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Georgios Chatzoudis | 06.10.2017 | 391 Aufrufe | Interviews

"Festivals sind noch wichtiger geworden"

Interview mit Gregor Greve zum Film-Medien-Festival Archäomediale & Cinarchea

Das Internationale Archäologie-Film-Festival Cinarchea hat seit zwei Jahren einen Nachfolger: das Film-Medien-Festival Archäomediale & Cinarchea. Kontinuität und Neues sind der Anspruch der Veranstaltung, die seit 2015 in Brandenburg an der Havel stattfindet. Das Hauptaugenmerk der kritischen Betrachtung liegt dabei nach wie vor auf der filmischen Umsetzung wissenschaftlicher Arbeit und der Präsentation dieser Filme im Museum, im Fernsehen, im Internet oder über DVD. Neu hinzu kommen nun vor allem die Neuen Medien. Was es noch im Vorfeld des 12. Internationalen Archäologie-Film-Medien-Festivals zu wissen gilt, das haben wir Festivalleiter Gregor Greve gefragt.

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"Wir wollen das Festival auch für Neue Medien öffnen"

L.I.S.A.: Herr Greve, morgen beginnt das 12. Archäologie-Film-Medien-Festival „archäomediale & cinarchea“, deren Kurator Sie sind. Worum geht es dabei? Warum ist dieses Festival wichtig?

Greve: Die Archäomediale ist hervorgegangen aus dem 1994 von Dr. Kurt Denzer in Kiel gegründeten Archäologie-Film-Kunst-Festival CINARCHEA. Dieses war als Filmfestival angelegt und bot neben der Präsentation internationaler Dokumentarfilme mit archäologischen Schwerpunkt dem Publikum auch wissenschaftliche Vorträge und eine Kunst-Installation. Seit 2013 findet das Festival im Archäologischen Landesmuseum Brandenburg in Brandenburg an der Havel statt. Mit der Namenserweiterung Archäomediale wollen wir gleichzeitig das Festival auch für Neue Medien öffnen. 

Meiner Meinung nach sind Festivals wie dieses auch heute noch wichtig, wenn nicht sogar nicht wichtiger. Die Welt ist zwar durch die digitale Revolution kleiner geworden und Informationen werden nahezu in Echtzeit an den Endverbraucher weitergeleitet, allerdings geht mit diesem Trend der direkte Austausch verloren. Den Film kann man eventuell noch auf gängigen Internetportalen konsumieren. Die Chance, den Filmemacher persönlich zu befragen oder mit weiteren Interessierten Besuchern in der Pause ins Gespräch zu kommen, bieten nur Festivals wie die Archäomediale & Cinarchea.

"Die Neuerung dieses Jahres ist die Installation einer Podcast Lounge"

L.I.S.A.: Wie schließt die 12. Ausgabe an die bisherigen an, die als Filmfestival „Cinarchea“ bekannt waren? Was steht in dieser Kontinuität, was ist neu?

Greve: Neben dem Spielort ist die schon angesprochene Öffnung das Novum im Ablauf. Dieses ruht auf dem festen Fundament des filmischen Wettbewerbs. Wir führen diesen noch immer auf die klassische Weise durch. Eine hochkarätige Jury trifft sich parallel zu den öffentlichen Vorführungen und berät über die Vergabe von zwei Preisen und eventuell lobenden Erwähnungen. Mit Hilfe von Fragebögen vergeben wir weiterhin einen Publikumspreis in dieser Kategorie. Weiterhin werden die Vorführungen unterbrochen durch Vorträge und ein „Werkstattgespräch“. 2013 hatten wir den Regisseur Christopher Paul zu Gast, der über Produktionsbedingungen in der deutschen TV-Landschaft sprach. In diesem Jahr haben wir Prof. Dr. Werner Dahlheim für das Werkstattgespräch gewinnen können, der über seine Tätigkeit als wissenschaftlicher Berater sprechen wird. Darüber hinaus zeigen wir die Ausstellung des berühmten Berliner Fotografen Manfred Hamm.

Die Neuerung dieses Jahres ist die Installation einer Podcast Lounge. Unsere Besucher haben die Möglichkeit, sich in einer Lounge über eine App archäologische Podcasts anzuhören und in Form eines Publikumspreises darüber abzustimmen.

"Den besten Beitrag in Form eines Zuschauerpreises prämieren"

L.I.S.A.: Was wird es zu sehen geben und wie ist diesem Zusammenhang die Ankündigung zu verstehen, dass sich das Festival dieses Mal auch außerfilmischen Formaten öffnet?

Greve: Die Anzahl der eingereichten Apps (die wir seit 2015 in unser Programm aufgenommen haben) ist leider nicht so groß, dass wir in diesem Jahr einen aussagekräftigen Wettbewerb installieren können. Da wir einen schrittweisen Ausbau anstreben, haben wir in diesem Jahr dafür archäologische Podcasts im Programm. Diese können ganz individuell auf dem eigenen Smartphone in der extra eingerichteten Hörlounge konsumiert werden. Unsere Besucher haben die Möglichkeit, den besten Beitrag in Form eines Zuschauerpreises zu prämieren. In Zukunft planen wir die Öffnung hin zu weiteren Formaten wie zum Beispiel Augmented Reality, 3D Animationen, etc.

"Die Kriterien der Fachjury sind vielfältig"

L.I.S.A.: Bei Filmfestivals gibt es in der Regel auch eine Prämierung für den besten Film. Ist das auch bei Ihrem Festival vorgesehen? Welche Kriterien sind dabei entscheidend und was gibt es zu gewinnen?

Greve: Seit seinen Anfängen in Kiel vergibt die Jury für den Bereich Film in der Regel zwei Preise - den Großen Preis und den Spezialpreis der Jury. Darüber hinaus steht es der Jury frei, weitere lobende Erwähnungen für herausragende Produktionen auszusprechen. Die Kriterien der Fachjury sind dabei vielfältig und reichen von der technischen Durchführung über Kamera-/ und Schnitttechnik bis hin zur wissenschaftlichen Ausführung. Dafür ist die Jury sowohl mit Fachwissenschaftlern als auch mit Vertretern der Film-/TV-Branche besetzt.

Darüber hinaus entscheidet das Publikum mit Stimmzetteln über den Gewinner des Publikumspreises. Ein solcher Publikumspreis wird in diesem Jahr erstmals auch im Bereich Podcasts ausgesprochen. Die Preise werden vom Brandenburger Künstler Thomas Bartel gestaltet. Unser „Triglaf“ ist eine künstlerische Adaption des slawischen Kriegs- und Stammesgottes des 11. Jahhunderts, welcher später auch in Brandenburg verehrt wurde.

Gregor Greve hat die Fragen der L.I.S.A.Redaktion schriftlich beantwortet.

Weitere Informationen...

...auf der Webseite der Archäomediale & Cinarchea.

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