" als negative Markierung - zur Geschichte der Bürokratiekritik

Vortrag von Prof. Dr. Pascale Cancik im Rahmen der Veranstaltung "Bürokratie" und ihre Kritik

Hilde Wessels | 07.12.2019 | 16:53 Uhr
Wenn es die Bürokratie nicht gegeben hätte, hätten wir einige Archivalien heute nicht mehr, die heute geschichtlich relevant sind
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M.A. Francesco Reinerio | 19.11.2014 | 8769 Aufrufe | 2 | Ankündigungen

Ich sah den Teufel. Ein Söldner in den Jugoslawienkriegen 1992-1995

Filmvorführung und Gespräch am 20.11.2014 um 20:00 Uhr im Raum 301 des Instituts für Slawistik der Universität Jena

Antun Mrzlečki | 05.12.2019 | 23:22 Uhr
Mit diesem einen Fall dieses Italieners haben sie psychologisch, gewollt oder ungewollt, im Ganzen ein negatives Bild über die ausländischen Kriegsfreiwilligen im Kroatischen Unabhängigkeitskrieg und in Bosnien-Herzegowina gezeichnet. Unter diesen Kriegsfreiwilligen gab es aber auch Männer eines ganz anderen Kalibers, die professionell kämpften, wie z. B. Thomas Crowley, eine Legende in Kroatien.

Ich empfehle ihnen das Buch "Ein Leben in der Schusslinie - französischer Kriegsfreiwilliger im kroatischen Unabhängigkeitskrieg", von Marc Charuel und Gaston Besson, erschienen bei Amazon.de zu bestellen. Dieses Buch ist meiner Ansicht nach ein Antikriegsbuch.

Sicherlich, Krieg ist immer schlimm, keine Frage. Man sollte doch aber zwischen einem Eroberungskrieg und einem Verteidigungskrieg unterscheiden. Das beste Buch überhaupt über den Krieg in Kroatien ist "Die großserbische Aggression auf Kroatien in den 1990ern" von dem kroatischen Historiker und Leiter des "Kroatischen Gedenk-Dokumentations-Zentrum des kroatischen Heimatkrieges", Dr. sc. Ante Nazor, erschienen auch bei Amazon.de.

Fachmann für die Erforschung dieser Gruppe der ausländischen Kämpfer in Kroatien ist der kroatische Historiker Tomislav Šulj (Aussprache Tomislaw Schulj) aus Zagreb, der Einzige in Kroatien, welcher dieses Phänomen der ausländischen Kriegsfreiwilligen erforscht.

E-Mail: edo1lenart@gmail.com.
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Prof. Dr. Manfred Clemenz | 21.11.2019 | 1108 Aufrufe | 4 | Artikel

Van Gogh Superstar: "Making Van Gogh. Geschichte einer deutschen Liebe"

Bemerkungen zur van-Gogh-Ausstellung im Städel-Museum Frankfurt a.M., zu van Gogh und zum Kunstmarkt

Monika Kirsten | 01.12.2019 | 10:06 Uhr

Eine sehr spannende Rezension,die nicht nur zum Besuch der

Ausstellung in Frankfurt einlädt. Vielen Dank.
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Prof. Dr. Manfred Clemenz | 21.11.2019 | 1108 Aufrufe | 4 | Artikel

Van Gogh Superstar: "Making Van Gogh. Geschichte einer deutschen Liebe"

Bemerkungen zur van-Gogh-Ausstellung im Städel-Museum Frankfurt a.M., zu van Gogh und zum Kunstmarkt

Julian C. | 27.11.2019 | 11:19 Uhr
Dem schließe ich mich an, sehr gute Rezension!
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Georgios Chatzoudis | 27.10.2017 | 6326 Aufrufe | 54 | Vorträge

Schuld und Schulden: Hypotheken der deutschen Besatzungsherrschaft in Griechenland und Europa

Vortrag von Karl Heinz Roth im NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln

Kevin | 26.11.2019 | 07:12 Uhr
Verstehe ich das richtig? Der Prof will das Deutschland 80 Jahre nach Kriegsende Reparationen zahlt und das noch in Billionenhöhe?

Das ist einfach nur abgedreht. Da sollten wir echt schon weiter sein. Mit der Wiedervereinigung war das Thema durch. Das sollte man nun wirklich nicht mehr aufwärmen.
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Georgios Chatzoudis | 26.07.2019 | 595 Aufrufe | 2 | Diskussionen

Podiumsdiskussion | Planetarischer Klimawandel und anthropologische Naturgeschichte

Internationale Konferenz | Alexander von Humboldt: Die ganze Welt, der ganze Mensch (Berlin, 5.-7. Juni 2019)

Rudolf Steinmetz | 23.11.2019 | 12:28 Uhr
Dieser schreckliche Professor namens Schellnhuber! Sogar der VATIKAN hat einen Narren an ihm gefressen; aber das ist (weiss` Gott!) kein Beweis für Wahrheit. SONDERN den findet man u.a. HIER - Physik Nobelpreisträger IVAR GIAEVER entlarvt den KLIMASCHWINDEL: https://www.youtube.com/watch?v=flF7HPZy3Ys
FRAGE: werde ich jetzt zensiert????
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Prof. Dr. Manfred Clemenz | 21.11.2019 | 1108 Aufrufe | 4 | Artikel

Van Gogh Superstar: "Making Van Gogh. Geschichte einer deutschen Liebe"

Bemerkungen zur van-Gogh-Ausstellung im Städel-Museum Frankfurt a.M., zu van Gogh und zum Kunstmarkt

Gabriele Nordmann | 21.11.2019 | 15:15 Uhr
Eine sehr profunde, großartig bebilderte und treffende Ausstellungskritik des Van-Gogh-Kenners M. Clemenz. Danke.
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Georgios Chatzoudis | 19.11.2019 | 1060 Aufrufe | 1 | Interviews

"Postkoloniale Situationen von verschiedenen Gesellschaften"

Interview mit Peter Trawny zu den aktuellen Ereignissen in Lateinamerika

Berta | 20.11.2019 | 16:18 Uhr
Ich interessiere mich von Kindheit an für Lateinamerika! Vielen Dank für Info!