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Georgios Chatzoudis | 24.02.2015 | 1131 Aufrufe | Interviews

"Einsichten, Anregungen, produktive Irritationen"

Interview mit Jürgen Mittelstraß zur Konzeption der Tagung "Wissensspeicher"

In gut zehn Tagen beginnt die Tagung "Die Zukunft der Wissensspeicher", die das Wissenschaftsforum der Universität Konstanz und die Gerda Henkel Stiftung gemeinsam in der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und Künste in Düsseldorf veranstalten. Im Vorfeld haben wir mit dem Philosophen und Direktor des Konstanzer Wissenschaftsforum, Prof. Dr. Jürgen Mittelstraß, über Konzeption, Inhalte und Ziele der Konferenz gesprochen.

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"Sicheres Navigieren in dieser sich verändernden Welt des Wissens"

L.I.S.A.: Das Konstanzer Wissenschaftsforum und die Gerda Henkel Stiftung veranstalten Anfang März gemeinsam eine Tagung mit dem Titel „Die Zukunft der Wissensspeicher: Forschen, Sammeln und Vermitteln im 21. Jahrhundert“. Warum dieses Thema?

Prof. Mittelstraß: Wissen ist das Stichwort unserer Zeit. Wir sprechen von einer Wissensgesellschaft, einer schon wirklichen oder erst werdenden, von der "Ressource Wissen", um die sich alles dreht, von Wissens- und Technologietransfer, ohne den sich in der Wirtschaft nichts mehr bewegt, von der Digitalisierung des Wissens, mit der ein neues Zeitalter des Wissens beginnen soll. Da drängt sich auch die Frage nach einem sicheren Navigieren in dieser sich verändernden Welt des Wissens auf. Es ist zugleich die Frage, die wir uns stellen, ferner die Frage, welche Aufgaben die herkömmlichen Wissensspeicher – Bibliotheken, Archive, Museen – in Zukunft haben werden.

"Es geht stets um Wissen, Wissenschaft und deren Rolle in der Gesellschaft"

L.I.S.A.: Bei der Tagung handelt es sich nicht um die erste Veranstaltung des Konstanzer Wissenschaftsforums zu aktuellen beziehungsweise zukünftigen Herausforderungen für die Wissenschaft. In welcher Tradition steht die Tagung?

Prof. Mittelstraß: Die vom Konstanzer Wissenschaftsforum veranstalteten Tagungen im Format der Düsseldorfer Tagung setzten 2007 mit einer Tagung über Kreativität und das Neue in Wissenschaft, Wirtschaft und Kultur ein. Spätere Themen waren Europa, ein sich wandelnder Forschungsbegriff, Probleme des wissenschaftlichen Nachwuchses, die Zukunft der Geisteswissenschaften und das Verhältnis von Wissenschaft und Macht. In gewissem Sinne ging es dabei stets um Wissen, Wissenschaft und deren Rolle in der gegenwärtigen und in der zukünftigen Gesellschaft.

"Wunsch nach Vielfalt der Gesichtspunkte und Perspektivenreichtum"

L.I.S.A.: Das Programm der Tagung „Wissensspeicher“ hat drei Schwerpunkte – Dynamiken des Wissens, Wissensräume und Wissenswege. Warum diese Gewichtung? Können Sie die drei Panels etwas näher erläutern?

Prof. Mittelstraß: Die Schwerpunkte sind eigentlich Kristallisationspunkte, in denen sich das Generalthema "Die Zukunft der Wissensspeicher" spiegelt. Dynamiken des Wissens – hier geht es um die Selbstbewegung des Wissens und wie es sich selbst Ausdruck im immer wieder Neuen verschafft. Wissensräume – das sind die unterschiedlichen, auch institutionellen Formen des Wissens und wie es sich Wirkung und Dauer verschafft. Wissenswege – das sind alte und neue Wege, auf denen sich das Wissen bildet und auf denen das Wissen die Gesellschaft erreicht. Das Programm spiegelt den Wunsch der Veranstalter nach Vielfalt der Gesichtspunkte, Perspektivenreichtum, nicht den Wunsch nach einer wie auch immer gearteten systematischen Geschlossenheit.

"Wissen ist das Stichwort, auf das die moderne Gesellschaft hört"

L.I.S.A.: Welche Erwartungen knüpfen Sie an die Tagung? Welche Ergebnisse wünschen Sie sich? Ab wann würden Sie sagen: Die Tagung hat ihren Zweck erfüllt?

Prof. Mittelstraß: Einsichten, Anregungen, produktive Irritationen. Noch einmal: Wissen ist das Stichwort, auf das die moderne Gesellschaft hört. Sie sollte erfahren, worum es dabei geht, worauf sie sich einzulassen hat und wie sich das Wissen selbst in eine neue Wissenskultur verwandelt. Wenn wir in allen diesen Punkten, aus Sicht der Wissenschaft wie aus Sicht der Gesellschaft, weiterkommen, ist der Zweck der Tagung erfüllt.

L.I.S.A.: Können Sie uns schon einen Ausblick auf die nächste Veranstaltung des Konstanzer Wissenschaftsforums geben? Welche Themen mit Blick auf Wissenstransfer und Wissenschaftskommunikation bedürfen noch einer intensiven Beschäftigung?

Prof. Mittelstraß: Im Spätherbst veranstaltet das Forum in Konstanz eine Tagung zur Beantwortung der Frage "Wo endet der Mensch?". Es wird zwischen Natur- und Geisteswissenschaften um Optimierungsstrategien für (oder gegen?) den Menschen gehen und wohin sie uns führen werden. Das weitere Programm unter den Gesichtspunkten von Wissenstransfer und Wissenschaftskommunikation ist offen.

Prof. Dr. Jürgen Mittelstraß hat die Fragen der L.I.S.A.Redaktion schriftlich beantwortet.

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