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Dr. Birte Ruhardt | 29.05.2015 | 1472 Aufrufe | 1 | Diskussionen

Utopie oder Dystopie - Was kann das Licht der Aufklärung heute leisten?

Salon Sophie Charlotte 2015

Julia Zupancic | 29.05.2015 | 15:45 Uhr
Vielen Dank für dieses wunderbare Gespräch, das so manche interessante Zusammenhänge vermittelt! In vielen Momenten des Gesprächs war (in meiner Wahrnehmung) ein Denker präsent, der allerdings nicht namentlich erwähnt wurde – Theodor W. Adorno. Auch er versteht Aufklärung als eine permanente Tätigkeit, die sich stets selbst in Frage stellt und der die Aufgabe zukommt, auf die Rückkehr zu vor-emanzipatorischen (religiösen oder politischen) Ordnungsvorstellungen kritisch hinzuweisen.

Wilhelm Voßkamp sprach mehrfach von dem „Möglichkeitssinn“, den eine Utopie ausmacht, ebenso von der Unversöhnlichkeit zwischen der Allgemeinheit und dem Individuellen in utopischen Gesellschaftsentwürfen. Dies sind zwei zentrale Motive in Adornos Philosophie, die bei ihm weniger am Beispiel der Literatur als an dem der Musik durchbuchstabiert werden.

Die Neue Musik enthält für Adorno einen utopischen Impuls: Durch die Destruktion einer übergreifenden Form und die daraus entstehende Gebrochenheit ihres Sinnzusammenhangs wirft diese Musik – um in der Metaphorik der Aufklärung zu bleiben – ein Licht auf die Möglichkeit eines Anders-sein-Könnens, auf eine Alternative zu der bestehenden (durchrationalisierten kapitalistischen) Gesellschaft, die den Einzelnen zur Anpassung zwingt.

Dies nur als kurze (musikwissenschaftliche) Ergänzung zur obigen Gesprächsrunde, die mir einige Denkanregungen zu meinem Promotionsprojekt geliefert hat, das sich mit der Idee des musikalischen Fortschritts beschäftigt.