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Dipl. Rest. Christina Verbeek | 14.02.2019 | 436 Aufrufe | Artikel

Symposium: Conservation and Management of the Tomb of Tutankhamen

Tagungsbericht | 31.01.2019 Mummification Museum, Luxor, Egypt

Zum Anlass der Wiedereröffnung der Grabkammer des Tutanchamun nach abgeschlossen Konservierungsmaßnahmen fand vor geladenen Gästen ein Symposium in Luxor statt. Den reich mit Vorträgen und einem Besuch der Grabkammer gefüllten Tag  eröffnet der Direktor des Getty Conservation Institutes Timothy Whalen mit der Geschichte der Konservierung der Grabkammer des Tutachamun unter der Leitung seines Institutes. In der aktuellen Maßnahme wird neben der Erforschung und dem Erhalt der Grabanlage KV 62 (KV Kings Valley) ein Schwerpunkt auf die Entwicklung von Methoden gelegt, die auf andere vergleichbare Projekte übertragbar sein sollen.

Der  folgende Vortrag des Gastredners Dr. Zahi Hawass, ehemaliger Leiter der Antikenverwaltung in Ägypten, geht direkt auf die auffälligen schwarzen Flecken auf den Wandmalereien ein. Er formuliert die kontroverse Diskussion, ob es sich dabei um eine Schädigung oder um eine harmlose Veränderung handelt.

Weiter sprich Dr. Hawass über die Bedeutung von Site Management, dem Blick über eine reine Konservierungstätigkeit hinaus. Schließlich dankt Hawass dem Getty Institut für seine Arbeit auch in der reich dekorierten Grabkammer der Königin Nefertari. Nicht nur die positiven Ergebnisse der Arbeit heb er hervor, auch der Bestrebung, erstmals ägyptische Restauratoren mit einzubeziehen und auszubilden, spricht er besondere Bedeutung zu.

Anschließend dankt Dr. Mohamed Yahia, Direktor der Antikenverwaltung in Oberägypten, erst in Arabisch schließlich in Englisch dem Getty Institut und allen Beteiligten für die hervorragende Arbeit. "Das Monument kann ohne Konservierung nicht überleben".

In der folgenden Rede berichtet Neville Agnew, Projekt Direktor des Getty Institutes, dass die Grabkammer des Tutanchamun von 1922 bis heute zu den meist besuchten Grabanlagen Ägyptens aber auch zu den Kleinsten gehört. Mehr als 3000 Jahre war sie verschlossen und plötzlich einer großen Belastung ausgesetzt - insbesondere Feuchtigkeit, aber auch mechanischer Beschädigung und Verschmutzung. Zu Beginn schien es, als können die in der Grabkammer der Nefertari gesammelten Erfahrung auf KV62 übertragen werden, doch die Situation war eine gänzlich andere. So mussten erst intensive Untersuchungen durchgeführt werden, um die richtigen Methoden für einen Erhalt zu entwickeln. Neville Agnew betont den Ansatz, nur konservieren, nicht restaurieren, d.h. generell keine Fremdmaterialien einzubringen, die Probleme in der Zukunft bereiten könnten. Wichtig sei zudem, dass ein Projekt auch nach Abschluss handhabbar für die zukünftigen Verantwortlichen sein muss. Ein Projekt der Konservierung endet nie, so Agnew. Die Ergebnisse müssen publiziert, ägyptische Kollegen ausgebildet werden.

In einem 10 minütigen Film werden anschließend die Verantwortlichen und deren Tätigkeit in der Grabkammer dargestellt.

Zahi Hawass richtet sein Wort an den Projekt Direktor des Getty Institutes mit der interessanten Frage nach der Notwendigkeit, die Grabkammer für den Besucherverkehr zu schließen und lediglich eine Replik zugänglich zu machen. Herr Whalen sieht die Notwendigkeit nicht. Zudem kann seiner Meinung nach solch ein Weltkulturerbe nicht der Öffentlichkeit entzogen werden. Voraussetzung sei eine Limitierung der Besucherzahlen und eine kontinuierliche Klimakontrolle. Er betont aber auch die Komplexität des Themas: wie viele Besucher kann ein Monument aushalten? Veränderungen des Weltklimas mit stärkeren Regenfällen und Winden sowie heißen Sommern müssen aufgefangen werden.

Nach einer kurzen Kaffeepause mit Blick auf den Nil werden die geladenen Gäste auf Booten über den Nil auf die Thebanische Seite und schließlich mit Bussen zum Tal der Könige gebracht. In einem kleinen Zug geht es - gemeinsam mit den Touristen - hinauf zum Eingang. Seit dem Zusammenbruch des Tourismus in Zeiten der Revolution können jetzt wieder hohe Besucherzahlen in den Nekropolen verzeichnet werden. Bereits beim Eintreten in die Grabkammer kommen leise Zweifel an der Effektivität der Klimatisierung auf: es ist relativ stickig, viele Besucher drängen sich auf der kleinen Plattform mit Blick in die Grabkammer und auf den sensationellen goldenen Sarkophag des Tutanchamun. Vor Ort konnte mir die für die neuen Einbauten und die Beleuchtung zuständige Architektin das System erläutern - für mich von besonderem Interesse, da wir im Zuge der  Vorbereitungen zur Öffnung der Grabkammer des Neferhotep TT49 genau diese Themen aktuell diskutieren. Um allen einen Blick in das Grab zu ermöglichen und um den Zeitplan nicht zu sprengen geht es relativ zügig zurück zu den Bussen und Booten.

Nach einem exzellenten Mittagessen im Old Winter Palace wird die nun für alle Interessenten zugängige Nachmittagssession durch eine kurze Rede von Abdel Nasser Ahmed Abdel Azim, dem Direktor des Konservierungsdepartments von Oberägypten eröffnet.

Lorinda Wong, für die Wandmalereikonservierung verantwortliche Restauratorin spricht anschließend über technische Details der Maßnahme. 1323 v. Chr. wurde die Grabkammer geschaffen, 1922 entdeckt und geöffnet: Jahrtausende hat sie überstanden und seit ca. 100 erst steht sie unter Stress - ein Bruchteil der Zeit ihrer Existenz. Die Grabkammer ist unvollendet, lediglich ein Raum ist komplett mit Malereien verziert.

Vor den Konservierungsmaßnahmen wurden fast ausschließlich non-invasive Untersuchungen wie optische Untersuchungen unter UV- und Infrarotlicht, Röntgendiffraktometrie und Röntgenfluoreszenzanalyse durchgeführt. Weiter wurden die Oberflächen mikroskopiert.

Wenige Mikroproben wurden analysiert, um die altägyptischen Materialien und Techniken und eventuelle Veränderungen zu charakterisieren. Interessant war, dass die Nordwand sich in der angewendeten Maltechnik unterscheidet.

Stephen Rickerby, ebenfalls Wandmalereirestaurator, folgt mit einer Zustandsbeschreibung. Er differenziert Schadensbilder, die Teil der Geschichte der Grabkammer sind und solche, die eine Gefahr darstellen. Der offensichtliche mikrobielle Befall -die schwarzen Punkte auf den Malereien - scheinen zunächst schädigend. Vergleiche von Fotos aus der Zeit kurz nach der Entdeckung der Grabkammer mit heute zeigen hier jedoch keinerlei Veränderungen: der Befall ist nicht aktiv.

Abplatzungen und mechanische Beschädigungen hingegen sind vermehrt zu verzeichnen. Auch frühere Festigungen der 1940er Jahre haben zu weiteren Schäden geführt. Das Problem von auf der Malereioberfläche abgelagerten Stäuben und Verschmutzungen, die sich durch hohe Luftfeuchtigkeit mit der Oberfläche fest verbunden haben, stellt ebenfalls eine Herausforderung dar. Es zeigt sich, dass die Malereien zu fragil sind um diese zu entfernen.

Es folgt ein Vortrag des ägyptischen Restaurators Ramadan Mohammed Salem Bedair, der in früheren Jahren schon Mitarbeiter bei der Konservierung in der Grabkammer des Neferhotep TT49 - einem Förderprojekt der Gerda Henkel Stiftung - war und mir aus dieser Zeit gut bekannt ist. Er beschreibt die Reinigung der Malereien mit organischen Lösemitteln, kontrolliert über Japanpapier sowie die punktuelle Konsolidierung des Putzes.

Dann übergibt er das Wort an Hany Hussein, der das neue Klimatisierungssystem vorstellt, ohne Zweifel, ein Schwerpunkt des Projektes. Über Luftzirkulation mit zwischengeschalteten Filtern wird für einen regelmäßigen Luftaustausch ohne Eintrag von Verschmutzung gesorgt. Kontinuierlich wird das Klima gemessen: es zeigt sich, dass im Vergleich zu früheren Jahren nun kaum Schwankungen mit erhöhter relativer Luftfeuchtigkeit gemessen werden können. Zuvor erläuterte er das Phänomen der natürlichen Belüftung: Im Winter wird aufgrund des Temperaturunterschiedes die kühle Luft in die Grabkammer gedrückt. Im Sommer hingegen steigt die heiße Luft auf, es findet kein Austausch statt.

Die US-Amerikanische Architektin Sara Lardinois spricht über die hierfür neu geschaffene Infrastruktur, sowie über die neuen Ansätze zur Regelung des Besucherverkehrs und der Beleuchtung. Die Beleuchtung von Wandmalereien in einer kleinen Kammer, in der keine Befestigungsmöglichkeit an der Wand besteht, ist eine besondere Herausforderung. Mit einer Distanz von maximal 40cm (da mittig der Sarkophag platziert ist) mussten die LED-Leuchten auf den Boden installiert werden. Lamellen an den Leuchten sorgen für eine Streuung des Lichtes.

Frau Lardinois übergibt das Wort an den ägyptischen Architekten Dr. Hussein Shaboury, der das Thema auf Arabisch weiter führt. Dank eines Übersetzers können die generell aus dem Ausland stammenden Gäste seinen Ausführungen zur Lenkung der Besucherströme folgen. Es werden die Themen Schutz der dekorierten Bereichen vor Berührung durch Besucher, Absperrungen am Ende der Gänge, Gitter auf dem Boden vor dem Eingang zur Minimierung des Staub- und Sandeintrages, sowie Infotafeln außen, gestreift.

Den letzten Block eines reich an Informationen gefüllten Tages bildet eine Diskussionsrunde. Die Fragen des Auditoriums spiegeln primär die Besorgnis wieder, wie die Grabanlage des Tutachamun auch in Zukunft erhalten werden kann. In der Antwort sind sich die Beteiligten einig: ohne kontinuierliches Monitoring und Wartung der technischen Anlagen nur schwerlich.

Die abschließenden Worte von Neville Agnew richten sich insbesondere an die anwesenden Vertreter der Antikenverwaltung: mit Nachdruck weist er auf die Voraussetzung für den zukünftigen Erhalt der Grabkammer hin: Wartung, Ausbildung und Finanzierung. Nur hiermit sei eine Maßnahme nachhaltig.

Das Symposium hat wiederum verdeutlicht, wie wichtig eine sensible und wissenschaftlich fundierte Konservierung auch als Begleitung von Grabungsprojekten ist.

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