Login

Registrieren
merken
Georgios Chatzoudis | 27.10.2017 | 2323 Aufrufe | 8 8 Kommentare | Vorträge

Schuld und Schulden: Hypotheken der deutschen Besatzungsherrschaft in Griechenland und Europa

Vortrag von Karl Heinz Roth im NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln

Die Reparationsfrage ist ein besonders umstrittenes Kapitel der europäischen Nachkriegsgeschichte. Während die großen Siegermächte in den ersten Nachkriegsjahren umfangreich entschädigt wurden, gingen die kleineren Länder Europas und zahlreiche Opfergruppen weitgehend leer aus. Zu ihnen gehörte auch Griechenland, das bis auf den heutigen Tag Entschädigungen für die Massakeropfer und die Ausplünderungen seiner Volkswirtschaft einfordert.

Dr. Karl Heinz Roth untersucht Kontexte, strategische Optionen und Taktiken des Vorgehens der deutschen Machtelite, die in der Ausklammerung der Reparationsfrage aus dem De Facto-Friedensvertrag von 1990 ("Zwei-plus-Vier-Vertrag") kulminierte. Die Reparationsfrage bildet die materielle Grundlage unserer gesamten Erinnerungskulur. Sie sollte deshalb, so Roth, im Rahmen eines Zusatzabkommens zum "Zwei-plus-Vier-Vertrag" abschließend geregelt werden. 

00:11 Begrüßung und Einführung Dr. Werner Jung
02:36 Vortrag Dr. Karl Heinz Roth

Videoreihe "NS-Dok Köln"
Google Maps

Diskussion mit dem Publikum

Im Anschluss an den Vortrag entwickelte sich eine interessante Diskussion mit Dr. Karl Heinz Roth, der auf die vielen Fragen aus dem Publikum eingeht. Moderiert wird die Diskussion von Dr. Werner Jung, Leiter des NS-Dokumentationszentrums der Stadt Köln.

00:56 Wie sieht die Rezeption Ihrer Studien in Griechenland aus?
02:23 Haben die anderen Besatzungsmächte - Italien und Bulgarien - an Griechenland Reparationen geleistet?
05:45 Wie können die Reparationsforderungen unterstützt werden?
11:41 Warum hat Italien Reparationen geleistet? Was waren die Gründe?
16:58 Ist die jüdische Gemeinde von Thessaloniki entschädigt worden und welche Bedeutung hatte der griechische Bürgerkrieg für die Reparationsauseinandersetzungen?
23:33 Wie agrarisch bzw. industriell war Griechendland tatsächlich am Vorabend des Zweiten Weltkriegs?
27:10 Wie kann mehr Bewegung in die Reparationsdebatte kommen? Sind kommunale Initiativen, beispielsweise im Rahmen von Städtepartnerschaften, denkbar?
33:51 Wer verbirgt sich hinter der Ministerialbürokratie des Bundesfinanzministeriums, die die Reparationsforderungen abwehrte?
40:13 Warum bremst die Ministerialbürokratie die Reparationsansprüche? Ist die Verquickung der Reparationsfrage mit der aktuellen Schuldenkrise Griechenlands hilfreich? Wie steht es um polnischen Entschädigungsforderungen?
48:47 Was meinen Sie mit der These von der "Schuldprojektion" der Deutschen gegenüber Griechenland?
51:15 Wie steht es um Entschädigungsforderungen gegen die Deutsche Bahn?
58:13 Hat Griechenland in den 1950er Jahr auf Reparationserlass verzichtet? Warum hat die Regierung Tsipras die Reparationsfrage nicht ins Parlament gebracht?
64:15 Sind aktuelle Reparationsforderungen in Polen realistisch und wie beurteilen Sie die Berichterstattung darüber in deutschen Medien?

Kommentar

von Simon | 04.12.2017 | 09:32 Uhr
Ausgezeichneter Vortrag.
Merci

Kommentar

von Paul Petersen | 17.12.2017 | 12:29 Uhr
Das Problem ist, dass sie aus dem Thema Präzedenzfall nicht herauskommen, wenn sie einmal nachgeben. Ein ganze New Yorker Anwaltsindustrie wartet schon darauf, Deutschland in den Ruin zu klagen.

Herr Roth ist zwar symphatisch, sieht aber nur die moralische Seite, nicht die Konsequenzen für sie heute Lebenden. Der Weg via Europa Griechenland indirekt zu entschädigen ist der einzige Gangbare. Formal hat Griechenland mit der "wohlwollenden Kentnissnahme" des 2+4 Vertrages konkludent auf Reparationen verzichtet! Spätenstens 1 Jahr später hätten sie bei der Unterzeichnung der KSZE Akte Ansprüche anmelden müssen. Dies ist nicht geschehen.

Am Ende ist es auch egal. Ich will keine Welt der Erbschuld!

Namibia (Herero) und Polen zeigen, dass Verträge ignoriert werden, wenn das Geld lockt. Leider ist es so. Ich erwarte von einer Regierung, dass sie im Wohle des deutschen Volkes solche Forderungen ablehnt, aber großzügig den HEUTE lebenden hilft!

Kommentar

von Herbert von Luck | 18.12.2017 | 07:43 Uhr
Guten Morgen,

Wie sehr sich die schon von der Realität abgekoppelt haben zeigt sich an der schon grotesken Forderung das heutige Deutschland solle 1,2 BILLIONEN zahlen.

Vollends abstrus wird es dann, wenn Roth sagt, dies wäre eine Frage von Krieg und Frieden. Nein, Herr Roth - eine solche Summe würde den Krieg bedeuten! Dazu wäre es ein wirtschaftlicher Selbstmord Europas. Man sägt den Ast nicht ab auf dem man sitzt.

Erschreckend ist die Unfähigkeit, zu erkennen, welche Folgen solch ein Reparationskurs hätte.

Was aber das Schlimmste ist: es ist nicht möglich, den 2. Weltkrieg "wiedergutzumachen", wer will schon eine Summe für Tote festlegen. daher kann jeder Vetrag (wie z.B. der von 1953 bezgl. Polen diskutiert werden), aber in der Realität gibt es eine Verantwortung für 80 Millionen Deutsche. Was Sie, Herr Roth, vorhaben, ist die gewaltigste Kollektivschuldstrafe, die die Welt je gesehen hat. Sie wollen nachfolgende Generationen, die auch finanziell so viel für Europa getan haben, in eine Schuldknechtschaft treiben. Nein, Herr Roth, man kann nur hoffen, dass die von ihnen so verachtete Ministerialbürokratie niemals Leuten wie Ihnen nachgibt.

Europa - das ist ein Versprechen, den 2. Weltkrieg solidarisch hinter uns zu lassen. Ich will auch nicht die ostgebiete zurück! Sie wollen zurück in den 2. Weltkrieg - warum?, das ist die große Frage!

Kommentar

von Hasso Stürtz | 20.12.2017 | 06:12 Uhr
Eine solche Konferenz, wie Roth sie fordert, wäre das Ende Europas, ein zweites Versailles. Was treibt ihn also? Warum ignoriert er, dass z.B. Griechenland allein von Deutschland über die EU-Hilfen 80 Milliarden erhalten hat? Warum ignorierte er, dass wir nicht im Jahr 1946 sind und die Tätergeneration bereits unter der Erde liegt?

Nun, es ist wohl der alte linksliberale Traum der totalen Gerechtigkeit, der regelmäßig in der Katastrophe endet. Die Geschichte der Welt geht immer weiter und es wird immer Kriege geben. Herr Roth, so ist der Mensch nun einmal! Es ist ein zutiefst deutsches Konzept neue Generationen in Sippenhaft für vergangene Generationen zu nehmen und ein sicheres Rezept, neue Kriege auszulösen.

Es isr richtig – die Vertragswerke der letzten Jahrzehnte sind schwierig, ja unbefriedigend, aber sie haben eine Situation geschaffen, auf dem ein blühendes Europa wachsen konnte. Wer die Axt an diese Befriedung legt, kann es nicht wohl meinen mit Europa.

Frei nach Brecht: „Wenn Sie mit dieser Menschheit nicht zufrieden ist, sollten sich eine andere suchen.“ Aber bitte hören Sie auf, ein zweites Versailles zu fordern, das die Saat des Krieges über ein doch insgesamt gelungenes Europa bringen würde.

Kommentar

von Agniezka | 21.12.2017 | 12:35 Uhr
I was in a youth seminar with German and other Europeans and it was just great! The youth of Europe should stop fighting the old battles and stop counting you did that and you did that. We Poles suffered from Stalin, but I do not want Russia young people to pay anything for their parents.

Lets celebrate youth, lets work together to build this house of solidarity and joy! OI love studying in Berlin and let us build something new.

It is always bad to live in the ruins of the past!

BTW: what you call Ostgebits is Poland today. We will not give that back to you :-) But you can also visit us there :-) ;-) Happy xMas all of you!

Kommentar

von Peter Dickmann | 21.12.2017 | 19:19 Uhr
No worries Agniezka, guys like this Dr. Roth are people we call "Ewiggestrige", people who live in their mind in the past. The are a dying species, dinosaurs.

No one in Germany want the old territories back besides some right wing people. Also no one wants to start a fight over old invoices anymore. You are right - let us build the new Europe - no more "Aufrechnung". Poland keeps the territories and that is it.

These people want reparations despite there are contracts for a long time, but I think they really want trouble. Trouble is always good for the opponents of a united Europe. Let us not give them any attention as this gives strength to the AFD in Germany.

Kommentar

von Anasis | 25.12.2017 | 13:58 Uhr
Interessante Diskussion - der Hauptpunkt wird aber verfehlt und der heißt Aneignung.

Was masst sich ein Nachfahre der Täter an jetzt auch noch den Rächer für die Opfer zu spielen? Unverschämt!

Woher weiß der Vorträger, was die Griechen wollen? Ich kenne einen Griechen der sagt: Wir wollen gar keine Reparationen, wir wollen aber das Druckmittel behalten. EU Beitritt, € Beitritt, Hilfspakete, ein Schelm, der denkt das wäre alles ohne sanfte Hinweise auf den 2. WK gekommen. Das ist viel wertvoller, als die (realistisch) 20 oder 30 Milliarden, die wir bekommen würden.

Aber Herr Roth weiß es ja besser als die "pennenden" Griechen. Was für eine Arroganz in der Tradition deutscher Täter!

Kommentar

von Ludger | 28.12.2017 | 13:24 Uhr
Es ist nicht angebracht, Herrn Roth die Redlichkeit abzusprechen.

Gleichwohl sitzt er einem fatalen Irrtum auf - 70 Jahre nach einem Krieg zurück zu dem Zustand von Reparationen? Das wäre in der Tat der sichere Weg Europa zu zerstören.

Nein, die Lösung hießt Europa und eine Vertiefung der EU. Hier fehlt ihm eindeutig der Blick fürs Ganze und er betreibt am Ende das Spiel der links- und rechtsradikalen Europahasser.

Schlussendlich halte ich es auch ein wenig unangemessen, wenn ein älterer Herr über Billionenfordeungen schwadroniert, die am Ende nicht er, sondern die junge Generation aufbringen müsste. Da hat schon einen bitteren Beigeschmack, dass er sich auf Kosten anderer profilieren will.

Kommentar erstellen

T9Y50I