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Ingolf Seidel | 26.09.2019 | 313 Aufrufe | 5 | Ankündigungen

LaG-Magazin im September erschienen: 80. Jahrestag des deutschen Überfalls auf Polen

Das ist die erste Ausgabe des LaG-Magazins nach der Sommerpause. Der naheliegende Anlass für diese Themenausgabe ist der 80. Jahrestag der deutschen Überfalls auf Polen am 1. September 1939. Das Datum ist in Polen geschichtspolitisch geprägt durch die PiS-Regierung. An sich legitime und zu diskutierende Forderungen an Deutschland nach Entschädigungszahlungen bekommen vor dem Hintergrund des nationalistischen Kurses der Partei mehr als einen schalen Beigeschmack, mit dem zusätzlich eine Debatte um die anhaltende Verantwortung Deutschlands, gerade in finanzieller Hinsicht und jenseits von Symbolpolitiken, leicht abgewehrt werden kann. Auch, wenn sich die Thematik der nationalen Instrumentalisierung des Geschichtsdiskurses nur in einer Rezension über Paweł Machcewiczs Buch „Der umkämpfte Krieg“ niederschlägt, war sie doch bei der Zusammenstellung der Ausgabe präsent. 

Svea Hammerle stellt in ihrem Beitrag mehrere Projekte der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz zum Jahrestag vor. Dazu gehört die Online-Ausstellung mit Bildern aus dem Bestand des Amateurfotografen Kurt Seeliger und „Stumme Zeugnisse“, ebenfalls ein Online-Projekt, erarbeitet von Studierenden des Masterstudiengangs Public History der Freien Universität Berlin.

Vor dem Hintergrund des Selbstverständnisses des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge zeigt Vasco Kretschmann, welche deutsch-polnische Angebote Bildungs- und Begegnungsangebote der Verband bietet. 

Natalia Zapór präsentiert in ihrem englischsprachigen Text das polnische Oral History-Projekt ‘unUSUAL stories’. Sie lässt dabei ausführlich Stimmen von Zeitzeug*innen zu Wort kommen.

Juliane Niklas hat zu dieser Ausgabe eine Besprechung der Doktorarbeit „Dem Holocaust entkommen. Polnische Juden in der Sowjetunion, 1939–1946“ von Markus Nesselrodt beigesteuert. Der geschätzte Kollege hat vor mehrere Jahren bei „Lernen aus der Geschichte“ als studentischer Mitarbeiter gearbeitet.

Wir wünschen Ihnen eine interessante Lektüre.

Das nächste LaG-Magazin erscheint am 23. Oktober 2019. Es hat die wissenschaftliche und pädagogische Arbeit der Arbeitsstelle Holocaustliteratur an der Justus-Liebig-Universität Gießen zum Thema.

Kommentar

von Peter E. | 27.09.2019 | 16:42 Uhr
Lobenswerte Arbeit, aber leider wird der Hitler-Stalin Pakt wie so oft nicht erwähnt. Zur Wahrheit gehört dazu, dass ohne Stalins Kooperation ein solcher Überfall zumindest schwerer geworden wäre.

Aber es scheint, dass das ganze Bild weder von Links geschweige denn von Rechts in die eigene Ideologie passt. Daran leider leider auch die Wissenschaft.

Ausgewogenheit und das Nichtverschweigen der eigenen Ideologie abträgicher Fakten wären wünschenswert.

Kommentar

von O. Ingmar | 29.09.2019 | 11:28 Uhr
Muss Stalin erwähnt werden? Kann man so oder so sehen.

Klar ist schon, dass er keinen Deut besser war. Siehe Katyn. Die Lehre ist doch das Linkaußen und Rechtsaußen Unheil bringen. Umso verrückter das die Linke Renner mit Antifasticker im BT auftrit. Was für eine Geschichtsvergessenheit.

Vielleicht kommt ja nochmals der Tag, wo Linke und AfD beide bei 4,9% liegen. Dann ist ne Pulle Schampus fällig.

Kommentar

von G. Reinhard. | 01.10.2019 | 16:59 Uhr
Die historische Wissenschaft offenbart nun auch hier, dass sich aus jeder Geschichte eine Legende entwickelt. Für die Betrachtung de Vergangenheit zementiert den scheinbaren Ablauf der Ereignisse und macht so ein wirkliches Lernen aus Geschichte unmöglich.
Weder ist hier von polnischer Kriegseuphorie die Rede, bald in Berlin zu stehen, noch von den zahlreichen von England gedeckten Überfällen auf Deutsche im Lande selbst. Dass Hitler und Stalin, den der Westen erst mal im Regen stehen ließ, sich Polen aufteilten, wäre zumindest erwähnenswert gewesen. Lernen aus der Geschichte heißt auch, der unliebsamen Realität eines Konfliktes ins Auge zu blicken an dem immer mehrere Akteure beteiligt sind. Diese Betrachtung und nicht ideologisch-verblendete Scheuklappen würden helfen aus Geschichte zu lernen.

Kommentar

von O. Ingmar | 03.10.2019 | 08:22 Uhr
"An sich legitime und zu diskutierende Forderungen an Deutschland nach Entschädigungszahlungen."


Ja, sicher, schon mal was von Verträgen gehört? Polen hat auf diese 1953 verzichtet. Bestätigt wurde der Verzicht in den 70gern und dann noch einmal von der - nun frei gewählten - polnischen Regierung im Jahr 1990.

Es ist unfassbar, Herr Seidel, was sie da von sich geben. Oder kann dann auch folgendes gesagt werden. Wäre ja nur folgerichtig:

"An sich legitime und zu diskutierende Forderungen an Polen nach Rückgabe Schlesiens, Pommern und Ostpreußens. Selbstredend konkludent auch die legitime Forderung Polens nach der Rückgabe der von Stalin geraubten ostpolnischen Gebiete von 1938."

Oder wollen sie nur Öl ins Feuer einer europäischen Spaltung gießen? vertragstreue ist ein wichtiges Gut!

Kommentar

von Robert W. | 04.10.2019 | 10:01 Uhr
Hallo, das ist sicher ein Problem in Deutschland. Es kann nicht sein, dass Verträge immer nur dann gültig sind, wenn sie den moralischen Standards eines linksliberalen Mainstream entsprechen. Mit Schlesien etc. haben sie den Finger in die Wunde gelegt. Ist die Abtretung dann auch nicht gültig?

Aber auch bei anderen Themen:

Abtreibung: ja, auf jeden Fall, wie eine Frau das will, aber bei Trisomie 21 steht dann plötzlich die Vielfalt der Gesellschaft auf dem Spiel

Flüchtlinge: wenn es passt, muss jedes Gesetz bis zum letzten Buchstaben exerziert werden, wenn es aber nicht genehm ist, dann ist "ziviler Widerstand" angesagt.

Vielleicht hat der Rechtsrutsch ja auch genau mit dieser bigotten Heuchelei des Mainstream zu tun. Ich jedenfalls empfinde das alles als pure Heuchelei und hochundemokratisch.

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