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L.I.S.A.video | 12.09.2012 | 9439 Aufrufe | Georgios Chatzoudis

Die Neue Sachlichkeit in Dresden (Deutschland)

EPISODE 1 | Mehr als Otto Dix?

Otto Dix ist die Ikone der Neuen Sachlichkeit, aber es gab noch viele andere Künstler, die der sozialkritischen Kunstrichtung der 1920er Jahre zuzurechnen sind. Viele sind bisher weitgehend unbekannt. Kunsthistoriker der Galerie Neue Meister in Dresden möchten in einer Ausstellung auch die unbekannteren Vertreter der Neuen Sachlichkeit zeigen. In der aktuellen Episode sehen Sie, wie die Wissenschaftler diese Aufgabe angehen.

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Otto Dix, Familienbildnis, 1925.

Die Malerei der Neuen Sachlichkeit und des Verismus der 1920er Jahre in Dresden vereint die schockierenden Sittengemälde von Otto Dix und Otto Griebel, die von proletarisch-revolutionären Ideen getragenen Bildfindungen von Hans Grundig oder Curt Querner sowie kraftvolle, volkstümlich-naive Positionen (Ewald Schönberg, Fritz Tröger) und konstruktivistische Anfänge (Hermann Glöckner). Romantisierend überhöhte, elegante Damenbildnisse (Wilhelm Lachnit, Wilhelm Dodel) stehen neben Figurenbildern, deren Strenge der klassisch antiken Form entlehnt ist (Johannes Beutner). Im Zuge der politischen Polarisierung von links- und rechtsgerichteten Kräften um 1930 gründete sich in Dresden mit der »Assoziation Revolutionärer Bildender Künstler« eine besonders wirksame Ortsgruppe linker Künstler, deren Werke der Neuen Sachlichkeit nahestanden. Die Generation der Schüler von Otto Dix, bestimmte das künstlerische Leben in Dresden zu Beginn der 1930er Jahre und prägte auch nach 1945 den Neuanfang in der sowjetischen Besatzungszone bzw. der frühen DDR.

Im Rahmen eines an den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden angesiedelten Forschungsvorhabens soll die facettenreichen Kunstströmung »Neue Sachlichkeit« in Dresden erstmals in ihrer Gesamtheit erschlossen und mit anderen Zentren realistischer Malerei in der Weimarer Republik wie Karlsruhe, Hannover, München oder Berlin verglichen werden. Im Mittelpunkt stehen die Gemälde in der Galerie Neue Meister der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Zu ihrem Bestand zählen Schlüsselwerke der bislang vorrangig als »dresdentypisch« geltenden Gruppe der Veristen und »proletarischen Realisten« ebenso wie Werkgruppen bisher kaum beachteter Künstler. Um die Situation in Dresden zwischen 1918 und 1933 zu beleuchten, soll das Schaffen von über 70, zum Teil kaum bekannten Malern rekonstruiert werden, die nicht selten auch als Neuentdeckung zu bewerten sein könnten. Da die Quellenlage aufgrund der Zerstörung der Stadt 1945 und dem damit verbundenen Untergang vieler Ateliers als schwierig gilt, wurde in der Forschung die Auseinandersetzung mit den Dresdner Realisten oft auf die Hauptfigur Otto Dix und sein Wirken als Lehrer an der Akademie ab 1927 reduziert. Tatsächlich wurde eine relativ große Zahl an Gemälden im Zweiten Weltkrieg vernichtet, und neben den erhaltenen Originalen müssen daher zeitgenössische Publikationen, insbesondere Ausstellungskataloge, sowie die Nachlässe und schriftlichen Erinnerungen der Künstler berücksichtigt werden. Für eine angemessene Einordnung der Gemälde sollen in Zusammenarbeit mit dem Kupferstich-Kabinett und der Skulpturensammlung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden auch Zeichnungen (darunter Vorzeichnungen bzw. Kartons) und plastische Arbeiten herangezogen werden. Parallel zur kunsthistorischen Forschung führen Restauratoren umfassende Bilduntersuchungen zu maltechnischen Fragestellungen durch.

Die Untersuchung nimmt ihren Ausgangspunkt in der in Dresden als »ProtoNeue-Sachlichkeit« zu betrachtenden Malerei des Jugendstils und widmet sich dabei zunächst der Lehrergeneration der Künstler der Neuen Sachlichkeit, die unter anderem wesentliche Veränderungen in der Auffassung des Bildraumes und der Farbe vorbereiteten. Für die Zeit nach 1933 soll nach Grenzen und Übergängen der Neuen Sachlichkeit zu einer staatsnahen Kunst im Nationalsozialismus gefragt werden. Höhepunkt des Forschungsprojekts war die Ausstellung zur Neuen Sachlichkeit in Dresden vom 1. Oktober 2011 bis zum 8. Januar 2012.

 

Mehr Informationen zum Projekt finden Sie auf der Homepage der Gerda Henkel Stiftung.

Projektleitung:

Dr. Birgit Dalbajewa

Ort:

Deutschland, Dresden

Kommentar

von Dr.Waltraut Schumann | 16.09.2012 | 09:51 Uhr
Die Forschungsgeschichte zur Kunst zwischen 1919 und 1933 kann nicht unter Ausblendung der Ausstellung "Kunst im Aufbruch - Dresden 1919-1933" von 1981, - Konzept, Leitung und umfassende Darlegung weiterführender anschließender Forschungsarbeit von Dr.Joachim Uhlitzsch, - geschrieben werden. Ausführliche Darlegung und kritisches Material zum Thema im Netz unter Joachim Uhlitzsch bzw. Waltraut Schumann.
Ebenso ist die Sammlungsgeschichte des Institutes ab 1945 und vor allem während des Dirketorats von Dr.Joachim Uhlitzsch zu berücksichtigen. Dieser Zeitabschnitt bildete einen Schwerpunkt in der Sammlungsgeschichte. Material ebenso unter" Texte von Joachim Uhlitzsch" in einer virtuellen Galerie. Dort finden sich auch alle Angaben zu Ausstellungen einzelner Künstler, zumeist mit wissenschaftlichem Apparat.- Die Ankaufstätigkeit ist u.a. rekonstruierbar anhand des Bestandskataloges. - Im 33-bändigen Galerietagebuch der Zeit von 1963-84 befindet sich ein Hängeplan der letzten Hängung unter dem Direktorat von Dr.Joachim Uhlitzsch. Anhand des Planes wird die Wichtigkeit, die dem betreffenden Zeitabschnitt beigemessen wurde, deutlich.- Ebenso dürfen wir auf damals bereits internationale Anerkennung verweisen. - Im Jahr des Grohmann-Gedächtnisses darf ich dessen Besichtigung der Galerie unter Begleitung von von Dr.Joachim Uhlitzsch erwähnen bei der dieser zu dem Urteil kam "Die Galerie hat ein Konzept, aber es ist nicht das meine". - Das bedeutet: eine vorurteilslose Einbeziehung dieses Zeitabschnittes im Jahr 2012 ist an der Zeit und auch erwünscht. Eine Antwort von Anonymus auf meine Kritiken lautete "Danke für den Hinweis". - Unterbleibt diese, so schädigen Sie Ihre eigene Arbeit. Kritische Begleitung meinerseits behalte ich mir vor. Dr.Waltraut Schumann, Kustodin der Gemäldegalerie Neue Meister i.R.

Kommentar

von Dr. Wolfgang Oehler | 28.12.2012 | 11:33 Uhr
Hi Jutschka,
das ist ja wahnsinnig!
Hätte nicht gedacht, dass Ihr so tolle Arbeit macht!
Das müsst Ihr noch mehr nach vorne stellen!!!!
Glückwunsch!!!
Gruß Wolfgang

Kommentar

von Jutta Stange | 10.02.2017 | 08:30 Uhr
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich bin durch Zufall auf Ihr Video mit dem "Dachbodenfund" gestoßen. Ich mache schon seit einiger Zeit Familienforschung und deshalb interessiert mich auch die Geschichte um das Bild "Mädchen im karierten Kleid" . Kurt Eichler ist einer meiner Vorfahren .Meine Großmutter hieß Jenny Eichler und sie hatte einen Bruder der Kurt Eichler heißt, und dessen Sohn ist der Illustrator und Maler Kurt Eichler. Bin natürlich weiter interessiert ob ich noch mehr über Kurt Eichler erfahre. Ich forsche weiter.
Freundliche Grüße von Jutta Stange

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