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Georgios Chatzoudis | 29.09.2011 | 2988 Aufrufe | Interviews

NS-Verbrecher im Geheimdienst des BND

Interview mit Prof. Dr. Jost Dülffer

Der Bundesnachrichtendienst (BND) hatte keine Skrupel, NS-Verbrecher in seinen Dienst zu nehmen - so wie im Fall des SS-Standartenführers und "Gaswagen"-Massenmörders Walter Rauff. Fast 100.000 Juden hatte er in den zu Todeskammern umfunktionierten Lastwagen ermorden lassen. Nach dem Krieg fand er eine neue Aufgabe: Aufklärung für den BND.

Walter Rauff wurde 1945 in Italien gefangengenommen, konnte aber bereits ein Jahr später fliehen und sich schließlich nach Südamerika absetzen - so wie viele andere NS-Größen über die sogenannte "Rattenlinie" auch. In Ecuador ließ er sich als Kaufmann nieder und vertrat unter anderem die Firma Hugo Stinnes. Seit 1953 besaß er den Pass der Bundesrepublik Deutschland, ausgestellt auf seinen Namen.

Fünf Jahre später warb ihn der BND als freien Mitarbeiter an und zahlte ihm für seine Tätigkeit 2.000 DM im Monat. Ziel des BND war es, in Südamerika, wo die Bundesrepublik noch über kein nachrichtendienstliches Netzwerk verfügte, den eigenen Aktionsradios zu erweitern. Nach gut vier Jahren kündigte der BND seinem Mitarbeiter Rauff. Die Pullacher waren mit dem Ertrag seiner Arbeit unzufrieden.

Unterdessen hatte das Amtsgericht Hannover bereits 1961 einen Haftbefehl gegen Rauff ausgestellt, doch die Regierung in Chile, wo er inzwischen lebte, weigerte sich den früheren SS-Führer auszuliefern - mit der Begründung, seine Taten seien verjährt. 1984 starb Walther Rauff unbehelligt im Alter von 77 Jahren im Süden Chiles.

Der Bundesnachrichtendienst hat Anfang 2011 die Unabhängige Historikerkommission (UHK) einberufen, um die Geschichte des BND zu untersuchen. Ein Mitglied der UHK ist der emeritierte Professor für Neuere Geschichte an der Universität zu Köln Prof. Dr. Jost Dülffer, den wir zu Walter Rauff, den BND und die Arbeit der Historikerkommission befragt haben.

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Prof. Dr. Jost Dülffer, Mitglied der Unabhängigen Historikerkommission zur Erforschung des Geschichte des Bundesnachrichtendienstes von 1945 bis 1968.

"Neu ist das Wissen über den Umfang seiner Tätigkeit"

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"In Pullach saßen Leute, die Rauff als alten Kameraden kannten"

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BND-Sitz in Pullach
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"Es scheint so, dass man beim BND keine Skrupel hatte"

Simon Wiesenthal überlebte den Holocaust und machte nach dem Krieg die Suche und Überführung von NS-Verbrechern zu seiner Lebensaufgabe. Gemeinsam mit Beate und Serge Klarsfeld hatte er immer wieder versucht, Walter Rauff vor Gericht zu bringen.
Auf dem Bild aus dem Jahre 1973 hält er Fotos von Walter Rauff und einem Gaswagen in seinen Händen.
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"Es gab beim BND anfangs ganze NS-Seilschaften"

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"Geheimdienste und Polizei hatten einen hohen Anteil an NS-Tätern"

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"Wir rechnen noch mit vielen neuen Erkenntnissen"

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Die Unabhängige Historikerkommission (UHK):
Professor Dr. Klaus-Dietmar Henke (Technische Universität Dresden), Prof. Dr. Jost Dülffer (Universität zu Köln), Professor Dr. Rolf-Dieter Müller (Militärgeschichtliches Forschungsamt Potsdam / Humboldt-Universität Berlin) und Professor Dr. Wolfgang Krieger (Philipps-Universität Marburg) (v.l.n.r.)
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Das Interview mit Prof. Dr. Jost Dülffer in einer Datei

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Die L.I.S.A.Redaktion hat das Gespräch mit Prof. Dr. Jost Dülffer am Telefon geführt und aufgezeichnet.

Walther Rauff und der Gaswageneinsatz
Dokumente aus dem NS-Archiv

Wir möchten noch auf eine interessante Website verweisen, die unter anderem den Vermerk Walter Rauffs über den Einsatz der Gaswagen enthält.

Außerdem findet sich dort Walter Rauffs Aussage bei seiner Vernehmung in Santiago de Chile von 1972.

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NS-Archiv | Dokumente zum Nationalsozialismus
www.ns-archiv.de

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