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Dr. Oliver Ramonat | 09/21/2011 | 2227 Views | 1 | Articles

"Soldaten": Was protokollieren die "Protokolle vom Kämpfen, Töten und Sterben"?

Die Autoren des Buches “Soldaten. Protokolle vom Töten, Kämpfen, Sterben“ haben eine zu Recht viel beachtete Quelle gefunden und ausgewertet. Sie präsentieren in ihrem Buch die Essenz dieser Quelle, so wie sie diese verstehen. Ihre Hinweise auf „Übertreibung und Prahlerei“, Gedächtnislücken und Irrtümer der abgehörten Soldaten laufen, wie auch der Untertitel, auf einen Abgleich der „Protokolle“ mit dem realen Kriegsgeschehen hinaus. Bevor die Quelle aber diese Last schultern kann, müsste sie noch wesentlich fundamentaler eingeordnet werden. Was protokollieren diese „Protokolle“ eigentlich?

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Grenzen einer Quelle

Das Buch und seine Geschichte sind bereits mehrfach gewürdigt und besprochen worden, und auch hier in diesem Portal kann man sich von der durchschlagenden Wirkung (wenn ausgerechnet diese  kriegerische Metapher hier erlaubt ist) der Quelle und ihrer Präsentation überzeugen. Allein, die ersten Fragen beim Auffinden einer neuen oder sogar neuartigen Quelle sollten doch die nach ihrer spezifischen Aussagefähigkeit sein, nach ihren Grenzen und nach dem, was sie überhaupt auszusagen erlaubt. Das ist hier gleich Schritt für Schritt konkreter zu entfalten, denn – das soll vorweg gesagt werden – bei den Autoren findet sich kaum ein Wort dazu. Den „Authentizitätswert der Quellen“ wollen sie allenfalls dadurch in Frage gestellt sehen, „dass [die gefangenen Soldaten] in ihren Gesprächen gezielt Desinformation betrieben“, etwa weil es ihnen „bewusst gewesen ist, dass man sie abhörte“ (S. 428). Diese Frage verneinen die Autoren und haben dann tatsächlich keinerlei Zweifel am „Authentizitätswert der Quelle“, den sie am Aussagewert über den realen Zweiten Weltkrieg messen. In dieser Kategorie der Quellenkritik findet sich dann ganz folgerichtig in den Auswertungen einzig der Hinweis auf Übertreibung oder Ausschmückung und Prahlerei, hier und da auf Gedächtnislücken: alltagssprachliche Begriffe, die sich ausschließlich auf eine ‚Verfälschung der Wirklichkeit’, wie man es nennen müsste, beziehen und immer dann fallen, wenn eine tiefere, fundamentalere Kritik einsetzen müsste. Keine Frage: Man kann eine solche Quelle mit den bekannten Fakten abgleichen, aber zuvor sollte man sie einer grundlegenderen Prüfung unterziehen.

Denn wie entstehen diese Geschichten in den Köpfen der Soldaten? Eine typische Passage aus dem Buch lautet etwa: „Dass seine [eines der abgehörten Soldaten] Darstellung sich mit den historischen Vorgängen nur teilweise in Einklang bringen lässt und er die Geschichte ausschmückt […] ist in diesem Zusammenhang freilich nicht relevant. Entscheidend ist, dass Solms [so der Namen des Abgehörten] offenbar davon ausgeht, mit der Geschichte […] Eindruck machen zu können.“ (S. 110f.) Hier findet also, wie an vielen anderen Stellen, der Abgleich mit den ‚bekannten Fakten’ statt – aber was ist dann überhaupt noch dran an der Geschichte? Lässt sich das Verhältnis von Erleben, aktiver Erinnerung und Deutung sowie rein rhetorisch-erzählerischen Momenten (um nur diese Aspekte zu nennen) näher bestimmen? Hat der Erzählende das, was er wiedergibt, z. B. irgendwo aufgeschnappt, überlagern sich mehrere Handlungen und mehrere Berichte in der Erinnerung, und was deutet in dieser zu vermutenden Gemengelage noch auf ein ‚reales Geschehen’? Welche Rolle spielt schließlich die Erwartungshaltung der Zuhörer?.Um diese Fragen kümmern sich die Autoren soweit im Text erkennbar nicht und der Text bleibt daher auch in anderer Hinsicht unentschieden. Die zitierte Passage, in der von der „Jagd“ auf einen Kindertransport berichtet wird, steht nämlich nicht in einem Kapitel über ‚Jagdmetaphern’ (die durchaus und mühelos im Text ablesbar sind), sondern es geht um „Jagd“ schlechthin, die reale „Arbeit“ der Flieger wird im Laufe weniger Sätze in der deutenden Paraphrase durch die Autoren zu einer echten Jagd. Den Piloten „ist“ es nach Meinung der Autoren gleichgültig, „ob es um militärische Ziele geht […] oder um zivile“. Die Autoren reden zwar einleitend durchaus vom „Kontext des Jagens“ und bringen einige metaphorologische Hinweise (S. 107), aber ihre Deutung ist dann wie gezeigt ganz und gar ‚realgeschichtlich’, aus dem metaphorischen Arsenal zum Thema Jagd wird (unversehens? – absichtlich?) eine reale Jagd. Diese Unausgeglichenheit und Unentschiedenheit des Textes ist am wahrscheinlichsten auf den nicht konsequent geklärten Status und den ebenso unausgesprochenen Stellenwert der Quelle zurückzuführen. Was soll denn nun gelten: Metaphern als Stilmittel in den abgehörten Erzählungen oder bestimmt sozusagen die Sprache die Wirklichkeit und ist diese wiederum an jener ablesbar – es fand also eine reale, echte Jagd statt? Das reale Geschehen ist im Text nach meiner Überzeugung aber nicht ohne weiteres ablesbar: der Schluss von der Rede über auf das reale Geschehen (das z. T. Monate früher ablief) ergibt sich und versteht sich nicht von selbst.– Die Geschichte von Solms soll also, zieht man nur hier und da ein Detail ab, Auskunft über Geschehen und Denken während des geschilderten Geschehens geben. Kurz gesagt: Die Autoren lesen ihre Quelle als Sachbericht über den Krieg und das Innenleben der Soldaten, worauf schon der Untertitel „Protokolle vom Kämpfen, Töten und Sterben“ hinweist. Und genau so wurde das Buch auch rezipiert, bis hin zur Bild-Zeitung: als aufgefundenes Protokoll des realen Geschehens, als „live“ belauschter, realer Maximilian Aue (die fiktionale Figur in Jonathan Littels „Wohlgesinnten“) sozusagen, der in seine realen Handlungen und tatsächlichen Gefühle Einblick gibt..Damit hier kein doppeltes Missverständnis entsteht: es ist eine vorzügliche, sehr lohnende Quelle – aber für das Reden über den Krieg, nicht für das reale Kriegs- oder reale mentale Geschehen in den Köpfen der Soldaten. Und ich möchte die Grausamkeit des Zweiten Weltkrieges nicht bestreiten, ich will auch kein einziges Verbrechen, das in der Quelle aufscheint, leugnen oder relativieren (das wäre absurd) – aber aus dieser Quelle ist es nicht mit Sicherheit ermittelbar. Zum Beispiel eine Verrohung der Menschen im Laufe von Kriegshandlungen (S. 83ff.) ist alleine daraus nicht ablesbar, wohl aber eine – wenn man denn an dem Begriff festhalten will – Verrohung des Redens über den Krieg und die eigene Beteiligung.

Bietet er ein Paradigma für die Analyse von Soldatenerzählungen?

Referenzrahmen ohne kritische Funktion

Aber die Idee ist ja auch bestechend: es sind Protokolle der Gespräche von Menschen – gefangenen Soldaten der Wehrmacht – die nicht wussten oder allenfalls ahnten, dass sie abgehört wurden (S. 428f.). Die Quelle entstand, so die Suggestion der Verfasser, „absichtslos“, in ihr „sprachen Männer in Echtzeit über den Krieg und was sie darüber dachten“ (S. 9). Eine Quelle, die an Authentizität nicht mehr überbietbar scheint. Die Autoren ordnen die Quelle aufwendig ein, wofür sie die theoretischen Option des Referenzrahmens aktivieren und teilweise selber fortentwickeln. Das sind fraglos für das Verständnis und die historische Einordnung sehr lehrreiche Passagen, die eine Fülle von wertvollen Beobachtungen enthalten und hervorragend (und vielleicht sogar zu gut) auf die thematisch geordneten Paraphrasen der Quelle vorbereiten, die dann den Hauptteil des Buches ausmachen. – Aber je länger man diese einleitenden „Theoriekapitel“ liest, desto mehr kann man die alles entscheidende Frage nach dem erkenntnistheoretischen oder auch nur hermeneutischen Stellenwert der Quelle vermissen. Kann man von diesen „Protokollen“ aus tatsächlich auf reales Geschehen schließen? Was wird hier „protokolliert“ – das (reale) „Kämpfen“ und „Töten“, wie die Autoren meinen, oder eher das Reden über dieses Kämpfen und Töten? – Es geht aber bei einer Quelle dieser Art erst in einem zweiten Schritt um Übertreibungen und Gedächtnisschwächen und Erinnerungslücken (solche Vokabeln gehen wie gesagt immer vom Abgleich mit einem realen Geschehen aus), sondern zunächst und vor allem um die Fragen, wie das Gedächtnis überhaupt funktioniert, wie unter bestimmten Umständen erzählt wird, um weit gespannte erzähltheoretische und psychologische Aspekte also, ferner darum, was das konkrete Umfeld erwartet und was man selber als Erzähler zuvor gehört hat. Und letztlich um die Frage, ob wir es nicht eher mit Protokollen vom Erzählen über den Krieg zu tun haben und nicht mit „Protokollen vom Kämpfen, Töten und Sterben“. Und in dieser Hinsicht wird auch das Interpretament der Referenzrahmen zu diskutieren sein. Die Autoren lesen die „Protokolle“ als Abbild eines realen Geschehens (zieht man eben nur die offensichtlichen Irrtümer als sogenannte Gedächtnislücken und hier und da eine Übertreibung oder Ausschmückung ab) und modellieren dem gemäß den Referenzrahmen. In ihn muss alles an Fakten und Themen, an realem Geschehen, an Metaphern und Wortfeldern hineinpassen, was auch in den „Protokollen“ (und anderen herangezogenen Dokumenten) vorkommt. Das hermeneutische Instrument „Referenzrahmen“ wurde nach dem geformt, was es eigentlich kritisch reflektieren und aufschlüsseln müsste.

Abwehr durch Zuspitzung?

Das führt zu den Aspekten, mit dessen Hilfe man das von den Autoren pauschal und hermeneutisch nicht eben differenziert eingesetzte „Prahlen und Übertreiben“ etwas aufhellen kann. – Ein Beispiel sei herausgegriffen. Das Reden über die Abschüsse, die Grausamkeiten und die Opfer im Einzelnen, sie folgen nämlich nicht nur dem Muster von Übertreibungen, das also gleichsam eines das andere ergibt, sondern sie haben auch eine katalytische Funktion als Erzählung: Das in der Gefangenschaft gedemütigte Ich kann die eigenen Größenfantasien in den Erzählungen noch einmal ausleben und die Allmachtsfantasien beschwörend aufrufen. Vgl. etwa S. 96/97, S. 100, S. 102ff. etc.: Berichte in bemerkenswerter Detailliertheit, von den Autoren wiederum realistisch gedeutet: das Gewaltgeschehen „wird“ sportlich aufgefasst, das Werfen von Bomben „macht“ Spaß, solche Flügen „waren offenbar“ eine Abwechslung usw. Beispiele dieser Art finden sich auf jeder Seite, das ist die durchgehende Deutungshaltung. Wir haben es aber mit Erzählungen zu tun und Rückschlüsse auf reales Geschehen und eine reale Geisteshaltung des Erzählers während der Tat können nur mit äußerster Zurückhaltung erfolgen. Die Quelle erfasst die Geisteshaltung der Akteure während der Erzählung und in einer Erzählung und als Erzählung. Gerade durch die erzählerisch übersteigerte Grausamkeit gelingt den Soldaten eine erste Durcharbeitung des eigenen Erlebens – und zwar in Form einer Fantasie oder doch einer weit getriebenen Verdichtung und Überspitzung, von der die meisten Erzähler allerdings in diesem Moment bereits auch als realem Geschehen überzeugt gewesen sein dürften. Wohlgemerkt: aus der Quelle kann ausschließlich auf eine erzählerische Übersteigerung des Kämpfens und Tötens etc. geschlossen werden, aus dem allein sich zunächst keine Rückschlüsse auf reales Geschehen ergeben (vgl. z. B. das Zitat auf S. 83; das bewusste Verleugnen des Mitleids, das Verdrängen im Moment des Erzählens: S. 85 oben; vgl. auch die ‚realistische’ Deutung durch die Autoren S. 88 oben).

Für die Funktion der Erzählungen für den Erzähler und seine Zuhörer ist der Abgleich mit realem Geschehen in diesen Details auch weitgehend irrelevant. Das gesamte Milieu, die Situation sind zudem am ehesten als „affirmativ“ zu beschreiben (Andeutungen dazu S. 94ff.), immerhin saß man gemeinsam in Gefangenschaft. Die Autoren machen sich Gedanken über die Offenherzigkeit so manchen „Berichts“, was nur erneut ihre „Protokoll“-Haltung bestätigt. Den Erzählern konnte es aber nicht darum zu tun sein, relevante „Fakten“ zu unterdrücken (oder sich eben an sie zu erinnern), um Fakten im Sinne eines Berichtes über reales Geschehen ging es von Ausnahmen abgesehen (wenn z. B. Wissen bewusst an die Alliierten verraten wird) überhaupt nicht. Wohl aber um die Verarbeitung eines Erlebens in einer Gruppe Gleichgesinnter, die zu wissen meinten und es oft genug bereits gehört hatten, wie man vom Krieg zu erzählen hat. Dabei wurden sicher auch Fakten vermittelt (und wie gesagt: es kann nicht entfernt darum gehen, nun die Grausamkeit des Krieges oder die Verbrechen in Frage zu stellen), aber diese sind nicht ohne weiteres zu ermitteln und zu heben. Das Toposhafte, in dem sich diese primäre Erzählkonvention – und eben kein „Protokoll“ – manifestiert, könnte man wahrscheinlich, so man den gesamten Text durchläuft, durch die Konstitution der Erzählungen nachweisen. Formeln wie „Frauen und Kinder“, „Frauen, Kinder, alles“, „Du ahnst es nicht“ etc. bestätigen und bestärken den affirmativen Prozess in der Gruppe.

„Protokolle“ über das Erzählen – nicht über das „Kämpfen, Töten und Sterben“

Das gesamte hermeneutische Vorgehen, manifestiert im Titel, und der Umgang mit dem Material als Ganzes fordern also weitere Fragen und Diskussionen heraus. Die gesamte Quelle ließe sich mit Sicherheit sehr gut nach ihrem objektiven Sinngehalt befragen – dem implizit und jenseits der Horizonte der Aussagenden dennoch Enthaltenen mithin. Bislang wurde sie lediglich nach dem – angeblich – unmittelbar in ihr Enthaltenen untersucht, nach dem, was sie aber gerade nicht so umstandslos preisgibt; und was wohl auch nur erfragt werden kann, wenn die Quelle in geeigneter Weise ihres objektiven Anscheins, ihres vorgeblichen „Protokoll“-Charakters entkleidet wird.

Gibt es Vorbilder für die Erzählungen der Soldaten? Was könnte konstitutiv für ihre Geschichten sein, nach welchen Faktoren müsste man fragen? – Diese Fragen wurden schon oft gestellt und auch beantwortet. Ein Beispiel, das im Hinblick auf die „Protokolle“ nachdenklich machen sollte:.„[…] Er bat R., doch zu erzählen, wann und wo er verwundet worden sei. R. war gleich dabei, fing an zu erzählen und wurde, je weiter er in seinem Bericht kam, immer lebhafter und lebhafter. Er erzählte ihnen sein […] Abenteuer ganz so, wie gewöhnlich Schlachtenteilnehmer ein Treffen zu schildern pflegen, das heißt so, wie sie gewünscht hätten, dass es gewesen wäre, so, wie sie es von anderen gehört haben, so wie es sich netter erzählen lässt, aber ganz und gar nicht so, wie es in Wirklichkeit gewesen ist. R. war ein ehrlicher junger Mensch, er hätte nicht um alles in der Welt bewusst eine Unwahrheit gesagt. Er fing seine Erzählung mit der Absicht an, alles so darzustellen, wie es in Wirklichkeit gewesen war, geriet aber allmählich unwillkürlich und unaufhaltsam ins Fabulieren. Wenn er diesen Zuhörern, die, ganz wie er selbst auch, schon eine solche Menge Schilderungen von Reiterattacken gehört und sich in ihrem Kopf eine ganz bestimmte Vorstellung davon zurecht gemacht hatten, was eben das wesentliche bei solch einer Attacke war, und eben auch genauso eine Schilderung erwarteten – wenn er diesen Zuhörern den ganzen Hergang der Wahrheit gemäß erzählt hätte, so hätten sie ihm entweder keinen Glauben geschenkt oder, was noch schlimmer gewesen wäre, gedacht, dass es R.s eigene Schuld sei, wenn er nicht das, was sonst immer bei einer Kavallerieattacke zu geschehen pflegt, erlebt hätte. Er konnte ihnen doch nicht einfach erzählen, dass sie alle im Trabe dahingeritten, er vom Pferde gefallen, sich dabei den Arm verrenkt und dann Hals über Kopf […] ausgerissen sei, in einen Wald hinein. […] Seine Gefährten erwarteten zu hören, wie er, sich selber vergessend, vom heiligen Feuer entflammt, wie ein Sturmwind auf den Feind losgesprengt sei, seine Reihen durchbrochen, nach rechts und links um sich geschlagen und seinen Säbel in Menschenblut getaucht habe und dann plötzlich erschöpft umgesunken sei und dergleichen mehr. Und so erzählte er ihnen denn auch sein Abenteuer in dieser Art. Mitten in dem Bericht, gerade als er sagte: ‚Du kannst Dir nicht vorstellen, was für ein sonderbares Gefühl der Raserei man bei solch einem Angriff empfindet’ […]“.Wie genau wird hier der Mechanismus aufgezeigt, der zu Erzählungen führt, die geglaubt werden können; die simple Wahrheit wäre bei den Zuhörern glatt durchgefallen. Sogar die typischen Phrasen („Du kannst Dir nicht vorstellen…“), die Publikumserwartung (und die damit verbundene ‚Selbstüberredung’ des Erzählenden), und die sogenannte Verrohung oder allgemeiner: die scheinbaren Einblicke ins Innenleben der Erzähler, die sich in der Erzählung Bahn brechen („Gefühl der Raserei“), sind scharf erfasst. Es sind alles in allem Erfindungen, die in diesem ‚Referenzrahmen’ aber einzig glaubwürdig sind! Dieses (nur minimal gekürzte) Zitat aus einem Roman des 19. Jahrhunderts (Tolstoi, Krieg und Frieden) und die in ihm indirekt wiedergegebene Erzählung eines Soldaten, die alles in allem so verblüffend zu den 100 Jahre jüngeren „Protokollen“ zu passen scheint, sollte, so denke ich, skeptisch machen; skeptischer jedenfalls, als es die Autoren, dem Sinn ihres Textes nach, zu sein scheinen. Die Konstitutionsbedingungen von Kriegserzählungen, wie sie hier im Zitat und in den wenigen Punkten, die ich hier exemplarisch nennen konnte, aufscheinen (von „Protokollen“ sollte nach meiner Überzeugung sowieso keine Rede sein), gehören jedenfalls zwingend zu der Diskussion um das Buch „Soldaten“ und zur Auswertung der aufgefundenen Quelle dazu. Diese Debatte wird den eigentlichen Wert der Abhörprotokolle und ihrer Verschriftungen zeigen können.

Comment

by Jakob Hort | 26.09.2011 | 13:01
Sehr lesens- und bedenkenswert!

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