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Björn Schmidt | 22.12.2015 | 971 Aufrufe | Interviews

"...wo man Fragen rund um die Promotion besprechen kann"

Interview mit Sarina Adambussinova und Ami Kobayashi über den Doktorandenstammtisch

Die Promotion ist nicht nur eine wissenschaftliche, sondern auch eine persönliche Herausforderung. Aus den unzähligen Fragen zum eigenen Forschungsprojekt und nicht zuletzt auch zu ganz alltäglichen Dingen des Forschungsalltags entsteht oft ein großer Diskussionsbedarf. Zwei Stipendiatinnen der Gerda Henkel Stiftung haben vor rund einem Jahr den Doktorandenstammtisch in Berlin gegründet, um Nachwuchsforscherinnen und -forschern ein Forum zu bieten, in dem sie sich untereinander austauschen können. Über L.I.S.A. wird regelmäßig über die anstehenden Termine informiert. Der Stammtisch bietet einen Rahmen, der jenseits der formellen universitären Veranstaltungen zur Vernetzung und Diskussion beitragen soll. Wir haben mit den Initiatorinnen des Stammtisches, Sarina Adambussinova und Ami Kobayashi, über die Beweggründe und den Ablauf des Doktorandenstammtisches gesprochen.

Google Maps

"Bedarf nach Unterhaltung und Besprechung unter Doktoranden"

L.I.S.A.: Frau Adambussinova, Frau Kobayashi, als Promotionsstipendiatinnen der Gerda Henkel Stiftung haben Sie vor rund einem Jahr zum Berliner Doktorandenstammtisch aufgerufen. Warum diese Initiative?

Adambussinova: Der Berliner Doktorandenstammtisch ist eine Plattform für Diskussionen sowie Meinungs-, Erfahrungs- und Ideenaustausch für diejenigen, die im Laufe der Promotion Bedarf an derartigem Austausch haben. Da ich selber nicht in ein strukturiertes Programm an der HU Berlin eingebunden bin, hat es mir immer sehr gefehlt, einen Raum zu haben, wo ich mit jemandem meine Arbeit oder einzelne Ideen zu den theoretischen oder methodologischen Aspekten besprechen kann, Tipps bekomme und andere nach ihrer Meinung fragen kann. Ich glaube, dies ist ein ganz normales Bedürfnis für jede/-n Doktorand/-in. Aber aus ganz verschiedenen Gründen ist nicht allen in dieser Situationein ein solcher Austausch möglich. Sicher, es gibt entsprechende Möglichkeiten an den Fakultäten wie zum Beispiel Doktorandenkolloquien oder die Treffen, die von der Stiftung organisiert werden. Das alles war jedoch immer zeitlich beschränkt, und solche Veranstaltungen sind überwiegend eher formell. Nach jedem Stipendiatentreffen habe ich immer bemerkt, dass noch Bedarf nach Unterhaltung und Besprechung unter den Stipendiaten besteht. Da es viele Stipendiaten aus Berlin gibt, haben wir uns – die Stipendiaten der Gerda Henkel Stiftung – entschieden, den Stammtisch in Berlin zu organisieren. Der Berliner Stammtisch ist ein Treffen, wo man in freundlicher Atmosphäre sein Promotionsvorhaben vorstellen kann, wo man sich auf eine Konferenz oder Kolloquium vorbereiten kann, wo man Freunde finden kann und sich alle Fragen rund um die Promotion (Arbeitstechniken, Bibliotheken, Finanzierung usw.) besprechen lassen.

Kobayashi: Bei mir ist es auch so. In meinem Institut gibt es zwar ein Kolloquium, aber wir haben viele Gäste von außerhalb und es ist nicht das gleiche wie ein Doktorandenkolloquium. Ich habe einmal versucht, in meinem Institut ein Doktorandentreffen zu organisieren, aber leider hat es nicht geklappt. Daher hatte ich auch sehr starken Bedarf nach einem Doktorandenstammtisch. Der Doktorandenstammtisch der Gerda Henkel Stiftung schien mir außerdem besonders attraktiv, weil alle an einem sehr interessanten und innovativen Projekt arbeiten, sehr an anderen Projekten interessiert sind und in ähnlichen Disziplinen (Archäologie, Kunst, Geschichte, Islamwissenschaft) arbeiten. Wir (Sarina und ich) sind beide an der Humboldt-Universität immatrikuliert und nach ein paar gemeinsamen Treffen zum Teetrinken haben wir entschieden, gemeinsam einen Berliner Stammtisch zu organisieren. 

"Bisher drei Präsentationen von aktuellen Stipendiaten der Stiftung"

L.I.S.A.: Der Doktorandenstammtisch ist inzwischen fünf Mal zusammengekommen. Wer findet sich dort ein? Wer ist angesprochen?

Adambussinova: Die meisten TeilnehmerInnen sind die aktuellen StipendiatenInnen der Gerda Henkel Stiftung. Manchmal kommen zur unseren Sitzungen auch ehemalige StipendiatInnen oder andere, die sich für unsere Projekte interessieren, beispielsweise Freunde, Bekannte oder Studierende, die sich schon bei der Stiftung beworben haben oder es noch vorhaben. Bis Anfang des Wintersemesters hatten wir bisher drei Präsentationen von aktuellen Stipendiaten der Stiftung: Maryam Tiouri, Rimtautas Dapschauskas und Florian Lipp.  

Kobayashi: Über den Stammtisch – Anliegen und Termine – informieren wir über das Wissenschaftsportal L.I.S.A. Portal und per E-Mail. Wir haben aber nur E-Mail Adressen von den StipendiatInnen, die bisher an von der Stiftung organisierten Doktorandentreffen teilgenommen haben. Daher können wir momentan nicht alle Alumnis und StipendiatInnen der Stiftung ansprechen. Es wäre schön, wenn die Stiftung uns unterstützen könnte, so dass wir alle Alumnis und StipendiatInnen erreichen könnten.

Doktorandenstammtisch am 13.11.2015

"Der Stammtisch findet regelmäßig alle zwei Monate statt"

L.I.S.A.: Wie verläuft so eine Stammtisch? Gibt es eine feste Abfolge?

Adambussinova: Von Beginn an war unsere Idee, dass der Stammtisch keine studentische Organisation sein soll, sondern eine Gemeinschaft der Promovierenden und Promovierten. Deswegen war die erste Sitzung des Stammtisches, die am 30. Januar 2015 stattgefunden hat, der Besprechung des Ablaufs unserer Initiative gewidmet. Wir haben uns entschieden, dass der Stammtisch regelmäßig alle zwei Monate stattfinden soll. Der Stammtisch findet immer freitags statt, damit die StipendiatInnen aus anderen Orten auch kommen und übers Wochenende in Berlin bleiben können. Bisher haben sich StipendiatInnen aus Hamburg, Magdeburg und Heidelberg für den Stammtisch interessiert. Aus Dresden ist ein Stipendiat extra nach Berlin gefahren, um am Stammtisch teilzunehmen. Unser ständiger und aktiver Teilnehmer Rimtautas Dapschauskas kommt für den Stammtisch immer aus Erfurt nach Berlin.

Bei jeder Sitzung wird das Promotionsprojektes in circa 30-45 Minuten präsentiert, woran sich eine Diskussion mit Fragen und Kommentaren anschließt. Bisher waren alle Themen sehr spannend und interessant, deswegen hat jede Sitzung mehr als zwei Stunden gedauert. Am Ende der Sitzung fragen wir immer, wer nächstes Mal ihr/sein Forschungsprojekt präsentieren möchte. Wenn wir neue TeilnehmerInnen haben, stellen wie uns und ganz kurz unsere Projekte vor der Präsentation vor. Da es auch ein Interesse an unserem Stammtisch im Wissenschaftsportal L.I.S.A. gibt, bitten wir die Vortragenden darum, uns ein kurzes Abstract zur Präsentation bzw. zum Promotionsthema zu schicken, damit die LeserInnen des Portals einen Einblick bekommen können. Nach fast jeder Sitzung gehen wir zusammen in eines von mehreren Cafés oder Restaurants in der Nähe des Grimm Zentrums, um dort unsere Gespräche fortzusetzen. 

"Alle Präsentationen haben zu vielen Fragen und Kommentaren angeregt"

L.I.S.A.: Welche Themen wurden bisher vorgestellt? Welche Fragen interessieren abseits des Wissenschaftlichen?

Kobayashi: Die erste Präsentation bei unserem Stammtisch hat Maryam Tiouri zu ihrem spannenden Promotionsprojekt "Der Tafsir des Abu Bakr ´Atig b. Muhammad as-Surabadi und der 'Schlichtungsversuch' der karramitischen Anhänger des Muhammad b. al-Haysam" gehalten. Im April hat uns Rimtautas Dapschauskas sein interessantes Projekt zum Thema "Der Ursprung der Rituale und Identitätskonstruktionen aus archäologischer Sicht" präsentiert. Die letzte Präsentation des Sommersemesters war das spannende Dissertationsprojekt "Punk, New Wave und die Folgen im letzten Jahrzehnt der DDR. Akteure - Konfliktfelder - musikalische Praxis" von Florian Lipp. Alle Präsentationen haben zu vielen Fragen und Kommentaren zu verschiedenen Aspekte der Projekte angeregt. Die TeilnehmerInnen des Stammtisches interessieren sich immer, wie man auf das Thema gekommen ist, welche Methodologie und Forschungstechniken angewendet werden und haben spezifische Fragen zu einzelnen Aspekten der Präsentationen.

"Wir wünschen uns viele weitere Doktoranden und Alumnis"

L.I.S.A.: Was würden Sie sich für die Zukunft des Doktorandentisch noch wünschen?

Beide: Da wir in diesem Semester unsere Forschungsaufenthalte haben und nicht in Berlin sind, freuen wir uns sehr, dass der Stammtsich im Wintersemester mit dem neuen Orga-Team weiterläuft. Das Interesse an unserem Stammtisch nicht nur von den StipendiatInnen der Gerda Henkel Stiftung, sondern von anderen DoktorandInnen aus Berlin nimmt immer weiter zu. In Zukunft sehen wir unseren Stammtisch als ein Alumni-Treffen der StipendiatInnen der Gerda Henkel Stiftung, aber auch als eine Community der Promovierenden und Promovierten. Wir wünschen uns, dass der Stammtisch weiter regelmäßig stattfindet und viele weitere DoktorandInnen und Alumnis anzieht.

Sarina Adambussinova und Ami Kobayashi haben die Fragen der L.I.S.A.Redaktion schriftlich beantwortet.

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