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Georgios Chatzoudis | 19.12.2017 | 1049 Aufrufe | Interviews

"Essen ist notwendig, um uns Welt anzueignen"

Interview mit Anne-Rose Meyer über Theorien, Geschichte und Kultur des Essens


Es weihnachtet schon sehr und das bedeutet nicht zuletzt, dass auch das große Essen wieder bevorsteht. Die Frage, was es denn an Weihnachten zu essen gibt, gehört zu den meistgestellten. Überhaupt spielt Essen in unserer Kultur eine inzwischen omnipräsente Rolle. Koch-Shows auf allen TV-Sendern, Kochbücher von immer mehr Fernsehköchen, neue Essgewohnheiten und Esstabus sowie eine Flut von Essensfotos in den Sozialen Netzwerken zeigen: Essen ist Kult, Essen hat Popstatus. Wie ist es zu erklären, dass ein Grundbedürfnis menschlicher Existenz zu einem derart populären Phänomen werden konnte? Auf welche kulturellen Einflüsse ist dieser Wandel zurückzuführen? Die Literatur- und Kulturwissenschaftlerin PD Dr. Anne-Rose Meyer von der Universität Wuppertal hat gemeinsam mit Prof Dr. Kikuko Kashiwagi-Wetzel ein Buch herausgegeben, in der sie Theorien des Essens seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts gesammelt und zusammengestellt haben. Wir haben PD Dr. Anne-Rose Meyer dazu unsere Fragen gestellt.

"Das Nachdenken über Essen hat eine lange Tradition"

L.I.S.A.: Frau Professor Meyer, Sie haben gemeinsam mit Prof. Dr. Kikuko Kashiwagi-Wetzel einen Band zur Theorie des Essens herausgegeben. Bevor wir auf einige Punkte im Einzelnen eingehen, was hat Sie zu diesem Band bewogen? Welche Vorüberlegungen gingen dem voraus?

PD Dr. Meyer: Essen ist unterhaltsam, spannend, geht uns alle an – schließlich tun es viele von uns täglich. Frühstück, Zwischenmahlzeiten, Mittag- und Abendessen strukturieren den Tag. Essen ist in unterschiedlichen Zusammenhängen von großer Wichtigkeit – etwa bei religiösen Kulten wie dem Abendmahl, im Ramadan oder beim Pessach-Fest. Oder mit Blick auf die eigene Gesundheit. Oder bei Fragen nach Werten: Was soll ich essen? Darf ich beispielsweise Tiere schlachten und verzehren? In unseren Breiten hat Essen immer auch etwas mit dem guten Leben zu tun. An Festen etwa gibt es Kuchen, wir trinken Sekt. Üppige Buffets oder ein Esstisch mit Schüsseln und Platten voller Leckereien gehören zum Feiern dazu, genauer: gutes Essen in großen oder wenigstens ausreichenden Mengen ist ein Merkmal von ‚Festlichkeit‘. Essen ist aber auch dann von nicht zu unterschätzender Wichtigkeit, wenn es nicht genug davon gibt. Im Krieg beispielsweise, in vielen Hungerregionen auf der Welt. Hier hat Essen ganz klar auch eine politische Dimension.

Obwohl es untrennbar mit unserem Dasein verbunden und für die Selbstbestimmung und Lebensqualität vieler Menschen wichtig ist, denken wir über Essen selten systematisch nach. Die Beschäftigung mit Essen stand in den Geisteswissenschaften lange in dem Verdacht, banal zu sein. Tatsächlich aber hat das Nachdenken über Essen eine lange Tradition, bereits in der Antike war die Diätetik, von griechisch diaitetike, eine zentrale Disziplin der Heilkunst. Die Lehre von der vernunftgemäßen Lebensweise umfasste Überlegungen zu gesunder Ernährung ebenso wie zu Ideen des Maßhaltens, der Selbstsorge und dazu, wie ein Mensch Geselligkeit pflegen sollte, um in Harmonie mit sich und seiner Umwelt zu leben. Es handelte sich also um ein umfassendes, man könnte sagen: ganzheitliches Konzept, das auch in der Philosophie Thema war, etwa bei Platon.

Bedeutende Denker setzen sich seit mehr als zweitausend Jahren intensiv mit Essen auseinander, sowohl in der Philosophie als auch in der Theologie, der Soziologie, Psychologie, Ethnologie, Medizin und in diversen anderen Disziplinen. Gleichwohl handelt es sich um eine in der öffentlichen Wahrnehmung eher verborgene Spur. Allein im 20. Jahrhundert beschäftigten sich so wichtige Theoretiker wie Georg Simmel und Sigmund Freud mit Essen, Elias Canetti, Julia Kristeva, Roland Barthes, Norbert Elias, Pierre Bourdieu, Claude Lévi-Strauss, Mary Douglas, Jacques Derrida, um nur einige zu nennen. Wenigstens für das 20. und das beginnende 21. Jahrhundert wollten wir mit einer exemplarischen Textsammlung zeigen, wie präsent und wesentlich Essen für uns alle ist und was in den Geistes- und Sozialwissenschaften in den vergangenen Jahrzehnten und in jüngerer Zeit dazu gesagt wurde.

"Gemeinschaftsleben und Ernährungssicherung sind eng miteinander verbunden"

L.I.S.A.: Sie stellen fest, dass Essen im Sinne von Nahrungsaufnahme nicht nur eine Grundbedingung menschlicher Existenz ist, sondern vor allem kulturell konnotiert ist. Sie ordnen Essen dabei in den Prozess der Zivilisation ein. Was macht Essen in erster Linie zu einem kulturellen Phänomen, in dem Zivilisation mitbegründet wird?

PD Dr. Meyer: Im Normalfall, wenn wir gesund zur Welt kommen, ist Essen fundamental für unseren Zugang zur Welt: Was schmeckt uns? Was ekelt uns an? Woher bekomme ich mein Essen? Mit wem muss ich unter Umständen kooperieren, um es zu erhalten? Dies sind Fragen, die unmittelbar mit dem Überleben des Menschen verbunden sind, mit der Entwicklung der menschlichen Art und mit der Konstitution menschlicher Gemeinschaft. Die Entdeckung des Feuers, die Möglichkeit, Nahrung, insbesondere Fleisch, zu garen, und in der Gruppe zu jagen sehen Vertreter der historischen Anthropologie als eine wichtige Voraussetzung für die Entstehung des homo sapiens an. Und nicht zufällig leitet sich unser Begriff „Kultur“ von lateinisch „cultura“ ab, was auch Ackerbau bedeutet. Essen ist etwas, das meist in der Gruppe oder von Gruppen erzeugt und vorgehalten wird. Man kann also zu dem Schluss kommen, dass Gemeinschaftsleben und Ernährungssicherung auf das Engste miteinander verbunden sind.

Zudem ist die Art und Weise, wie wir essen, kulturell beeinflusst. Beim Anblick einer schön gedeckten Tafel ist dies ganz offensichtlich, aber auch wenn wir einen Apfel aus der Hand essen, tun wir dies beeinflusst von Regeln, Wertvorstellungen und Techniken: Wir waschen den Apfel vielleicht, bevor wir hineinbeißen, damit er „sauber“ ist; wir schneiden ihn klein und entfernen das Gehäuse, weil wir vielleicht den Mund nicht unschicklich weit aufreißen wollen, um einen Happen abzubeißen. Oder vermeiden wollen, einen darin lebenden Wurm zu verspeisen. Wir entscheiden uns vor dem Verzehr vielleicht für eine bestimmte Apfelsorte. Und auch wenn wir einen Apfel irgendwo in der Natur finden, nähern wir uns ihm nicht unvoreingenommen, sondern mit dem kulturellen Wissen darum, dass es sich um eine ungiftige Frucht handelt, die wir unverarbeitet genießen, aber auch tagelang als Mundvorrat aufbewahren, trocknen, für einen Kuchen verwenden können und so weiter. Von den weltanschaulichen Dimensionen des Apfels als Unheil bringende Paradiesfrucht mal ganz abgesehen. Der Verzehr eines selbst gepflückten Apfels ist in der Bibel mitnichten als spontaner, folgenloser Akt gestaltet, sondern eingebettet in eine religiöse Hermeneutik, verbunden mit nichts weniger als Ideen zur Entstehung und Verbreitung der Menschheit auf Erden.

Auch ist unser Verständnis von Zivilisation eng mit Essen verknüpft: Zu sehen, wie jemand mit offenem Mund kaut, empfinden viele Menschen als extrem eklig und unzivilisiert. Gleiches gilt für essen mit schmutzigen Fingern, auf schmutzigem Geschirr et cetera. An der Art, wie wir essen, machen wir „gutes“ Benehmen und „gute“ Erziehung fest und erlauben uns Aussagen darüber, welcher Schicht jemand angehört. Aber auch das, was wir essen, ist mit Blick auf die Kategorie „zivilisiert“ aussagekräftig: Mit einem offenen Bekenntnis zum genussvollen Verzehr von Hundefleisch würde man sich bei der überwiegenden Mehrheit der Mitteleuropäer wohl ins gesellschaftliche Aus katapultieren, obwohl ernährungsphysiologisch nichts dagegen spricht. Ähnlich heikel ist – abhängig jeweils von dem Teil der Welt, auf den man schaut – der Verzehr von Rind- oder Schweinefleisch oder überhaupt von Fleisch. Das, was jemand isst, und wie jemand isst, entscheidet darüber, welcher Gruppe er angehören kann, ob er oder sie bestimmte Werte teilt und damit den jeweils geltenden zivilisatorischen Anforderungen entspricht. Wer ist „Wir“ und wer sind „die anderen“? Derlei Unterscheidungen werden nicht zuletzt am Essen festgemacht.

"Selbstgewählte Nahrungstabus ersetzen zunehmend religiöse Bekenntnisse"

L.I.S.A.: Sie behaupten, dass Essen nicht zuletzt ein liminales Phänomen sei, bei dem sich der Mensch ein Äußeres in sein Inneres zuführt. Was bedeutet das? Welche Analogien bieten sich dabei an?

PD Dr. Meyer: Beim Essen nehme ich etwas von außen in meinen Körper auf, der es dann Stoffwechselprozessen unterzieht. Vergleichbares passiert beim Atmen und beim Geschlechtsverkehr. Beim Essen öffnet sich unser Körper der Welt, nimmt Teile davon aus und verwandelt diese - in Energie und neue Zellen beispielsweise. Essen ist aber nicht nur notwendig, um das physische Überleben zu sichern, sondern auch, um uns Welt anzueignen. In einer frühen Phase unseres Menschseins erkunden wir unsere Umwelt mit dem Mund, der nervlich sehr sensibel ist. Was fühlt die Zunge? Was schmeckt sie? Kleine Kinder stecken sich alle möglichen Dinge in den Mund, um sie vorurteilslos zu erkunden – Sand, Bauklötze, die eigenen Finger. Es ist eine nervenaufreibende Aufgabe für Erwachsene, Kindern beizubringen, was sie essen dürfen und was nicht, zu erklären, wo Gefahren lauern, was unverdaulich ist, was problemlos konsumierbar. Bereits durch derlei Verbote wird unser Zugang zur Welt reguliert. Wir lernen nach und nach, was zur Selbsterhaltung und zum Selbstschutz notwendig ist.

Heutzutage erleben wir, dass für mehr Erwachsene als früher Essen mit Ideen der Selbstkonstitution und Selbstsorge verbunden ist und mit Vorstellungen von Individualität und Norm. Was in meinen Körper hineinkommt, ist keineswegs unwichtig, wie Diät-, Fasten- und Fitnessbewegungen zeigen: Selbstgewählte Nahrungstabus ersetzen in der heutigen Zeit zunehmend religiöse Bekenntnisse und sind bisweilen stark politisch aufgeladen. Theorien des Vegetarismus und besonders des Veganismus sind häufig systemkritisch. Deren Anhänger stellen nutritive Schuldzusammenhänge her, sie kritisieren etwa ungleiche Nutzungsmöglichkeiten von Ressourcen und den Umgang mit Tieren. Der eigene Körper wird dadurch zu einem politischen Feld, auf dem ethisch-moralische Fragen verhandelt werden, was auch in die Öffentlichkeit hineinwirkt und diese verändert. Etwa dadurch, dass sich Veganer, Vegetarier und andere Anhänger einer umweltsensibel hergestellten und als gesundheitlich zuträglich geltenden Nahrung in den Sozialen Medien zu ihrem Essverhalten und Körperverständnis äußern. Das bekannte alte Schlagwort von Ludwig Feuerbach – „Der Mensch ist, was er isst.“ – hat heute wieder an Popularität gewonnen. Außen und Innen sind beim Essen in besonders enger Weise miteinander verbunden.

"Die Entscheidung, mich vegan zu ernähren, ist ein Luxus"

L.I.S.A.: Der Diskurs über das Essen hat sich in den letzten drei Jahrzehnten intensiviert, so Ihre Beobachtung in Ihrem Band. Was sind die Motoren dieser Intensivierung in wissenschaftlicher Hinsicht?

PD Dr. Meyer: In den Wissenschaften ist die Auseinandersetzung mit Essen seit der Antike kontinuierlich. Wie wir in unserem Band zeigen, haben sich immer wieder bedeutende Denkerinnen und Theoretiker mit Essen auseinandergesetzt und erkannt, dass dieses Feld für diverse Wissenschaften von zentraler Bedeutung ist. Selbstredend besteht in der Ökotrophologie, Medizin, Biologie, Biochemie, Lebensmittelchemie, in den Agrar- und den Ernährungswissenschaften ein genuines Forschungsinteresse an Lebensmitteln, Ernährung, Nahrungsaufnahme, Stoffwechselprozessen bei Mensch und Tier und verwandten Bereichen. Aber auch in der Ethnologie, Anthropologie sowie in Teilen der Kunstgeschichte wie in der Bildwissenschaften, Linguistik, Politik, Rechtswissenschaft, Psychologie, Literatur- und Kulturwissenschaft und in Teilen philosophischer und soziologischer Forschungen gilt Essen als grundlegend für die Beschäftigung mit dem Menschen. Es ist aber zu beobachten, dass Essen auch verstärkt in den Fokus einer breiten, öffentlichen Wahrnehmung und Diskussion gerät. Wir sind in Mitteleuropa in der absolut glücklichen Lage, über das, was wir essen, nachdenken und uns etwas aussuchen zu können. Anders als Menschen, die Hunger leiden oder froh sein müssen, überhaupt satt zu werden. Man könnte also sagen, die Entscheidung, mich vegan zu ernähren oder auf dieses oder jenes Produkt zu verzichten, oder überhaupt darüber nachzudenken, mit welchen Lebensmitteln ich mich wie ernähren möchte, ist ein Luxus, der den meisten Menschen auf diesem Planeten nicht vergönnt ist. Bilder vom eigenen, hübsch angerichteten Teller kann nur der machen und posten, der überhaupt Essen zum Fotografieren hat. Essen gehört in westlichen Industrienationen für die meisten Menschen erfreulicherweise nicht mehr zu den Dingen, über die sie sich Sorgen machen müssen und die allein der Überlebenssicherung dienen. Dafür übernimmt Essen andere Funktionen: Es dient der Selbstdarstellung, es ist ein Mittel, um die eigene Identität auszudrücken, Gruppenzugehörigkeit zu demonstrieren, Zivilisiertheit und vieles andere mehr. Aus dieser gesellschaftlichen Situation heraus wird Essen auch für die Geisteswissenschaften seit einigen Jahren in neuer Weise interessant und wichtig.

"Im Westen hat das Wissen um Essen und dessen Zubereitung abgenommen"

L.I.S.A.: In unserer gegenwärtigen Popkultur ist Essen nahezu omnipräsent. Im Fernsehen wird bei jedem Sender gekocht, die Sozialen Netzwerke werden mit Bilden vom eigenen Essen geflutet, in Werbungen werden Nahrungsmittel wahlweise als Gesundheitsartikel oder Luxusprodukte gepriesen. Wie erklären Sie sich diese extreme Popularisierung von Essen? Welcher der von ihnen herausgegebenen Texte weiß darauf eine Antwort?

PD Dr. Meyer: Ja, wir leben tatsächlich in einer Zeit, in der Kochsendungen im Fernsehen allgegenwärtig sind und Essen verstärkt auch in den Sozialen Medien und an anderen Orten unübersehbar ist. Gleichzeitig können wir aber auch beobachten, dass immer mehr Wissen über Nahrung und deren Zubereitung verloren geht. Wer kann heutzutage noch Wildkräuter identifizieren und schmackhaft zubereiten? Fleisch einkochen? Sauerkraut ansetzen? Pilze zweifelsfrei bestimmen? Die Liste ließe sich fortsetzen. Punktuell erleben wir modische Trends, etwa die Craft Beer-Bewegung, deren Anhänger Bier in kleinen Mengen selbst brauen. Bei der breiten Masse der Bevölkerung in den westlichen Industrienationen aber hat das Wissen um Essen und dessen Zubereitung abgenommen. Dazu haben Fertigprodukte beigetragen, „convenience food“, überhaupt das vielfältige Warenangebot in Supermärkten und die zunehmenden Möglichkeiten, sich in Döner-Buden, Hamburger-Bratereien, Back-Shops, also in der Systemgastronomie, oder auch in Restaurantketten mit fertig zubereiteten Snacks und Mahlzeiten zu versorgen. In dem Maße, in dem wir uns nicht mehr zwangsweise von früh bis spät mit Essen auseinandersetzen müssen, da wir viele Speisen bequem und nicht allzu teuer fertig oder halbfertig zubereitet kaufen können, ergeben sich Freiräume, einkaufen, kochen und essen als Freizeitbeschäftigungen zu entdecken. Wohlgemerkt – ab und zu. Wir wollen einerseits mit kochen und essen nicht zu viel Zeit „verlieren“, wir wollen uns und unserer Familie und Freunden andererseits aber auch selbst etwas Schönes, Gesundes zubereiten. Nur nicht immer. In einer Zeit weiter zunehmender Arbeitsteilung, Industrialisierung und Digitalisierung, auch weiter zunehmender Erwerbstätigkeit haben nicht mehr viele Menschen Zeit, wirklich jeden Arbeitsschritt selbst zu erledigen – die Kartoffeln für Klöße oder Kartoffelpuffer zu reiben, die Erbsen zu pulen, das Schwein selbst zu schlachten, um dann nach Dutzenden von Arbeitsschritten das Wurstbrät eigenhändig in den dafür vorgesehenen, selbst besorgten und gereinigten Darm zu stopfen. Kochen ja – aber effizient. Und auch nicht alles, sondern nur ausgewählte einzelne Bestandteile, die gerade gut zu unseren jeweiligen Bedürfnissen, Werten, Launen passen. Dass Essen etwas ist, das heutzutage für uns weniger etwas mit Überleben zu tun hat als damit, bestimmte Vorstellungen von Gesundheit, Gemeinschaft, Ethik, Lust, Wohlstand zu vermitteln, weiß man in der Theorie schon lange.

Aufschlussreich sind diesbezüglich Texte etwa von Pierre Bourdieu, Roland Barthes, Konrad Köstlin, Utz Jeggle, auch von Cora Diamond, die wir in unserem Band präsentieren. Sie zeigen, wie sehr wir Essen als Ausdrucksmedium benötigen, um uns selbst unserer Individualität, auch unserer Gruppenidentität und überhaupt unserer Zugehörigkeit zur Gattung Mensch zu versichern.

PD Dr. Anne-Rose Meyer hat die Fragen der L.I.S.A.Redaktion schriftlich beantwortet.

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