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Dr. Jörn Retterath | 14.11.2019 | 326 Aufrufe | Artikel

Ulinka Rublack mit Preis des Historischen Kollegs 2019 ausgezeichnet

Die in Cambridge lehrende deutsche Frühneuzeithistorikerin Ulinka Rublack wurde mit dem "Preis des Historischen Kollegs" geehrt. Die zum dreizehnten Mal verliehene und mit 30.000 Euro dotierte Auszeichnung gilt als der deutsche Historikerpreis. Ulinka Rublack erhält sie vornehmlich für ihr Buch "Der Astronom und die Hexe. Johannes Kepler und seine Zeit" (Klett-Cotta: Stuttgart 4. Auflage 2019).

Zum vierten Mal stellte die Alfred und Cläre Pott-Stiftung die Dotierung zur Verfügung. Sie ist benannt nach dem Gründungsvorstand der Ruhrgas AG, Dr. Alfred Pott (1882–1951) und seiner Ehefrau Cläre.

Der Kuratoriumsvorsitzende des Historischen Kollegs, Martin Schulze Wessel, betonte in seiner Begrüßung im Plenarsaal der Bayerischen Akademie der Wissenschaften in der Münchner Residenz: "Die Auszeichnung von Ulinka Rublack zeigt, wenn man den Historikerpreis auch als Seismographen für Veränderungen im Fach verstehen möchte, welche enormen Erweiterungen die Geschichtswissenschaft in den vergangenen Jahrzehnten erfahren hat. In ihr Werk sind Methoden und Theorien aus vielen innovativen Bereichen unserer Disziplin – ich nenne die Wissenschafts- die Geschlechter-, die Mikro- und die Kulturgeschichte sowie den Material Turn – eingeflossen und haben es erst möglich gemacht, dieses ebenso spannende wie erkenntnisreiche Buch zu schreiben".

Der Bayerische Staatsminister für Wissenschaft und Kunst, Bernd Sibler, unterstrich: "Das Historische Kolleg trägt mit seinen vielfältigen Veranstaltungen und insbesondere auch Auszeichnungen und Stipendien wesentlich dazu bei, unser Geschichtsbewusstsein zu erweitern. Für mich als Historiker ist das von hoher gesellschaftlicher Relevanz. Schließlich ist unsere Geschichte mehr als nur etwas, das war. Sie gibt Orientierung, kann mahnen und uns helfen, unser Heute zu verstehen. Mit der Verleihung des deutschen Historikerpreises setzt das Historische Kolleg ein deutliches Zeichen für die Bedeutung historischer Forschung und Literatur. Der diesjährigen Preisträgerin Prof. Dr. Ulinka Rublack gratuliere ich herzlich!"

In ihrer Laudatio auf die Preisträgerin Ulinka Rublack sagte Birgit Emich, Mitglied des Kuratoriums und Professorin für Frühe Neuzeit an der Goethe-Universität Frankfurt am Main: "Geehrt wird mit Ulinka Rublack eine Forscherpersönlichkeit, deren Werk durch ein ungewöhnliches Gespür für Quellen, methodischen Scharfsinn und darstellerische Eleganz geprägt ist. All dies kulminiert in ihrem Buch über Keplers Mutter: Gestützt auf die Prozessakten des Falles, in dem Johannes Kepler seine Mutter verteidigte, rekonstruiert sie das Schicksal einer ganzen Familie unter dem Druck der Hexereianklage. Dabei entsteht ein Panorama frühneuzeitlicher Lebenswelten, das von der schwäbischen Kleinstadt bis zum Hof des Kaisers reicht, Gender-, Kriminalitäts- und Hexenforschung mit Fragen der Alltags- wie der Wissenschaftsgeschichte verbindet und aus alledem ein derart anschauliches Bild webt, dass ihr historisches Familiendrama mittlerweile den Weg auf die Opernbühne gefunden hat."

Ihren Festvortrag widmete Ulinka Rublack dem Thema "Musik aus den Sternen: Zum 400-jährigen Jubiläum von Keplers Weltharmonik". Unter anderem fragte sie danach, welche Bedeutung Johannes Kepler (1571–1630) für unsere heutige Zeit habe. Bei ihm hätten sich tiefe Religiosität und wissenschaftliche Rationalität keineswegs ausgeschlossen. Im Gegenteil: Auf der Basis seines Harmoniebegriffs habe er die Regelhaftigkeit der Umlaufbahnen der Planeten "als Feier des göttlichen Schaffens in all seiner Schönheit und Kreativität" beschrieben. Die Beschäftigung mit diesen Phänomenen sei für Kepler zentrale Aufgabe einer systematisch wie ergebnisoffen forschenden Wissenschaft gewesen. Sein reiches Oeuvre, so Rublacks Fazit, fordere auch nach 500 Jahren dazu heraus, sich damit auseinanderzusetzen.

Mit dem Preis des Historischen Kollegs wurden seit 1983 der Althistoriker Alfred Heuß, die Mediävisten Arno Borst und Johannes Fried, der Sozialhistoriker Michael Mitterauer, die Neuzeithistoriker Reinhart Koselleck, Thomas Nipperdey und Wolfgang Reinhard sowie der Ägyptologe und Kulturhistoriker Jan Assmann ausgezeichnet. Zuletzt erhielten den Historikerpreis Gerhard A. Ritter (2007), Christopher Clark (2010), Barbara Stollberg-Rilinger (2013) und Karl Schlögel (2016).

Bilder der Preisverleihung

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