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Georgios Chatzoudis | 09/08/2015 | 2230 Views | 4 | Interviews

"Die Grenze ist hier eindeutig überschritten worden"

Interview mit Udo Stiehl über den medialen Umgang mit dem Bild des ertrunkenen Jungen

Das Bild vom ertrunkenen syrischen Jungen am Strand von Bodrum gehört zu den Bildern, an denen niemand vorbeikommt. Uns in der Redaktion ist es entweder in der Zeitung oder im Netz zum ersten Mal begegnet. Die spontanen Reaktionen: Erstarrung, Entsetzen, Fassungslosigkeit und unendliches Mitleid. Gefühle, die sich mit den meisten niedergeschriebenen Emotionen, beispielsweise in Kommentarspalten oder geteilten Beiträgen, decken. Nach dem ersten Schock über dieses Bild und dem Schicksal, das dahintersteckt, begannen aber schon die Diskussionen, ob so ein Bild öffentlich gezeigt und verbreitet werden darf. In der Redaktion sind wir nach wie vor geteilter Meinung. Wir haben den langjährigen Journalisten Udo Stiehl, einen erfahrenen Nachrichtenredakteur (Westdeutscher Rundfunk, Deutschlandfunk), um eine Einschätzung gebeten.

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"Hier wurde das Bild eines toten Kindes Mittel zum Zweck"

L.I.S.A.: Herr Stiehl, Sie sind freiberuflicher Nachrichtenredakteur für den Westdeutschen Rundfunk und den Deutschlandfunk und nebenbei auch Blogger. In Ihrem jüngsten Blogeintrag setzen Sie sich mit dem Bild des ertrunkenen Jungen am Strand von Bodrum auseinander. Sie kritisieren den medialen Umgang mit dem Bild. Warum?

Stiehl: Weil hier eine Grenze überschritten wurde, die eigentlich schon durch den Pressekodex klar gesetzt ist. Der sagt eindeutig, dass Bilder von Leichen nur in sehr seltenen Ausnahmefällen veröffentlicht werden dürfen und weist zudem auf den besonderen Schutz Minderjähriger hin. Und die Nahaufnahme eines dreijährigen toten Kindes, mit dem Gesicht im Sand, zudem noch unverpixelt, ist damit ganz klar ein mehrfacher Verstoß gegen diese Regeln. Und selbst, wenn man den deutschen Pressekodex außer Acht lassen würde: Das Foto wurde innerhalb kürzester Zeit in den sozialen Medien verbreitet, zusätzlich von vielen britischen Zeitungen und – wenig verwunderlich – auch von der BILD-Zeitung abgedruckt und auch online veröffentlicht. Hier wurde das Bild eines toten Kindes Mittel zum Zweck. Eine Kinderleiche wurde instrumentalisiert – und das ist verachtenswert.

"Da stehen sicher beachtliche Überzeugungen dahinter"

L.I.S.A.: Medienberichten zufolge ist in Redaktionen intensiv über den Umgang mit diesem Bild diskutiert worden. Einige haben sich für eine Veröffentlichung entschieden, andere dagegen. Wo genau verlaufen die Fronten in der Diskussion für oder wider eine Veröffentlichung?

Stiehl: Das führende Argument lautete: Dieses Bild wird die Augen für die Situation der Flüchtlinge öffnen, es muss wohl erst solch ein schockierendes Foto geben, bis endlich die Verantwortlichen reagieren. Das ist gut gemeint. Da stehen sicher beachtliche Überzeugungen dahinter. Aber über den Tod von Flüchtlingen berichten wir seit Monaten – und das auch mit durchaus drastischen Bildern. Denken Sie an die Aufnahmen von völlig überfüllten Schlauchbooten und Flüchtlingen, die mit letzter Kraft aus dem Wasser gezogen werden. Und jetzt plötzlich wird erwartet, dass das Foto einer Kinderleiche für die Wende sorgt? Dass Politiker sämtliche Regeln zur Einwanderung und zum Asyl neu definieren? Der Wunsch mag Vater des Gedanken sein und ich würde das auch gerne anders sehen. Aber auf wen wirkt dieses Foto denn überhaupt? Allenfalls auf den Zeitungsleser, der vielleicht seine Meinung überdenkt, aber keine Handlungskompetenz hat. Und sicher wird es auch im täglichen Pressespiegel der Parteien drin sein. Davon wird sich aber keiner beeindrucken lassen, denn das ist – ja, das klingt zynisch – das ganz normale Ergebnis von Kriegen – und vor der Veröffentlichung der Kinderleiche in Großaufnahme wurde schon sehr intensiv und auch mit Bildern über den Tod von derzeit schätzungsweise 25.000 Toten im Mittelmeer berichtet. Erwartet jemand ernsthaft, dass durch ein Foto sich nun alles zum Guten wendet? 

"Dieses Bild wäre in der heutigen Zeit ähnlich umstritten"

L.I.S.A.: Die Befürworter der Verbreitung des Bildes argumentieren, dass dieses Bild bei all der Grausamkeit, die hinter diesem Schicksal steckt, mehr bewirke als jede Politik. Es wäre übrigens nicht das erste Bild, das eine kaum auszuhaltende Szene festhält, die Sicht aber auf die Dinge fundamental verändert hätte – Beispiel: das Mädchen von My Lai. Was antworten Sie denen?

Stiehl: Denen sage ich, dass dieses Bild damals in einer vollkommen anderen Situation und einer gänzlich unterschiedlichen Medienlandschaft entstanden ist. Denn damals lief noch nicht jeder mit einem Fotoapparat mit zusätzlicher Telefonfunktion herum, Bilder waren eher rar in den Medien und entsprechend fand das so genannte "Napalm-Mädchen" eine ganz anders vorbereitete Öffentlichkeit. Die Bilder von heute sind mit der damaligen Aufnahme einfach nicht vergleichbar, weil das gesamte Umfeld anders war, die Wahrnehmung von Medien nicht mit heutigen Verhältnissen übereinstimmt und auch moralische Aspekte anders gewichtet wurden. Ich wage zu behaupten, dass dieses Bild in der heutigen Zeit ähnlich umstritten wäre - allein schon deshalb, weil das Mädchen nackt ist. Deshalb ist es gar nicht vergleichbar, was einst zum Symbolfoto wurde und heute als solches gleich per Bildunterschrift als solches deklariert wird. Die BILD rechtfertigt den Abdruck der Kinderleiche mit dem Hinweis auf ein "Dokument der Zeitgeschichte". Das ist mehr als frech, übergeht den deutschen Pressekodex komplett und offenbart letztlich nur Scheinheiligkeit. Wer über Jahre als BILD gegen Ausländer immer wieder hetzt, dem kann man die Rolle des moralbewussten Flüchtlingshelfers nur schwerlich abnehmen.

"In der Konsequenz hilft es, die Gesellschaft weiter zu verrohen"

L.I.S.A.: Wie beurteilen Sie die Verwendung des Bildes in den Sozialen Netzwerken? Wie ist es einzuschätzen, wenn dieses Bild beispielsweise in der Timeline von Facebook erscheint, gefolgt von Cartoons, Katzen- oder Essensbildern? Ist das ethisch ein Problem?

Stiehl: Oh ja. Weniger mit Blick auf nachfolgende Kätzchen oder Hasenohren, sondern vielmehr mit Blick darauf, dass das Bild schlicht und einfach auftaucht – und zwar ohne Vorwarnung, ohne Hinweis und wegen der großen Verbreitung in nahezu jeder Timeline. Also auch bei Kindern, Jugendlichen und überhaupt bei sensiblen Personen, die solche Bilder in ihrer Timeline nicht erwarten. Das ist wie am Kiosk, der die Titelseiten mit dem Bild der Kinderleiche präsentiert und es laufen Kinder vorbei, die das sehen. Was soll der Abdruck eines solchen Bildes bewirken? Dass nicht nur der Helfer, der das tote Kind am Strand barg, psychologische Hilfe erhält (wie übrigens fast alle Menschen, die mit solchen Anblicken konfrontiert sind), sondern künftig auch Leser und Kiosk-Passanten? Nein. Die Grenze ist hier eindeutig überschritten worden. Und wir haben zwei Möglichkeiten. Entweder stoppen wir hier und drucken keine Kinderleichen mehr ab, auch wenn es letztlich gut gemeint war. Oder wir müssen damit rechnen, dass eine Kinderleiche am Strand nicht mehr "aufrüttelt" und deshalb als nächstes abgetrennte Leichenteile, madendurchsetzte Körper oder aufgequollene Wasserleichen auf dem Titelbild zu sehen sind. Das scheinheilige Argument der "zeitgeschichtlichen Relevanz" lässt sich immer anbringen. In der Konsequenz hilft es, die Gesellschaft weiter zu verrohen. Und das ist schon heute längst zu sehr passiert.

"Diese Laien haben keine Ahnung von journalistischen Kriterien"

L.I.S.A.: Welche Erfahrungen machen Sie als Journalist mit der Repetition von Ereignissen, vor allem mit denen, die allgemein für Empörung sorgen – so wie jetzt das Bild des Jungen? Nutzt sich die Entrüstung ab, wenn sich beispielsweise ein Bild in einer medialen Endlosschleife befindet? Nach welchen Kriterien entscheiden Journalisten, wann ein Thema ausreichend dargestellt wurde?

Stiehl: Aus Sicht eines Nachrichtenredakteurs kann ich Ihnen sagen: Das geht blitzschnell vorbei, denn in Nachrichtensendungen finden sich nur die aktuellen Entwicklungen wieder – ist der Tag des Ereignisses vorüber, ist es in den meisten Fällen auch kein Nachrichtenthema mehr. Und auch so ein Bild hat in der Regel keine lange Relevanz, denn es hat schnell keinen Bezug mehr zur Tagesaktualität. Allerdings: So ein Foto lockt natürlich Nachahmer an. Und wenn ich bedenke, dass viele Flüchtlinge an Urlauberstränden ankommen, dann ist es wohl leider nur eine Frage der Zeit, bis selbsternannte Leserreporter Leichenbilder aufnehmen und weiterverbreiten – natürlich auch gegen Honorar - und damit die außenstehenden Kollegen am Ort sogar übertrumpfen. Nur: Diese Laien haben keine Ahnung von journalistischen Kriterien. Und so geraten schnell Bilder in Umlauf. Einige wenige Redaktionen machen sich die Mühe, die Echtheit zu überprüfen. Das dauert und als erstes Medium ist man auf jeden Fall schon nicht mehr am Markt. Stattdessen kommen kommerzielle Anbieter binnen Sekunden mit einer wichtig klingenden Eilmeldung, die bei genauerer Betrachtung kaum etwas aussagt. Aber es ist gesendet. Und zwar als erstes überhaupt. Und genau das brauchen wir nicht, sondern Redaktionen, die Inhalte bewerten und sensationsheischendes Geschwätz aussortieren. Das ist – auch mit Blick auf das Bild der Kinderleiche – meine Hoffnung.

Udo Stiehl hat die Fragen der L.I.S.A.Redaktion schriftlich beantwortet.

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by Marcus Cyron | 08.09.2015 | 10:46
Nun ist es aber so, daß nun doch dieses Bild ganz offensichtlich mit dafür gesorgt hat, daß es einen Umschwung im Denken vieler Europäer, nicht nur bei vielen Deutschen, gegeben hat. Manchmal kann ein einziges Bild das erreichen. Manchmal kann nur ein Bild das erreichen. Manchmal ist das reale Leid eines Menschen eindringlicher als eine kaum noch nachvollziehbare Zahl von 25.000 ertrunkenen Menschen im Mittelmeer. Und wenn es Kritik daran gibt, daß das Bild etwa bei Facebook zwischen ganz anderem Kontent stehen könnte, müssen wir generell die Durchmischung der Nachrichten kritisieren. Denn dann ist es egal, ob es dieses Bild ist oder der Bericht über 72 tote Syrier in einem LKW in Österreich. Wollen wir wirklich die saubere Trennung? Hier "Nachrichten", da das "Feuilleton"? Auch der Schockeffekt trägt manchmal mehr dazu bei, daß zumindest ein Teil der Menschen versteht und endlich mal wieder das Herz und das Hirn einschaltet, statt tausend Appelle. Ja - das Bild wurde instrumentalisiert. Aber nicht immer ist das etwas per se Schlechtes. Ich denke, ohne das Bild wären bis heute noch zigtausend Syrer mehr in Ungarn von Orbans neofaschistischem Regime eingesperrt.

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by PD Dr. Oliver Hülden | 08.09.2015 | 12:28
Danke für das profunde Interview, wobei der Haltung von Herr Stiehl aus meiner Sicht wenig hinzuzufügen ist. Herr Cyron hingegen benutzt in seinem Kommentar exakt die Argumentation, welche die Bildzeitung heute noch einmal plakativ in den Vordergrund stellt, wobei Sie, statt Bilder zu zeigen, nur noch mit grauen Platzhaltern aufwartet. Im Übrigen sitzt Herr Cyron einem "Umschwung im Denken vieler Europäer" durch das Foto auf, der zwar medial insbesondere von denjenigen verbreitet worden ist, die das Foto gezeigt haben, der sich aber kaum auf eine Realität in den meisten europäischen Ländern stützen kann.

Man kann das sehr schön am Beispiel Großbritannien zeigen: Am 4.09. erschien von J. Buchsteiner in der FAZ ein Artikel mit der Überschrift "Die Entdeckung der Moral", und in der Unterüberschrift wurde dem Leser erklärt, D. Cameron wäre durch das Bild des toten Aylan Kurdi zu einer Kehrtwende in seiner Asylpolitik veranlasst worden (http://www.faz.net/aktuell/politik/fluechtlingskrise/david-cameron-die-entdeckung-der-moral-13785837.html). Während auf der ersten Seite diese vermeintliche Kehrtwende Camerons überschwänglich gefeiert und Großbritannien als ein Land im "Flüchtlingsfieber" beschrieben wurde, erfuhr der erstaunte Leser auf Seite 2, dass unter Camerons Kehrtwende ungefähr die Haltung zu verstehen ist, die Australien und Kanada in der Asyl- und Einwanderungspolitik an den Tag legen (verkürzt: Einreiseerlaubnis nur für handverlesene Ausländer und rigide Abschiebepraktiken). Dass die so genannte Kehrtwende nicht nur von Cameron, sondern auch innerhalb der britischen Bevölkerung eine Illusion ist, konnte man heute morgen nachvollziehen, als Die Zeit das Ergebnis der dortigen Abstimmung zur Durchführung des Referendums über den Verbleib in der EU publizierte: 316 gegen 53 Abgeordnete für eine Durchführung des Referendums bei gleichzeitigen Umfragergebnissen von 43 % Ablehnern der EU gegen 40 % Befürworter der EU (http://www.zeit.de/politik/ausland/2015-09/eu-grossbritannien-austritt).

Kontrastieren wir das mit der Stimmung in anderen EU-Staaten. 10 Millionen Euro wird Großbritannien für Stacheldraht etc. in Calais zusätzlich ausgeben. Merkwürdigerweise arbeitet sich nahezu die gesamte mediale Welt zumindest in Deutschland aber fast ausschließlich an Viktor Orbán und "DEN Ungarn" ab, obgleich in Ungarn genau das paktiziert wird, was Spanien und Portugal schon vor langer Zeit getan haben und Großbritannien gerade ebenfalls tut. Die Begleitrhetorik in Großbritannien ist halt eine andere als in Ungarn. Ungarn steht freilich nicht allein, und weder dort noch in vermutlich allen osteuropäischen EU-Staaten gibt es signifikante Hinweise darauf, dass dort eine ähnliche Haltung an den Tag gelegt würde wie in Deutschland. Vielmehr assistieren Polen, die Slowakai, Tschechien und Estland den Ungarn in abwechselnder Reihenfolge, und es ist nicht erkennbar, dass dieser regelrechte politische Block über Nachte eine Kehrtwende vollziehen würde (nebenbei fast alles Länder mit sehr stabilen Mehrheiten innerhalb der Parlamente). Orbán wird im Übrigen auch in Österreich von weiten Teilen der Bevölkerung frenetisch gefeiert, und die FPÖ marschiert derweil stramm in Richtung 40 %. Von Marine Le Pen, die das Ganze noch mit einem antideutschen Zungenschlag versieht und einen kopflosen François Hollande vor sich her treibt (mittlerweile mit zumindest inhaltlicher Unterstützung der Republikaner), wollen wir mal ganz schweigen.

Bleiben als Rettungsanker für den vermeintlichen europäischen Umschwung noch Spanien und Portugal. Beide befinden sich auf Tauchstation, und angesichts von nach wie vor 50 % Jugendarbeitslosigkeit in diesen beiden Ländern dürften die dortigen Bevölkerungen auch ziemlich froh darüber sein, dass ihre schon vor langer Zeit gebauten Grenzsicherungen offenkundig halten.

Skandinavien, ja die liberalen Sklandinavier, die müssten doch dieselbe Haltung an den Tag legen wie in Deutschland! Wie sieht jedoch die Realität aus? Die liberale Minderheitsregierung in Kopenhagen, die von der Dänischen Volkspartei gestützt wird, hat das dänische Asylrecht binnen kürzester Zeit nach den Wahlen dramatisch verschärft, und man wird an der deutsch-dänischen Grenze vermutlich demnächst wieder Grenzkontrollen einführen. Vebleiben Schweden und Finnland - im einen Land sind die rechten Schwedendemokraten innerhalb von Monaten von 5 auf jetzt fast 20 % angewachsen, und im anderen Land regieren die Wahren Finnen schon mit - dürften davon hoch erfreut sein, weil man nämlich auf dem Landweg nur über Dänemark in ihre Länder einreisen kann.

Also, wenn ich das jetzt mal so zusammenfassend betrachte, dann kann ich von der Auswirkung eines Fotos auf die Realpolitik in Europa nur wenig erkennen. Was ich allerdings erkenne, ist eine dramatische und sich Tag für Tag verschärfende Krise der EU, die sich von einer Wirtschaftskrise in eine politische Krise verwandelt hat, die mit einer innereuropäischen Entsolidarisierung einhergeht, die ihresgleichen sucht, und in der Deutschland demnächst ziemlich allein auf weiter Flur dastehen könnte.

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by Marcus Cyron | 09.09.2015 | 13:35
Mehr sage ich dazu nicht mehr, wenn man eh für seine Meinung nur beleidigt wird. Ich gratuliere allen, die die reine Wahrheit für sich haben: http://m.welt.de/vermischtes/article146187747/Ich-wollte-dass-meine-Kinder-wie-Menschen-behandelt-werden.html

(Hinweis der Redaktion: Der oben verlinkte Beitrag enthält Bilder des ertrunkenen Jungen.)

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by PD Dr. Oliver Hülden | 11.09.2015 | 08:42
Zur Klarstellung, Herr Cyron: Bei dem Hinweise darauf, dass sich die von Ihnen vertretene Meinung mit derjenigen der Bildzeitung deckt, handelte es sich um einen Bezug aus damals aktuellem Anlass, da die Bild-Redaktion genau an diesem Tag die Wichtigkeit solcher Bilder zum Hauptthema gemacht und ein entsprechendes Statement abgegeben hat, siehe: http://www.bild.de/corporate-site/presse/bild-aktionen/bild-ohne-bilder-42485250.bild.html

Für dieses Statement steht die Bildredaktion allerdings nicht allein, sondern diese Auffassung wird auch von Journalisten anderer Redaktionen vertreten. Genau diesen Umgang mit Fotos hat Herr Stiehl in seinem Interview mit guten Argumenten kritisiert, und ich habe mich seiner Meinung angeschlossen. Darüber hinaus habe ich die Wirkung des betreffenden Fotos in der von Ihnen beschriebenen Weise angezweifelt und mich dabei auf die politischen Reaktionen oder besser Nicht-Reaktionen in einigen EU-Staaten bezogen. Interessanterweise ist just am nächsten Tag Stefan Kornelius in der Süddeutschen zur selben Einschätzung dieser politischen Lage gekommen, und das sicherlich nicht, weil er Beiträge auf L.I.S.A. liest, siehe: http://www.sueddeutsche.de/politik/fluechtlinge-zwei-botschaften-1.2638673

Vor diesem Hintergrund frage ich mich, wo genau denn die "Beleidigung Ihrer Meinung" liegen soll, die Sie mir vorwerfen, zumal Sie damit auch andeuten, dass die Redaktion dieses moderierten wissenschaftlichen Forums Beleidigungen einfach so zulässt. Ich bin schlichtweg einer anderen Meinung als Sie, und Meinungsunterschiede sollen in Diskussionen ja durchaus vorkommen. Meine Meinung habe ich auch nicht als "reine Wahrheit" verkauft, sondern ich kann in meiner Einschätzung auch durchaus falsch liegen, wonach es leider momentan aber nicht aussieht. Darüber hinaus ist mir bewusst, dass es sicherlich viele Menschen gibt, die meine Auffassung, so wie Sie, nicht teilen, was ich respektiere. Das wird mich aber nicht daran hindern, meine Meinung weiterhin auch öffentlich zu vertreten.

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