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Judith Wonke | 26.09.2018 | 574 Aufrufe | Artikel

Statements zu "Der Geschichtstalk" auf dem Historikertag (#gtshistag18)

Wozu noch Geschichte? | Positionen der Panelisten

Heute um 15 Uhr ist es soweit: Der Geschichtstalk ist auf dem Historikertag in Münster zu Gast. Diskutiert wird die Frage Wozu heute noch Geschichte? Bei der gestrigen Eröffnung des 52. Historikertags haben alle Festredner dafür plädiert, dass sich Historikerinnen und Historiker verstärkt in gesellschaftliche Debatten einschalten müssen - gerade jetzt. Im Vorfeld unseres Geschichtstalks haben wir auch dazu unsere heutigen Panelisten um Statements gebeten:

Prof. Dr. Maren Lorenz (Universität Bochum)

  • "Geschichtswissenschaft hat eine politische Verantwortung, aber eben nicht im Dienste bestimmter politischer, ökonomischer, theologischer Interessen, sondern im Dienste der Menschlichkeit."

  • "Geschichte wird politisch und ideologisch genutzt, genau gegen unreflektierten Einsatz (Manipulation) sollten die Leute aber imprägniert werden."

  • "Es gibt an vielen Schulen gar keinen durchgehenden Geschichtsunterricht mehr, sondern Gemeinschaftskunde etc. Außerdem lässt seit Jahren kontinuierlich definitiv die Lesekompetenz und damit die Sprachkompetenz nach – wenn wir an der Uni feststellen, dass rund 30 % der Studierenden weder Forschungsliteratur noch Quellentexte vom Vokabular her oder grammatisch korrekt erfassen können, was passiert dann erst unterhalb des Abiturs? Hinzu kommt mangelnde Medienkompetenz bei Lehrern."

Sven Felix Kellerhoff (Die Welt, Berlin)

  • "Parallelen zum Jahr 1930 sehe ich durchaus, und das macht mir große Sorgen!"

  • "Geschichte ist keine Ressource zur Dekonstruktion nationaler Mythen und auch nicht zur Sichtbarmachung von Kontingenzen."

  • "Historiker können zwar gegen rechtsextreme Deutungsmuster auftreten, aber am Grundproblem und damit an der Ursache der Existenz der AfD ändert das nichts."

Prof. Dr. Andreas Rödder (Universität Mainz)

  • "Geschichtswissenschaft muss auf dem Boden der freiheitlich demokratischen Grundordnung stehen, darf aber nicht die Bundeszentrale für politische Bildung ersetzen."

  • "Ich halte es für unseriös verkürzt, aus der Geschichte 'lernen' zu sollen, die AfD zu verhindern oder 'gegen rechts' zu sein."

  • "Grundsätzlich rate ich dringend, dass Historiker die politischen Auseinandersetzungen als engagierte Bürger führen und dabei historisches Wissen auch als Argument zu verwenden, aber nicht mit der Anmaßung des höheren Bewusstseins aufzutreten."

Prof. Dr. Marko Demantowsky (Pädagogische Hochschule FHNW)

  • "Wozu noch Geschichte? - diese Frage muss im Zeichen der digitalen Revolution ganz neu durchdacht werden. Kulturelle Praktiken und Produkte ändern sich tiefgreifend und mit ihnen wahrscheinlich auch unsere Art, uns von der Vergangenheit Rechenschaft zu geben."

  • "Die heutige Zeit ist nicht das Wiederaufleben von Weimar. Vergleichen kann man natürlich alles, dieser historische Vergleich aber suggeriert bereits eine Analogie, hat eine politische Komponente. Es ließen sich unendlich viele Dinge benennen, die unsere Situation beispielsweise von der von 1933 unterscheidet. Nicht zuletzt solche der Wirtschaft, des allgemeinen Wohlstandes, der Bildung usw. Historische Vergleiche verstellen häufig den Blick auf die Gegenwart, sie öffnen ihn nur selten."

  • "Dass es heute eine relevante rechtspopulistische Partei in Deutschland gibt, stellt leider eine politische Normalität des Westens dar."

Was meinen Sie? Welchen Nutzen hat Geschichte aus Ihrer Sicht heute? Kommen Sie heute um 15:00 Uhr ins Freiherr-von-Vincke-Haus am Domplatz 36 um mitzudiskutieren - mit Publikumsfragen oder über Twitter (#gtshistag18)!

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