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Nadja Thelen-Khoder | 25.01.2020 | 396 Aufrufe | Artikel

„Hier ruhen russische Bürger, in faschistischer Gefangenschaft bestialisch gequält“

Die Toten auf dem „Russischen Ehrenfriedhof des Anstaltsfriedhofs“ der LWL-Klinik in Warstein-Suttrop

Die Informationen zu diesem Friedhof sind verwirrend. So steht auf der Seite des „Volksbund deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.“: „Warstein-Suttrop-Anstaltsfriedhof. Auf dieser Kriegsgräberstätte ruhen 115 Kriegstote des II. Weltkrieges. Von diesem Friedhof ist noch kein Bildmaterial vorhanden.“[1] Und auf der Internetseite des Museum Karlshorst in Verbindung mit dem Büro für Kriegsgräberfürsorge und Gedenkarbeit der Russischen Föderation in Deutschland steht zur Beschreibung: „Gedenkstein zur Erinnerung an 112 ermordete und hier bestattete sowjetische Zwangsarbeiter.“[2]   

Grabstein von Michail Woronin

Der russische Text auf der Stele ist der gleiche wie der auf Meschedes Waldfriedhof, den viele gern „Franzosenfriedhof“ nennen, aber er wird anders übersetzt: „Here lie russian citizens cruelty tormented in fascistic captivity. Eternal glory to the dead heroes of the great fatherland war 1941-1945" und "Hier ruhen russische Bürger in faschistischer Gefangenschaft bestalisch gequält. Ewiger Ruhm den gefallenen Helden des großen vaterl. Krieges 1941-1945".

Als im November 2017 Meschedes „Waldfriedhof Fulmecke“[3] zum „Denkmal des Monats gekürt“ wurde, rief Michail Woronin[4] laut „Wir sind hier!“, und Wildschweine jagten über den „Russischen Ehrenfriedhof des Anstaltsfriedhofs“[5] der LWL-Klinik in Warstein-Suttrop[6]

November 2017

Wenig später zerstörte der Sturm Frederike das römisch-katholische Kreuz auf dem „Franzosenfriedhof“ durch eine umgeknickte Tanne.

Januar 2018

„Wir sind hier!“ Diesen Rufen von Eltern und Tochter über den Stimm-Stamm hinweg – Ich weiß, daß ich mich mal wieder lächerlich mache - bin ich gefolgt, und der Chor jener, die endlich sprechen und gehört werden wollen, wird immer größer. Auch mein Großvater ist wieder aufgetaucht: Der Anstaltsdirektor bis 1934, Dr. Ferdinand Hegemann, war bei einer „Abendgesellschaft“ bei ihm, ebenso wie Alfred Siepmann und Ernst Jost, die Ferdinand Hegemann später denunzierten[7]; sein Schreiben zum 21.8.1933 geht mir unter die Haut[8].

Photo vom 1.9.2019

Und so habe ich ein zweites Buch über einen Friedhof mit einer sowjetischen Stele geschrieben: „ ,Hier ruhen russische Bürger, in faschistischer Gefangenschaft bestialisch gequält’. Die Toten auf dem ,Russischen Ehrenfriedhof des Anstaltsfriedhofs’ der LWL-Klinik in Warstein-Suttrop. Eine Spurensuche“ heißt es und soll ebenso wie „Der ,Franzosenfriedhof’ in Meschede“[9] Grundlage für weitere Recherchen sein.

Publikation als pdf zum Download (Textstand 4.1.2020) (6.54 MB)

Nachweise

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