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Katharina Schmalz | 28.06.2013 | 13359 Aufrufe | 4 | Artikel

Kunstevolution: Die zehn prägendsten Schritte der Kunstgeschichte

Evolution bedeutet Veränderung und Weiterentwicklung, auch in der Geschichte der Kunst. Darüber hinaus stellen die evolutionären Entwicklungsschritte innerhalb der Kunstgeschichte aber auch immer einen Bruch mit der vorangegangenen Epoche dar.

Die zehn prägendsten Brüche der Kunstevolution sollen in der unten abgebildeten Infografik nachvollzogen werden. Den Anfangspunkt der Kunstevolution in der Infografik bilden Höhlenmalereien. Sie markieren den Beginn der Kunstgeschichte, weil sie eines der ältesten künstlerischen Zeugnisse menschlichen Daseins darstellen. Die Kunst wurde benutzt, um Jagdszenen und das Leben der Menschen in der Steinzeit auf Höhlenwänden festzuhalten.

Die antike griechische Kunst ist ein erster entscheidender Evolutionsschritt innerhalb der Kunstgeschichte. Die griechischen Künstler wandten sich der neben architektonischen Herausforderungen auch der plastischen Kunst zu. Architektur und Bildhauerei wurden zum Sinnbild der Kunst der griechischen Antike und zum Wegbereiter der europäischen Kunstevolution generell.
Auctionata Kunstevolution - Kunstgeschichte in 10 Schritten

Die antike griechische Kunst findet einen maßgeblichen Bruch in der Epoche der Gotik, die sich vor allem in architektonischen Veränderungen ausdrückt.  Die Zuwendung des Menschen zur Religion schlägt sich besonders im Bau gotischer Kathedralen nieder. Auch der italienische Maler Giotto machte dies zum Inhalt seiner Kunst, beschritt jedoch neue Wege, als er weg von der zweidimensionalen Malerei, zu einer realistischeren Darstellungsform durch plastisches Modellieren.

Die Renaissance bildet den nächsten Evolutionsschritt auf der Infografik. Prägend für diese Kunstepoche ist die endgültige Abkehr vom Mittelalter und erneute Orientierung an Kunst der griechischen Antike.  Der Mensch als schöpferisches Individuum rückt bei Leonardo da Vinci und anderen Künstlern in den Fokus der Darstellung. Als Kunstideal der Renaissance galt die Abbildung von Schönheit und Wahrheit in klassisch-antiker Tradition. Berühmt dafür waren beispielsweise die beiden Maler Raffael und Michelangelo.

Ein Bruch mit diesen Traditionen und einen stilistischen Wandel stellt die nächste Epoche, das Barock dar. Die Kunst wurde zunehmend entweder von der Kirche oder vom Absolutismus instrumentalisiert. Üppige Verzierungen und Darstellungsformen fanden sich in der Malerei sowie in der Architektur und deren Zierelementen wieder. Berühmte Vertreter des Barock waren unter anderem Velásquez, Caravaggio, Rubens und Rembrandt.

Mit dem Impressionismus vollzog sich der nächste Evolutionsschritt und wiederum ein Bruch mit dem vorangegangenen Barock. Impressionisten wie Claude Monet, Auguste Renoir oder Edgar Degas rückten die Farbgebung ins Zentrum ihres Schaffens und gaben in ihren Gemälden die atmosphärische Stimmung wieder, den Eindruck den Licht und Farbe bei ihnen hinterließen. Gemalt wurde im Freien, wo es vorrangig darum ging, die sich verändernden Lichtverhältnisse naturgetreu festzuhalten.

Die darauffolgende Epoche, der Expressionismus wiederum bricht mit den Maximen des Impressionismus. Ein freierer Umgang mit Form und Farbe rückte ins Zentrum der expressionistischen Darstellungen. Der Ausdruck subjektiver Empfindungen sowie eine Motivreduzierung und das Aufheben traditioneller Perspektiven war das Ziel von Künstlern wie August Macke, Franz Marc oder Wassily Kandinsky. Das spontane Fühlen sollte auf der Leinwand wiedergegeben werden.

Mit dem Surrealismus bildet die Infografik den nächsten Schritt der Kunstevolution ab. Der Surrealismus entwickelte sich zu einer revolutionären, fast anarchischen Kunstauffassung bei der nichtrationale, traumhafte Elemente zum Darstellungsmittelpunkt mit der Tendenz zum Phantastischen und Absurden wurden. Künstler wie Joan Miró oder Salvador Dalí verdrehen Perspektiven, kombinieren nicht zusammengehörige Motive miteinander ohne jeglichen Realismusbezug.

Pop Art bildet einen weiteren Schritt wie Bruch in der Kunstevolution. Gesättigt von einer dem Konsum verfallenen Gesellschaft, wurde die Kunst zu einer Ausdrucksform des Trivialen, des Alltagslebens. Die Motive sind häufig den Medien beziehungsweise der Werbung entnommen und wurden von Künstlern wie Andy Warhol, Roy Lichtenstein und Robert Rauschenberg meist fotorealistisch oder überdimensioniert dargestellt.

Die Infografik schließt mit dem letzten prägenden Bruch innerhalb der Kunstevolution, der Street Art. Die Künstler verbreiten ihre Werke auf Hauswänden, Straßen und Mauern, Hauptsache an öffentlichen Plätzen und für alle Menschen zugänglich. Ziel von Street Art Künstlern wie Banksy,  Gérard Zlotykamien oder Keith Haring ist es, Kunst wieder in nichtkommerzieller Form zu verbreiten. Street Art ist eine Möglichkeit mit Kunst den öffentlichen Raum zurückzuerobern und ein Kommunikationsmittel für politische, gesellschaftliche und künstlerische Statements. 

Die Infografik erhalten Sie hier

Kommentar

von Marcus Cyron | 28.06.2013 | 14:32 Uhr
Das ist ärgerlich und das kann man nicht unwidersprochen stehen lassen. Die Grafik und damit verbundene Beschreibung offenbart ein Weltbild, das in einer Nachkolonialen Welt eigentlich nicht mehr vertreten werden darf. Gehört die chinesische Kunst nicht zur Kunstgeschichte? Oder die Japanische? Die der Khmer? Afrikanische Kunst? Islamische Kunst? Die Kunst Altamerikas? Auch die Auflösung von Formen in Kubismus und Abstrakter Kunst scheinen nicht Erwähnenswert. Aber immerhin danke daß einmal mehr bewiesen wurde, daß derartige Schemen zur Darstellung komplexer Vorgänze gänzlich ungeeignet sind.

Kommentar

von Katharina Schmalz | 28.06.2013 | 14:58 Uhr
Lieber Herr Cyron,

wir haben uns für diese Infografik nur auf die „westliche“ Kunstgeschichte fokussiert. Daher werden andere Kulturen in dieser Infografik nicht dargestellt.

Die Infografik ist per se eine Form von Simplifizierung und, wie der Untertitel schon vorstellt, haben wir die ganze Kunstgeschichte in 10 Schritten zusammengefasst. Aus diesem Grund wurden einige Kunstformen nicht integriert. Nicht nur Kubismus und Abstrakte Kunst, sondern, z.B., auch die Metaphysische Malerei wurden nicht erwähnt.
Wir haben die 10 wichtigen „Wendepunkte“ aufgelistet. Ohne die Impressionisten hätten wir keinen Kubismus und keine Abstrakte Kunst, ebenso wie, ohne Gotik hätten wir keinen Giotto, und daher keine Dreidimensionalität in der Kunst, und ohne Surrealismus keine Metaphysische Malerei gehabt.

Kommentar

von Marcus Cyron | 28.06.2013 | 16:01 Uhr
Es tut mir leid, aber diese Erklärung funktioniert für mich nicht. Denn sie findet sich nicht in ihrem Schema und auch nicht in den dazugehörigen Erklärungen. Wenn sie erst derartige Erklärungen nachschieben müssen, haben sie das Schema nicht gut genug ausgearbeitet. Da sich das Schema sicher nicht an Fachleute richtet, sondern einen allgemeineren Nutzerkreis erreichen soll, ist das in der derzeitigen Vereinfachungsform nicht akzeptabel. Fraglich ist ohnehin, wie man darauf kommt, zwingend 10 Epochen/Stile herausarbeiten zu müssen. Früher waren mal sieben üblich. Eine ebenso willkürliche Zahl. Im übrigen bedingen sich immer viele Dinge. Es ist immer schwierig, bestimmte Dinge als besonders Besonders herauszustellen.

Wobei man auch über die einzelnen Punkte im Schema streiten kann. Griechische Kunst 500-300 v.Chr.? Warum diese Zeit? Damit fallen Arbeiten des Exekias und des Euphronios heraus. Auch grundlegende Arbeiten der Plastik, der Malerei, der Architektur. Und der hellenistische Realismus. Darüber, daß die griechische Kunst ohne die orientalischen Vorbilder undenkbar ist fange ich besser erst gar nicht an. Ich weiß, daß ich sehr deutlich, harsch und unerbittlich klinge - aber diese Grafik kann seinen angedachten Zweck nicht erfüllen.

Kommentar

von Johannes Friedl | 03.07.2013 | 13:16 Uhr
Liebe Frau Schmalz,
als ich den Titel "Kunstevolution" las, befürchtete ich, muss ich gestehen, mich hier mit der Beschreibung einer zu linearen, sich zum Positiven hin entwickelnden Kunstgeschichtsschreibung konfrontiert zu sehen. Doch finde ich, abgesehen von den mir ebenso wichtig erscheinenden Einwänden meines Vorredners, dass Sie diesen Punkt sowohl graphisch als auch inhaltlich so geschickt gelöst haben, wie es für eine solch heruntergebrochene und kanonisierende Beschreibung nur möglich ist zu tun. Graphisch handelt es sich eher um ein Geschichts-Hopping, ebenso wenig suggerieren die Texte eine "sich verbessernde" Entwicklung der Kunst.
Was mich (und vielleicht auch meinen Vorredner) etwas stört, ist die hier dargestellte Standartkanonisierung der Kunstgeschichte, die implizit doch sehr stark von einem von der heutigen Kunstgeschichte geprägten Wertverständnis ausgeht. Für die Antike hatte beispielsweise die klassische Malerei der Zeit, die sie beschreiben, mindestens ebenso viel Prägendes (wenn nicht sogar mehr) wie die zeitgleiche Architektur. Nur mit dem Unterschied, dass von der Malerei für die Interessierten der Renaissance absolut nichts übrig geblieben ist, von Architektur und Plastik dagegen genügend.
Weiterhin linear auf unsere heutige Zeit zugeschnitten scheint mir das Bild insofern, als dass die zeitlichen Abstände nach unten immer kleiner werden. Ich lege fast meine Hand dafür ins Feuer, dass sich in 200 Jahren niemand mehr in einem solchen Kontext gesondert für die beiden Punkte Pop Art und Street Art aussprechen wird. Das ist der Fokus der heutigen Zeit. Folglich müsste der Titel vielleicht eher heißen: Die 10 prägendsten Schritte für die westliche Kunst von heute o.Ä. (Ich sehe schon die Einsprüche am Horizont). Sie mögen das vielleicht etwas kleinkariert nennen, vielleicht ist es das auch, aber zumindest prägen Vereinfachungen wie die vorliegende das in diesem Standard kanonisierte Kunstgeschichtsverständis zum Teil seit Dekaden/Epochen.
Mir ist klar, dass die Kritik bereits in den Startlöchern steckt, wenn man sich zu solchen Verkürzungen entschließt, das liegt wohl in der Natur der Sache. Deshalb mehr Kommentar als Kritik.
Beste Grüße
Johannes Friedl

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