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Antonia Kazmierczak | 06.06.2019 | 312 Aufrufe | Artikel

XXXV. Deutsche Kunsthistorikertag in Göttingen
- Ein Rückblick "Zu den Dingen"

Im Rahmen des 35. Deutschen Kunsthistorikertags wurde vom 27. - 31. März 2019 in den Räumlichkeiten der Georg-August-Universität in Göttingen über die aktuellen Themen der Kunstgeschichte diskutiert. In den verschiedenen Foren, Sektionen und Arbeitskreisen wurden unter anderem Themen wie Denkmalpflege, Museen, Kunstmarkt oder digitale Kunstgeschichte im aktuellen Diskurs besprochen und in anschließenden Diskussionsrunden mit allen Beteiligten debattiert. 

In diesem persönlichen Rückblick soll dabei besonders das Themenfeld der Sektion Markt Macht Kultur aufgegriffen werden, da die Stellung dieser Sektion innerhalb des Kongresses als eine Verbildlichung der Dinge angesehen werden kann. Der Inhalt der Sektion setzte sich primär mit der Fragestellung auseinander, inwieweit die Relevanz von ökonomischen Sachzwängen ausschlaggebend für die Entstehung von Kunstobjekten ist. Anhand von zeitgenössischen Beispielen sollte dabei aufgezeigt werden, dass Kunsthändler [aus Gründen der Lesbarkeit wird im Folgenden auf eine gendersensible Sprache verzichtet] und Galeristen durch ihre gezielte Stellung und Positionierung im (Kunst-)Markt durchaus noch die Intention verfolgen, Künstler mit einem bestimmten Look zu versehen, um sie somit für den Kunstmarkt interessant und attraktiv zu gestalten. 
Interessant war dabei zu beobachten, dass der Vortrag von Frau Dr. Bickmann, Subodh Gupta. Der Weg zum "Godfather of Indian Art", seinen Großteil der Veranschaulichung des Künstlerumfeld Subodh Guptas (*1964) widmete. Dabei sollte aufgezeigt werden, dass nicht nur ein einzelner, sondern viele Faktoren dazu führen, einen Künstler erfolgreich im Kunstmarkt zu positionieren. Hierbei schreibt die Referentin die tragende Rolle jedoch nicht nur wie zunächst vermutet der Galerie Hauser & Wirth, sondern auch anderen Akteuren - zum Beispiel wichtigen Sammlern, Kritikern und Institutionen - zu. Das soziale Netzwerk und dessen Auswirkung auf das Wirken eines Künstlers lässt sich meiner Meinung nach auch auf die Situation eines Nachwuchs-Kunsthistorikers beziehen, um aufzuzeigen, dass auch das eigene Netzwerk eine tragende Rolle in der beruflichen Entwicklung spielt. Der Nachwuchs, ob im wissenschaftlichen, ökonomischen, kuratorischen, musealen oder vermittelnden Bereich der Kunstgeschichte sollte verstehen, mit- und nicht gegeneinander zu arbeiten.
Ausschlaggebend für diese Anmerkung ist, dass mir, als Teilnehmerin des Kunsthistorikertags in Form des Nachwuchsstipendiums der Gerda Henkel Stiftung, mehrfach der Eindruck vermittelt wurde, dass besonders der Kunstmarkt ein eigenes, von der Forschung unabhängiges und nicht integriertes Feld darstellt. Dabei zeigt der genannte Vortrag von Frau Dr. Bickmann, dass ein interdisziplinäres und breit gefächertes Netzwerk Fortschritt ermöglicht und die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Institutionen maßgeblich vereinfacht. Aus diesem Grund stellt der Vortrag Subodh Gupta. Der Weg zum "Godfather of Indian Art" für mich ein Paradebeispiel für die zukünftige Zusammenarbeit zwischen Kunsthistorikern dar, um zu verdeutlichen, dass kein Gebiet der Kunstgeschichte separat und unabhängig von den anderen Feldern angesehen werden sollte. 

Der 36. Deutsche Kunsthistorikertag, welcher 2021 in Stuttgart stattfinden wird, ist somit eine neue Möglichkeit, den Austausch zwischen Wissenschaftlern, Restauratoren, Vermittlern und Ökonomen zu intensivieren, vertiefen und verbessern. 

Copyright: Adiel Ahmed Munir

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