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Georgios Chatzoudis | 12.08.2011 | 2894 Aufrufe | Interviews

"Vergangenheitsbezüge können auch missglücken" -
Geschichte und Geschichten im antiken Athen

Interview mit Katharina Kostopoulos

Isokrates, einer der führenden attischen Redner des 4. Jahrhunderts v.Chr., sagte in seiner berühmten Antidosisrede, dass Athen allen fähigen Rednern als Lehrmeisterin der Redekunst gelte. Das war sicherlich nicht ohne Eigennutz gesprochen, führte Isokrates doch eine eigene Redeschule, aus der später viele einflussreiche Redner hervorgegangen waren. Denn wer gut reden konnte, hatte im antiken Athen einen großen politischen Vorteil. Doch welche Bedeutung hatten die attischen Redner für die Demokratie in Athen insgesamt?

Im Rahmen ihres Forschungen über die politische Kultur der athenischen Demokratie schreibt die Althistorikerin Katharina Kostopoulos zurzeit ihre Doktorarbeit über die attischen Redner des 4. Jahrhunderts v.Chr. Ihr Promotionsprojekt "Geschichte und Geschichten bei den attischen Rednern des 4. Jahrhunderts v. Chr." wird von der Gerda Henkel Stiftung gefördert.

L.I.S.A.: Frau Kostopoulos, könnten Sie bitte kurz Ihr Promotionsprojekt beschreiben? Worum geht es? Warum Geschichte und Geschichten?

Kostopoulos: Ich untersuche den Umgang der so genannten attischen Redner mit der Vergangenheit der Polis Athen. Meine Quellenbasis bilden die überlieferten Reden aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. Darunter fallen vor allem beratende Reden vor der Volksversammlung, Gerichtsreden vor großen Laiengerichtshöfen und die sogenannten epideiktischen Reden, also Festreden zu verschiedenen Anlässen. Es interessiert mich, inwiefern dort Vergangenheit in politische und rechtliche Argumentationsstrategien eingebunden wird.

Mit „Geschichte und Geschichten“ bezeichne ich zwei Konzepte, die sich gegenseitig ergänzen: einerseits findet sich vor allem in Reden zu offiziellen Anlässen (z.B. in den Epitaphien, also den Reden auf die Gefallenen eines Kriegsjahres) ein stark vereinfachtes, homogenes Bild der einen athenischen Geschichte, andererseits aber auch je nach aktuellem Anlass völlig unterschiedliche Versionen und Ausdeutungen - aus der Geschichte werden zahlreiche, vieldeutige Geschichten, die sich aus den Problemen der  Gegenwart, der aktuellen Situation des Redners sowie den Bedürfnissen und Erwartungen der Zuhörer erklären lassen.

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Katharina Kostopoulos, Stipendiatin der Gerda Henkel Stiftung

L.I.S.A.: Welchen Stellenwert hatten die Redner in der athenischen Demokratie des 4. Jahrhunderts? Welche waren die herausragenden Repräsentanten? Wie war das Verhältnis zwischen rhetor und demos?[1]



Kostopoulos: Die Redner hatten eine außerordentlich wichtige Stellung innerhalb des Institutionengefüges: Diese Tatsche lässt sich damit erklären, dass die Entscheidungsfindung in der athenischen Demokratie in öffentlicher Kommunikation stattfand.

Die Entscheidungsgremien konnten dabei mehrere hundert Teilnehmer, beispielsweise in den Gerichtshöfen, aber auch einige tausend Bürger in der Volksversammlung umfassen. Sie waren auf die Präsentation unterschiedlicher Meinungen und Lösungsvorschläge angewiesen. Diese Aufgabe der Information, aber natürlich auch der Meinungsbildung übernahmen die Redner. Sie hatten dazu jedoch kein reguläres Amt inne, wurden weder gewählt noch anderswie bestimmt. Theoretisch hatte jeder athenische Bürger das Recht, in der Volksversammlung das Wort zu ergreifen. Praktisch war dies jedoch nur durch eine besondere rhetorische Ausbildung sowie den entsprechenden finanziellen Hintergrund möglich, da die Redner für ihre Tätigkeit nicht entlohnt wurden. Dabei konnten sie keine Unterstützung durch „Parteien“ erwarten. Es gab  zwar zeitlich begrenzte Interessengruppen zwischen einzelnen Rednern oder auch Strategen (militärischen Anführern), diese waren aber nicht auf Dauer angelegt und konnten bei der nächsten Abstimmung schon aufgelöst sein. Größere loyale Anhängerschaften innerhalb der Gruppe der athenischen Bürger in der Volksversammlung gab es nicht. So konnte jede Abstimmung je nach Wichtigkeit des Themas auch zu einer Abstimmung über Person und Ideen eines Redners werden.

Die herausragenden Repräsentanten sind zunächst die so genannten zehn attischen Redner (in alphabetischer Reihenfolge): Aischines, Andokides, Antiphon, Deinarchos, Demosthenes, Hypereides, Isaios, Isokrates, Lykourgos und Lysias.

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Ehrenstatue des Demosthenes

Kostopoulos: Unter den Namen dieser Redner wurden ca. 150 Reden überliefert, die den Zeitraum von 419 bis 322 v.Chr. abdecken. Mit der Einschränkung auf die genannten zehn Redner wird die offenkundige Quellenproblematik zur politischen Kommunikation des 4. Jahrhunderts deutlich: Wir wissen nämlich auch von zahlreichen anderen wichtigen Persönlichkeiten der athenischen Politik, von denen uns aber keine sicher zuweisbaren Reden oder nur einzelne Fragmente überliefert sind. Umgekehrt ist klar, dass zahlreiche der den zehn Rednern zugeordneten Reden aus den unterschiedlichsten Gründen nicht  von diesen selbst gehalten worden sein können, eine nachträgliche Zuordnung zu anderen namentlich bekannten Rednern ist aber nicht möglich.

Zudem ist die Gruppe der politisch regelmäßig aktiven, „professionellen“ Redner noch einmal von der Gruppe derjenigen zu unterscheiden, die ab und zu Anträge in der Volksversammlung einbrachten. Die Namen dieser Personen kennen wir zumeist nur aus den inschriftlich publizierten Volksbeschlüssen, die auch den Namen des jeweiligen Antragstellers nennen. Solche alltäglichen Wortmeldungen wurden darüber hinaus nicht publiziert, und sind insofern für uns nicht mehr greifbar. Generell geht man von einer Anzahl von weniger als 100 „professionellen“ Rednern aus, die im Zeitraum von 403 v.Chr. (Ende des Peloponnesischen Krieges) bis 322 v.Chr. (Ende der athenischen Demokratie) tätig waren.

Das Verhältnis zwischen rhetores und demos (also den athenischen Bürgern in Volksversammlung und Gerichtshöfen) kann als zwiespältig charakterisiert werden: einerseits war der demos auf die  Redner angewiesen um Entscheidungen treffen zu können. Die Leistungen und besonderen Fähigkeiten der Redner wurden auch gewürdigt, was z.B. an Ehrenbeschlüssen für einige von ihnen deutlich wird.

Andererseits bestand auch ein gesundes Misstrauen gegenüber dieser politischen Elite, die die Gruppe der aktiven Redner zweifelsohne darstellte, zumal in einer Gesellschaft, die zumindest im politischen Bereich stark von egalitären Prinzipien geprägt war. Das Misstrauen bezog sich nicht nur generell auf die herausragende Stellung, sondern auch auf besondere Kenntnisse, die zumeist auf eine privilegierte Erziehung verwies.

In diese Kategorie fiel auch die über das „Allgemeinwissen“ hinausgehende historische Bildung. Deshalb finden sich bei den Rednern oft entweder vorauseilende Entschuldigungen vor der Anführung (längerer) historischer Exkurse, oder aber das angeführte Wissen wird als Allgemeingut dargestellt (auch wenn das gar nicht der Fall ist).

Der demos bestimmte den politischen Diskurs: Die Redner mussten sich den Erwartungen  ihrer Zuhörer anpassen, sonst bekamen sie für ihre Vorschläge und Ideen keinen Rückhalt mehr. Andererseits wurden besonders in Krisen oder Notlagen „Führungsqualitäten“ erwartet, die auch mit harscher Kritik am demos einhergehen konnten.

Die Position des Redners war also einerseits mit großem Einfluss, andererseits aber auch mit Gefahren und Risiken verbunden, bedingt durch die unterschiedlichen Rollenerwartungen, denen er gegenüber dem demos entsprechen musste.

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Demosthenes übt seine Redekunst, Gemälde von Jean Lecomte du Noüy (1842-1923)

L.I.S.A.: Auf welche Ereignisse und Personen aus der Vergangenheit bezogen sich Redner wie Demosthenes oder Isokrates besonders gerne?[2] Wie weit reichte der Rückgriff zurück - über das 7. Jahrhundert hinaus? Welche Rolle spielten Mythen?

Kostopoulos: Den Perserkriegen kommt innerhalb der politischen Kommunikation die größte Bedeutung zu. Sie sind der zentrale Anknüpfungspunkt für die kollektive Identitätsstiftung. Populär ist aber auch die anschließende Zeit des Delisch-Attischen- Seebundes, wobei weniger einzelne Ereignisse im Mittelpunkt stehen als die generelle Charakterisierung als Epoche des Ruhmes und Erfolges. Generell werden auch Personen des 5. Jahrhunderts oft genannt, in vielen Fällen aber auch ausdrücklich nicht erwähnt, um die Verdienste der gesamten Bürgerschaft deutlicher zu machen.

Weitaus seltener werden Ereignisse und Personen angeführt, die sich dem 6. oder gar dem 7. Jahrhundert v.Chr. zuordnen lassen, besonders beliebt waren der „Reformer“ Solon, der zu Beginn des 6. Jahrhunderts gewirkt hat, und der Sturz der Peisistratidenherrschaft am Ende des 6.Jahrhunderts.

Je weiter man in der Zeit zurückgeht, desto seltener werden die Bezüge in den Reden. Die Epoche, die in der Alten Geschichte auch heute noch „Dark Ages“ (wegen des Mangels an Quellen) genannt wird, kommt bei den Rednern überhaupt nicht vor- „Ereignisse“ wie den Trojanischen Krieg und seine Protagonisten, die dann wieder in einiger Regelmäßigkeit angeführt werden, würde man aus heutiger Sicht dem Bereich des Mythos zuordnen.

Grundsätzlich unterschieden die Athener, wie auch die Griechen generell meist nicht zwischen Mythos und Geschichte. Mythen bezeichneten einfach die zeitlich sehr weit entfernte Vergangenheit, in der Götter und Heroen aktiv in das menschliche Geschehen eingriffen. Sie  wurden argumentativ genauso gebraucht wie die „tatsächliche“ Geschichte.

Nichtsdestotrotz ist die Rolle von Mythen je nach Redner und Redegattung unterschiedlich: Hier ist eine Gegenüberstellung der beiden Redner Demosthenes und Isokrates besonders aufschlussreich. Von Demosthenes sind uns vor allem Gerichtsreden und Reden vor der Volksversammlung erhalten, dort geht es um aktuelle Probleme und deren Lösungsmöglichkeiten: Mythen und mythische Personen werden dabei eher selten angeführt. Isokrates hat besonders viele epideiktische Reden publiziert, dort spielen Mythen generell eine weitaus größere Rolle. Es scheint sich also einerseits um eine Frage der einzelnen Redner, aber auch der Redegattungen zu handeln.

Hinzu kommt aber auch das Phänomen, dass mit zunehmendem zeitlichem Abstand historische Ereignisse immer mehr mythische Züge bekommen: Bestes Beispiel sind hier wiederum die Perserkriege, sie erscheinen in vielen Reden nicht mehr als reale Geschehnisse, sondern als überhöhte Ideale.

Wichtig sind darüber hinaus aber gerade auch Personen und Ereignisse der unmittelbaren Vergangenheit der jeweiligen Reden, denen aus Sicht des modernen Historikers kaum eine Bedeutung zukommen mag, oder die gar über die Erwähnung in einer Rede hinaus völlig unbekannt sind. Für die damaligen Zeitgenossen scheinen solche Bezüge aus der nahen Vergangenheit aber besonders bedeutsam gewesen zu sein.

L.I.S.A.: Stichwort "Kollektive Erinnerung": Welche Rolle spielte in den Reden der Bezug auf erinnerte oder geglaubte Geschichten für die Identitätsstiftung der Athener?

Kostopoulos: Man muss grundsätzlich klar stellen, dass es sich bei der in den Reden angeführten Vergangenheit in den allermeisten Fällen um „geglaubte“ oder anders gesagt „intentionale“ Geschichte(n) handelt. Die Redner hatten überhaupt kein Interesse daran, die Vergangenheit in irgendeiner Form wissenschaftlich aufzuarbeiten, oder herauszufinden „wie es wirklich gewesen war“.

Der Vergangenheitsbezug spielte sich auf zwei Ebenen ab. Zunächst einmal können Anspielungen auf die Vergangenheit ganz unmittelbar praktische Funktionen haben: beispielsweise als Ansporn zur Nachahmung ruhmreicher Leistungen, aber auch als Mahnung vor Fehlern der Vergangenheit, um zwei ganz elementare Funktionen zu nennen.

Die zugrundeliegende Hauptfunktion innerhalb der Reden ist aber tatsächlich die Herstellung einer „kollektiven Identität“ oder auch mehrerer „kollektiver Identitäten“ auf Basis einer „geglaubten“ Geschichte, die Zusammenhalt zwischen  allen Athenern herstellen kann. Diese Funktion ist besonders in den Fällen erkennbar, in denen Ereignisse immer wieder nach bestimmten Mustern verwendet und dargestellt werden. Gleichheit sollte insbesondere auf der politischen Ebene angestrebt werden, weshalb die Angesprochenen immer als „die Athener“, oder den Redner einschließend „wir Athener“ bezeichnet werden und durchgehend von „unseren Vorfahren“ die Rede ist.

Hierbei ist auch auf die Bedeutung von (historischen) Räumen zu verweisen, die einen Schwerpunkt meiner Untersuchung darstellen: dabei gehe ich davon aus, dass diese bei der Herstellung eines Gemeinschaftsgefühls eine große Rolle spielten.

Am ehesten nachvollziehen lässt sich diese „Unterfütterung“ und Verbildlichung historischer Anspielungen durch Räumlichkeit in denjenigen Reden, in denen auf für den Zuhörer noch sichtbare Monumente verwiesen wird.

Viele Redner beziehen sich, wenn von den großen Leistungen des 5.Jahrhunderts die Rede ist auf die baulichen Errungenschaften dieser Zeit, etwa Hafenanlagen oder auch die Akropolis. Diese Strategie ist umso einleuchtender, wenn man bedenkt, dass die Akropolis, aber auch andere wichtige Bauten und Plätze der Stadt von der Pnyx aus, also dem Volksversammlungsplatz, direkt zu sehen waren- der Redner konnte also sogar gestisch auf diese verweisen.

  

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Blick vom Pnyxhügel auf die Bauten der Akropolis

Kostopoulos: Auch die Erinnerung an bestimmte Personen konnte durch die Statuen der Genannten wachgehalten und in den Reden immer wieder aktualisiert werden: Mitten auf der Agora standen die Statuen der „Tyrannenmörder“ Harmodios und Aristogeiton, die in den Reden oft als Vorbilder genannt werden.




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Die Tyrannenmördergruppe, Kopie im Archäologischen Nationalmuseum Neapel

Kostopoulos: Gerade die Tatsache, dass diese Monumente unmittelbar sichtbar waren, hat mit dazu beigetragen auch die damit verbundenen historischen Ereignisse, Entwicklungen und Personen für die Zuhörer präsent und glaubhaft zu machen. Diese Verknüpfung von unmittelbarer Anschauung und Appell an die Vorbildwirkung der Vergangenheit wird sehr schön im Schlusssatz der „Rede über die Freiheit der Rhodier“ deutlich, die Demosthenes 351 v.Chr. gehalten hat (Demosth. 15,35). Dort heißt es an die Adresse der Volksversammlung: „Erwägt also, daß diese (Siegeszeichen) von euren Vorfahren errichtet worden sind, nicht um sie in müßigem Anschauen zu bewundern, sondern um auch die Tugenden derjenigen nachzuahmen, die sie aufgestellt haben.“
  
L.I.S.A.: Finden sich Redestrategien, die mit Vergangenheitsbezügen arbeiten auch in anderen Regionen und Kulturen bzw. in der heutigen Zeit wieder?

Kostopoulos: Die Bezugnahme auf die eigene Vergangenheit lässt sich auch in zahlreichen anderen Epochen und Kulturen aufzeigen – natürlich nur bei entsprechender Quellenlage. Interessant sind dabei für mich besonders solche Vergleiche, die sich in einem ähnlichen Feld der „Debattenkultur“ wie das klassische Athen bewegen.

Der am nächsten liegende Vergleich zu den Redestrategien des klassischen Athen bietet die politische Kultur der späten römischen Republik, wo besonders in den überlieferten Reden des Cicero zahlreiche Vergangenheitsbezüge auftauchen.[3] Auch im Bereich der Neuzeit lassen sich ähnliche Beispiele finden. So ist z.B. die Nutzung der Vergangenheit in den englischen Parlamentsdebatten vom Ende des 18. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts betont worden.[4]

Vergangenheitsbezüge als Redestrategien besonders der politischen Kommunikation finden sich genau so auch in der heutigen Zeit, wenn auch nicht in demselben Ausmaß, der im Athen des 4. Jahrhunderts zu beobachten ist. Ausführliche Exkurse zu historischen Themen sind selten (abgesehen von Reden, die sich explizit auf historische Ereignisse beziehen, z.B. Gedenkreden an Jahrestagen), viel häufiger ist dagegen das bloße Anspielen auf Ereignisse oder ihre Degradierung zur Floskel. Ebenso stehen weniger außenpolitisch-militärische Leistungen (höchstens in Form von Negativbeispielen) als innenpolitische „Marksteine“ im Mittelpunkt.

Gerade im letzten Jahr hatte natürlich die Bezugnahme auf Ereignisse rund um die deutsche Wiedervereinigung und Einheit Hochkonjunktur – gleichzeitig auch ein schönes Beispiel, wie Vergangenheit positiv im Sinne des Zusammengehörigkeitsgefühls gebraucht wird.

Unter die Rubrik „missverständliche Vergangenheitsbezüge“ fällt sicherlich die Aussage des damaligen Außenministers und Vizekanzlers Guido Westerwelle vom 11. Februar 2010, der die Diskussionen um die Anhebung von Hartz-IV-Sätzen mit „spätrömischer Dekadenz“ in Verbindung brachte. Dies ist ein Beispiel dafür, wie der Umgang mit Vergangenheit auch missglücken und wiederum zu neuen Debatten führen kann - solche Fälle hat es bestimmt auch im klassischen Athen gegeben, anhand der Quellenlage lassen sie sich aber nicht mehr nachvollziehen. Wir kennen leider nur in den seltensten Fällen die Reaktionen der Zuhörer auf eine Rede oder gar auf einzelne Redeteile.

Die der ausgewählten Beispiele ließe sich beliebig erweitern und zeigt die Möglichkeiten vergleichender Untersuchungen auf - ein weiteres spannendes Forschungsfeld!


[1]Bei der Frage nach der Stellung des Redners innerhalb der athenischen Demokratie stütze ich mich v.a. auf die  ausgezeichnete Arbeit von Josiah Ober, Mass and elite in democratic Athens. Rhetoric, ideology and the power of the people, Princeton 1989 sowie den Aufsatz von Elke Stein-Hölkeskamp, Perikles, Kleon und Alkibiades als Redner. Eine zentrale Rolle der athenischen Demokratie im Wandel, in: Christoff Neumeister, Wulf Raeck (Hrsg.), Rede und Redner. Bewertung und Darstellung in den antiken Kulturen (Kolloquium Frankfurt a.M., 14.-16. Oktober 1998), Möhnesee 2000, 79-93.
[2]Ein umfangreiches Verzeichnis der auf Vergangenheit basierenden Textstellen findet sich bei Michel Nouhaud, L'utilisation de l'histoire par les orateurs attiques, Paris 1982.
[3]Dazu Frank Bücher, Verargumentierte Geschichte. Exempla Romana im politischen Diskurs der späten römischen Republik (Hermes Einzelschriften 96), Stuttgart 2006.
[4]Willibald Steinmetz, Das Sagbare und das Machbare. Zum Wandel politischer Handlungsspielräume England 1780-1867, Stuttgart 1993.

Katharina Kostopoulos hat die Fragen der L.I.S.A.Redaktion schriftlich beantwortet.

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