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Dr. Karla Neschke | 18.11.2011 | 1743 Aufrufe | Veranstaltungen

Der Adel ist tot - es lebe der Adel!
Aristokratie in der modernen Gesellschaft

15.12.2011 | München, Bayerische Akademie der Wissenschaften (Residenz)

Es diskutieren der Osteuropa-Experte Prof. Martin Schulze Wessel, Ludwigs-Maximilians-Universität München, die Historikerinnen PD Dr. Karina Urbach von der Universität London und Prof. Monika Wienfort vom FRIAS der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg sowie Dr. Peter Wörster vom Herder-Institut, Marburg. Es moderiert Dr. Johan Schloemann von der Süddeutschen Zeitung.

Das Interesse der Öffentlichkeit am Adel scheint ungebrochen. In der Boulevardpresse beherrschen die Familiengeschichten des Adels nach wie vor regelmäßig die Schlagzeilen. Auch in diesem Jahr erreichten die Fernsehübertragungen der Hochzeiten im Königshaus Windsor und im Fürstenhaus Monaco weltweit wieder ein Millionenpublikum. Auch in der historischen Forschung hat das Thema Adel Konjunktur. Die neuere Adelsforschung unterscheidet sich durch ihren kritischen Blick grundlegend von jener bis Anfang des 20. Jahrhunderts, die oft noch von Repräsentanten der Adelshäuser selbst oder von ihren „Haus- und Hofhistorikern“ verfasst wurde. Mit der Abschaffung der Privilegien der deutschen Aristokratie 1918/19 verschwand der Adel zunächst aus dem Blick der historischen Forschung.
Adelsgeschichte ist dabei keineswegs ein Synonym für Verfallsgeschichte, sondern zeigt exemplarisch gerade für das 19. und 20. Jahrhundert Strategien des „Überlebens“ auf. Durch die zunehmende Industrialisierung und den damit verbundenen Bedeutungsverlust der Landwirtschaft, von dem auch Adelsfamilien mit Großgrundbesitz betroffen waren, kann man zwar durchaus von einem Niedergang des Adels im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts sprechen. Auffällig bleibt jedoch, wie der Adel diesen Tendenzen trotzte, indem ihm weiterhin wichtige Positionen in Militär und der Staatsverwaltung vorbehalten waren oder durch „Einheiraten“ in reiche Bürgersfamilien. In einigen Ländern wie England konnte sich sogar eine kleine aristokratische Elite auch im Zeitalter der Demokratie einen überproportional großen Einfluss auf Politik und Wirtschaft sichern. Ihr Lebensstil prägte die Kultur der Oberschicht und derjenigen, die gern dazu gehören wollten.
Die neue Forschung wendet sich ab von der bisher oftmals nur biografischen Ausrichtung und greift Fragestellungen auf wie “Adel und Auswärtiger Dienst“ oder „Adel und Umwelt“. Auch die Eliten des russischen und osmanischen Reichs oder in asiatischen Ländern sind in das Interesse der Forschung gerückt. Was fasziniert uns am Adel und seinen führenden Vertretern? Welche Bedeutung haben die alten Eliten in der modernen Gesellschaft? Welche neuen historischen Einordnungen des Adels haben Historiker in den letzten Jahren rekonstruieren können?

Schloss Ratshof in Estland war bis 1920 im Besitz der Familie von Liphart und wurde 1944 zerstört. Die Familie sammelte Gemälde, Stiche und Skulpturen und stellte eine große wissenschaftliche Bibliothek zusammen. Die Sammlung galt zu ihrer Zeit als einzigartig im Ostseeraum.

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